Psychologische Fallen beim Aktienhandel

Psychologische Fallen beim Aktienhandel

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Privatanleger können ihre Gewinne beim Aktienhandel häufig deswegen nicht maximieren, weil die eigene Psyche ihnen einen Streich spielt. Grund dafür ist die Wahrnehmungen von Verlusten, Gewinnen und Informationen. Die häufigsten (vermeidbaren Fehler) sind die Folgenden:

  1. Zu früh verkaufen und zu lange halten.

Gerade Privatanleger verkaufen ihre Aktien immer dann viel zu früh, wenn sie Gewinne machen. Sie warten Kurshochs nicht ab, sondern verkaufen die Positionen vorher. Auf diese Weise entgeht ihnen in der Regel ein beträchtlicher Gewinn.

Der Grund hierfür liegt im Belohnungssystem:

  • Aktionäre wollen sich mit dem durch die Aktie erzielten Gewinn belohnen. Das sorgt für Glücksgefühle und Stolz.
  • Direkt realisierte Belohnungen (Gewinne) sind für Menschen attraktiver als unsichere Belohnungen in der Zukunft.
  • Im Gegensatz dazu wirken nicht-realisierte Gewinne, beispielsweise weil man das Hoch verpasst hat und der Kurs wieder leicht sinkt, eher dazu, dass man den entgangenen Profit höher bewertet.
  • In schwerwiegenden Fällen betrachtet der Aktionär dann sogar ausschließlich den entgangenen Gewinn.
  • Mit einem weiterhin steigenden Kurs können Anleger hingegen eher umgehen.

Genauso verhält es sich auch mit Verkäufen. Privatanleger halten fast immer zu lange an sinkenden Aktien fest. Grund dafür ist die Hoffnung, dass sich der Kurs wieder fangen wird. Zudem reagieren Anleger sogar körperlich auf Verluste und auch hier reagiert das Belohnungssystem – allerdings negativ.

  1. Eigenen Kaufkurs überbewerten.

Ein weiteres Problem entsteht zudem dadurch, dass die Einschätzung eines Unternehmens durch den Kaufkurs deutlich beeinflusst wird.

Fall 1: Wer eine Aktie für 60 Euro gekauft hat, wird bei 80 Euro beglückt über die gute Kurssteigerung sein und eher gewillt sein, sie zu verkaufen – selbst wenn der Kaufzeitpunkt mehrere Jahre her ist. Gleichzeitig wird ein anderer, der die Aktie erst vor wenigen Monaten für 75 Euro erworben hat, zögerlicher sein, obwohl er unter Umständen im gleichen Zeitraum die Rendite erwirtschaftet hat. Er erwartet dann aufgrund der guten Erfahrung mit der Aktie eher, dass sich der Kurs noch weiter steigern wird.

Der Kaufkurs wirkt sich auch auf die Einschätzung des Kurspotenzials aus.

Fall 2: Angenommen die eben genannte Aktie notiert immer noch bei 80 Euro. Anleger A hat die Aktie für 60 Euro erworben und freut sich über die Preissteigerung. Er verkauft seine Aktie. Anleger B hat die Aktie hingegen vor Jahren für 100 Euro erworben. Er ist felsenfest davon überzeugt, dass die Aktie noch steigen wird, und hält sie.

Conosrs Tops

Broker beurteilen Aktien oftmals objektiver , Quelle:Consorsbank

Es handelt sich hierbei jedoch um das gleiche Unternehmen und nur einer der beiden wird jeweils Recht behalten, auch wenn das Bauchgefühl jeweils subjektiv vollkommen berechtigt ist.

  1. Denken, es gäbe den optimalen Einstiegszeitpunkt.

Viele Privatanleger konzentrieren sich zu sehr auf den optimalen Einstiegszeitpunkt, an dem sie ihre Rendite maximieren können. Dabei wirkt dieses Vorhaben auf eine einzelne Aktie gesehen durchaus sinnvoll. Wer auf einem niedrigen Kursniveau Wertpapiere kauft und zum Höchstkurs verkaufen kann, kann eine deutlich bessere Rendite verzeichnen als ein Anleger, der beide Male eher im Mittelfeld gekauft oder verkauft hat und deswegen deutlich weniger Gewinn verzeichnen kann. Nicht selten sind Anleger mit sich selbst unzufrieden, wenn sie die optimalen Zeitpunkte verpasst haben.

Tatsächlich gelingt es jedoch nicht einmal Anlageprofis, Market Timing-Strategie erfolgreich umzusetzen und damit den Markt zu schlagen. Stattdessen  ist es wesentlich erfolgsversprechender, nach und nach eine gleich hohe Summe zu investieren und so durch verschiedene Kaufzeitpunkte einen Cost-Average-Effekt zu erzielen.

  1. Der Masse folgen.

Der Herdentrieb an der Börse ist einer wichtigsten Faktoren, die auf die Aktienkurse wirken. Es ist deswegen unumgänglich, die Mechanismen zu kennen, die sich auf deutliche Kursänderungen auswirken können. Nur wer einen kühlen Kopf behält, kann bei irrationalen Verkäufen oder auch Käufen einen Gewinn verzeichnen. Wesentlich wichtiger als der „innere Wert“ eines Unternehmens und somit seiner Aktie sind nämlich die Gewinnerwartungen der anderen Anleger.

Nicht umsonst predigen viele Finanzexperten azyklisches Investment. Wer dem Trend folgt, bezahlt hingegen häufig nur den Gewinn der ersten Käufer. Wer weiß, wie die Herde der Aktionäre in der Zukunft reagieren wird, kann Gewinne maximieren und so Verlust vermeiden. Wer hingegen mit der Masse geht, hängt im schlimmsten Falle so sehr hinterher, dass er große Rückschläge verkraften muss.

  1. In Aktien verlieben.

Viele Privatanleger binden sich emotional zu sehr an ihre Aktien. Dafür gibt es verschiedene Gründe:

  • Die Aktie zählte zu den ersten erworbenen Wertpapieren.
  • Die Aktie hat ihren Kurs konsequent steigern können.
  • Die Dividende war hoch und wurde regelmäßig gezahlt.
  • Das Unternehmen stellt Produkte her, die der Aktionär besonders schätzt.

Allerdings ist es im Aktienhandel immer kritisch, emotional zu sehr involviert zu sein. Das führt vor allem dazu, dass Aktien zu lange gehalten werden, wenn die Kurse sinken.

Besser ist es deswegen, Emotionen durch das Setzen von Stopp-Loss und Verkaufszielen unter Kontrolle zu halten. Anleger sollten sich darüber im Klaren sein, dass ihnen ihre Psyche Streiche spielen wird und deswegen von vorneherein dafür sorgen, dass dies nicht durch unnötige Sentimentalität geschieht.

Wer weiß, dass er sich unter Umständen an ein Unternehmen bindet, kann dem durch eine geeignete Strategie entgegenwirken. Wer trotz des erreichten Kurses den Gewinn nicht realisieren möchte, sollte wenigstens mit einem Trailing-Stop arbeiten. Dieses zieht das Stop-Loss automatisch mit den Kurssteigerungen nach und kann so dabei helfen, Kursgewinne zu maximieren.

  1. Nur Bekanntem vertrauen.

Die meisten Privatanleger würden lieber in ein deutsches Unternehmen mit einer geringeren Renditechance investieren als in ein ausländisches Unternehmen, das ähnlich stabil und rentabel aufgestellt ist und durch einen anderen Markt höhere Wachstumschancen und somit auch ein größeres Kurspotenzial hat.

Menschen haben deswegen eine Tendenz dazu, in Vertrautes investieren zu wollen, weil dies ihr Kontrollbedürfnis besser befriedigt. Anleger wollen in der Regel keine Unsicherheiten in Kauf nehmen und haben bei deutschen Unternehmen mehr Vertrauen. Informationen sind zum durch Berichterstattung gegenwärtiger und aufgrund der bekannten Rahmenbedingungen und der Sprache deutlicher zu verstehen.

Ökonomen ist dieses Phänomen auch als „Home Bias“ bekannt. Allerdings: Wer nur in deutsche Unternehmen investiert, verzichtet auf eine ausreichende Diversifikation und erhöht somit sein Risiko anstatt es durch Bekanntes zu senken.

  1. Eigene Fähigkeiten überschätzen.

Auch wenn Privatanleger häufig als vorsichtig gelten, trauen sich die meisten gerade im Ernstfall mehr zu, als Finanzexperten. Aus diesem Grunde verkauften zahlreiche Anleger ihre Aktienfonds in der Finanzkrise – natürlich mit Verlusten – um das Kapital eigenständig in Aktien zu investieren – natürlich mit mäßigem Erfolg.

Psychologen kennen dieses Phänomen auch als Over-Confidence. Bemerkbar macht sich diese Überschätzung der eigenen Fähigkeiten vor allem in Krisenzeiten. Menschen haben dann häufig das Gefühl, eine Krisensituation besser zu meistern. Doch auch unabhängig davon tritt das Phänomen im Alltag auf. So halten sich beispielsweise rund 75 Prozent aller Autofahrer für besser als den Rest.

Besonders häufig zeigt sich die Überschätzung zudem bei Kursverlusten. Währen Privatanleger häufig in Befragungen angeben, sie würden einen Kursverlust von 20 Prozent psychisch verkraften können, reichen in der Regel schon weit geringere Kursschwankungen aus, um sie zu nervös zu machen.

Dennoch versuchen die meisten Anleger den Markt zu schlagen und sind dann unzufrieden mit sich selbst, wenn ihnen dies nicht gelingt. Tatsächlich können allerdings nur sehr wenige Investoren auf dieser Welt überhaupt behaupten, eine mehr als durchschnittliche Rendite über einen längeren Zeitraum erzielen zu können. Dennoch sind aktive Anleger häufig ständig auf der Suche nach dem optimalen Investment, dem besten Einstiegszeitpunkt und dem besten Verkaufszeitpunkt und sind frustriert, wenn ihnen dies nicht optimal gelingt.

  1. Positive Nachrichten überbewerten.

Privatanleger haben eine deutliche Tendenz dazu, positive Nachrichten zu extrem wahrzunehmen. Aufgrund der Informationsvielfalt wecken häufig nur besonders extreme Nachrichten die Aufmerksamkeit. Zudem werden negative Nachrichten häufig als wichtiger und demzufolge deutlicher wahrgenommen. Bei positiven Nachrichten überschätzen Anleger dann die Auswirkungen und werden zu optimistisch.

Ein Fehler ist dies auch häufig deswegen, weil das Potenzial einer Verbesserung eigentlich immer schon im Kurs angelegt ist. Wird die Verbesserung wahrscheinlicher, steigt der Kurs deswegen nicht in dem Ausmaß, den Privatanleger vermuten würden.

  1. Kurzfristig denken.

Vor dem Aktienkauf achten Privatanleger in der Regel nur auf die Kurse der vergangenen Monate. Bei der Geldanlage sollten jedoch auch Krisen innerhalb der letzten zehn bis zwanzig Jahre berücksichtigt werden. Eine Prognose sollte im Optimalfall auf mindestens fünf Jahre ausgelegt sein.

  1. Nur auf Rendite achten.

Vor allem auf die Rendite zu achten, ist gerade von männlichen Privatanlegern einer der häufigsten Fehler. Dies liegt zum einen am Belohnungssystem, das Erfolge stärker belohnt. Zum anderen werden auch in der Gesellschaft Gewinne deutlich offener behandelt als Verluste. Kaum ein Privatanleger gibt auf einer Dinnerparty zum Besten, wie er die Talfahrt eines Wertpapiers verkraften musste.

All dies sorgt dafür, dass die Rendite für viele Privatanleger beim Kauf deutlich wichtiger ist als das Risiko. Dem entgegengesetzt sind viele erfolgreiche Anlageexperten der Meinung, dass es vor allem wichtig ist, das Risiko zu begrenzen und erst in einem nächsten Schritt die Rendite in die Kaufentscheidung miteinzubeziehen.

Fazit:

Die Psyche spielt Privatanlegern häufig einen Streich. Wer weiß, wo die Fallen lauern und seine Psyche ihn reinlegen wird, kann seine Verluste verringern und den Gewinn vergrößern. Wichtig ist es vor allem zu wissen, wo und warum Privatanleger dazu neigen, Informationen oder Kurse verzerrt wahrzunehmen. Wer dies weiß, kann die Lage in den entsprechenden Situationen häufig wesentlich besser einschätzen oder im Vorfeld Strategien gegen Fehlentscheidungen entwickeln.

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