Oldtimer als Geldanlage

Oldtimer als Geldanlage (2018): Entwicklungen, Aussichten & Chancen

Oldtimer als Geldanlage

In Zeiten geringer Zinsen sind Sachwerte gefragter. Dies bekommt derzeit auch der Oldtimer Markt zu spüren. Bereits seit den 1990ern haben Investoren den Markt für sich entdeckt. Als Folge wuchsen die Preise, die bei Oldtimer-Verkäufen erzielt werden konnten, so stark, dass inzwischen sogar von „Goldtimern“ die Rede ist.

Preisentwicklung zeigt deutlich nach oben

Der Deutsche Oldtimer Index des VDA legte auch im Jahr 2015 wieder kräftig um 5,6 Prozent zu, nachdem er im Vorjahr um 4,5 Prozentpunkte geklettert war. Der Verband der Automobilindustrie ermittelt den Index anhand von 88 repräsentativen Oldtimer-Modellen. Sie spiegeln aufgrund ihrer Spezifikationen, ihres Herstellerlandes und Häufigkeit den deutschen Oldtimermarkt zuverlässig wieder.

Nicht nur kurz-, auch langfristig zeigt der Index eindeutig nach oben. Dabei konnte sich der Index zwischen 2000 und 2012 innerhalb von nur 12 Jahren verdoppeln und der Trend wurde in den letzten drei Jahren eher deutlich, als dass er abnahm. Es winken also überzeugende Renditen. Allerdings nur, wenn das richtige Auto ausgewählt wird. Dabei kann der Verband der Automobilindustrie nämlich zwei voneinander unabhängige Segmente identifizieren. Für seltene Fahrzeuge, Einzelstücke oder Rennwagen, die häufig zudem von berühmten Persönlichkeiten erworben wurden, lassen sich Rekordpreise auf Auktionen erzielen.

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Auf der anderen Seite existiert allerdings auch das Segment, das den Liebhabern und Enthusiasten immer noch weitestgehend vorbehalten ist. Hier existiert die Begeisterung auch ohne Rekordsteigerungen, Seltenheitswert oder Rendite. Demzufolge geben die Anleger auch keine Millionen für die Fahrzeuge aus. In der Regel wechseln weniger als 20.000 Euro beim Fahrzeugerwerb den Besitzer. Das bedeutet auf der anderen Seite auch, dass die anfallenden Pflege-, Wartungs- und Unterhaltskosten gerade einmal durch den Wertzuwachs kompensiert werden.

Allerdings sind es auch gerade solche Fahrzeuge, die den Kern des Deutschen Oldtimer Index ausmachen. Es handelt sich nicht um absolute Renditeträger mit Verkaufspreisen im sieben- bis achtstelligen Bereich, sondern um Fahrzeuge, von denen eine gewisse Stückzahl produziert wurde.

Welcher Oldtimer bietet die größte Wertsteigerung?

Welche Oldtimer die größte Wertsteigerung in den letzten Jahren hingelegt hat, hängt auch davon ab, welchen Zeitraum der Interessent betrachtet. Im Februar 2016 wurden die Daten für 2015 von dem VDA veröffentlicht. In dem vergangenen Jahr konnte erstmal ein japanischer Autobauer mit dem Toyota Celica Coupé Baujahre 1972-1978 den größten Wertzuwachs verzeichnen, gefolgt von dem Pontiac Firebird der Baujahre 1978 und 1979. Auf Platz drei folgte der Porsche 356 C mit 75 PS, der zwischen 1964 und 1965 hergestellt wurde, gefolgt vom Ferrari 328 GTS (1985-1988) und der Mercedes Benz 280 SL, besser bekannt als „Pagode“. Interessant ist außerdem, dass sich mit dem Mazda MX-5 Cabriolet der ersten Generation von 1989 bis 1994 ein Youngtimer unter den Top10 findet.

Wer nun denkt, bei diesen Fahrzeugen auf sichere Renditebringer zu setzen, hat damit nicht unbedingt unrecht, sicher ist dies jedoch auch bei Weitem nicht. Noch irreführender können zudem die Fahrzeuge sein, die den stärksten Wertzuwachs seit Beginn der Indexberechnung im Jahr 1999 hinlegen konnten. Hier finden sich:

  1. Mercedes Benz 300 SL Flügeltürer
  2. VW Bulli (VW Bus Typ 2 T2)
  3. Citroen 2CV 6 (Ente)
  4. Ford Escort 1100 S (1968-1970)
  5. Porsche 924 Coupé

Auffällig ist, dass es sich dabei in vielen Fällen um Fahrzeuge handelt, die ein vergleichsweise geringes Ausgangsniveau hatten und auf diese Weise die hohe Wertsteigerung erzielen konnten. Zusätzlich fällt auch auf, dass sich einzig der VW Bulli noch in den Top 10 aus dem Jahr 2015 platzieren konnte. Immerhin reichte es für ihn für Platz 10. Die meiste Wertsteigerung haben jedoch andere hingelegt. Das bedeutet, dass bei den Oldtimern, die eigentlich die größte Renditesteigerung verzeichnen konnten und somit eine sichere Wahl sein sollten, dies nicht unbedingt der Fall ist. Stattdessen müssen diese zu einem vergleichsweise hohen Preis gekauft werden, während sich die wirklichen Renditeträger sich inzwischen an anderen Stellen finden.

Wonach sollten Anleger den Oldtimer auswählen?

Welcher Oldtimer infrage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eines der wichtigsten Merkmale ist die Bewertung, die den Pflege- und Erhaltungszustand des Fahrzeuges widerspiegeln soll. Hierfür werden Noten von 1 bis 5 verteilt. Abstufungen mit + und – sind dabei üblich.

Eine 1 stellt dabei den absoluten Top-Zustand dar. Es dürfen keine Mängel an Technik, Optik und Historie bestehen, es handelt sich also entweder um ein vollständig und perfekt restauriertes Fahrzeug, das fast einen Zustand wie neu aufweist, oder um ein originales Fahrzeug, das außergewöhnlich gut erhalten ist.

Mit Note 2 werden immer noch technisch und optisch mängelfreie Fahrzeuge beschrieben. Diese dürfen allerdings leichte Gebrauchsspuren aufweisen. Die meisten liebevoll gehegten Oldtimer entsprechen hingegen „nur“ der Note 3. Hier zeigen sich kleinere Mängel, das Fahrzeug ist aber voll fahrbereit und verkehrssicher, zeigt keine Durchrostungen und es sind keine Arbeiten notwendig. Ab Note 4 ändert sich dies. Das Fahrzeug befindet sich in einem verbrauchten Zustand, ist möglicherweise teilrestauriert, jedoch nur bedingt fahrbereit. Bei Note 5 handelt es sich um nicht-fahrbereite Fahrzeuge, die schlecht restauriert oder sogar zerlegt sein können.

Auch die Art der Restauration wirkt sich auf den Wert des Oldtimers aus. Je originalgetreuer diese ist, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Fahrzeug im Wert steigt. Hierzu zählt eine saubere Dokumentation der durchgeführten Arbeiten. Das richtige Fahrgestell mit Matching Numbers bei Motor und Chassis sind bei Strassen- und Sportwagen häufig Voraussetzung für einen hohen Wert.

Die letzte entscheidende Qualität, die ein Oldtimer mitbringen muss, der als Geldanlage angesehen werden kann, ist seine Popularität. Hierfür müssen Anleger den Markt genau studieren. Es können Jahre ins Land gehen, bis ein Interessent die beliebtesten Fahrzeuge und unterbewertete Objekte identifizieren kann und ein geeignetes Objekt findet. Es ist deswegen sinnvoll, wenn Interessenten selbst Freude an Oldtimern besitzen.

Welche Oldtimer werden im Wert wachsen?

Die exakten Modelle vorherzusagen überlassen wir an dieser Stelle anderen. Allerdings ist auffällig, dass die Fahrzeuge, die sich im Wert deutlich steigern, vor allem aus zwei Bereichen stammen.

  • Entweder es handelt sich um exotische und seltene Fahrzeuge, die ein ausgeprägtes Alleinstellungsmerkmal und deswegen einen hohen Wiedererkennungswert besitzen.
  • Oder es handelt sich gerade um die klassischen Alltagsfahrzeuge. Diese müssen allerdings durchaus einen gewissen Seltenheitswert haben, um überhaupt im Wert zu steigen.

Viele Oldtimerbesitzer sind allerdings neben den alten Schmuckstücken und Legenden im besonderen Maße an Fahrzeugen interessiert, die in ihrer Jugend auf den Straßen waren. Dabei reizen die für den damaligen Geldbeutel unerschwinglichen Fahrzeuge genauso wie beispielsweise das Modell des ersten eigenen Autos. Dass auch Volumenfahrzeuge nicht unbedingt von Wertsteigerungen ausgeschlossen sind, zeigen die Ente und der VW Bulli. Allerdings handelt es sich hierbei auch um absolute Kultautos, die diesen Rang teilweise schon zu Produktionszeiten innehatten.

Folgekosten nicht unterschätzen

Wer einen Oldtimer als Wertanlage sieht, wird häufig durch die hohen Folgekosten der Anschaffung enttäuscht. Kosten, die der Anleger im Blick behalten sollte, sind Aufwendungen für:

  • Versicherung
  • Steuern
  • Unterbringung
  • Wartung
  • Pflege
  • Austausch von Teilen

Vor allem Wartung, Pflege und die richtige Unterbringung können hier richtig ins Geld gehen. Geraden dann, wenn eine Garage extra für den Oldtimer angemietet, gekauft oder gebaut werden muss, ist die Rendite schnell wieder aufgezehrt. Auch die Versicherung kann mitunter sehr kostspielig sein. Gerade dann, wenn es sich um sehr wertvolle Stücke handelt, reicht eine – üblicherweise günstigere – Oldtimerversicherung nicht mehr aus. Stattdessen behandeln die Versicherungsgesellschaften den Oldtimer dann eher so, als würden sie eine kostbare Geige oder ein wertvolles Gemälde versichern. Dies hat dann häufig auch die typischen Einschränkungen, sodass die Sammlerfreude in vielen Fällen deutlich getrübt wird.

Wer seinen Oldtimer im Oldtimer-Tarif versichern möchte, zahlt dafür weniger als für einen Alltags-PKW. Allerdings muss er dafür in der Regel auch nachweisen, dass ein weiterer PKW vorhanden ist, der dem Alltagsgebrauch dient. Das H-Kennzeichen lohnt sich allerdings auch steuerlich, da dann auch die KFZ-Steuer deutlich günstiger ist.

Wenn der Oldtimer auch gefahren wird, kommen häufig zusätzliche Ausgaben auf den Anleger hinzu. Der Verbrauch ist mit gut eingestelltem Motor und gemäßigter Fahrweise allerdings nicht viel höher als bei heutigen Autos. Allerdings kommen vor allem hinsichtlich der Instandhaltung Mehrkosten auf den Anleger zu. Kurze Inspektionsintervalle führen zu hohen Kosten.

Welche Reparaturen selbst durchgeführt werden können, hängt von den mechanischen Fähigkeiten des Anlegers ab. Soll dies geschehen, müssen allerdings auch hier Mehrkosten durch Werkzeuge und Platzbedarf einkalkuliert werden. Auch können Ersatzteile schnell teurer werden. Wer auf die Hilfe Dritter angewiesen ist, benötigt einen versierten Schrauber. Dieser kann durch seine besondere Kompetenz einen höheren Stundenlohn verlangen. Zudem sind gerade Oldtimer, die günstig in der Anschaffung sind, nicht immer mit Original-Ersatzteilen versehen. Diese können den Wert noch einmal erheblich steigern, sind jedoch natürlich auch eine weitere Investition.

Eine aktuelle Studie mit dem Namen „Wirtschaftsfaktor Young- und Oldtimer“ der Kölner Beratung BBW Automotive ermittelte, dass rund 4.000 Euro pro Jahr und Fahrzeug anfallen, um den Oldtimer unterzubringen, ihn zu pflegen und zu verbessern. Etwas niedriger können die Unterhaltskosten sein, wenn das Fahrzeug vor dem Kauf umfassend restauriert wurde. Bei rund 700 bis 2.000 Arbeitsstunden, die je nach Erhaltung des Fahrzeuges notwendig werden, ist der Anschaffungspreis dann allerdings deutlich höher.

Fazit:

Auch wenn viele Oldtimer mit Rekord-Wertsteigerungen derzeit andere Geldanlagen in den Schatten stellen, ist die Geldanlage in alte Fahrzeuge nur für wenige geeignet. Es ist außerordentlich wichtig, den Markt zu kennen und so interessante Modelle und Fahrzeuge überhaupt erst erkennen zu können. Doch auch dann bleiben zwei Probleme bestehen: Zum einen ist das Investment spekulativ, da die Geldanlage keiner tatsächlichen Wertsteigerung folgt. Zum anderen müssen durch Wartung und Unterbringungen sowie anderen Aufwendungen die weiteren Kosten bedacht werden, die häufig dazu führen, dass die Rendite egalisiert wird. Das Investment in Oldtimer sollte deswegen entweder aus persönlichem Interesse als Hobby oder mit großer Expertise getätigt werden.

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