ETF Bitcoin: Wie ist der Sachstand?

Die Winklevoss Brüder, bekannt als Gegenspieler von Mark Zuckerberg aus dem Film “The Social Network”, hatten ihn geplant, die Fondsgesellschaft Van Eck ebenso: Einen ETF für Bitcoin. Wie ist der Sachstand im Jahr 2019? Und welche Alternativen gibt es für Investoren? Wir erklären den Stand der Dinge.

ETF Bitcoin in Stichpunkten:

  • Genehmigung umstritten
  • ETF mit Bitcoin nicht MIFID-kompatibel
  • Bitcoin-Kauf als Alternative
  • Für kurzfristige Investoren Forex Broker günstiger

Warum ein ETF für Bitcoins so schwer zu finden ist

ETFs sind eine wunderbare Sache. Es handelt sich um börsengehandelte Fonds, die man leicht und schnell kaufen und verkaufen kann. Während nicht alle Banken Fonds aller Gesellschaften anbieten werden ETFs über die Börse gehandelt. Sie lassen sich damit über praktisch jeden Broker kaufen und verkaufen, der Zugang zu diesem Wertpapiermarkt bietet. Wird ein ETF an einer deutschen Börse notiert also bei praktisch jedem deutschen Broker. Allerdings gibt es bisher keinen solchen ETF. Das hat mehrere Gründe.

ETF kaufen

Klassischerweise bieten Banken am liebsten Fonds der eigenen Fondsgesellschaft. Das hat sich zwar teilweise geändert, doch am einfachsten geht es immer noch mit ETFs. Ein in Deutschland gehandelter ETF lässt sich über praktisch jeden deutschen Wertpapierbroker erwerben.

Bitcoins sind sehr spekulativ

Aufgabe der Finanzaufsicht es auch, unvorsichtige und wenig gut informierte Kunden vor sich selbst zu schützen. Während man bei Zertifikaten oder Termingeschäften davon ausgeht, dass sie sich vor allem an erfahrene Spekulanten wenden, sind Fonds – und dazu zählen auch ETFs (Exchange Traded Funds) – ein Instrument für eine breite Anlegerschicht. Und die sind im Umgang mit stark schwankenden Anlagegütern oft unerfahren.

Bitcoins sind allerdings hochspekulativ, denn ihr Kurs gründet sich nicht auf den Erfolg eines Unternehmens wie eine Aktie oder Unternehmensanleihe, sondern alleine auf die Hoffnung, dass andere Marktteilnehmer Bitcoins nachfragen. Entsprechend ist der Kurs der Kryptowährung auch anfällig für Schwankungen. Zunächst ging es rasant nach oben, im Dezember 2017 stand der Kurs bei fast 19.000 US-Dollar. Dann aber kam die Trendwende und Anfang des Jahres 2019 war ein Bitcoin nur noch rund ein Fünftel des Höchstkurses wert.

Wer schon im Jahr 2015 eingestiegen war, hatte einen großen Gewinn gemacht. Nachzügler, die erst Ende 2017 einstiegen haben dagegen viel Geld verloren. Tatsächlich sind diese Kursschwankungen nicht gerade eine Werbung für die Zulassung von Bitcoin ETFs.

MIFID mit klaren Regeln

In der Europäischen Union kommt noch eine zweite Hürde dazu, die das Auflagen von Bitcoin ETFs praktisch unmöglich macht. Denn hierzulande dürfen Fonds, also auch ETFs, nicht nur einen einzelnen Basiswert abbilden. Auch ein ETF, der nur die Bayer-Aktie abbildet wäre demnach verboten. Das ist auch der Grund, warum es in der EU keine Gold-ETFs gibt. Allerdings wurde mit Gold-ETCs ein ähnliches Instrument geschaffen.

Krügerrand kaufen

Obwohl Gold als relativ sicher gilt, gibt es keine Gold ETFs. Denn ein Fonds darf nach EU-Recht nicht nur einen Basiswert abbilden. Allerdings wurde mit ETCs ein dem ETF ähnliches Instrument geschaffen.

ETC steht für Exchange Traded Commodity, also börsengehandelten Rohstoff. Streng genommen handelt es sich dabei um ein besichertes Zertifikat. Das nämlich ist erlaubt.

Alternativen zum ETF Bitcoin

Es ist also nicht grundlegend verboten, den Bitcoin als Basiswert zu verwenden und dieses Papier an der Börse zu handeln. Somit gibt es verschiedene Alternativen zum Bitcoin ETF.

1. Termingeschäfte

Bei Termingeschäften kauft man eine bestimmte Ware zu einem Zeitpunkt in der Zukunft oder erwirbt das Recht, das zu tun. Besonders bekannt war die Reisbörse in Osaka, an der Bauern Reis schon lange vor der Ernte verkaufen und sich so gegen Preisschwankungen absichern konnten.

Reisbörse Osaka

Schon um 1730 soll es in Japan Terminkontrakte auf Reis gegeben haben. Dabei konnten Bauern zukünftige Ernten verkaufen.

Heute ist bei Termingeschäften allerdings eine physische Auslieferung der Waren, beispielsweise von Bitcoins, aber nicht mehr vorgesehen. Stattdessen erhält man den Gewinn oder Verlust den man erzielen würde, wenn man die Ware erhält und sofort verkauft.

Dabei gibt es sogenannte bedingte Termingeschäfte, nämlich Optionen und Optionsscheine. Dabei eine Seite entscheiden kann, ob das Geschäft zustande kommt. Wer beispielsweise eine Kaufoption für Bitcoins erworben hat kann sie verfallen lassen, wenn der aktuelle Kurs niedriger liegt als der, der ihm durch die Option garantiert würde. Bei unbedingten Termingeschäften, sogenannten Futures, kommt das Geschäft dagegen in jedem Fall zustande.

Bitcoins für Kleinanleger

Bei beiden Geschäften sind hohe Gewinne und Verluste möglich, denn in beiden Fällen muss zunächst nicht das gleiche Geld investiert werden, dass der Kauf einer entsprechenden Menge Bitcoins kosten würde. Außerdem lassen sich viele Futures und die sogenannten Optionsscheine über die reguläre Wertpapierbörse handeln.

Neben dem hohen Risiko haben Termingeschäfte aber ein paar Nachteile. So werden Futures und Optionen zu einem bestimmten Zeitpunkt fällig. Außerdem kann es sein, dass viele Anleger eine ähnliche Meinung über die weitere Entwicklung haben und das den Kurs verändert. Erwarten alle einen steigenden Bitcoin, kann eine Einheit der Kryptowährung bei einem Future für das Jahr 2025 deutlich teurer sein als sie es aktuell ist. Dieses sogenannte Contango senkt die Gewinne.

2. Open-End-Zertifikate

Mehrere Banken und Investmentgesellschaften bieten sogenannte Open-End-Partizipationszertifikate auf Bitcoins, beispielsweise die Schweizer Privatbank Vontobel. Open-End-Zertifikate heißen diese Papiere, weil sie unbegrenzt laufen. Zwar haben die Emittenten meist das Recht, das Zertifikat irgendwann vom Markt zu nehmen, allerdings ist kein Ablaufzeitpunkt festgelegt wie bei Futures und Optionen.

Börse

Zertifikate lassen sich oft über die Börse handeln.

Zertifikate gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Sogenannte Short-Zertifikate setzten auf fallende Kurse. Wer ein Short-Zertifikat auf den Bitcoin kauft wettet also auf einen sinkenden Wert der Kryptowährung. Bei Faktor- und Hebel-Zertifikaten steigt und fällt der Preis des Zertifikats stärker als derjenige der zugrunde liegenden Währung.

Dabei müssen Anleger den Unterschied zwischen Hebel- und Faktorzertifikaten beachten. Faktorzertifikate multiplizieren die tägliche Veränderung mit einem Faktor. Bei einem Faktor von zwei steigt der Wert also um 5,0 Prozent, wenn der Bitcoin 2,5 Prozent an Wert gewinnt (oder verliert bei einem Short-Zertifikat). Die Tücken der Mathematik sorgen aber dafür, dass ein Anleger einen Verlust macht wenn der Kurs des Bitcoins erst um 10,- Euro steigt und am nächsten Tag wieder um 10,- Euro fällt.

Das ist bei einem Hebel-Zertifikat anders, hier wird die Veränderung zum Kaufzeitpunkt gehebelt. Im obigen Beispiel gäbe es keine Wertschwankung, denn die Gesamtveränderung ist Null und zwei Mal Null ist auch Null. Allerdings kann ein Hebel-Zertifikat wertlos werden, wenn der Kurs zwischenzeitlich zu stark fällt. Bei einem Hebel von zwei beträgt der Verlust bei einem Kursrückgang des Bitcoins um 50,0 Prozent schon 100,0 Prozent. Hebelzertifikate werden deshalb wertlos, wenn ein bestimmter Kurs erreicht wurde, sie heißen deshalb auch Knock-out-Zertifikate.

Hintergrund für Interessierte:
Warum sinkt bei Faktorzertifikaten der Wert, wenn der Basiswert kurzzeitig schwankt, sich aber langfristig nicht verändert? Stellen wir uns der Einfachheit halber ein Zertifikat mit dem Faktor zwei vor, dessen Basiswert sich am ersten Tag von 10,- auf 12,- Euro erhöht und dann wieder auf 10,- Euro sinkt. Der erste Gewinn beträgt 20,0 Prozent, bei einem Faktor von zwei wird er auf 40,0 Prozent erhöht. Damit steigt der Wert des Zertifikats von 10,- auf 14,- Euro. Dann sinkt der Kurs wieder um 2,- Euro. Das entspricht einem Rückgang von rund 16,7 Prozent (genau einem Sechstel). Verdoppelt ergeben sich 33,3 Prozent (genau ein Drittel). Dieser Rückgang wird jetzt aber auf den erhöhten Preis von 14,- Euro berechnet. Das ergibt 4,67 Euro Verlust, somit beträgt der Wert nur noch 9,33 Euro und damit weniger als die 10,- Euro Startwert.

Anmerkung zu Punkt 2 und 3

Egal ob man Optionsscheine oder Zertifikate kauft, am einfachsten geht das über eine klassischen Wertpapierbroker. Welcher der richtige ist, hängt von den Anforderungen ab. Die günstigsten Konditionen findet man in unserem Broker-Vergleich. Allerdings sollten Anleger nicht ihr gesamtes Kapital in Bitcoins investieren, sondern es lieber breit streuen. Dann sind womöglich auch andere Anforderungen wichtig.

So präsentiert sich die Consorsbank auf ihrer Homepage

Die Consorsbank bietet eine gute Mischung zwischen Discount-Broker und klassischer Direktbank. Sie offeriert ein breites Angebot, hat für Neukunden im ersten Jahr aber auch oft sehr attraktive Angebote.

Wer seine Aufmerksamkeit beispielsweise auf sein spekulatives Investment lenken will und sich um die Basis nicht kümmern möchte, der kann dafür einen Robo Advisor nutzen. Einen solchen bietet beispielsweise die Comdirect Bank mit ihrem Cominvest Depot. Dort wird dann der Hauptteil des Geldes automatisiert angelegt, während man mit dem übrigen Kapital über das reguläre Comdirect Depot gezielt investiert.

Wer dagegen Wert auf kostenloses Geldabheben bei nahezu allen Banken in der Eurozone und auf ein attraktives Wachstumssparen legt, aber alle Dienste aus einer Hand möchte, für den ist die DKB eine gute Wahl. Dagegen bietet die Consorsbank oft sehr attraktive Extras für Neukunden und ist deshalb ein guter Mittelweg zwischen Discount-Anbieter und breit aufgestellter Direktbank.

Consorsbank Logo3. Bitcoins direkt kaufen

Natürlich lassen sich Bitcoins auch direkt kaufen, etwa über Handelsplattformen wie Bitcoin.de. Dazu muss man bei dem Unternehmen aber zunächst ein Konto eröffnen. Außerdem sollte man nicht auf Betrüger hereinfallen. Jüngst machte etwa der “Bitcoin Trader” von sich reden. Die Seite warb mit einem angeblichen Artikel in der Wochenzeitung “DIE ZEIT” und einer Teilnahme an der Vox-Sendung “Die Höhle der Löwen”. Allerdings hat es weder den Zeitungsartikel noch die Teilnahme an der Show wirklich gegeben. Juror Frank Thelen warnte in seinem Blog sogar vor der Seite.

Die Börse

Oft werben Internetseiten mit der Erwähnung in der Finanzpresse. Kunden sollten aber prüfen, ob das tatsächlich der Fall war.

Physische Bitcoins haben aber den Vorteil, dass sie nicht von einer Bankpleite betroffen wären wie ein Zertifikat. Dafür können sie gestohlen werden, wenn sich Hacker Zugriff zur Festplatte verschaffen und die Kryptowährung dort gelagert wird. Alternative kann man die “Münzen” aber auch bei Plattformen wie Bitcoin.de lagern. Die Seite verspricht, dass der Großteil davon auf Rechnern gespeichert wird, die nicht online zugänglich sind.

Für aktive Umweltschützer kann auch der hohe Energieverbrauch beim Bitcoin-Schürfen ein Minuspunkt sein. Immerhin hat der Kursrückgang im Jahr 2018 dazu geführt, dass einige Firmen das Schürfen wieder aufgegeben haben. Außerdem gibt es hier natürlich keinen Hebel wie bei Faktor- oder Hebelzertifikaten.

4. Für Zocker: Forexbroker

Wer sein Geld nur kurzfristig anlegen will und üblicherweise am gleichen Tag kauft und wieder verkauft, für den sind Forex- und CFD-Broker besonders attraktiv. Dort kauft man die Bitcoins nicht direkt, sondern ein Differenzkontrakt, mit dem man von der Wertentwicklung partizipiert. Wie beim Hebel-Zertifikat gibt es oft einen Hebel. Weil die Aufsichtsbehörden die Nachschusspflicht für Privatanleger verboten haben, werden die Papiere zu einem bestimmten Kurs automatisch verkauft, so dass Kunden nicht mehr verlieren können als sie angelegt haben.

Plus500 Kryptowährungen

Plus500 bietet zahlreiche Kryptowährungen, darunter auch den Bitcoin.

Solche Broker haben den Vorteil, dass die Bitcoins schnell und kostengünstig ge- und wieder verkauft werden können. Allerdings fallen Zusatzgebühren an, wenn Positionen über Nacht gehalten werden. Deshalb ist diese Form nicht attraktiv, wenn Bitcoins über einen längeren Zeitpunkt im Portfolio bleiben sollen.

Ein seriöser Anbieter mit großem Angebot an Kryptowährungen ist Plus500. Das Unternehmen bietet auch CFDs auf Indizes, Aktien, Rohstoffe sowie zahlreiche andere Währungspaare an, darunter auch viele Kryptowährungen wie Ether oder XRP Ripple. Allerdings müssen Anleger wissen, dass der Großteil der Trader bei Forex- und CFD-Brokern Verluste macht. Bei Plus500 sind es nach Angaben des Unternehmens rund 80 Prozent der Kleinanleger.

Fazit

Bitcoins sind sehr volatil. Anleger sollten sich deshalb zunächst fragen, ob die Kryptowährung das richtige Produkt ist. In jedem Fall sollte nur ein kleiner Teil des Guthabens dort investiert werden. Denn niemand kann sicher die Entwicklung an der Börse vorhersagen. Eine breite Streuung ist daher wichtig, egal ob man 5.000,- oder 50.000,- Euro anlegen will. Wer Bitcoins als ein Baustein seiner Finanzstrategie sieht, der muss sich im zweiten Schritt überlegen, ob er die Krpytowährung direkt kauft oder ein Zertifikat erwirbt. Letzteres lässt sich oft einfach über einen regulären Broker kaufen. Bitcoin ETFs gibt es dagegen bisher nicht, da nach EU-Recht ein Fonds nicht nur in einen einzigen Basiswert investieren darf.

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