Wie Anleger den EZB Niedrigzins umgehen können

Wie Anleger den EZB Niedrigzins umgehen können

Welche Konsequenzen hat der EZB-Niedrigzins für Privatanleger?

Der Niedrigzins der EZB sorgt unter Privatanlegern für Ernüchterung. Die Zinsen für festverzinsliche Geldanlagen bewegen sich auf einem absoluten Tiefstand und bei vielen wird die Vorsorgelücke immer größer.

Warum sinken mit dem EZB-Niedrigzins auch die Zinsen für Geldanlagen?

Banken agieren mit dem EZB Niedrigzins auf unterschiedliche Art und Weise. Zum einen kann sich die Bank zum Hauptrefinanzierungssatz (Leitzins) Geld leihen. Das bedeutet, dass Banken derzeit keinerlei Zinsen an die EZB zahlen müssen. Günstiger geht es also kaum. Darüber hinaus berechnet die EZB auch einen Einlagenzinssatz. Dieser kommt dann zum tragen, wenn die Banken die beantragten Kredite nicht abrufen, sondern auf dem Konto parken. Derzeit ist dieser Zinssatz negativ und beträgt – 0,40 Prozent. Grund hierfür ist, dass die EZB möchte, dass das Geld als Kredite vergeben werden.

Dies ist auch deswegen notwendig, weil die meisten Geldinstitute durch die Basel-III-Richtlinien deutlich weniger Kredite vergeben. Es wird für Unternehmen immer schwieriger, eine Finanzierung zu erhalten. Durch die Strafzinsen soll die Kreditvergabe wieder attraktiver für die Banken werden.

Für die Sparer hat dies nun allerdings die Konsequenz, dass ihr Geld bei den Banken schlichtweg nicht mehr gefragt ist. Wenn der Leitzins hoch ist, wird das Geld der Kunden im Vergleich wieder günstiger. Die Banken können ihren Kunden also mehr dafür bezahlen und versuchen natürlich auch, attraktive Konditionen anzubieten, um so genügend Liquiditätsgeber anzuziehen.

Hinzu kommt ein weiteres Problem des EZB Niedrigzins: Da die Banken selbst an dem Geld, das auf Girokonten lagert, nichts mehr verdienen können, erhöhen viele ihre Gebühren, sodass auch der tägliche Zahlungsverkehr für viele Verbraucher teurere wird.

ezb niedrigzins

3% Zinsen wie bei der Consorsbank sind aktuell schon hoch

Können Privatanleger nicht auch von den Zinsen profitieren?

Grundsätzlich sorgt ein niedriger Leitzins in der Regel dafür, dass auch die Kreditkosten durchaus sinken. Allerdings besteht das Problem, dass viele Banken zögerlicher bei der Kreditvergabe geworden sind, da sie seit der Finanzkrise andere Regularien erfüllen müssen. Das führt dazu, dass Kredite zwar günstiger wären, viele jedoch keinen erhalten.

Im Rahmen der Geldanlage ist es natürlich auch nur unter sehr beschränkten Bedingungen sinnvoll, einen Kredit zu beantragen. Ein solcher Grund ist beispielsweise die Finanzierung einer Immobilie. Hier ist das Problem, dass sich Vor- und Nachteile des niedrigen Leitzinsens gegenseitig aufheben. Auch wenn die Kreditkosten gesunken sind, investieren viele Anleger derzeit in die inflationsgeschützten Immobilien, weil sie durch andere Geldanlagen kaum die Kaufkraftminderung auffangen können. Das führt allerdings zu steigenden Preisen und im Ernstfall sogar zu einer Immobilienblase. Die Bauzinsen sinken nämlich bereits seit 2008, sodass Privatanleger, die jetzt kaufen, viel zu spät sind.

Letztlich kaufen Anleger Immobilien derzeit also deutlich teurer und zahlen für Immobilienkredite weniger Zinsen. Eine Gefahr schwebt dabei in der Zukunft. Anschlussfinanzierungen oder Immobilienkredite ohne Garantiezins könnten sich in der Zukunft deutlich verteuern. Wenn der Leitzins wieder anzieht, erhöhen sich auch die Finanzierungskosten. Auf diese Weise könnte der kreditfinanzierte Immobilienkauf also finanziell nicht so lohnenswert sein, wie es derzeit scheint.

Lohnt sich Sparen noch?

Wer die Wirtschaftsnachrichten und Empfehlungen von Anlageberatern betrachtet, kommt schnell zu dem Schluss, dass sich Sparen nicht mehr lohnt. Die Bundesbank sieht dies anders. Im Oktober 2015 kam sie beispielsweise in ihrem Monatsbericht zu dem Schluss, dass die Renditeeinbußen durch den EZB Niedrigzins weniger hoch sind, als allgemein gefürchtet.

Grund hierfür ist, dass die Inflation ebenfalls niedrig ist. Dadurch, dass Preisauftrieb so gering sein, ist die Rendite nicht so klein, wie Sparer befürchten würden. Außerdem würden andere Geldanlagen wie Aktien, Fonds oder Lebensversicherung die Rendite der deutschen Sparer retten.

Zwischen 2008 und 2015 hätten die Deutschen eine Rendite von durchschnittlich 1,5 Prozent erzielen können. Als Hauptgrund für die deutlich geringere Rendite als in den Jahren zuvor ( zwischen 1991 und 2007 waren es durchschnittlich 3,5 Prozent) nannte die Bundesbank zudem die Umschichtung von Termin- und Spareinlagen in geringer verzinste Sichteinlagen.

Die Inflationsraten für die letzten Jahre waren hingegen:

  • 2015: 0,25 %
  • 2014: 0,9 %
  • 2013: 1,5 %
  • 2012: 2,0 %
  • 2011: 2,3 %

Dies ergibt im Durchschnitt eine Inflationsrate von 1,39 Prozent. Wer als Sparer also tatsächlich eine Rendite nach Steuern von 1,5 % erzielen konnte, kann also tatsächlich behaupten, dass ihm real kein Geld verloren gegangen ist.

Allerdings wird dies auf den durchschnittlichen Sparer kaum zutreffen.

  • Die durchschnittlichen Tagesgeldzinsen liegen im Juni 2016 bei 0,28 Prozent
  • Festgeld wird mit durchschnittlich 0,3 Prozent (12 Monate) etwas besser bezahlt
  • Sparbriefe bringen zwischen 0,44 Prozent bei zwei Jahren über 0,64 Prozent bei fünf Jahren bis hin zu 1,26 Prozent bei 10 Jahren Anlegedauer.
  • Der Garantiezins für Lebensversicherung liegt bei 1,25 Prozent und wird 2017 auf 0,9 Prozent abgesenkt

Auch wenn die Inflationsrate im ersten Halbjahr 2016 besonders niedrig ist, ergibt sich daraus eindeutig, dass der durchschnittliche deutsche Sparer mit den herkömmlichen Geldanlagen nicht mehr mit einem Wertzuwachs rechnen kann.

Anleger reagieren kaum

Obwohl die niedrige Verzinsung vor allem zu Lasten der deutschen Privatanleger geht und sie zeitweise sogar real Geld verlieren, reagiert ein Großteil der deutschen Anleger darauf nicht durch eine Anpassung des Portfolios. Nur 16 Prozent haben laut einer Umfrage der Fondsgesellschaft Fidelity ihr Portfolio angepasst und dabei Anlagen wie Festgeld oder Sparbücher reduziert. Immerhin planen weiter acht Prozent eine Anpassung.

Dabei ist den Anlegern durchaus bewusst, dass sie dadurch real Geld verlieren. Mehr als die Hälfte der Befragen ging zudem nicht davon aus, dass die Zinsen innerhalb der nächsten drei Jahre (Stand 2013) wieder über der Inflationsrate liegen werde.

Auch die Bundesbank stellt 2015 fest, dass die Lust am Sparen bei den Deutschen ungebrochen ist. Nach wie vor legen sie rund 9 Prozent ihres verfügbaren Einkommens zurück. Zudem berichtet sie davon, dass der Anteil der als sicher geltenden Anlageformen noch zugenommen hat. Auch hier beweisen die deutschen Anleger also, dass sie Sicherheit über Rendite bevorzugt.

Wie sollen Sparer nun Geld anlegen?

Grundsätzlich ist die Risikoaversion der Deutschen einer der Hauptansatzpunkte der Veränderung. Sie legen ihr Geld eigentlich zu jeder Marktphase lieber in festverzinsliche und „sichere“ Anlagen an, als es am Aktienmarkt zu riskieren. Dennoch ist es gerade jetzt umso wichtiger, eine Anlageform zu wählen, die ausreichend Rendite verspricht und diese findet sich vor allem in Aktien.

Notgroschen bleibt erhalten

Dabei müssen Anleger ihren Notgroschen natürlich nicht vernachlässigen. Nach wie vor gilt als gute Richtlinie, dass zwei Nettomonatsgehälter als Puffer so angelegt werden sollten, dass sie im Ernstfall direkt verfügbar wären. Dies ist bei Girokonto, Tagesgeld und Sparbuch der Fall. Alles, was darüber hinaus geht, sollte jedoch anders angelegt werden.

Lebens- und Rentenversicherung: Alte Verträge fortführen

Laufende Verträge sollten Privatanleger trotz niedriger Zinsen dennoch nicht kündigen, oder zumindest die Bedingungen genau überprüfen. Bei Lebensversicherungen und Rentenversicherungen ist in der Regel eines der Hauptprobleme, dass die Anleger zu Beginn vor allem die Provision und Abschlusskosten zahlen. Erst danach werden ihnen Einzahlungen vollständig gutgeschrieben. Das bedeutet, dass derartige Verträge gerade in den Anfangsjahren übermäßig teuer sind. Wer sie hingegen bereits vor Jahren abgeschlossen hat, genießt hingegen oft noch bessere Konditionen, sodass sich eine Auflösung des Vertrages nicht lohnt.

Umschuldung überprüfen

Wer derzeit noch einen Immobilienkredit abbezahlen muss, sollte überprüfen, ob sich eine Umschuldung lohnt. Gerade bei Krediten, die älter als drei Jahre sind, lässt sich häufig eine deutlich günstigere Lösung finden. Ob sich eine Umschuldung lohnt, hängt allerdings auch davon ab, wie unplanmäßige Tilgungen im alten Kreditvertag behandelt werden. Nur, wenn die Ersparnis die Zusatzkosten übersteigt, ist eine Umschuldung sinnvoll.

Mehr Risiko gehen und in Aktien anlegen

Grundsätzlich gilt, dass zwischen 10 und 20 Prozent der Geldanlage durchaus etwas riskanter angelegt werden können. Hier empfiehlt sich auch für Anleger, die nicht risikoaffin sind, durchaus die Geldanlage in Aktien. Besonders gut eigenen sich Blue Chips von großen Unternehmen und Konzernen, da diese in der Regel nicht so volatil sind, eine Dividende versprechen und dem Sicherheitsbedürfnis entgegenkommen.

Natürlich können vorsichtige Anleger nun damit argumentieren, dass die Börsen der Welt durch den Brexit gerade ins Straucheln geraten sind und weitere Kursverluste nicht unwahrscheinlich sind. Allerdings eigenen sich gerade derartige Kursrückgänge besonders gut zum Einstieg. Außerdem ist es ohnehin niemals sinnvoll, größere Summen innerhalb sehr kurzer Zeit zu investieren. Wer über eine längere Periode zu festgesetzten Zeitpunkten investiert, kann nämlich vom sogenannten Cost Average-Effekt profitieren. Dabei gleichen sich gute und schlechte Verkaufszeitpunkte aus. Auf diese Weise ist zwar keine Hammerrendite drin, allerdings schaffen es selbst Profis nicht, immer den besten Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu finden. Durch die regelmäßige Investition sinkt hingegen das Risiko und Anleger können die durchschnittliche Rendite von jährlich 7 Prozent, die mit Aktien in den letzten Jahrzehnten erzielt werden konnte, deutlich entspannter einstreichen.

Für Sparer eigenen sich zudem auch Fonds oder ETFs. Auf diese Weise können sie gleich in viele verschiedene Aktien investieren, und so das Risiko streuen.

Allerdings sollten Anleger bedenken, dass ein langfristiger Anlagezeitraum darüber entscheidet, wie hoch das Risiko bei solchen Investments ist. Nur wer wirklich lange investiert bleibt, kann mit einer guten Rendite rechnen. Wer kurzfristig Geld abziehen muss oder nur mit wenigen Jahren plant, hat weniger Chancen auf eine gute Performance.

Fazit:

Die deutschen Sparer sind aufgrund ihrer Abneigung gegen Aktien besonders vom Niedrigzins beeinträchtigt. Zwar hilft die niedrige Inflationsrate dabei, die Realverluste zu senken, große Sprünge können sich deutsche Anleger mit festverzinslichen Geldanlagen jedoch nicht erlauben. Etwas mehr Risiko hilft dabei, dennoch eine gute Rendite zu erzielen.

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