So investieren Anleger mit gutem Gewissen – alles zum Thema Nachhaltigkeit

Das Thema Nachhaltigkeit liegt Anfang des 21. Jahrhunderts stark im Trend. Auch die Finanzwelt bildet hier keine Ausnahme. Viele Anleger fragen sich, was mit ihrem investiertem Kapital eigentlich geschieht. Nur die Rendite allein ist nicht mehr genug. Das Geld soll etwa in besonders umweltschonende Unternehmen oder arbeiterfreundliche Konzerne investiert werden. Nachhaltigkeit bedeutet dabei allerdings nicht zwangsweise einen Verzicht auf Rendite, wie der folgende Ratgeber zeigt.

Was ist Nachhaltigkeit überhaupt?

Laut dem Duden bezeichnet Nachhaltigkeit ein Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen / sich regenerieren / künftig wieder bereitgestellt werden kann. Nachhaltige Investments konzentrieren sich aber nicht nur auf ressourcenschonende und umweltfreundliche Unternehmen. Nachhaltigkeit kann auch auf den sozialen Bereich bezogen werden. Dann zahlen Konzerne beispielsweise besonders faire Löhne, achten auf die Arbeitssicherheit und fördern insbesondere keine Kinderarbeit.

Nachhaltigkeit kann dabei gleichzeitig als wirtschaftliche Chance verstanden werden. Nachhaltig agierende Unternehmen sind an langfristigem und kontinuierlichem Wachstum interessiert. Aus Anlegersicht bedeutet Nachhaltigkeit also, dass nicht mehr ausschließlich auf Rendite, Sicherheit und Liquidität einer Geldanlage geachtet wird. Vielmehr werden einige oder alle der oben aufgeführten Kriterien bei der Wahl eines Investments berücksichtigt.

Wann gilt eine Geldanlage als nachhaltig?

Das derzeit wohl größte Problem ist die Definition einer nachhaltigen Geldanlage. Es herrscht weder in der Wissenschaft noch in der finanzwirtschaftlichen Praxis Einigkeit über den Begriff. Auch der Gesetzgeber sieht aktuell noch keine Richtlinien vor, ab wann eine Geldanlage als nachhaltig bezeichnet werden darf. Daher ist Vorsicht geboten: nicht alle Anlageprodukte, die sich nachhaltig nennen, verdienen ihren Namen.

Es existieren verschiedene Vorgehensweisen, um einschätzen zu können, wie nachhaltig eine Geldanlage tatsächlich ist. Die gängigsten Varianten seien im Folgenden vorgestellt:

  • Negativkriterien
    Bei der Auswahl nachhaltiger Wertpapiere geht es oft darum, die negativen Auswirkungen des eigenen Investments möglichst gering zu halten. So können Anleger beispielsweise heikle Branchen gänzlich meiden. Beispielsweise wird dann auf Investments in Aktien und Anleihen von Tabakkonzernen, Waffenherstellern oder Ölförderungsunternehmen verzichtet. Wer etwas differenzierter über Nachhaltigkeit entscheiden möchte, kann ethische oder wertebasierte Ausschlusskriterien bei der Wahl seines Investments nutzen. Dazu zählen beispielsweise Verstöße gegen Menschenrechtskonventionen, die ILO-Arbeitsnormen oder die Prinzipien des UN Global Compacts. Auch Zwangsarbeit, Kinderarbeit, Korruption, Gesundheitsgefährdungen oder Geschäftsbeziehungen des Unternehmens zu Nationen, in denen gegen Menschenrechte verstoßen wird können gegen ein Investment sprechen.
  • Positivkriterien
    Die Auswahl der Investments auf Grundlage von Positivkriterien setzt am anderen Ende an. Investiert wird dabei in Aktien und Anleihen von Unternehmen, die besonders intensiv an Lösungen zu ökologischen, ökonomischen oder sozialen Problemen arbeiten. Die Konzerne müssen sich also auf die als nachhaltig geltenden Geschäftsbereiche spezialisiert haben. Die Unternehmen sind häufig im Bereich der erneuerbaren Energien oder der Medikamentenforschung zu finden. Allerdings ist besondere Vorsicht geboten: viele der Konzerne, die in einer „Positivbranche“ tätig sind, unterhalten gleichzeitig Produktionen in wenig nachhaltigen Branchen. Das trifft beispielsweise auf viele Energiekonzerne zu, die zwar an erneuerbaren Energien forschen, gleichzeitig aber noch immer Kohle abbauen. Insofern ist eine Auswahl über Positivkriterien relativ kompliziert.
  • Shareholder Engagement
    Unter das sogenannte Shareholder Engagement fallen Aktivitäten von Unternehmensaktionären, die ihre Stimmrechte gezielt nutzen, um die Umwelt- und Sozialstandards in den jeweiligen Konzernen zu erhöhen. Oftmals versuchen große Anleger auch öffentlich Druck auf die Konzernspitze zu nehmen. Einige Investmentfonds haben sich auf diese Art der Einflussnahme spezialisiert und investieren ihr Kapital in wenig nachhaltig agierende Konzerne.
    Der Einfluss solcher Investoren ist groß. Laut der Nachhaltigkeitsratingagentur Oekom Research AG spielen Anfragen von nachhaltigen Investoren bei über 50 % der Konzerne eine entscheide Rolle, sich intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen.
  • Best-in-Class-Ansatz
    Dieser Ansatz verfolgt die Strategie in solche Unternehmen zu investieren, die innerhalb ihrer Branche besonders umweltfreundlich agieren oder viel Wert auf soziale Aspekte legen. Allerdings ist dieses Verfahren noch kein Garant für ein nachhaltiges Investment. Das nachhaltigste Unternehmen der Branchen Atomenergie oder Waffen wird wohl kaum als absolut nachhaltig angesehen. Der Best-in-Class Ansatz eignet sich also vor allem für solche Bereich, die ohnehin bereits als nachhaltig gelten.
  • ESG-Kriterien
    Darüber hinaus können Anleger ihr Kapital auf Grundlage der sogenannten ESG-Kriterien investieren. Die Abkürzung steht für Environment, Social und Governance, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Auch einige Ratingagenturen beurteilen die Nachhaltigkeit von Konzernen und Fonds anhand dieser Kriterien.
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Die Consorsbank bietet diverse nachhaltige Fonds an, Quelle: Consorsbank

Ratingagenturen schätzen Nachhaltigkeit ein

Die obigen Ausführungen machen deutlich, wie schwierig die Beurteilung der Nachhaltigkeit von Investments ist. Besonders die Einschätzung ganzer Aktienfonds ist für Privatpersonen nahezu unmöglich. Theoretisch müsste jede Position im Fonds genau unter die Lupe genommen werden. Abhilfe schaffen einige Rating- und Researchagenturen. Sie haben die Relevanz des Themas Nachhaltigkeit erkannt und helfen privaten Kleinanlegern dabei, nachhaltige Investments zu erkennen.

Die Ratingagenturen nutzen hierzu zahlreiche Kriterien. Rund 200 bis 300 Aspekte werden bei der Beurteilung von sozialen, ökonomischen, ökologischen und ethischen Standards von Unternehmensleistungen genutzt. Zu den bekanntesten Ratingagenturen im Bereich Nachhaltigkeit zählen:

  • Oekom Research
  • Inrate
  • Institut für Markt-Umwelt-Gesellschaft
  • RepRisk
  • Sustainanalytics

Sind Nachhaltigkeit und Rendite miteinander vereinbar?

So wichtig Nachhaltigkeit für viele Anleger heutzutage ist, die Rendite einer Geldanlage steht immer noch im Vordergrund der Anlageentscheidung. Grundsätzlich entsteht zwischen Nachhaltigkeit und hoher Rendite aber kein Zielkonflikt. Vielmehr sollen nachhaltige Investments vor allem auf lange Sicht Erträge erwirtschaften. Ein kurzes FAQ klärt die wichtigsten Fragen zun den Renditeaussichten nachhaltiger Investments.

  1. Wie schneiden nachhaltige Fonds im Vergleich zu herkömmlichen Investments ab?
    Mehrere Ratingagenturen haben die Wertentwicklung nachhaltiger Fonds in den vergangenen Jahren genauer untersucht. Bisher war nicht erkennbar, dass sich die Fonds besser entwickeln als herkömmliche Investmentfonds. Auch auf Sicht von mehreren Jahren waren keine signifikant positiven Abweichungen feststellbar. In einigen Fällen haben Investitionen in besonders ökologische oder ethisch orientierte Fonds sogar Rendite gekostet.
  2. Was ist die Ursache für das Abschneiden?
    Die Renditeentwicklung nachhaltiger Fonds ist in verschiedenen Ursachen begründet. So arbeiten einige Fonds bewusst mit bestimmten Filtern von Nachhaltigkeitskriterien. Dadurch wird in einige Aktien und Anleihen nicht mehr investiert. Damit verringert sich grundsätzlich die Chance, renditestarke Firmen auszuwählen. Denn einige Branchen wie etwa Konsumgüterhersteller, Versorger oder andere Großkonzerne tauchen nicht im Anlegerportfolio auf. Diese Unternehmen sorgen aber unter Umständen für ein hohes Maß an Diversifikation und eine stabile Wertentwicklung.
  3. Nachhaltigkeit und Rendite sind also nicht miteinander vereinbar?
    Eine grundsätzliche Unvereinbarkeit konnte in den Studien nicht festgestellt werden. Es existieren durchaus nachhaltige Fonds, die eine überdurchschnittlich hohe Rendite erzielen konnten. Allerdings ist beim Thema Nachhaltigkeit aus Anlagegesichtspunkten Vorsicht geboten: viele Fonds investieren beispielsweise nur in spezielle Branchen wie etwa die Erneuerbaren Energien. Die Fonds sind dadurch stark anfällig für branchenspezifische Krisen, die etwa durch Gesetzesänderungen ausgelöst werden. Nachhaltige Themenfonds investieren zudem bevorzugt in junge und kleine Konzerne, deren Profitabilität noch nicht stabil ist. Die Volatilität und das Risiko sind hoch.
  4. Sind nachhaltige Rentenfonds stabiler?
    Auf dem Markt finden Anleger eine ganze Reihe von Fonds, die in Anleihen besonders nachhaltiger Länder und Unternehmen investieren. Dazu zählen Nationen und Konzerne, die ihren Strom aus erneuerbaren Energien gewinnen, hohe Mindestlöhne zahlen oder andere ethische und soziale Werte vertreten. Einige der Fonds verzichten allerdings auf Investitionen in US-Anleihen, da der Staat die Todesstrafe weiterhin ausführt. Der wichtigste Rentenmarkt der Welt wird damit nicht ins Portfolio aufgenommen. Das kann durchaus zu einem ungünstigen Risiko-Rendite-Profil der Fonds führen.
  5. Nachhaltige Investitionen lohnen sich also nicht?
    Auch diese Aussage ist eindeutig falsch. Es existieren durchaus Nachhaltigkeitsfonds, die sich überdurchschnittlich entwickelt haben. Die Suche nach diesen Fonds nimmt lediglich etwas mehr Zeit in Anspruch. Anleger müssen bei nachhaltigen Investitionen genau überprüfen, in was sie ihr Kapital eigentlich investieren. Ein gutes Beispiel für einen rentablen Nachhaltigkeitsfonds ist der First State Asia Pacific Sustainability Funds. Dieser schlug seinen Vergleichsindex – und auch die Konkurrenz – in den vergangenen Jahren regelmäßig. Die Renditen lagen deutlich über dem Marktschnitt. Die erwirtschafteten Gewinnen waren nicht nur gut für das Portmonee, sondern auch für das Gewissen der Anleger: der Fonds investiert ausschließlich in Unternehmen, die strenge soziale und ökologische Standards einhalten. Ebenfalls positiv war die Wertentwicklung des Carnegie Worldwide Ethical oder des UBS EF Global Sustainable. Beide Fonds konnten sich gegenüber herkömmlichen Investmentfonds gut behaupten.

Aus Anlegersicht bedeutet nachhaltiges Investieren definitiv einen gewissen Mehraufwand, der sich allerdings lohnen kann. So existieren einige Fonds, die überdurchschnittliche Renditen durch nachhaltige Investments erzielen. Gleichzeitig schaffen es viele Nachhaltigkeitsfonds aber nicht, mit der klassischen Konkurrenz mitzuhalten. Es gilt also, sich sehr detailliert mit dem eigenen Investment zu beschäftigen. Dafür wartet am Ende nicht nur eine hohe Rendite, sondern auch ein gutes Gewissen.

Fazit: Nachhaltigkeit

Die Beurteilung der Nachhaltigkeit eines Investments ist nicht unkompliziert. Alle vorgestellten Verfahren weisen gewisse Schwierigkeiten auf. Anleger sollten sich daher vor allem auf die Bewertungen großer Ratingagenturen verlassen. Beim konkreten Investment dürfen Anleger allerdings nicht ausschließlich auf die Nachhaltigkeit achten. Viele nachhaltige Fonds schaffen es nicht, eine angemessene Rendite zu erwirtschaften. Es existieren allerdings auch solche Nachhaltigkeitsfonds, die es schaffen, beide Faktoren miteinander zu kombinieren. Wer sich für die Investition in solche Fonds entscheidet, kann mit reinem Gewissen hohe Gewinne erwirtschaften.

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