Was sind Currency Carry Trades?

Was sind Currency Carry Trades?

Markt Börse Aktienhandel

Die meisten Anleger suchen nach Möglichkeiten, ihr Erspartes trotz des Niedrigzinses gewinnbringend anzulegen. Currency Carry Trades bieten sich hier vor allem deswegen an, weil es gerade die Niedrigzinsen des Euroraumes sind, die diese Anlageform für deutsche Anleger besonders interessant machen.

Wie laufen Currency Carry Trades ab?

Bei Currency Carry Trades geht es darum, sich Geld in einem Staat zu leihen, wo dieses gerade günstig ist und es in einem anderen Land zu investieren, wo der Zins gerade hoch ist.

Ein Currency Carry Trade Beispiel wäre das Folgende:

  1. Ein Anleger leiht sich Geld in der B-währung, weil er dort nur einen geringen Prozentsatz von 0,7 % Zinsen bezahlen muss.
  2. Er investiert dieses Geld und legt es in der A-währung an. Häufig geschieht dies über Staatsanleihen. Hier erhält er 8,7 % Zinsen, macht also – ohne Bearbeitungsgebühren, Transaktionskosten und Wechselkursänderungen einen Gewinn von acht Prozent.

Dabei gibt es noch verschiedene weitere Möglichkeiten, wie beispielsweise die Nutzung eines Hebels. Currency Carry Trades werden in vielen unterschiedlichen Spielarten angeboten, das Grundprinzip ist jedoch das oben genannte.

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Trotz hoher Zinsen besteht ein Risiko

Darauf hin gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie sich der Currency Carry Trader entwickelt. Für die Rendite ist nämlich nicht nur wichtig, wie hoch die Zinsunterschiede sind, sondern auch, wie sich die Wechselkurse ändern. Die oben genannte Rendite von drei Prozent lässt sich nämlich je nach Wechselkursentwicklung entweder weiter ausbauen oder sogar vernichten.

Es gibt deswegen drei verschiedene Szenarios:

  1. Der Kurs der A-währung wertet deutlich ab. Für das Rechenbeispiel könnte dies beispielsweise bedeuten, dass der Kurs der B-währung nun um Vergleich zur A-währung um zehn Prozent steigt. Tauscht der Anleger nun sein Geld zurück, hat er zwar acht Prozent Zinsgewinn verbuchen können, die jedoch zehn Prozent Wechselkursverlust gegenüberstehen. Dies führt letztlich dazu, dass der Trade insgesamt mit einem Verlust von zwei Prozent endet.
  2. Der Wechselkurs der beiden Währungen ändert sich nicht. Das führt dazu, dass der Investor den Zinsgewinn ohne Wechselkursverluste erhalten kann.
  3. Der Kurs der A-währung wertet deutlich Dann kann der Anleger nicht nur von den Kursgewinnen profitieren, sondern zugleich auch einen beachtlichen Wechselkursgewinn verzeichnen. Wenn der Kurs um zehn Prozent steigt, kann der Anleger also diese zehn Prozent als Wechselkursgewinn für sich verbuchen und auch acht Prozent Zinsen einstreichen.

Was steckt hinter der Idee?

Das oben genannte Beispiel deutet bereits an, dass hierbei die Differenz zwischen Währungen mit hohen Zinsen und Währungen mit niedrigen Zinsen ausgenutzt werden soll. Das Prinzip ist immer, sich Geld in einem Niedrigzinsland zu leihen und in einem Hochzinsland zu investieren.
Derzeit ist dieses Vorgehen noch beliebter geworden, weil der Zinssatz in den wichtigen Wirtschaftsländern und Regionen wie die USA, Europa und auch Japan deutlich gesunken ist. Anleger erhalten hier das Geld also außergewöhnlich günstig, weswegen sich auch Anlagen in den jeweiligen Ländern kaum noch rechnen. Ein Currency Carry Trade nutzt aus, dass die Zinsen in anderen Ländern deutlich höher sind.

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In Deutschland gibt es magere 1% Zinsen

Dieses Vorgehen wird von Institutionen und Investoren häufig genutzt, um die Zinsvorteile in anderen Staaten zu nutzen. Allerdings ist dies vor allem zwischen der westlichen Welt und Schwellen- und Entwicklungsländern möglich. Innerhalb der wesentlichen Welt selbst gibt es kaum Differenzen hinsichtlich des Leitzinses, die einen solchen Trade rechtfertigen würden.

Dies veranschaulicht die folgende Tabelle:

Land Aktueller Zinssatz
 Ghana 26,00 %
 Weißrussland 24,00 %
 Ukraine 22,00 %
 Moldawien 19,00 %
 Kasachstan 17,00 %
 Uganda 17,00 %
 Brasilien 14,25 %
 Argentinien 13,0 %
 Angola 12,0 %
 Mongolei 12,00 %
 Nigeria 11,0 %
 Russland 11,00 %
 Mosambik 10,75 %
 Ägypten 10,25 %
 Uruguay 9,25 %
 Armenien 8,50 %
 Georgien 8,00 %
 Türkei 7,50 %
 Aserbaidschan 7,00 %
 Südafrika 7,00 %
 Indien 6,75 %
 Indonesien 6,75 %
 Namibia 6,75 %
 Kolumbien 6,25 %
 Papua-Neuguinea 6,25 %
 Island 5,75 %
 Singapur 5,35 %
 Trinidad und Tobago 4,50 %
 Mauritius 4,40 %
 Volksrepublik China 4,35 %
 Peru 4,25 %
 Serbien 4,25 %
 Mexiko 3,75 %
 Chile 3,50 %
 Malaysia 3,25 %
 Neuseeland 2,25 %
 Australien 2,00 %
 Saudi-Arabien 2,0 %
 Albanien 1,75 %
 Rumänien 1,75 %
 Taiwan 1,625 %
 Südkorea 1,50 %
 Polen 1,50 %
 Thailand 1,50 %
 Ungarn 1,35 %
 Vereinigte Arabische Emirate 1,0 %
 Hongkong 0,5 %
 Kanada 0,5 %
 Norwegen 0,50 %
 Vereinigte Staaten 0,5 %
 Vereinigtes Königreich 0,5 %
 Israel 0,10 %
 Japan 0,1 %
 Dänemark 0,05 %
 Tschechien 0,05 %
 Europäische Union 0,00 %
 Schweden −0,50 %
 Schweiz −0,75 %

 

Innerhalb der westlichen Welt, sowie als stabil geltende Volkswirtschaften wie Hongkong, Südkorea, Taiwan oder Australien und Neuseeland, gibt es kaum Möglichkeiten, Currency Carry Trades ausreichend gewinnbringend durchzuführen.

Grund dafür ist auch die hohe Volatilität, die dennoch zwischen den als stabil geltenden Währungen herrscht. So weisen beispielsweise US-Dollar und Australischer Dollar trotz vergleichsweiser stabiler Wechselkurse immer noch eine Volatilität von rund zehn Prozent auf. Der Unterschied bei den Zinsen beträgt hingegen derzeit nur 1,5 Prozent. Wer hier mit amerikanischen in australische Dollar investiert, tut dies fast ausschließlich wegen der Kursänderungen und nutzt das Prinzip von Currency Carry Trades nicht.

Anders sieht dies bei Investitionen in die Länder aus, deren Leitzinsniveau über fünf Prozent liegt. Hier ist die Differenz zwischen den Zinsen schon wesentlich deutlicher, sodass der Currency Carry-Anteil hier an Gewicht gewinnt und somit auch die Voraussetzungen erfüllt werden, damit die Bezeichnung als Currency Trade auch gerecht wird. Alles, was darunter liegt, kann mehr oder weniger als ausschließliche Wechselkursspekulation angesehen werden. Dies ist zwar häufig auch Teil der Currency Carry Trades, allerdings nicht das vorherrschende Merkmal dieser Investitionsmöglichkeit.

Haben Currency Carry Trades Nachteile?

Der wohl größte Nachteil liegt in dem großen Wechselkursrisiko. Ohne Frage hört es sich attraktiv an, sich für geringe Zinsen in Europa Geld zu leihen und dies in einem Hochzinsland wie beispielsweise Ghana zu leihen. Allerdings zeigt sich hier auch das beachtliche Risiko. So hat der Ghanaische Cedi im letzten Jahr eine Berg- und Talfahrt hingelegt. So lag der Kurs EUR/GHS am 16. Juni 2015 bei 4,969, um dann bis zum 22. Juli 2015 auf 3,604 zu fallen. Ein Kursverlust von 28 Prozent, der selbst die enorm hohen Zinsen von 26 Prozent überschreitet. Bereits am 25. August lag der Kurs wieder bei 4,901. Wer sich also für Currency Carry Trades interessiert, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er starke Nerven benötigt und Wechselkursschwankungen zu einem Verlust trotz hoher Zinsen führen können.

Hieran zeigt sich dann auch eines der Hauptprobleme. Der Anleger nutzt für Currency Carry Trades in der Regel nicht sein eigenes Kapital, sondern leiht sich dieses, beispielsweise indem er Hebelprodukte in Anspruch nimmt. Dadurch wird der Trade noch einmal deutlich riskanter.

Natürlich gibt es Volkswirtschaften, die über Jahre hinweg ein konstantes Wachstum aufweisen und deren Wechselkursvolatilität deutlich geringer ist und dabei dennoch ausreichend hohe Zinsen bieten können. Allerdings sind gerade die Wechselkurse, die besonders interessant für Currency Trades sind, auch die Währungen, die besonders häufig für Spekulationszwecke genutzt werden. Das bedeutet, dass nicht nur Aufwärtstrends kurzfristig beendet werden können, sondern der Kurs innerhalb eines Tages deutlich einbrechen kann. Es handelt sich bei den Kursänderungen also bei Weitem nicht immer um Einflüsse, die volkswirtschaftlich nachvollziehbar sind, sodass selbst umfangreiche Analysen das Risiko nicht vollständig ausblenden können. Problematisch ist dabei auch, dass Kursrutsche immer mit einem Vertrauensverlust einhergehen und dies zu einer Abwärtsspirale führen kann.

Auch deswegen sind Carry Trades durchaus etwas in Verruf geraten. Sie gelten als mitverantwortlich dafür, dass die Finanzkrise ab 2007 derart gravierend war. Zahlreiche Hedge-Fonds bedienten sich dieser Strategie und gefährdeten so die Stabilität des weltweiten Finanzsystems, da das Entstehen von Spekulationsblasen in den Schwellenländern so gefördert wurde. Die Deutsche Bundesbank warnte demzufolge auch vor derartigen Investitionen.

Eignen sich Carry Trades für Privatanleger?

Privatanleger haben bei Carry Trades einige Nachteile:

  • Hohes Risiko
  • Hohe Liquidität erforderlich
  • Direkter Anschluss an den Devisenmarkt notwendig, sonst hohe Transaktionskosten.
  • Weniger Marktwissen als institutionelle Anbieter
  • Hoher Zeitaufwand durch kurze Haltedauer.

Allerdings ist es durchaus möglich, an Currency Carry Trades über andere Anbieter zu profitieren. Es gibt inzwischen beispielsweise Indexzertifikate oder ETFs, die versuchen, die Zinsunterschiede auszunutzen und auch für Privatanleger geeignet sind. Der größte Vorteil ist hier, dass die Produkte größtenteils aktiv gemanaget werden oder sich an strikte Strategien halten. Auf diese Weise lassen sich viele Fehler, die sonst durch Unerfahrenheit verursacht werden könnten, verhindern. Außerdem ist der größte Vorteil natürlich die Risikostreuung, die dadurch erzielt wird, dass die jeweiligen Emittenten ein Produkt zur Verfügung stellen, dass mehrere Currency Trades gleichzeitig durchgeführt werden.

Dies ändert jedoch nichts daran, dass auch Finanzprodukte, die versuchen, Gewinne über Currency Carry Trades zu erzielen, ausschließlich für Anleger geeignet sind, die ein hohes Risiko im Portfolio verkraften können. Gerade im Rahmen von Finanzkrisen sind Wertverluste von 25 Prozent nicht ungewöhnlich. Auf der anderen Seite überzeugen die Produkte jedoch häufig auch mit einer sehr guten Rendite.

Fazit:

Currency Carry Trades sind eine der wenigen Investitionsmöglichkeiten, die an Reiz gewinnen, wenn der Investor aus einem Niedrigzinsland stammt. Ziel ist es, günstig geliehenes Geld in einem anderen Staat wieder anzulegen, wo höhere Zinsen gezahlt werden. Hierbei handelt es sich in der Regel um Schwellen- und Entwicklungsländer. Currency Carry Trades weisen aufgrund des Wechselkursrisikos allerdings ein sehr hohes Risiko auf und sind für Privatanleger deswegen nur im Rahmen von Zertifikaten oder ETFs geeignet.

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