Vermögen gezielt verwalten

Mit dem ersten Geld richtig umgehen

Der beste Zeitpunkt um mit der Geldanlage zu beginnen, ist als Berufsanfänger. Auf diese Weise lässt sich der Zinseszinseffekt noch besser nutzen und der Berufseinsteiger gewöhnt sich direkt förderliche Verhaltensmuster an. Zudem merkt der zukünftige Privatanleger in der Regel dennoch, dass er durch die Arbeit mehr Geld zur Verfügung hat und hat nicht das Gefühl, dass er sich einschränken muss um für die Zukunft vorzusorgen.

Das erste Gehalt – Konsum ist erlaubt

Gerade direkt zu Beginn spricht allerdings nichts dagegen, bei den ersten Gehältern etwas über die Stränge zu Schlagen und beispielsweise erst einmal Möbel anzuschaffen, eine Reise zu planen oder Luxusartikel wie einen Fernseher zu kaufen. Viele Berufsanfänger sind es gewohnt, mit wenig Geld auskommen zu müssen, sodass sich Konsumwünsche angestaut haben. Diesen erst einmal nachzugeben erleichtert es häufig, anschließend konsequenter zu bleiben und keine Spontankäufe zu tätigen.

Kredite abbezahlen

Wer noch Kredite aus der Ausbildung abbezahlen muss, sollte sich nun daran machen, diese als Erstes abzulösen. Kredite parallel weiterlaufen zu lassen und stattdessen Geld anzusparen, lohnt sich so gut wie nie. Auch in Zukunft sollten Berufseinsteiger daran denken, dass es nur in absoluten Ausnahmesituationen sinnvoll ist, Kredite aufzunehmen. Die einzige Ausnahme stellen Güter dar, die einen tatsächlichen finanziellen Mehrwert haben. Ein Beispiel hierfür wäre eine Immobilie. Doch auch ein Auto kann durch einen Kredit erworben werden, wenn es für den Job benötigt wird.

Konsumgüter wie Reisen, Technikartikel oder Möbel sollten hingegen niemals durch Fremdkapital finanziert werden. Auf diese Weise werden die Artikel weitaus teurer, als wenn sie durch Ansparen erworben werden, und bieten zudem keinen finanziellen Mehrwert. Im schlimmsten Fall landen gerade junge Menschen in einer Schuldenspirale, aus der sie später nicht mehr herauskommen.

Versicherungsschutz prüfen

Bevor es daran geht, das Geld möglichst gewinnbringend anzulegen, sollten sich Berufseinsteiger erst einmal gegen die wichtigsten existenziellen Risiken absichern. Hierfür kann er Versicherungen abschließen. Unumgänglich sind die Folgenden:

  • Krankenversicherung
  • Haftpflichtversicherung
  • Berufsunfähigkeitsversicherung

Diese Versicherungen benötigen so gut wie alle Berufseinsteiger. Sie sollten auch dann abgeschlossen, wenn der Privatanleger noch Schulden, beispielsweise durch einen Studienkredit hat. Einzige Ausnahme kann die Berufsunfähigkeitsversicherung sein. Sie ist dann nicht unbedingt notwendig, wenn der Berufsanfänger finanziell nicht auf sein Gehalt angewiesen ist.

Darüber hinaus gibt es verschiedene weitere Versicherungen, die je nach Situation des Berufseinsteigers sinnvoll sind:

  • Unfallversicherung
  • Hausratversicherung
  • Bausparen
  • Lebensversicherung
  • Krankenzusatzversicherungen

Die Versicherungen sind jedoch optional und hängen hauptsächlich von der Situation des Versicherten ab.

  • Eine Lebensversicherung lohnt sich beispielsweise nur für Berufseinsteiger, die bereits eine Familie versorgen müssen.
  • Eine Hausratversicherung ist für viele Berufsanfänger, deren Haushaltsgegenstände noch keinen all zu hohen Wert haben, häufig nicht notwendig. Erst wenn kostenintensivere Anschaffungen getätigt wurden, lohnt sie sich finanziell.
  • Krankenzusatzversicherungen können sinnvoll sein, wenn gestimmte Risiken abgedeckt werden sollten, weil deren Eintritt aufgrund von chronischen Erkrankungen oder auch erblicher Vorbelastung wahrscheinlich ist.

Wer sich die Versicherungen nicht leisten kann, muss sie allerdings nicht abschließen, um gut genug abgesichert zu sein. Gerade als Berufsanfänger sind viele Versicherungen jedoch günstiger als zu einem späteren Zeitpunkt, sodass gerade junge Menschen unter 30 überprüfen sollten, ob sich ein Abschluss lohnt und finanzierbar ist.

Notgroschen ansparen

Ein Notgroschen ist der nächste wichtige Schritt, nachdem die Schulden abgetragen und die wichtigsten Versicherungen abgeschlossen wurden. Als Faustregel gilt, dass mindestens drei Brutto-Gehälter zurückgehalten werden sollten, um damit im Notfall liquide zu sein. Für Familien mit Kindern sollte der Betrag etwas höher sein, für Singles ohne teure Verpflichtungen kann er auch geringer ausfallen. Dies gilt für teurere Reparaturen oder Anschaffungen genauso wie für die überraschende Arbeitslosigkeit oder im Krankheitsfall. Dann greift der Notgroschen als Puffer, bis der Berufseinsteiger staatliche Leistungen erhält oder einen neuen Job gefunden hat.

Der Notgroschen sollte dabei vom herkömmlichen Konto getrennt gelagert werden. Zum einen verleitet es zu unnötigen Ausgaben, wenn der Privatanleger das Geld auf seinem normalen Girokonto im Blick hat. Zum anderen bietet ein Girokonto nur schlechte Zinsen. Auf einem Tagesgeldkonto ist die Notfallreserve deutlich besser aufgehoben. Zum einen wird der Berufseinsteiger nicht durch den ständigen Sichtkontakt verführt, das Geld für andere Zwecke auszugeben, zum anderen erhält er hier höhere Zinsen. Zudem eignet sich das Tagesgeldkonto auch dazu, nach und nach den erforderlichen Beitrag zusammenzusparen. Hierzu müssen Berufseinsteiger lediglich einen Dauerauftrag einrichten, der monatlich einen Betrag überweist, den der Anleger im Alltag entbehren kann. Auf diese Weise bildet sich der Grundstock für alle weitere Investitionen häufig sehr schnell.

Altersvorsorge überprüfen

Als nächster wichtiger Schritt sollten die Möglichkeiten zur Altersvorsorge geprüft werden. Die gesetzliche Rente wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht annähernd reichen, um den Lebensstandard im Alter zu halten. Deswegen ist eine private Vorsorge inzwischen unumgänglich.

Ein früher Eintritt in die Rentenversicherung lohnt sich zudem häufig, da bei einem frühzeitigen Beginn der Zinseszinseffekt noch besser greifen kann und vor allem gegen Ende deutlich spürbare Zuwächse bringt. Allerdings ist es nicht immer notwendig, direkt von Beginn an in die Altersvorsorge zu investieren, in dem feste Verträge abgeschlossen werden.

Gerade als Berufseinsteiger ergeben sich häufig wichtige Änderungen, bei denen ein Finanzprodukt mit langfristiger Bindung Probleme verursachen kann. Nur wenn der Berufseinsteiger nach Abschluss der privaten Rentenversicherung noch genügend finanziellen Spielraum hat und zudem über einen ausreichend hohen Notgroschen verfügt, sollte er eine langfristige Bindung überhaupt in Betracht ziehen.

Flexibel anlegen

Allerdings sollten Berufseinsteiger darauf achten, genügend Flexibilität zu wahren. Gerade zu Beginn der Karriere ändern sich noch viele Faktoren. Kinder, Umzüge (ins Ausland) oder Jobwechsel können die Finanzplanung gehörig durcheinanderbringen. Das angesparte Geld ist dann jedoch fest in langfristigen Verträgen wie Rentenprodukten angelegt und kann nicht genutzt werden. Im Ernstfall droht dann sogar eine Verschuldung.

Deswegen empfehlen viele Finanzberater gerade zu Beginn eher flexiblere Produkte, die sich auch zum Sparen eigenen. Banksparpläne wären hier eine Alternative, für Risikofreudigere kommen auch Fonds- oder ETF-Sparpläne infrage. Sparbriefe können ebenfalls eine interessante Möglichkeit sein, flexibel Geld anzusparen. Auch Festgeld ist eine Alternative, wenn bereits genügend Kapital zur Geldanlage vorhanden ist.

Vermögenswirksame Leistungen beachten

Viele Angestellte können von vermögenswirksamen Leistungen profitieren, die vom Chef gezahlt werden und beim Vermögensaufbau helfen sollen. Gerade Berufseinsteiger verdienen noch nicht all zu viel Geld und fallen deswegen häufig mit ihrem Gesamteinkommen in den Bereich, der vom Staat zusätzlich gefördert wird. Sie können also gleich doppelt profitieren.

Allerdings ist es häufig notwendig, die Förderung des Arbeitgebers etwas aufzustocken, um die volle staatliche Förderung nutzen zu können. Dennoch ist die monatliche Sparrate vergleichsweise gering und deswegen für viele Berufseinsteiger zu erreichen. Ob der Arbeitnehmer Leistungen vom Arbeitgeber erhalten kann, ist im Arbeitsvertrag vermerkt. Der Bezug der vermögenswirksamen Leistungen ist dann sehr unkompliziert:

  • Der Arbeitnehmer spricht im Vorfeld am besten kurz mit seinem Chef und schließt einen entsprechenden Vertrag ab.
  • Anschließend reicht er diesen ein und der Arbeitgeber zahlt die vereinbarte Summe direkt auf das entsprechende Konto ein und stockt seine Leistung nach Absprache vom Gehalt des Arbeitnehmers auf.
  • Dieser muss auf die Zahlungen des Chefs Sozialabgaben zahlen, faktisch handelt es sich jedoch um eine geringe Gehaltserhöhung, wenn er die Leistungen des Arbeitgebers in Anspruch nimmt.
ETF Consors

Mit Fonds anlegen

Immobilie kaufen?

Eine selbstbewohnte Immobile ist selbst für Berufseinsteiger attraktiv. Immerhin sparen sie so Miete und können das Geld, das sie sonst für die Kaltmiete zahlen würden, direkt in ihren Vermögensaufbau fließen lassen. Ohne Eigenkapital kommt eine Finanzierung allerdings kaum infrage. Die meisten Berufsanfänger erhalten zudem nur befristete Arbeitsverträge, sodass es nicht selbstverständlich ist, dass selbst geringe Tilgungsraten beglichen werden können. Deswegen müssen Berufseinsteiger zuerst ausreichend Eigenkapital ansparen und ihr Einkommen festigen.

Dies ist jedoch keine verpasste Gelegenheit. Zwar sind die Zinsen für die Immobilienfinanzierung derzeit so niedrig, wie selten zu vor, allerdings sind auch Immobilien momentan so teuer, wie selten zu vor. Zudem können Anleger nicht davon ausgehen, dass sie bei Anschlussfinanzierungen ähnlich günstige Konditionen erhalten. Auch wenn die Niedrigzinsphase noch eine Weile anhalten soll, ist es unwahrscheinlich, dass die Zinsen in zehn bis zwanzig Jahren nicht gestiegen sind. Dann könnte allerdings eine eventuelle Überbewertung der Immobilie korrigiert sein, die Tilgungsraten durch die Zinsen erheblich steigen und im Ernstfall müssen Anleger dann sogar eine Zwangsversteigerung in Kauf nehmen. Der Erwerb einer Immobilie sollte deswegen immer mit ausreichendem Eigenkapital verknüpft sein.

Risiko? Ja, aber gestreut

Je älter ein Anleger wird, umso weniger Risiko wird ihm empfohlen. Das ist durchaus sinnvoll: Ein 90-jähriger Rentner hat unter Umständen keine Zeit mehr, um darauf zu warten, dass sich Aktienkurse wieder erholen, sondern benötigt das Geld für seinen Ruhestand. Junge Anleger können hingegen durchaus etwas mehr riskieren. Dies gilt vor allem dann, wenn ein Teil des Geldes durch festverzinsliche Anlageformen bereits mit wenig Risiko investiert ist.

Egal ob Aktien, junge Startups oder riskantere Anleihen: Wichtig ist vor allem, dass sich der Anleger darüber im Klaren ist, dass mit mehr Rendite auch immer mehr Risiko verknüpft ist. Umgekehrt gilt dies allerdings nicht immer. Mehr Risiko muss nicht mehr Rendite bedeuten. Zum anderen sollte er darauf achten, dass er das Risiko so gut wie möglich streut und seine Geldanlage ausreichend diversifiziert. Allerdings sollte er gerade bei riskanten Geldanlagen nicht vergessen, dass ein langfristiger Anlagehorizont erforderlich sein kann, damit Gewinne realisiert werden können und er das Geld demzufolge nicht benötigen sollte. Dies gilt auch deswegen, weil er es bei riskanteren Anlageprodukten auch verlieren könnte.

Fazit:

Für Berufseinsteiger empfehlen sich die folgenden Schritte:

  1. Erstes Gehalt genießen und sich selbst belohnen.
  2. Existenzielle Risiken durch Versicherungen absichern.
  3. Kredite abbezahlen
  4. Notgroschen ansparen.
  5. Altersvorsorge überprüfen, Geld sicher und flexibel anlegen.
  6. Vermögenswirksame Leistungen in Anspruch nehmen.
  7. Weitere Geldanlagen planen und mehr riskieren.

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