Für wen lohnt sich die Riesterrente?

Für wen lohnt sich die Riesterrente?

Die Anzahl der Riesterverträge ist rückläufig. Im ersten Quartal 2016 überstieg die Zahl der Kündigungen erstmals die Zahl der Abschlüsse. Die Grünen wollen die Riesterrente sogar abwickeln und Horst Seehofer erklärte sie als gescheitert. Fakt ist: Die Riesterrente lohnt sich nicht für jeden. Dennoch belohnt der Staat die Vorsorge, sodass sie in einigen Fällen durchaus sinnvoll sein kann.

Was ist die Riesterrente?

Die Riester-Rente ist eine staatlich geförderte, aber privat finanzierte Rente, die als Ergänzung zur gesetzlichen Rente abgeschlossen werden kann. Sie ist durch das Altersvermögensgesetz im Jahr 2002 eingeführt worden, nachdem das Nettorentenniveau reduziert wurde.

Riestern ist allerdings nicht gleich riestern. Die Riester-Rente wird in verschiedenen Varianten und von unterschiedlichen Finanzdienstleistern angeboten. Grundsätzlich lassen sich dabei vier verschiedene Formen unterscheiden:

  1. Rentenversicherung

Hierbei handelt es sich um klassische Rentenversicherung, die mit den staatlichen Zuschlägen kombiniert werden können. Der größte Vorteil ist die Berechenbarkeit des Angebotes. Versicherte ab ungefähr 35 Jahre können hier ihre Mindestrente sehr genau berechnen und beeinflussen. Ein Nachteil kann die mangelnde Transparenz und hohen Zusatzgebühren sein.

  1. Riester-Sparpläne

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Riester-Rente mit herkömmlichen Banksparplänen zu kombinieren. Auf diese Weise eignet sich die Riester-Rente immer noch für sehr sicherheitsorientierte Anleger. Die Renditen sind verhältnismäßig niedrig, allerdings sind die Zusatzgebühren im Vergleich zur Rentenversicherung in der Regel deutlich niedriger. Vorteile dieser Sparform ist, dass sich auch ein späterer Einstieg noch lohnt und auch eine Vorzeitige Kündigung vergleichsweise geringe Nachteile mit sich bringen. Wer flexibel bleiben möchte, ist mit einem Banksparplan deswegen häufig am Besten bedient.

  1. Fondssparen mit Riester

Wer bereit ist, für eine höhere Rendite auch mehr Risiko zu gehen, könnte im Fondssparen das richtige Produkt finden. Auch hier werden klassische Fondssparprogramme mit Riester kombiniert. Allerdings könnte auch außer der Spareinlage und staatlicher Förderung zum Zeitpunkt der Auszahlung keine Rendite erwirtschaftet worden sein.

Neben Fondssparplänen bieten viele Banken auch die Kombination von Riester und Fondspolicen ein. Im letzten Fall können Kunden die Fonds teilweise selbst wählen und so den Erfolg beeinflussen.

  1. Wohn-Riester-Darlehen

Riester kann auch als Bausparen genutzt werden. Wer mit Wohneigentum gegen Altersarmut vorgehen möchte, kann auf diese Weise gleich zweifach von der staatlichen Förderung profitieren. Gegenüber der üblichen Baufinanzierung erhalten Anleger beim Wohnriester zum einen Zulagen und Steuervorteile, zum anderen auch günstige Darlehenszinsen.

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Man sollte bereits in jungen Jahren über Riester nachdenken

Wer darf riestern?

Nicht jeder Deutsche darf riestern. Als Grundvoraussetzung gelten, dass die Personen nach § 10a EStG rentenversicherungspflichtig sind und der unbeschränkten Steuerpflicht unterliegen. Dabei dürfen auch in Deutschland arbeitende Arbeitnehmer, die im Ausland wohnen, versichert werden.

Zu den unmittelbar zulageberechtigten Personen zählen:

  • Rentenversicherungspflichtige Angestellte
  • Rentenversicherungspflichtige Selbstständige
  • Amtsträger
  • Geringfügig Beschäftigte, die sich nicht von der Versicherungspflicht haben befreien lassen (Aufstocker)
  • Beamte, Richter, Soldaten sowie diesen gleichgestellte Personen
  • Bezieher von Vorruhestandsgeld
  • Bezieher von Arbeitslosengeld und Arbeitslosengeld-II-Empfänger
  • Bezieher von Krankengeld
  • Wehr- und Zivildienstleistende
  • Nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen
  • Vollständig Erwerbsgeminderte oder Dienstunfähige
  • Kindererziehende nachdem Beantragung der Kindererziehungszeiten

Darüber hinaus gibt es auch mittelbar zulageberechtigte Personen, die mindestens 60 Euro pro Kalenderjahr einzahlen müssen und Ehe- oder Lebenspartner von unmittelbar Zulageberechtigten sein müssen.

Ausgeschlossen sind also vor allem nicht rentenversicherungspflichtige Selbständige, in berufsständischen Versorgungen Pflichtversicherte, Altersrentner, Studenten und geringfügig Beschäftigte, die versicherungsfrei beschäftigt sind oder die der Zahlung an die gesetzliche Rentenversicherung widersprochen haben.

Welche Zuschüsse gibt es?

Die Förderung setzt sich aus der Altersvorsorgezulage und dem Sonderausgabenabzug zusammen. Die Altersvorsorgezulage setzt sich dabei aus der Grundzulage plus gegebenenfalls Kinderzulage(n) zusammen.

Der Mindesteigenbeitrag ist der der Betrag, der geleistet werden muss, um die volle Zulage zu erhalten. Derzeit beträgt er 4 % der rentenversicherungspflichtigen Einnahmen des Vorjahres, abzüglich des Zulagenanspruches. Der Höchstbetrag ist 2.100 Euro pro Jahr.

Um überhaupt eine Zulage zu erhalten, müssen Versicherte den Sockelbeitrag leisten. Er beträgt seit 2005 60 Euro jährlich.

Die Förderung findet dann in folgender Höhe statt:

  • Jährliche Grundzulage pro Person: 154 Euro
  • Jährliche Kinderzulage pro Kind: 185 Euro
  • Jährliche Kinderzulage für alle ab dem 01.01.2008 geborene Kinder: 300 Euro.
  • Berufseinsteigerbonus: 200 Euro im ersten Sparjahr
  • Höchstmöglicher Sonderausgabenabzug: 2.100 Euro

Die Kinderzulage kann dann beansprucht werden, wenn das Kind im Kalenderjahr mindesten einen Monat lang Anspruch auf Kindergeld hatte. Berechtigt ist dabei ausschließlich der Kindergeldempfänger, bei verheirateten Eltern ist dies die Mutter, auf Antrag auch der Vater. Ehepaare müssen jeweils einen eigenen Vertrag abschließen, um die Grundzulage zu erhalten.

Welche Kritik gibt es an der Riesterrente?

Die Riesterrente sieht sich bereits seit ihrer Einführung starker Kritik ausgesetzt. Dabei werden vor allem die folgenden Nachteile thematisiert:

  1. Die Riesterrente ist kompliziert

Viele Anleger verstehen die Finanzprodukte nicht und können sie schlecht vergleichen. Um diesen Kritikpunkt zu verbessern, sind seit 2013 einheitliche Produktinformationsblätter vorgeschrieben. Diese muss nun die Ertragserwartung und die enthaltenen Kosten auflisten, um so eine leichtere Verständlichkeit und bessere Vergleichbarkeit zu erreichen.

  1. Die Riesterrente ist teuer

Riesterverträge sind im Vergleich zu anderen Finanzprodukten häufig sehr teuer. Viele Anbieter verlangen hohe Gebühren, die teilweise sogar über den staatlichen Zuschüssen liegt.

  1. Die Riesterrente wird nicht von denen genutzt, die sie benötigen.

Verschiedene Studien haben ermittelt, dass Personen mit geringem Einkommen seltener die staatlichen Zulagen in Anspruch nehmen als die deutsche Bevölkerung im Durchschnitt. Somit geht die Riesterrente an der Personengruppe vorbei, für die sie besonders wichtig ist. Der Einfluss der Riester-Förderung auf die Sparneigung der Haushalte mit unterdurchschnittlichem Einkommen ist sehr klein.

  1. Riester-Rente lohnt sich nicht für Geringverdiener

Derzeit werden alle Einkünfte aus der Riester-Rente mit der Grundsicherung im Alter verrechnet. Wer also nicht über 7.000 Euro Rente erhalten wird, kann sie durch die Riester-Rente nicht ausreichend aufstocken und macht faktisch ein Verlustgeschäft.

Auch die Rentabilität der späteren Auszahlungen wird häufig in Frage gestellt. Ein 35-jähriger, der 2012 einen Riester-Vertrag abschließt, müsste je nach Anbieter bei einem Renteneintrittsalter von 67 Jahren bis zu 90 Jahre alt werden, nur um das Eingezahlte wieder herauszubekommen. (Studie der DIW und Friedrich-Ebert Stiftung von 2011)

  1. Erfolg der Riesterrente zu großen Teilen ein Mitnahmeeffekt.

Die Riesterrente war ursprünglich als zusätzliche Altersvorsorge gedacht. Stattdessen zeigt sich, dass Kapital in großen Teilen aus anderen Sparformen abgezogen wurde. Es handelt sich somit also nicht unbedingt um eine Verbesserung der Altersvorsorge der Personen, sondern eher um Mitnahmeeffekte. Das Geld würde ein Großteil der Nutzer also ohnehin zur Altersvorsorge verwenden.

  1. Riesterzuschläge sind nicht steuerfrei

Viele Anbieter werben mit der Steuerfreiheit der Beiträge. Allerdings ist dies nur bedingt richtig. In der Auszahlungsphase sind die bezogenen Leistungen voll einkommenssteuerpflichtig, es handelt sich also um eine nachgelagerte Besteuerung. Um die Doppelbesteuerung zu verringern, wird die Riesterzulage zumindest von der Einkommenssteuer freigestellt oder als Sonderausgaben anerkannt. Sozialversicherungsbeiträge fallen zudem immer an. Freiwillig Versicherte müssen eine Doppelverbeitragung hinnehmen.

  1. Die Riesterrente lohnt sich für den Staat und die Finanzdienstleister

Sowohl Norbert Blüm als auch Albrecht Müller kritisierten, dass sich die Riester-Rente finanziell weder für den Staat noch für Bürger (allen voran Geringverdiener) lohne. Profitieren würden hingegen vor allem für die Banken und Finanzdienstleister. Die rund 13 Milliarden Euro Förderung käme vor allen diesen zugute.

Für wen lohnt sich riestern?

Riestern lohnt sich vor allem für junge Einsteiger, die die staatliche Förderung voll ausschöpfen können. Dadurch, dass Flexibilität beim Riestern kaum gegeben ist, sind Riester-verträge für jüngere Arbeitnehmer allerdings nur bedingt geeignet.

Je nach Einkommen und Familiensituation können die stattlichen Zulagen eine Rendite zwischen 0,4 und 8,5 Prozent jährlich ausmachen. Familien können auf diese Weise oft besonders profitieren. Gerade dann, wenn es sich nur um eine mittelbare zuschlagsberechtigte Person handelt, können die Erträge sehr ansehnlich sein und in einem guten Verhältnis zur Prämie von 60 Euro stehen.

Nicht lohnenswert ist riestern für Geringverdiener und/oder Nutzer, die nur wenige Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung vorweisen können. Das Vermögen der Riesterrente wird auf die Grundsicherung angerechnet, sodass der Anleger im Ernstfall sogar völlig umsonst spart und damit ausschließlich den Staat unterstützt, ohne selbst Vorteile davon zu haben. So lange dieser Kritikpunkt nicht – wie häufig gefordert – aufgehoben wird, verfehlt die Riester-Rente für viele Angestellte ihr Ziel vollständig. Altersarmut lässt sich mit ihr kaum aufhalten. Eine Ausnahme hiervon kann allerdings das Wohnriestern sein, dass sich lohnen kann, wenn Anleger ein Eigenheim anstreben.

Soll ich meine Riesterrente kündigen?

Zum derzeitigen Zeitpunkt ist eine Kündigung der Riesterrente alles andere als empfehlenswert. Die Regierung plant aktuell, die Riesterrente noch einmal zu reformieren und wieder attraktiver zu machen. Ein weiteres Problem sind die hohen Gebühren der meisten Anbieter. Wer bereits einen Riestervertrag abgeschlossen hat, hat dafür in der Regel viel Geld bezahlt. Löst er seinen Vertrag nun auf, muss er die Zulagen zurückzahlen. Überstürzt zu handeln, ist nicht sinnvoll. Wesentlich praktikabler ist es zudem, den Vertrag still zu legen. Auf diese Weise bleibt die Förderung erhalten.

Dennoch könnte es auch in Bezug auf den derzeitigen Niedrigzins für viele Anleger sinnvoll sein, den Vertrag weiterzuführen und zumindest die politische Entscheidung abzuwarten, wie es mit der Riesterrente weitergeht.

Fazit:

Die Riesterrente lohnt sich aufgrund hoher Gebühren und mangelnder Flexibilität nur für wenige Personenkreise. Profitieren können vor allem Familien und Besserverdienende, die im Alter deutlich über die Grundsicherung kommen. Dennoch sollten Verträge nicht vorschnell gekündigt werden. Wer sich für einen Neuabschluss interessiert, sollte auf kostenarme Bedingungen achten. Versicherungen sind hier im Vergleich zu deutlich kostengünstigeren Sparplänen oft die schlechtere Wahl.

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