Aktienanalyse mittels Kennzahlen: KBV, KGV, KCV, KUV

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Die Aktienanalyse ist unverzichtbar beim langfristigen Investieren in Aktien. Nach Warren Buffett sollte niemand selbst über den Aktienkauf entscheiden, wenn er sich nicht die Mühe macht, die Unternehmensbilanzen zu studieren. Wir nennen Ihnen für Ihre Aktienanalyse und den Vergleich von Unternehmen die wichtigen Kennzahlen im Überblick und zeigen auf, wie aussagekräftig diese Bewertungskennzahlen wirklich sind. Grundsätzlich wird dabei in Fundamentalanalyse und technischer Analyse (Chartanalyse) unterschieden.

Wie sollten Anleger mit Kennzahlen umgehen?

Wichtig beim Umgang mit Kennzahlen von Aktien ist, dass sie mit den Kennzahlen anderer Unternehmen verglichen werden sollten. Ohne den Vergleich ist eine Kennzahl nicht aussagekräftig und der Anleger verpasst unter Umständen wesentlich lohnendere Investitionsmöglichkeiten. Wichtig bei einem Vergleich ist es, dass mehrere Unternehmen in der Branche miteinander verglichen werden, da es innerhalb der einzelnen Märkte deutliche Unterschiede geben kann.

Um die Entwicklung eines Unternehmens einschätzen zu können, ist zudem auch der Vergleich zu früheren Geschäftszahlen unabdingbar. Nach Möglichkeit sollten mindestens die Bilanzen der letzten fünf Jahre miteinander verglichen werden. Auf diese Weise können Anleger wesentlich aussagekräftigere Aussagen darüber machen, ob ein Unternehmen sich vielversprechend entwickelt.

Wesentlich ist zudem auch das Alter des Unternehmens. Aktien eines jungen Unternehmens können sich auch dann positiv entwickeln, wenn es mittelfristig die Profitabilität nicht erreichen kann. Die Kennzahlen dann mit einem etablierten Konzern zu vergleichen, würde zu einem falschen Bild führen. Stattdessen sollten sie mit ähnlich alten Unternehmen der gleichen Branche verglichen werden.

Probleme bei der Aktienanalyse mittels Kennzahlen

Eines der Hauptprobleme bei der Analyse der Kennzahlen von Aktien ist, dass diese Kennzahlen stark in die Vergangenheit gerichtet sind. Da sie sich immer nur auf die letzte Bilanz stützen können, sind aktuelle Ereignisse und Entwicklungen nicht abgebildet. Anleger können demzufolge durch Kennzahlen ein falsches Bild erhalten. Sie sollten deswegen überprüfen, ob es seit Veröffentlichung des Geschäftsberichtes wichtige Veränderungen wie Gewinnwarnungen oder Führungswechsel gab. Diese können jedoch nicht nur das Unternehmen, sondern auch die Branche oder die Gesamtwirtschaft betreffen. Wer wesentliche Entwicklungen verpasst, schätzt eine Aktie falsch ein.

Wichtig ist zudem, sich bewusst zu machen, dass es unterschiedliche Bilanzen gibt. Es ist somit ein Unterschied, ob Sie die Handelsbilanz, Bankbilanz, Industriebilanz oder Steuerbilanz vorliegen haben. Sie unterscheiden sich in vielen Details wie bspw. unterschiedliche Abschreibungsdauer für Geschäfts- und Firmenwerten oder Bewertungsvereinfachungsverfahren bei Vorräten. Erfahren Sie mehr dazu in unserem Ratgeber Bilanzen lesen & verstehen.

Diese unterschiedlichen Bilanzierungsrichtlinien machen dann den Vergleich von Aktien über die wichtigen Kennzahlen nutzlos. Zudem ist es bei allen Bilanzierungsvorschriften dennoch möglich, die Bilanz zu schönen. Anleger müssen deswegen den Geschäftsbericht auf Plausibilität prüfen und sich beispielsweise Abschreibungen genauer ansehen. Dabei ist es hilfreich, das Vorgehen bekannterer Bilanzfälschungen nachzuvollziehen. Viele Fachzeitschriften und Analysten geben die Kennzahlen an und ermöglichen so den besseren Überblick. Anleger sollten sich jedoch niemals nur darauf verlassen, sondern überprüfen, woher die Zahlen stammen und wie plausibel sie sind.

Viele Kennzahlen ermöglichen keine absoluten Aussagen. Dies ist teilweise sinnvoll, kann jedoch zu Fehleinschätzungen fühlen. Wenn beispielsweise eine ganze Branche oder sogar der gesamte Markt überbewertet ist und dies auch über einen längeren Zeitraum war, ist es schwierig, dies durch den Vergleich zu erkennen. Anhand einiger Merkmale lassen sich jedoch überbewertete Aktien erkennen – siehe hierzu den verlinkten Artikel.

Übersicht der Kennzahlen von Aktien – So analysieren Sie Aktien

Kurs-Gewinn-Verhältnis

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz: KGV, ist mit Abstand die bekannteste Kennzahl, um Aktien zu analysieren. Um das KGV zu erhalten, muss man den Kurs durch den Unternehmensgewinn je Aktie teilen. Hierfür kann zum einen der bereits ausgewiesene Gewinn aus der letzten Abrechnungsperiode herangezogen werden, zum anderen ist es ebenfalls möglich, die Gewinnprognose für den aktuellen Zeitraum zu nutzen. Während der bereits feststehende Gewinn zwangsläufig eher in die Vergangenheit gerichtet ist und damit dem Kurs gewissermaßen hinterherhinkt, ist die Gewinnprognose etwas unzuverlässiger. Es kann empfehlenswert sein, das Kurs-Gewinn-Verhältnis von beiden Varianten zu nutzen.

Je niedriger das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist, als umso günstiger gilt die Aktie. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 bedeutet beispielsweise, dass das Unternehmen 5 % seines Marktwertes an der Börse jährlich als Gewinn verbuchen kann.

Kurs-Buchwert-Verhältnis

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV von Aktien) gilt teilweise als aussagekräftiger als das Kurs-Gewinn-Verhältnis, wenn man Aktienanalyse mittels Kennzahlen betreibt. Welcher Wert bevorzugt wird, ist eher eine Glaubensfrage. Grundsätzlich sollten beide Bewertungskennzahlen der Aktien in eine aussagekräftige Aktienanalyse einfließen. Einer der Nachteile des KBV ist, dass stille Lasten oder Reserven nicht einfließen.

Das KBV wird bestimmt, indem man den Kurs der Aktie durch ihren Buchwert teilt. Je niedriger der KBV ist, umso niedriger der KBV, umso günstiger ist die Aktie.

Marktwert-Buchwert-Verhältnis

Das Markt-Buchwert-Verhältnis wird auch als „Tobins Quotient“ bezeichnet und ist leicht missverständlich. Tatsächlich handelt es sich um den Substanzwert und nicht um den Buchwert. Er wird ermittelt, indem man den Marktwert des Unternehmens (Aktienkapitalisierung plus weitere Verbindlichkeiten) durch die „Wiederbeschaffungskosten“ teilt. Ergibt dies einen Quotienten unter 1, gilt das Unternehmen unterbewertet.

Kurs-Umsatz-Verhältnis

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) soll die Marktkapitalisierung in Verhältnis zum Jahresumsatz setzen. Da es die Profitabilität eines Unternehmens nicht berücksichtigt, lohnt es sich vor allem bei neueren Unternehmen, die noch nicht in die Gewinnzone gerückt sind, oder bei etablierten Unternehmen, die sich in einer Krise befinden. Auch bei Unternehmen, bei denen die Rendite zyklisch schwankt, eignet sich das KUV oft besser als das KGV.

Je niedriger der Wert, umso günstiger ist die Aktie. Anleger sollten jedoch beachten, dass es gerade bei jungen Unternehmen mehrere Jahre dauern kann, bis der Turnaround erreicht ist.

Kurs-Cashflow-Verhältnis

Das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) wird errechnet, in dem der Aktienkurs durch den Cashflow je Aktie geteilt wird. Es gibt an, in welchem Verhältnis Aktienkurs und Liquidität zueinanderstehen und kann deswegen herangezogen werden, um die Entwicklung der Ertragskraft zu bewerten.

Der Cashflow gilt als zuverlässiger als Bilanz oder Gewinn, da es die tatsächlichen Zahlungsflüsse abbildet und deswegen fast nichts beschönigt werden kann. Ein Wert von sieben gilt als fair. Je niedriger das KCV ist, umso günstiger ist die Aktie.

Dividendenrendite

Für die Dividendenrendite wird die Dividende durch den aktuellen Aktienkurs geteilt und mit 100 multipliziert. Sie gibt dann die Verzinsung des Aktienkapitals je Aktie in Prozent an. Bei DAX-Werten liegt sie in der Regel zwischen zwei und drei Prozent.

Dividenden sind allerdings nicht feststehend und können völlig ausfallen. Eine nachhaltige Dividendenrendite gilt allerdings als stabilisierend. Nicht vergessen sollten Anleger, dass das Verhältnis von Dividende zu Aktienkurs auch deswegen besonders vorteilhaft sein kann, weil das Unternehmen bedeutende Kurseinbrüche hinnehmen musste.

Gesamtkapitalrendite

Die Gesamtkapitalrendite (GKR) gibt an, wie rentabel ein Unternehmen ist. Sie wird errechnet, indem Gewinn und Zinsaufwand addiert werden und dann durch das Gesamtkapital geteilt wird. Da die Gesamtkapitalrendite in Prozent angegeben wird, muss das Ergebnis noch mit 100 multipliziert werden. Je höher die GKR, umso besser.

Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote (EKQ) zeigt die Relation von Eigenkapital zu Gesamtkapital an. Sie wird bestimmt, indem das Eigenkapital durch das Gesamtkapital geteilt und mit 100 multipliziert wird. Eine hohe EKQ gilt deswegen als empfehlenswert, weil das Unternehmen dann als liquider und stabiler gilt. Auch die Kreditwürdigkeit verbessert sich, sodass die Aktiengesellschaft mehr und günstigere Möglichkeiten hat, Fremdkapital aufzunehmen. Zudem wird er Gewinn nicht übermäßig durch die Zinslast gedrückt.

Die EKQ ist auch von der Branche abhängig, grundsätzlich gilt ein EKQ um die 40 Prozent als gut.

Fazit

Stock analysis oder das Analysieren von Aktien über Unternehmenskennzahlen

Wichtige Kennzahlen von Aktien zu bewerten ist die wichtige Grundlage der Aktienanalyse. Über die Unternehmenskennzahlen kann man gut einschätzen, ob die betreffenden Aktien an der Börse über- oder unterbewertet sind. Anleger sollten die Fundamentalkennzahlen der Aktien jedoch entweder selbst errechnen oder ihren Ursprung überprüfen. Außerdem müssen sie hinsichtlich der Branche und des Unternehmensalters mit den richtigen Aktiengesellschaften vermittelt werden.

 

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Paul Scheuschner

Paul ist Autor von Aktien.net und schreibt seit 2016 für das Portal. Im August 2006 - Januar 2009 hat er eine Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen bei der Allianz Versicherung absolviert. Hier war er unter anderem im Investmentbanking bei der Dresdner Bank (damals noch Teil der Allianz, heute Commerzbank) eingesetzt. Paul interessiert sich insbesondere für Aktienindizes, ETFs, Fonds, Rohstoffe und Anleihen.