Märkte in der Abwärtsbewegung

Märkte in der Abwärtsbewegungen sind gerade für Privatanleger eine wahre Strapaze der Nerven. Allerdings lassen sich die negativen Folgen entweder absichern oder sogar gewinnbringend nutzen. Eine gute Diversifikation bei der gesamten Geldanlage und Finanzderivate und genügend Risikofreude ermöglichen es inzwischen auch Privatanlegern, die eigentlich negative Situation zu ihrem Vorteil zu drehen. War es lange Zeit Investoren vorbehalten, von sinkenden Kursen zu profitieren, steht diese Möglichkeit inzwischen jedem offen.

Was sind Märkte in der Abwärtsbewegung?

Bei Märkten in der Abwärtsbewegung sinkt ein Großteil der Kurse der damit verbundenen Wertpapiere. Eine Abwärtsbewegung ist damit nicht zwangsläufig ein länger anhaltender Trend. Es ist durchaus möglich, dass ein Markt an einem Tag eine bedeutende Abwärtsbewegung durchmacht, diese jedoch in den folgenden Tagen durch eine kontinuierliche Aufwärtsbewegungen egalisiert oder sogar überflügelt wird.

Hält die Abwärtsbewegung des Marktes hingegen länger an, sprechen Analysten auch von Baisse oder Bärenmarkt. Dies führt in der Regel dazu, dass die Anleger das Vertrauen in den jeweiligen Markt verlieren und sich die Abwärtsbewegung weiter fortsetzt.

Wie können Anleger von Märkten in der Abwärtsbewegung profitieren?

Grundsätzlich besteht für Privatanleger inzwischen die Möglichkeit, auch sinkende Kurse gewinnbringend zu nutzen. Dies erlauben zahlreichen Finanzderivaten, die auch „Short“ abgeschlossen werden können. Während die „Long“-Position Gewinne bei steigenden Kursen ermöglicht, kann der Anleger bei Short-Positionen von sinkenden Kursen profitieren.

Diese Möglichkeit lässt sich am Beispiel der Option gut erläutern. Eigentlich wurden Optionen deswegen ins Leben gerufen, um eine bestimmte Ware zu einem fixen Preis aber zu einem späteren Zeitpunkt kaufen oder verkaufen zu können. Auf diese Weise konnten sich beispielsweise Produzenten von Rohstoffen gegen einen Preisverfall absichern, umgekehrt jedoch auch nicht von steigenden Preisen in vollem Ausmaß profitieren. Ein Kunde hat sich dann beispielsweise dazu verpflichtet, eine bestimmte Menge an Rohöl zu einem fixen Termin zum jetzigen Marktpreis abzunehmen. Stieg der Ölpreis in der Zwischenzeit, musste er weniger bezahlen. Würde er das Anrecht auf das Öl verkaufen, hätte er sogar einen Gewinn ohne den tatsächlichen Rohstoffhandel erzielen können.

Auf diese Weise funktionieren Optionen auch heute noch. Der Käufer erhält das Recht, eine bestimmte Ware – wie beispielsweise Rohöl oder eine Aktie – zu einem bestimmten Zeitpunkt zu kaufen (long oder call) oder zu verkaufen (short oder put).

  1. Risikodiversifikation

Um Nerven und Geldanlage bei Baissen nicht allzu sehr zu belasten, ist es unumgänglich, die Anlage auf genügend unterschiedliche Finanzprodukte zu verteilen. Nur wenn viele Faktoren aufeinander treffen, leidet die Performance der gesamten Geldanlage, wenn das Portfolio ausreichend diversifiziert ist.

Privatanleger sollten sich deswegen umfangreiche mit den Möglichkeiten auseinandersetzen, Risiko zu streuen und sich vor Verlusten, beispielsweise durch Stop-Loss-Orders oder Finanzderivate absichern (Hedgen). Selbst sehr spekulativ ausgerichtete Investoren tätigen nur dann Investitionen, wenn sie die maximale Höhe ihres Verlustes ausreichend absichern können. Grundsätzlich gilt es als ungeschriebenes Gesetz von erfolgreichen Anlegern, dass zuerst der maximale Verlust betrachtet werden muss und erst im Anschluss mögliche Gewinne.

Für Privatanleger bedeutet dies, dass sie sich mit den verschiedenen Risikoklassen der Gelanlage auseinandersetzen sollten und dies auch für jeden Einzelfall vor der Investition prüfen sollten. Auf diese Weise sind sie für Märkte in der Abwärtsbewegung gut vorbereitet.

  1. Hedgen

Selbst wer normalerweise kein Interesse daran hat, mit Finanzderivaten zu handeln, sollte diese Möglichkeit im Falle von sinkenden Kursen in Betracht ziehen. Wer lediglich seine bereits erworbenen Wertpapiere vor einem Kursverlust absichert, handelt nicht rein spekulativ, sondern kann seine Verluste begrenzen oder in seltenen Fällen sogar eine Rendite erzielen, obwohl der Kursverlauf der eigenen Wertpapiere dies nicht erlaubt.

Grundsätzlich funktioniert Hedgen in den folgenden Schritten:

  • Der Anleger rechnet damit, dass der Kurs eines von ihm erworbenen Wertpapieres bald sinken wird oder geht sogar davon aus, dass ein gesamter Markt in eine Baisse eintreten wird.
  • Er sucht nach einem passenden Finanzinstrument, dass es ihm ermöglicht, die entsprechenden Kurse abzusichern. Geeignet sind grundsätzlich vor allem Finanzderivate, bei denen der Anleger auf fallende Kurse setzen kann und deren Verluste sich begrenzen lassen.
  • Bei steigendem Kurs verfällt das Finanzderivat, aber das Wertpapier steigt im Wert. Bei fallenden Kursen sichert das Finanzderivat die Verluste des Wertpapiers ab.

Um diese Möglichkeit sinnvoll einsetzen zu können, müssen jedoch einige Bedingungen erfüllt sein:

  • Der Privatanleger muss das Finanzderivat und das entsprechende Produkt verstanden haben, seine Risiken und Schwächen kennen.
  • Der gewünschte Zeitraum der Absicherung muss sich aufgrund der in der Regel für kurz- und mittelfristige Laufzeiten konzipierten Finanzderivate ebenfalls in diesem Rahmen bewegen.
  • Die Kosten für die Absicherung dürfen nicht zu hoch sein.
  • Das Risiko des Finanzderivates muss begrenzt sein.
  • Das Timing entscheidet maßgeblich mit, ob es sich um eine erfolgsversprechende Investition handelt.
  • Amerikanische Optionen sind aufgrund der Möglichkeit, sie während der Laufzeit und nicht nur zur Fälligkeit zu verkaufen, häufig besser geeignet. Ein Handelsplatz, über den die Option gehandelt werden kann, und der ausreichend Liquidität aufweist, erfüllt jedoch die gleiche Funktion.

Es gibt zahlreiche Strategien und Finanzprodukte, die eine Hedging von Wertpapieren erlauben:

  • Covered Call
  • Protective Put
  • Reverse Hedge
  • Collar
Abwärtsbewegung

Bei der Consorsbank können auch Short-ETFs gehandelt werden

Bei der Absicherung des gesamten Portfolios kann sich allerdings einer der Nachteile der Diversifikation zeigen. Die Möglichkeiten zur zusätzlichen Absicherung sind dann deutlich eingeschränkter, wenn viele Aktien aus unterschiedlichen Ländern und Branchen erworben wurden. Beispielsweise sind Short-ETFs dann ungeeignet und auch Zertifikate eigenen sich nur bedingt. CDFs spielen ihre Vorteile hingegen vor allem in sehr kurzfristigen Zeiträumen aus und sind aufgrund dessen vor allem dann geeignet, wenn der Anleger aufgrund von Bilanz- oder Unternehmensnachrichten mit einem Kursverlust eines einzelnen Papiers rechnet. Sämtliche Wertpapiere mit Optionen abzusichern kann hingegen sehr kostenintensiv sein, sodass Kosten und Nutzen miteinander in einem Missverhältnis stehen können und das Setzen einer Stopp-Loss-Marke ohne zusätzliche Absicherung die bessere Alternative sein kann.

  1. Renditemöglichkeiten

Darüber hinaus gibt es natürlich auch verschiedene Möglichkeiten, Kursverluste gewinnbringend zu nutzen. In der Regel handelt es sich bei den angebotenen Produkten um Finanzderivate, die mit einem Hebel arbeiten.

Um von sinkenden Kursen zu profitieren, sind beispielsweise die folgenden Derivate geeignet:

Optionen

Optionen werden auch als Put-Optionen angeboten. Grundsätzlich erwirbt der Anleger hier das Recht, eine Aktie zu einem gewissen Wert zu verkaufen, der dann im Optimalfall deutlich unter dem dann geltenden Kurs liegt. Auf diese Weise kann er von der Differenz zwischen den beiden Kursen profitieren. Die Option gewinnt dann nämlich an Wert und kann auch vor Fälligkeit gewinnbringend verkauft werden.

Put-Optionsscheine

Im Gegensatz zu Optionen werden Optionsscheine von Banken aufgelegt und werden nicht über die Handelsplätze standardisiert emittiert. Sie nutzen häufig eine geringe Hebelwirkung, indem die Kosten weit unter dem zugrundliegenden Basiswert liegen, sie jedoch die gleiche Preisentwicklung mitgehen. Die Preisbildung und die Bedingungen bei den unterschiedlichen Varianten können sehr komplex sein und auch auf Faktoren wie der Volatilität beruhen.

Knock-Outs

Knock-Out-Papiere eignen sich vor allem für sehr kurzfristige Spekulationen. Die Kursschwellen sollten nicht zu niedrig angesetzt werden, da sonst ein Verfall durch kurzfristige Kurserholungen droht.

Reverse-Zertifikate

Reverse-Zertifikate und Reverse-Bonus-Zertifikate ermöglichen es, von steigenden Kursen zu profitieren und bei leicht steigenden Märkten dennoch nicht zu viel zu riskieren. Sie gelten deswegen auch als für konservative Anleger geeignet. Ausreichend Hintergrundwissen sollten sie dennoch mitbringen, da auch hier Risiko und Rendite nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich sind.

CFDs

CFDs eignen sich vor allem für sehr kurzfristige Spekulationen von wenigen Tagen. Hierbei können Anleger auf einen fallenden Kurs wetten und beim Schließen der Position vom Differenzausgleich profitieren. In der Regel werden CFDs mit einem entsprechenden Hebel eingesetzt, sodass das Risiko entsprechend hoch sein kann.

Short-ETFs

Short-ETFs bilden einen Index spiegelbildlich ab. Bei einem Short-ETF auf dem Dax bedeutet dies beispielsweise, dass der ETF um drei Prozent steigt, wenn der DAX an einem Tag drei Prozent verliert. Allerdings müssen Anleger dabei beachten, dass solche Produkte nur für extrem kurzfristige Zeiträume geeignet sind. Der Grund hierfür ist, dass Short-ETFS börsentäglich neu bewertet werden. Die Wertentwicklung unterscheidet sich also von der kontinuierlichen, was gerade bei mehreren Verlusten zu einem großen Problem werden kann. Verliert der ETF beispielsweise an mehreren Tagen 25 Prozent, sind 33 Prozent Gewinn notwendig, um den Verlust auszugleichen.

Short-ETFs sind damit ein gutes Beispiel dafür, dass sich Anleger genau mit den jeweiligen Finanzprodukten auseinandersetzen müssen, um die Risiken und Vorteile genau verstehen zu können.

Vor der Investition

Egal für welches Finanzderivat sich ein Anleger entscheidet: In jedem Fall müssen vorher die wichtigsten Parameter festgelegt werden. Hierzu gehören:

  • Zu erzielender Gewinn
  • Maximal riskierter Verlust
  • Zeitraum
  • Maximaler Einsatz

Dient das Finanzprodukt der Absicherung bereits bestehender Investments, werde diese Frage in der Regel anders beantwortet. Privatanleger sollten also nicht versuchen, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu wollen, sondern sich bei ihrem Investment darüber im Klaren sein, was genau sie damit erreichen möchten.

Neben der Art des Finanzderivates und dem jeweiligen Produkt ist zudem auch der zugrundeliegende Basiswert entscheidend. Gerade dann, wenn er eine hohe Volatilität aufweist, steigt das Risiko beträchtlich an. Der Kursverlauf sollte also genau analysiert werden, bevor die Entscheidung für ein Investment fällt.

Fazit:

Finanzderivate ermöglichen es heute, das Aktiendepot ohne allzu hohe Kosten bei Abwärtsbewegungen abzusichern. Gerade dann, wenn ein Anleger mit einem Kursrückgang zu einem bestimmten Zeitpunkt rechnet, aber die Aktie nicht verkaufen möchte, können sich die verschiedenen Absicherungsmöglichkeiten lohnen. Spekulativeres Investieren, um von sinkenden Kursen zu profitieren, ist ebenfalls auf zahlreiche Arten möglich. Anleger sollten allerdings genügend Erfahrung mitbringen und sich über die Finanzprodukte vor der Investition genau informieren, um kein unnötig hohes Risiko einzugehen.

 

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