Unseriöse Anlagetipps erkennen

Unseriöse Anlagetipps erkennen

Woran erkennt man seriöse Anlagetipps?

Ein guter Anlagetipp kann über Misserfolg und Erfolg der Rendite entscheiden. Im Internet und auch gedruckt kursieren allerdings Hundertausende Anlagetipps, die eigene Interessen verfolgen oder schlecht recherchiert sind. Noch dazu kommen die Hinweise von Finanzberatern, Bankangestellten und Freunden und Bekannten. Wie können Anleger aus dieser Fülle die guten Tipps herausfiltern?

Die bekanntesten Betrugsfälle von Tippgebern

Dass es wichtig ist, mit Anlagetipps vorsichtig umzugehen, zeigt sich auch an den aufgedeckten Betrugsfällen in der jüngeren Vergangenheit. Es scheint inzwischen eine durchaus übliche Praxis zu sein, Marktmanipulationen gegen Schmiergeld zu ermöglichen. Allein 2012 hat die BaFin 250 Untersuchungen wegen Marktmanipulationen eingeleitet.

Die bekanntesten Fälle in Deutschland sind:

  1. Markus Frick

Markus Frick war einer der beliebtesten „Börsen-Gurus“. Er gab mehrere Börsenbriefe heraus, hatte drei Bücher, mehrere DVDs und Audio-CDs veröffentlicht und moderierte ein wöchentliches Börsenmagazin bei N24, das sogar seinen Namen im Titel trug. Zudem bot er Seminare an. Der Selfmade-Man gab an, als gelernter Bäcker aus 100.000 DM eine Million gemacht zu haben und gründete darauf seinen Ruhm.

Inzwischen (Stand 2016) ist Markus Frick dreifach verurteilt:

  • Februar 2008: Frick muss Schadensersatz an einen Abonnenten zahlen
  • April 2011: Verurteilung wegen strafbarer Marktmanipulation in Millionenhöhe. Rund 000 Kleinanleger waren geschädigt worden.
  • Februar 2014: Verurteilung wegen vorsätzlicher Manipulation von Aktienkursen. Frick hatte 1,9 Millionen Euro in bar von Hintermännern erhalten und im Gegenzug drei Nebenwerte empfohlen, die diese gegen überhöhte Preise verkauften.
  1. Alfred Maydorn

Maydorn wurde 2010 wegen Marktmanipulationen und Steuerhinterziehung zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Er hatte sich des Scalping schuldig gemacht, also Aktien gekauft, empfohlen und anschließend abgestoßen. Auch Maydorn war eine Zeit lang Vize-Chef beim Aktionär und durfte nach seiner Verurteilung dennoch weiter Empfehlungen aussprechen.

  1. Sascha Opel

Sascha Opel war der erste Journalist, der wegen Insiderhandels verurteilt wurde. Der ehemalige stellvertretende Chefredakteur der Zeitschrift „Der Aktionär“ wurde 2002 zusammen mit einem Komplizen zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt, da er durch Scalping Gewinne erzielt hatte. Dabei wurden nicht nur die Empfehlungen als kursverändernd angesehen, darüber hinaus hatte Opel auch ohne Zulassung Finanzgeschäfte abgeschlossen.

Opel gehört zu den Wiederholungstätern. Im Jahr 2012 wurde er erneut verurteilt, erneut wegen Scalping. Betroffen waren diesmal Aktien der de Beira Goldfields Inc., die durch massive Börsenbriefempfehlungen manipuliert wurde.

Damit Ihnen dies nicht passiert, haben wir die 10 wichtigsten Tipps zusammengetragen, die es Ihnen erleichtern, unseriöse Anlagetipps zu identifizieren.

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1. Offensichtlich unseriöse Tipps erkennen

Es gibt auch bei den unseriösen Anlagetipps durchaus Abstufungen, wobei sich einige an der Grenze zur Straftat bewegen, andere hingegen nur reichlich plakativ sind.

Vorsicht ist immer dann geboten, wenn Börsentipps mit Garantien werben. Kein seriöser Anbieter kann eine Garantie auf Kurssteigerungen geben, von daher sind solche Angebote grundsätzlich nicht vertrauenswürdig und sollten ignoriert werden.

Besonderer Vorsicht ist zudem bei kleinen Nebenwerten geboten. Hier ist die Marktkapitalisierung sehr gering und schon wenige Käufe können den Kurs in die Höhe treiben. Deswegen werden sie besonders gerne Ziel von Manipulationen. Wer hingegen einen Bluechip empfiehlt, kann daraus keinen unseriösen Profit schlagen, weil die Masse an Käufen, die so erzeugt werden können, schlicht nicht ausreichen, um die Kurse zu manipulieren.

2. Ruf einer Kontrolle unterwerfen

Viele Anlageprofis haben im Internet Spuren hinterlassen und können dennoch weiterhin unseriöse Anlagetipps geben. Ein solches Beispiel ist auch Markus Frick, der erst eine Bewährungs- und bei der zweiten Anklage eine Haftstrafe erhielt. Wer über den Tippgeber Informationen einholt, bevor er seinen Ratschlägen vertraut, kann also häufig Schlimmeres verhindern.

Markus Frick beispielsweise konnte noch 2009 seine eigenen Internet-Show Money Money verbreiten, die angeblich sogar erfolgreicher war als seine N24-Sendung. Seine dritte Verurteilung betraf vorsätzliche Manipulation im Jahr 2012. Wer hier im Vorfeld recherchiert hätte, hätte festgestellt, dass er bereits im Jahr 2008 wegen ähnlicher verurteilt wurde und weitere Ermittlungen gegen ihn laufen.

Das zeigt, wie wichtig es ist, Widerholungstäter zu identifizieren und zu meiden. Der erste Schritt sollte deswegen immer sein, den Namen des Tippgebers zusammen mit „Ermittlungen“ zu googlen. Auf diese Weise werden schwarze Schafe recht schnell entlarvt. Natürlich besteht prinzipiell die Möglichkeit, dass diese inzwischen geläutert sind, das Risiko bleibt ungleich höher.

3. Quelle überprüfen

Auch die Quelle sollte bei der Recherche nicht vernachlässigt werden. Wichtig ist dabei zum einen zu überprüfen, ob es Betrugs- oder Manipulationsvorwürfe gegen die Quelle gibt. Zum anderen sollten jedoch auch immer die Herausgeber auf Herz und Nieren geprüft werden.

Dabei sollte auch Augenmerk auf das Impressum gerichtet werden. Nur wenn hier Namen oder Unternehmen genannt werden, die im Ernstfall haftbar sind, können seriöse Tipps erwartet werden. Diese sollten sich zudem im Inland befinden.

4. Erfolgsquote der Vergangenheit

Das Internet erweist sich immer mehr als Archiv, das auch dazu geeignet ist, vergangene Tipps auf Erfolg zu überprüfen. Wer also in Erwägung zieht, einen Tipp anzunehmen, sollte zu vor überprüfen, welche Aktien der Tippgeber in den vorherigen Jahren empfohlen hat.

Dabei sollten auch zurückliegende Prognosen und Begründungen überprüft werden. Wichtig ist dabei nicht nur, wie sich der Aktienkurs entwickelt hat, sondern auch wie die Unternehmensdaten inzwischen abschneiden. Häufig sind diese deutlich aussagekräftiger.

5. Verstrickungen erkennen

Auch wenn keine boshafte Manipulation von Aktienkursen hinter den Tipps steckt, können sie durchaus eigennützig sein. Schickt beispielsweise die Bank konkrete Empfehlungen mit, handelt es sich dabei in vielen Fällen – allerdings nicht immer – um Werbung für Produkte, bei denen die Provision oder die Gewinnspanne groß ist.

Deswegen sollten Anleger immer überprüfen, ob Eigennutz für den Tippgeber Teil der Motivation ist, eine bestimmte Anlage zu empfehlen.

Darüber hinaus ist natürlich die Nähe von Tippgebern zu bereits verurteilten Tippgebern ebenfalls immer als problematisch zu sehen. Gerade wenn bei einer bestimmten Zeitung bereits mehrere Straftäter gearbeitet haben, sollte klar sein, dass hier ein bestimmtes Risiko lauert.

6. Vita studieren

Es ist natürlich ebenfalls wichtig, dass es sich bei dem Tippgeber um einen Spezialisten handelt, der weiß, wovon er redet. Wer keine nennenswerten Investmenterfolge vorweisen kann, sollte zumindest über eine solide Ausbildung verfügen. „Interessiert sich seit seinem Abitur für Finanzthemen“ ist beispielsweise keine gute Qualifikation, auf deren Grundlage ungeprüft Anlagetipps übernommen werden sollten.

Allerdings kann es natürlich durchaus Quereinsteiger geben, die die Analyse beherrschen und den Markt verstehen und deswegen sinnvolle Tipps geben können. Dies sollte jedoch so nachgewiesen werden, dass Interessenten es überprüfen können. Vor allem dann, wenn der Tippgeber damit wirbt, eine bestimmte Summe erzielt zu haben, ist allerdings Vorsicht geboten. Dies ist jedoch nicht der Fall, wenn der Autor beispielsweise offen über Erfolg und Misserfolg redet und diese reflektiert.

7. Aktualität kontrollieren

Bei Anlagetipps ist auch die Zeit ein Problem. Selbst wenn der Tipp vollkommen seriös und erfolgreich ist, heißt dies nicht, dass der Leser von ihm noch ausreichend profitieren kann. Bereits dann, wenn der Autor den Tipp verfasst, hat sich der beste Einstiegszeitpunkt in der Regel schon verflüchtigt. Die Empfehlung ist in der Regel kaum noch eine Empfehlung, wenn der Kurs um einige Prozentpunkte zugelegt hat.

Deswegen müssen Anleger eigentlich schnellstmöglich auf Tipps reagieren und sie deswegen möglichst am Tage der Veröffentlichung analysieren. Sonst vergeht noch mehr Zeit und der günstige Einstiegszeitpunkt ist möglicherweise schon vorbei.

Ohnehin sollten Anleger nicht auf einen kurz- bis mittelfristigen Anlagehorizont in den Tipps vertrauen. Häufig lässt sich der Zeitverlust hier nicht mehr aufholen. Bei langfristigen Anlagetipps sieht dies hingegen anders aus. Hier ist es nicht so schlimm, wenn ein paar Wochen Zeit verloren wurden. Anders sieht dies allerdings aus, wenn zwischen Veröffentlichung und Lesedatum der Kurs deutlich nach oben geschnellt ist. Dann ist der beste Einstiegszeitpunkt verpasst.

8. Mit anderen Meinungen abgleichen

Darüber hinaus sollten Anlagetipps auch immer mit den Meinungen anderer Finanzexperten abgeglichen werden. Zu den meisten Aktien gibt es zahlreiche Stimmen. Zum einen geben die großen Banken und Analysehäuser in regelmäßigen Abständen Buy-, Hold- oder Sell-Empfehlungen heraus, zum anderen werden interessante Aktien häufig von mehreren Börsenblättern gleichzeitig behandelt.

Es ist deswegen sinnvoll, auch die Einschätzung anderer Börsenexperten mit in Betracht zu ziehen, bevor eine Investitionsentscheidung getroffen wird.

9. Argumentation prüfen und Informationen abgleichen

Ein guter Tipp ist so geschrieben, dass der Anleger mit entsprechendem Finanzwissen verstehen kann, warum der Autor die Aktie gerade empfiehlt. Er behandelt dabei:

  • den Ist-Zustand
  • die Vergangenheit
  • mehr als eine mögliche Zukunft

Gerade die Prognose sollte allerdings in die Tiefe gehen und verschiedene Szenarien vorstellen, immerhin ist sie der Kern der Empfehlung.

In diesem Punkt unterscheiden sich natürlich Chart-Analyse und Fundamentalanalyse nicht wesentlich. Beide sollten die oben genannte Argumentationsstruktur aufweisen. Es ist allerdings empfehlenswert, die Fundamentalanalyse immer miteinzubeziehen, falls die Indikatoren der Chartanalyse den Trend falsch anzeigen.

10. Nicht zu viel erwarten

Auch wenn eine Aktie als vielversprechender Kandidat wirkt und alles dafür spricht, dass der Kurs bald bedeutend ansteigen wird, sollten Anleger nicht zu viel erwarten. Der Aktienkurs wird auch von der Marktstimmung und der Marktbewegung beeinflusst. Auch bei soliden Unternehmen mit Wachstumspotenzial muss der Kurs sich deswegen nicht so verhalten, wie gewünscht und erwartbar wäre. Anleger sollten deswegen ihre Risikostreuung nicht außer Acht lassen.

Fazit:

Unseriöse von seriösen Anlagetipps zu unterscheiden, ist relativ leicht. Anleger sollten vor allem kleine Nebenwerte, verurteilte Straftäter, Garantien und Tippgeber, die zu wenig von sich preisgeben, meiden. Sich selbst über die Anlage zu informieren, bleibt unausweichlich.

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