Was ist ein ETF?

ETF

Was ist ein ETF?

Was ist ein ETF?

Wenn Privatanleger an die Börse gehen, macht sich oft Unsicherheit breit. Welche Aktien sollen ins Depot? Von den einschlägigen Medien wird man geradezu erschlagen mit Tipps und Kaufgelegenheiten, doch sind solche Ratschläge seriös? Und immer wieder liest man, wie wichtig es ist, das Risiko über viele verschiedene Titel und Finanzinstrumente aufzuteilen. Diversifikation heißt hier das Zauberwort. Aber auch hier gilt, dass viele Privatanleger entweder nicht die Zeit haben, oder nicht das Wissen, um ein ausgewogenes Aktienportfolio zusammenzustellen.

Die Anlageentscheidungen abgeben?

Aber wo eine Nachfrage besteht, da dauert es nicht lang, bis auch ein entsprechendes Angebot auf dem Markt erhältlich ist: Unschlüssige Anleger können ihre Anlageentscheidungen einfach einem Experten überlassen. Am einfachsten geht das, indem man nicht direkt in einzelne Aktien investiert, sondern Anteile an einem Aktienfond kauft. Ein Fond streut das Kapital einer großen Anzahl von Anlegern über verschiedene Einzelaktien und auch andere Finanzinstrumente. So können etwa auch Derivate und Immobilien im Fondsvermögen enthalten sein. Mit einem Fondsanteil kauft man also gleichzeitig eine große Anzahl von einzelnen Titeln, deren Auswahl vom sogenannten Fonds-Manager aktiv bestimmt wird. Der Fondsmanager entscheidet wann und welche Wertpapiere zugekauft oder abgestoßen werden und ist damit verantwortlich für die Performance des Fonds.

Aktienfonds decken meist eine bestimmte Strategie oder einen bestimmten Bereich ab, es gibt zum Beispiel Fonds, die sich auf Aktien von Unternehmen aus der gleichen Branche konzentrieren oder auch auf bestimmte Länder. Denkbar ist auch eine Auswahl dividendenstarker Titel oder jede andere Strategie, die ein Fondsmanager aktiv umsetzen kann.

Daraus werden aber sofort zwei Nachteile der gemanagten Aktienfonds ersichtlich. Zum einen muss die Leistung des Managers natürlich bezahlt werden, was sich in den Gebühren niederschlägt, die beim Erwerb von Anteilen anfallen. Neben dem sogenannten Ausgabeaufschlag werden oft jährliche Gebühren im Bereich von 1% bis 5% fällig, die sich natürlich auf die Gesamtperformance auswirken.

Der Affe mit dem Dartpfeil

Der zweite Nachteil ist noch gravierender. Durch die aktive Auswahl der Aktien, die in den Fond aufgenommen werden, bekommt das erzielte Ergebnis eine subjektive Komponente. Es spiegelt die Handschrift des Fondsmanagements wieder und es kann durchaus passieren, dass ein Fond am Jahresende schlechter abschneidet, als ein entsprechender Index, den man zum Vergleich heranzieht.

Für viel Wirbel hat in diesem Zusammenhang ein Experiment von Journalisten des Wall Street Journals geführt, die Dartpfeile auf die an die Wand gehefteten Kursteile der Zeitung warfen und mit dieser Methode im Durchschnitt bessere Ergebnisse erzielten, als die professionellen Fondmanager. Als geflügeltes Wort breitete sich daraufhin der Vergleich mit einem Affen aus, der mit dem Dartpfeil auf der Kursliste ein besserer Fondsmanager ist, als die Börsenprofis.

Ob ein bestimmter Aktienfond besser abschneidet, als sein Vergleichsindex, ist also vom Zufall abhängig und die Erfahrung zeigt, dass die Leistungen eines Managers in der Vergangenheit ebenfalls keine hinreichende Aussagekraft für die künftige Performance zulassen.

ETFs als Ausweg

Wenn also die aktive Auswahl keinen signifikanten Vorteil bringt, dann ist die nächste logische Folgerung, einen Fond aufzulegen, der nicht durch einen Manager zusammengestellt wird, sondern passiv die Entwicklung eines bestimmten Aktienpakets wiedergibt. Denn damit spart man bereits die Kosten, die für aktives Management. Dies sind die sogenannten ETFs, eine Abkürzung für „Exchange Traded Funds“, zu Deutsch etwa: börsengehandelter Fond.

Die ersten ETFs bildeten einfach Aktienindizes eins zu eins nach. Diese sogenannten Indexfonds sind wie ein Aktienkorb, der nach Menge und Auswahl den betreffenden Aktienindex genau wiederspiegelt. Ein DAX-ETF würde sich damit etwa aus der Nachbildung aller Kursentwicklungen der 30 DAX-Unternehmen ergeben. Es existieren ETFs zu nahezu jedem Aktienindex weltweit. Beliebt sind auch ETFs, die auf bestimmte Branchen oder Märkte abzielen. Zum Beispiel investiert der MCSI Emerging Markets gezielt in Unternehmen aus Schwellenländern. MCSI ist einer der weltweit größten und bekanntesten Fondsanbieter. Auf dem deutschen Markt ist beispielsweise die zur Commerzbank gehörende Comstage ein beliebter Anbieter für ETFs.

Der Begriff „börsengehandelt“ taucht nicht umsonst im Namen der ETFs auf, denn Anleger können die Papiere ganz normal an den einschlägigen Wertpapierbörsen kaufen und verkaufen, wobei sich der Preis aus Angebot und Nachfrage ergibt. Streng genommen bedeutet dies, dass der Preis eines DAX-ETF gar nicht an den DAX gebunden sein müsste, da er allein aus der Nachfrage des ETF resultiert. Hier sorgen aber Arbitrage-Effekte dafür, dass der Preisverlauf trotzdem sehr genau den Verlauf des Index widerspiegelt.

Die Mechanik hinter der Indexnachbildung

Um dies zu verstehen, muss man etwas genauer beleuchten, wie die Fondsgesellschaften neue ETF-Anteile emittieren. Der Prozess wird Creation/Redemption genannt.

Zwischen den Emissionsgesellschaften und den Anlegern stehen die sogenannten Market-Maker, die Anteile eines ETF zu großen Stückzahlen an den Börsenhandelsplätzen anbieten und damit die Kurse bestimmen. Ihre Aufgabe ist es, Liquidität im Markt bereitzustellen.

Diese Market-Maker erhalten neue Anteile direkt von der Emissionsgesellschaft im Austausch gegen einen Wertpapierkorb, der im einfachsten Fall die Zusammensetzung des ETF genau wiederspiegelt. Eine solche Schaffung neuer Fondsanteile wird Creation-Prozess genannt. Der gegenläufige Vorgang heißt Redemption: Der Market-Maker erwirbt Fondsanteile im offenen Handel und gibt sie an die Emissionsgesellschaft zurück, hierfür erhält er wieder den entsprechenden Aktienkorb.

Damit wird klar, dass die Market-Maker dafür sorgen, dass der börsengehandelte Kurs für den ETF dem Wert des Aktienkorbes genau entspricht, denn eine Abweichung nach unten oder nach oben wird sofort vom Market-Maker ausgenutzt, um mittels Creation und Redemption von diesem Unterschied zu profitieren. Die dadurch ausgelöste Nachfrage- oder Angebotssituation wirkt sich aber genau gegenläufig aus und sorgt dafür, dass sich der Börsenpreis wieder an den Wert des Aktienkorbes anpasst. Dieses Vorgehen wird allgemein als Arbitrage bezeichnet und ist eine Strategie, die von großen Institutionellen Investoren oft benutzt wird.

Der Wert des Aktienkorbes wird als Netto-Inventarwert bezeichnet und üblicherweise zusammen mit dem Börsenkurs des ETF täglich mehrmals aktualisiert und veröffentlicht.

Außer ETFs, die einen Aktienkorb durch direktes Investment nachbilden, sind auch sogenannte Swap-ETFs sehr verbreitet. Diese sind insbesondere dann von Vorteil, wenn ein Direktinvestment zu aufwendig wäre, oder mit hohen Zusatzkosten verbunden. So besteht etwa der Index S&P 500 aus 500 Einzelwerten. Sollen diese in einem ETF direkt abgebildet werden, müssten alle 500 Werte einzeln gekauft oder verkauft werden, was in hohem Aufwand und Transaktionskosten resultiert.

Ein Swap-ETF kann daher auch weniger oder andere Aktien enthalten, als der zugrundeliegende Index. Der Emittent und der Marketmaker gehen einen Vertrag ein, die Differenz zwischen Indexwert und Wert des Aktienkorbes jeweils auszugleichen. Dies wird als Index-Swap bezeichnet.

Die relativ komplexen Vorgänge beim Austausch der Zahlungsströme bleiben dem Endanleger verborgen. Dieser hat nach wie vor die Möglichkeit, an der Börse in einen ETF zu investieren und profitiert beim Swap-ETF von geringeren Abweichungen zwischen dem Wert des Aktienkorbes und dem ETF-Kurs, als dies beim Direktinvestment der Fall wäre. Man spricht dann von einem niedrigeren Tracking-Error.

Fazit

Nach wie vor sind Aktienfonds bei privaten Kleinanlegern beliebt, denn damit lässt sich breit diversifiziert in die Märkte investieren, ohne sich selbst aktiv um die Depotzusammensetzung kümmern zu müssen. Jedoch schneiden aktiv gemanagte Fonds oft nicht sehr gut im Vergleich ab und es entstehen einige Zusatzkosten, die die Performance weiter schmälern. Abhilfe schaffen hier ETFs, die als passive Aktienpakete ein bestimmtes Marktsegment eins zu eins abbilden. Sie sind für alle gängigen Indizes und Branchen erhältlich und stellen eine der einfachsten Möglichkeiten dar, an Marktentwicklungen zu partizipieren.

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