Börsenstrategie

Value, Quality oder Growth mit unterschiedlichen Strategien Rendite erzielen

Wer langfristig erfolgreich an den Finanzmärkten agieren möchte, sollte ausgereifte Handelsstrategien entwickeln. Das grundlegende Prinzip muss dabei aber nicht komplex sein: in den vergangenen Jahrzehnten haben sich einige Strategien als besonders renditestark oder nützlich erwiesen. Insbesondere dem Value Investing, Quality Investing und Growth Investing kommt heute ein hoher Stellenwert zu. Welche Anlagestrategie die richtige ist, hängt auch immer von individuellen Präferenzen der Anleger ab.

Gezielte Investitionen tätigen

Ein viel genutzter Begriff in der Finanzwelt ist das sogenannte Stockpicking. Das bedeutet, dass Anleger gezielt in Aktien investieren, die zuvor sorgfältig ausgesucht wurden. Im Umkehrschluss heißt das allerdings nicht, dass Anleger diese Wertpapiere auch ebenso lange im Portfolio halten. Abhängig ist die Haltedauer nämlich vor allem von der gewählten Strategie und den individuellen Eigenschaften des Wertpapiers.

Stockping hat sowohl Vor- als auch Nachteile, die in der Finanzwelt recht umstritten sind. Es existieren gegenläufige Meinungen über die detaillierte Auswahl von Aktien – auch unter berühmten Investoren. Viele Experten sind der Meinung, dass Trader durch die Auswahl gezielter Aktien die Performance eines Marktes nicht schlagen können. Warren Buffet, berühmter Star-Investor aus den USA, ist einer der Hauptgegner dieser These. Seit Jahrzehnten betreibt er Stockpicking und übertrifft die Marketperformance deutlich. Mehrere Milliarden Dollar darf der Amerikaner auch dank Stockpricing sein eigen nennen.

DEGIRO

Orderkosten haben Einfluss auf die Rendite

Die Frage, die sich Anlegern an stellen dürfte lautet: „Wie finde ich Aktien, die sich später besser entwickeln werden als der Markt?“ Selbstverständlich ist die Informationssuche in der Praxis recht aufwändig und setzt ein Gewisses Maß an Fachwissen voraus. Grundwissen über Betriebswirtschaft und wichtige Unternehmenskennzahlen wird zwingend vorausgesetzt, um die erste Spreu vom Weizen zu trennen. Daneben spielen allerdings weitere Faktoren eine wichtige Rolle. So sind es beispielsweise gute Zukunftsperspektiven für ein Unternehmen oder eine ganze Branche, die sich später für Anleger auszahlen. Auch die Lage der Weltwirtschaft im Allgemeinen sollte von Anlegern berücksichtigt werden.

Das Momentum nutzen

Die sogenannte Momentum-Strategie setzt darauf, solche Wertpapiere zu finden, die sich aktuell in einem deutlichen Aufwärtstrend befinden. Wichtig ist, dabei nicht nur den generellen Trend festzustellen, sondern auch dessen Stärke zu analysieren. Möglich ist das unter anderem durch Mittel der technischen Analyse. Im Einzelnen lassen sich so vier Szenarien für Wertpapiere festmachen:

  1. Bei einem positiven und steigenden Momentum-Wert beschleunigt sich der Aufwärtstrend einer Aktie aktuell. Investitionen in Wertpapiere des Konzerns sind dann besonders lukrativ, der Einstiegszeitpunkt scheint optimal.
  2. Angenommen, der Momentum-Wert ist zwar noch positiv, aber bereits fallend. Dann ist zwar noch ein Aufwärtstrend für die Aktie feststellbar, dieser wird allerdings bald enden. In diesem Moment ist es sinnvoll, über einen baldigen Verkauf von Bestandsaktien nachzudenken.
  3. Ist der Momentum-Wert negativ und weiter fallend, so beschleunigt sich ein aktueller Abwärtstrend eines Wertpapiers. Von Investitionen sollte dann abgesehen werden.
  4. Wenn der Momentum-Wert hingegen negativ, aber steigend ist, wird er Abwärtstrend verlangsamt. Er könnte dann in naher Zeit umkehren und eine Trendwende einläuten. Dann lohnen sich Investitionen in das Wertpapier.

Was in der Theorie recht einfach klingt, stellt Finanzanalysten in der Praxis immer wieder vor Probleme. Oft sind Trends nicht eindeutig feststellbar, zudem sollte nicht nur der Momentum-Wert zur Beurteilung eines Wertpapiers genutzt werden. Auch der sogenannte Rate-of-Change Indikator (ROC) und der Relative-Strenght-Index (RSI) werden zur Einschätzung genutzt. Ebenfalls setzen Anleger den MACD, einen weiteren Signalwert ein, um Trends festzustellen.

Die Qualität der Unternehmen, die durch betriebswirtschaftliche oder zukunftstechnische Aspekte, quantifiziert werden kann, spielt bei der Momentum-Strategie keine Rolle. Die Beurteilung erfolgt ausschließlich auf Basis der technischen Analyse. Die Haltedauer von Aktien, die im Rahmen der Momentum-Strategie erworben werden, ist in der Regel sehr kurz. Geeignet ist die Strategie vor allem für erfahrene Anleger, die sich bereits mit der Chart-Analyse von Wertpapieren auskennen.

Quality Investing als Gegensatz

Das sogenannte Quality Investing setzt hingegen auf eine andere Herangehensweise. Im Rahmen der Strategie wird weder auf die technische Analyse noch auf harte betriebswirtschaftliche Kennzahlen gesetzt. Dadurch soll das Problem umgangen werden, dass Unternehmen ihre Bilanzen oft deutlich verschönern können – auch im gesetzlichen Rahmen. Quality Investing ist vor dem Hintergrund der Wirtschafts- und Finanzkrisen in den vergangenen wieder interessant geworden.

Die Ermittlung der Qualität von Unternehmen basiert auf grundsätzlichen Einschätzungen der Marktposition und des Marktes an sich. Es geht um langfristige Perspektiven. Ein wichtiges Toll stellt dabei die sogenannte BCG-Matrix dar. Dabei werden Marktanteil und Marktwachstum eines Unternehmens in einer Tabelle übersichtlich dargestellt. Auch hier existieren wieder vier mögliche Ausprägungen:

  • Fällt das Marktwachstum gering aus und ist auch der Marktanteil als gering zu bezeichnen, ist von Poor Dogs die Rede. Diese Unternehmen lohnen sich für Anleger nicht.
  • Stars sind solche Unternehmen, die bereits über einen hohen Marktanteil verfügen und weiter wachsen. Sie sind nur sehr selten zu finden, als aktuelles Beispiel kann maximal Google dienen.
  • Als Cashcows werden solche Konzerne bezeichnet, die viel Marktmacht haben, aber nicht weiter wachsen. Investitionen lohnen sich für Anleger daher vor allem aufgrund von hohen Dividendenausschüttungen.
  • Ist das aktuelle Wachstum hoch, der Marktanteil aber noch gering, sprechen Finanzexperten von sogenannten Question Marks. Investitionen sind aus Anlegersicht recht risikoreich, weil das noch junge Wachstum schnell zerstört werden könnte. Auf der anderen Seite ergeben sich hohe Renditechancen, weil die Einstiegskurse noch niedrig sind.

Auch das Quality-Investing erfordert viel Erfahrung im Umgang mit den Finanzmärkten. Entscheidungen müssen dabei aus einer Mischung aus gesundem Bauchgefühl und detaillierten Marktanalysen getroffen werden.

Value Investing

Das Value Investing grenzt sich wiederum von den bereits vorgestellten Anlagestrategien ab. Der bereits erwähnt Warren Buffet gilt in diesem Bereich als erfahrenster und erfolgreichster Investor. Als Begründer der Strategie wird allerdings Benjamin Graham aufgeführt, der das Value Investing in seiner Grundform bereits im Jahr 1934 entwickelte. Trotz seiner langen Gesichte ist das Value Investing noch heute renditestark und bekannt. Nicht nur Warren Buffet, sondern auch viele Kleinanleger haben bewiesen, dass sich mit Unternehmen, dessen „innerer Wert“ hoch ist, viel Geld verdienen lässt.

Beim Value Investing geht es darum, Unternehmen mit einem eingängigen Geschäftsmodell zu finden. Dieses sollte einen hohen „inneren Wert“ haben, der über dem aktuellen Marktpreis liegt. Die sogenannte Sicherheitsmarge bildet dabei die Differenz aus aktuellem Wert und dem in der Zukunft zu realisierenden, inneren Wert des Unternehmens.

Auf den ersten Blick mag das Ganze kompliziert erscheinen, die Idee ist aber simpel: „Finde ein Unternehmen mit einer guten Idee, die sich in den nächsten Jahren am Markt durchsetzen wird.“ Wer beispielsweise vor der Einführung des iPhones in Apple-Aktien investiert hat, musste nur rund 5 US-Dollar für das Wertpapier zahlen. Zehn Jahre später ist eine Aktie rund 100 US-Dollar wert – eine Gesamtrendite von 2.000 Prozent.

Apple stellt hierbei natürlich eine außerordentliche Ausnahme dar, die nur wenige Investoren erkannt haben. Grundsätzlich lässt sich der innere Wert eines Unternehmens aber über einige betriebswirtschaftliche Kennzahlen ermitteln:

  • Kurs-Gewinn-Verhältnis
  • Kurs-Buchwert-Verhältnis
  • Kurs-Umsatz-Verhältnis
  • Kurs-Cash-Flow-Verhältnis

Die Kennzahlen dienen auch dazu, die Entwicklung des inneren Werts zu prognostizieren. Neben diesen harten Zahlen, spielen beim Value Investing auch weichere Faktoren eine Rolle. Ein gewisses Maß an Fingerspitzengefühl und ein gutes Verständnis der Märkte sind daher auch beim Value Investing unerlässlich. Aufgrund des langfristigen Anlagehorizonts eignet sich die Strategie insbesondere auch für Kleinanleger.

Growth Investing

Growth Investing in seiner heutigen Form steht im klaren Kontrast zum Value Investing. Anleger begeben sich dabei auf die Suche nach Unternehmen, die bereits seit Jahren oder besser Jahrzenten konstant wachsen. Das Wachstum bezieht sich dabei gleichermaßen auf Umsatz und Gewinn. Auf dem Markt finden sich nicht viele solcher Unternehmen. In der Regel handelt es sich um Konzerne, die ständig expandieren, neue Produkte auf den Markt bringen und von stetig wachsenden Märkten an sich profitieren.

Wachstumsunternehmen sind beispielsweise die Technologiekonzerne Google oder Apple. Auch eBay oder andere Mitglieder der „New Economy“ können auf konstantes Wachstum von Umsatz und Gewinn in den letzten Jahren verweisen. Die Auswahl ist dabei nicht per se auf Hochtechnologie-Unternehmen beschränkt. Auch in anderen Branchen lassen sich durchaus Konzerne finden, die stetig wachsen. Nestle expandiert beispielsweise seit Jahren und fördert sein Wachstum durch ein immer breiteres Produktangebot und zahlreiche Übernahmen anderer Wettbewerber.

Beim Growth Investing kommen verschiedene Kennzahlen und Verfahren zum Einsatz:

  • Das Kurs-Gewinn-Wachstumsverhältnis gilt als zentrale Kennzahl der Analyse.
  • Die Discounted-Cash-Flow-Methode ist deutlich komplexer und wird vor allem von erfahrenen Anlegern genutzt.
  • Fundamental wird auf den Gewinn je Aktie geschaut. Die Kennzahl ist am Ende des Jahresabschlusses für jedes Unternehmen direkt einzusehen.

Bei den genannten Kennzahlen müssen Anleger grundsätzlich auf Verwässerungseffekte achten. Diese können insofern auftreten, als dass Unternehmen ihre Bilanzen nur allzu gerne beschönigen. So sollen die eigenen Anteilseigner zufriedengestellt werden. Es handelt sich dabei keineswegs um die strafrechtliche Bilanzfälschung, auch im gesetzlichen Rahmen weisen die Bilanzen einen recht großen Spielraum auf.

Fazit: Unterschiedliche Strategien, die alle zum Erfolg führen können

Anlegern bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, um langfristig Rendite an der Börse zu erzielen. Allen Entscheidungen muss dabei zwingend eine Handelsstrategie zugrunde liegen. Je nach Anlagehorizont, persönlichen Vorlieben und Vermögensstand ergeben sich passgenaue Möglichkeiten. Sowohl die technische Analyse als auch betriebswirtschaftliche Kennzahlen und Marktanalysen helfen dabei, passende Aktien für das Portfolio zu finden. Immer beachtet werden sollte dabei, dass die Wertpapiere möglichst kostengünstig gekauft werden. Das heißt, dass Anleger einen Broker suchen sollten, der beispielsweise Flat-Fee-Modell für Wertpapiere.

Top 5 Aktien Depots

Sie riskieren Ihr Kapital