Vor- und Nachteile verschiedener Börsenplätze

Das Wichtigste in Kürze
Die deutsche Börse mit Xetra (Frankfurt am Main) ist für die meisten Anleger die beste Wahl. Wenn bestimmte ausländische Wertpapiere dort nicht erhältlich sind, können diese ganz einfach über Online Broker an ihrer Heimatbörse gehandelt werden.


Handelsplätze in Deutschland

Börse Frankfurt am Main – Xetra

Die Börse in Frankfurt ist nicht nur der bedeutendste Handelsplatz in Deutschland, sondern nimmt auch international einen wichtigen Stellenwert ein. Vor allem die Londoner Börse gilt als ihr Hauptkonkurrent. Seit 2011 wird der Börsenhandel nicht mehr über das Parkett abgewickelt, sondern über die elektronische Handelsplattform Xetra. Für Termingeschäfte steht EUREX zur Verfügung. Frankfurt bietet darüber hinaus eine Qualitätsgarantie an, die gewährleistet, dass die Kurse bei der Ausführung mindestens so gut sind wie am Referenzmarkt.

Börse in Stuttgart

Die Stuttgarter Börse gilt als die größte Präsenzbörse Deutschlands. Sie hatte in den letzten Jahren hinsichtlich der Gebühren den Ruf, sehr teuer zu sein. Inzwischen hat der Handelsplatz die Gebühren deutlich gesenkt und bietet zudem eine Preisgarantie an. Stuttgart wirbt nicht nur mit einer hohen Ausführungssicherheit, sondern verspricht Kosten, die selbst einschließlich der Maklercourtage unter den Gebühren von Xetra liegen. Auch der Spread soll geringer sein als bei der Frankfurter Konkurrenz. Der Handelsplatz nutzt inzwischen ein hybrides Marktmodell von Handelsexperten und elektronischen Handel, sodass die Orderausführung deutlich an Flexibilität gewonnen hat und ausreichend Kosteneffizienz bietet.

Berliner Börse

Die Berliner Börse wird dem Anspruch einer Hauptstadt nicht unbedingt gerecht, da Frankfurt und auch Stuttgart wesentlich wichtiger für den Finanzmarkt sind . Der Berliner Handelsplatz löste 2007 die Vereinigung mit Bremen auf und ist seit dem eigenständig. Die Börse Bremen löste sich anschließend auf. Lobenswert ist Equiduct, das Markteilnehmern ermöglicht, eigene Handelsparameter zu definieren. Zudem ist die Berliner Börse für ihre große Auswahl an Auslandsaktien und Indexfonds bekannt.

Düsseldorfer Börse

Die Börse Düsseldorf ist der einzige Handelsplatz in Nordrhein-Westfalen. Sie spielt im Vergleich zu den anderen deutschen Börsen nur eine untergeordnete Rolle, ist jedoch für Privatanleger besonders attraktiv. DAX-Werte können ohne Spread gehandelt werden und der Fondshandel ist teilweise ohne Ausgabeaufschlag möglich. Seit 2007 berechnet die Börse Düsseldorf zudem den NRW-MIX-Index mit den 50 größten börsennotierten Unternehmen in NRW, abzüglich der DAX-Werte.

Börse München

Die Börse München hat mit dem elektronischen Handelssystem MAX-ONE eine Alternative zur Frankfurter XETRA etabliert. An Liquidität und Angebotsfülle des großen Konkurrenten reicht das Münchener Projekt jedoch nicht dran. Attraktiv sind für viele die gelisteten mittelständischen Unternehmen. Um in München im M:access gelistet zu sein, müssen sie besonders strikte Bedingungen an die Transparenz erfüllen. Zudem sorgt „Active-Order-Control“ für eine aktive Handelsüberwachung, die es ermöglicht, Anlegern bei Transaktionen Zugriff auf den besten Kurs zu geben. Darüber hinaus wird jede Order auf Plausibilität geprüft, was die Sicherheit erhöht.

Börse von Hamburg und Hannover

Im Aktienhandel spielen die beiden Börsen eine eher untergeordnete Rolle. Die beiden Handelsplätze, die gemeinsam von der BÖAG Börsen AG betrieben werden, haben ihre Stärke hingegen im Fondshandel. Das ermöglicht den beiden Börsen hinter Frankfurt und Stuttgart der drittgrößte Handelsplatz zu sein.

Tradegate

Tradegate wickelt Aufträge ausschließlich elektronisch ab. Da Tradegate auf die Maklergebühren verzichtet, gilt das elektronische Handelssystem als eine der günstigsten Alternativen für Privatanleger. Allerdings ist Tradegate nicht ohne Tücken. Das Handelssystem fungiert teilweise als Market Maker und bietet häufig im Vergleich zu Referenzmärkten nachteilhafte Kurse. Ein Setzen von Limits bei Käufen und Verkäufen ist deswegen unabdingbar, um von den günstigeren Gebühren profitieren zu können.

Lang & Schwarz

Auch Lang & Schwarz hat sich inzwischen als Alternative etabliert. Allerdings handelt es sich auch hierbei nicht um eine Börse im herkömmlichen Sinn. Auch Lang & Schwarz stellt die Kurse selbst und arbeitet somit als Market Maker.

Mit welcher Börse sollen Privatanleger handeln?

Vor allem bei kleinen Werten, die selten gehandelt werden, empfehlen sich Regionalbörsen– es sei denn, es sind nur Teilausführungen möglich. Limits und Orderzusätze sollten deswegen immer Standard bei der Orderaufgabe sein. Dennoch bieten die verschiedenen Regionalbörsen unterschiedliche Vorteile und Stärken und bieten zudem mehr Charakter und Historie als die neueren elektronischen Börsen.

Die elektronischen Handelssysteme verfügen im Gegensatz dazu über eine deutlich günstigere Gebührenstruktur, da Maklergebühren und Börsenplatzentgelte entfallen. Teilweise bieten auch sie eine Preisgarantie. Auf das Setzen von Limits dürfen Anleger hier jedoch ebenfalls auf keinen Fall verzichten.

Empfehlenswert ist die Option „Best Execution“, die von vielen Online Brokern angeboten wird. Diese soll die Order an die Börse leiten, bei der die beste Ausführung möglich ist. Allerdings ist hierbei zu beachten, dass die Broker jeweils nur Stichproben durchführen und diese teilweise beeinflusst werden können. Gerade Tradegate hat sich in dieser Hinsicht einen zweifelhaften Ruf erarbeitet. Auch hier dürfen Orderlimits deswegen niemals vergessen werden.

Anleger sollten zudem niemals die Relation aus den Augen verlieren. Bei einer Order, die auf Börsenplatzentgelte oder Maklergebühren verzichtet, sparen sie im Normalfall weniger Geld, als bei einem um nur ein Prozent günstigeren Kurs. Im Zweifelsfall sollte also immer an der Börse gekauft werden, die auch tatsächlich den besten Kurs bei der Ausführung bietet.

Lohnen sich internationale Handelsplätze für Privatanleger?

Privatanlegern stehen auch internationale Handelsplätze offen. Bedenken sollten sie dabei allerdings, dass im Ausland gekaufte Wertpapiere häufig nicht problemlos im Inland verkaufen lassen. Häufig werden hierfür zusätzliche Gebühren fällig und es gibt weniger Handelsplätze, an denen sie verkauft werden können.

Inzwischen ist es möglich, auch an deutschen Börsen ausländische Wertpapiere zu erwerben. Zudem haben Anleger hierbei in der Regel keine Nachteile im Vergleich zum Erwerb im Heimatland mehr. Die Börse Frankfurt hat sich beispielsweise dazu verpflichtet, ausländische Aktien mit derselben Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs anzubieten, die im Heimatmarkt aktuell ist. Ausländische Börsen haben also nicht mehr zwangsläufig engere Spreads. Allerdings können die Gebühren auf diese Weise teilweise doppelt fällig werden, da sie zum einen an der internationalen Börse fällig werden, zum anderen in der Regel auch an den nationalen Handelsplatz gezahlt werden müssen.

Natürlich gibt es an den internationalen Börsen Wertpapiere, die nicht innerhalb Deutschlands gehandelt werden können. Wer in solche Aktien investieren möchte, muss sie über den jeweiligen Heimatmarkt handeln. Wichtig ist dabei natürlich, dass man sich vorab genauestens über den Markt und die jeweilige Aktie informiert. Sehr gut eignet sich zum Beispiel das Aktien-Ressort des Handelsblatt. Diese Möglichkeit wird inzwischen von vielen Online Brokern angeboten und ist wesentlich weniger kompliziert als noch vor einigen Jahren. Privatanleger sollten allerdings dabei beachten, dass Aktien, die nicht in Euro notiert werden, natürlich einen Umtausch der Währung erforderlich machen, Es sei denn das eigene Konto wird ohnehin in der entsprechenden Fremdwährung geführt. Währungsschwankungen müssen also immer einkalkuliert werden. Zudem sollten die Anleger nicht vergessen, dass unter Umständen abweichende Handelszeiten gelten.

Fazit

Für die meisten Anleger ist die deutsche Börse mit Xetra die beste Wahl, auch wenn es um Auslandsaktien geht. Sind die Wertpapiere hier nicht erhältlich, können sie per Online Broker unkompliziert an der Heimatbörse gehandelt werden.

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