Biotech Aktien

Biotech-Aktien 2020: Sachstand und Aussichten

Die Biotech-Branche könnte 2020 das werden, was vor etwas mehr als 20 Jahren die Internetkonzerne waren, das nächste große Ding. Aktuell wartet sie noch auf eine Erfolgsgeschichte wie Google oder Amazon. Viele Firmen haben sogar zuletzt große Verluste gemacht. Aber das galt für die heutigen Tech-Riesen auch. Sollte man jetzt Biotech-Aktien kaufen? Wo es sich lohnt einzusteigen, welche Chancen locken und welche Risiken drohen, erfahren Sie hier.

Pro und Contra Biotech-Aktien

Pros
  • Hohe Dynamik
  • Viele Entwicklungen könnten bald marktreif werden
  • Weniger teuer als Aktien großer Internet-Konzerne
  • Themenfeld Gesundheit ist den Menschen viel Geld wert
  • Steigende Weltbevölkerung bei gleichzeitigen Forderungen nach weniger Flächenverbrauch sind Chance für grüne Biotechnologie
Contra
  • Viele Firmen schreiben rote Zahlen
  • Hohe Investitionen nötig
  • Politische Risiken vor allem für Gentechnik

Die drei besten Biotech-Aktien

Amgen (WKN: WKN: 867900; ISIN: US0311621009)

Amgen gehört zu den etablierten Unternehmen in der vergleichsweise jungen Branche. Schon 1980 wurde die Firma gegründet. Der Name leitet sich von der alten Bezeichnung Applied Molecular Genetics ab, also angewandte Molekulargenetik.

Aktuell ist Amgen das größte unabhängige Biotech-Unternehmen. Die Firma gehört somit keinem der großen Chemie- und Pharmaunternehmen wie Bayer, Sino Biopharm oder GlaxoSmithKline.

Seit 1983 ist das Unternehmen an der NASDAQ registriert und macht, im Gegensatz zu vielen jungen Konkurrenten, sogar Gewinne. Das operative Ergebnis lag 2018 bei 10 Milliarden US-Dollar, der Umsatz bei fast 24 Milliarden. 2018 zahlte der Konzern sogar eine Dividende von 5,28 US-Dollar, was in Wachstumsbranchen keineswegs selbstverständlich ist.

 2016201720182019 (e)2020 (e)
Umsatz in Milliarden USD 23,022,823,7......
Gewinn pro Aktie in Euro 9,312,4411,46(13,07)(14,41)
Dividende je Aktie in Euro3,604,154,76(5,23)(5,61)

Die Aktie ist eher für (vergleichsweise) konservativere Anleger geeignet. Zwar ist sie riskanter als beispielsweise ein Konsumgüterhersteller, im Vergleich zu anderen Biotech-Unternehmen aber weniger risikoreich.

Fazit: für Anleger, die nicht zu viel Risiko eingehen wollen

Vertex Pharmaceuticals (WKN: 882807; ISIN: US92532F1003)

Das Unternehmen aus dem altehrwürdigen Boston setzte als eines der ersten auf modernes Wirkstoffdesign anstelle der klassischen kombinatorischen Chemie. Ende 2019 machte es von sich reden, als bekannt wurde, dass die Firma nach eigenen Angaben erstmals eine Erbkrankheit durch den Einsatz der Genschere CRISPR/Cas geheilt hat. Es ist forschungsstark und hochinnovativ. 2.500 Mitarbeiter arbeiten weltweit für Vertex Pharmaceuticals, ein kleiner Teil auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz, genauer gesagt in München, Wien und Zug.

Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten besitzt auch dieses Unternehmen den Charme, dass es Gewinne erzielt. Bis 2016 wies auch Vertex Pharmaceuticals jedes Jahr einen Verlust aus, doch 2017 und 2018 konnte es jeweils in den schwarzen Zahlen abschließen.  Eine Dividende zahlt das Unternehmen aber nicht.

 2016201720182019 (e)2020 (e)
Umsatz in Milliarden USD laut GuV1,72,53,0......
Ergebnis je Aktie in USD (unverwässert)-0,461,068,24......
Dividende je Aktie in EUR---(-)(-)

Sollte sich die Anwendbarkeit der Genschere tatsächlich bestätigen, wäre das ein Durchbruch, sowohl für die Medizin als auch für das Unternehmen. Wenn sich die Hoffnungen nicht erfüllen, würde das umgekehrt natürlich einen Rückschlag bedeuten, zumal der Kurs allein im November um fast 15 Prozent zulegte, in den vergangenen drei Jahren um mehr als 140 Prozent. Das zeigt einerseits, welches Potenzial die Investoren der Aktie zubilligen, birgt aber immer auch das Risiko von Rückschlägen.

Fazit: Forschungsstarkes Unternehmen mit exzellenten Aussichten, das seit 2017 sogar Gewinne macht.

Fermentalg (WKN: A1103M; ISIN: FR0011271600)

Anders als die Aktionäre von Amgen und Vertex Pharmaceuticals warten die Anleger bei Fermentalg noch darauf, dass sich ihre Investition auszahlt. Von Dezember 2018 bis November 2019 hat der Kurs rund 60 Prozent verloren. Für den Kursverlust verantwortlich ist aber auch eine Kapitalerhöhung, denn angesichts der Verluste benötigt das Unternehmen Geld.

Von der Geschäftsidee her spricht einiges für das französische Unternehmen. Denn sein Schwerpunktthema sind Algen. Daraus werden Farbstoffe für die Lebensmittelindustrie hergestellt und hochwertige Omega-3-Fettsäuren gewonnen. Außerdem baut der Konzern für den Versorger Suez eine CO2-Filteranlage. Das Geschäft ist also zukunftsträchtig und die in Teilen der Gesellschaft umstrittene Gentechnik spielt keine große Rolle.

 2016201720182019 (e)2020 (e)
Umsatz in Millionen EUR laut GuV0,140,170,25......
Gewinn je Aktie in EUR-0,61-0,56-0,47(-0,45)(-0,26)
Dividende je Aktie in EUR---(-)(-)

Gerade die aktuell niedrige Bewertung macht langfristig hohe Gewinne möglich. 2020 soll blaue Lebensmittelfarbe auf Algenbasis auf den Markt kommen. Eine Marktlücke, denn bisher lässt sich kräftiges Blau nur künstlich herstellen. Der Umsatz soll daher deutlich zulegen,  Produktverkäufen in Höhe von 17.000 Euro in den ersten drei Monaten 2018 standen laut Quartalsbericht III/2019 etwa 1,054 Millionen im gleichen Zeitraum 2019 gegenüber, also rund das 120-Fache.

Verluste werden trotzdem auch weiter erwartet. Das operative Ergebnis lag 2018 mit 9,2 Millionen Euro deutlich im negativen Bereich, für 2019 wird ein ähnlicher Verlust erwartet. Erst für 2021 sind Gewinne geplant. Sollte die Trendwende ausbleiben, ist die mittelfristige Insolvenz nicht unwahrscheinlich. Die Aktie ist deshalb interessant für risikobereite Investoren, die auf eine Trendwende setzen.

Fazit: Besetzt ein zukunftsträchtiges Geschäftsfeld, aber hochriskant. Für risikobereite Anleger mit langem Atem.

Grundwissen BioTech: Eine Einführung

Was ist Biotechnologie eigentlich genau?

Wer Brot backt, Joghurt herstellt oder Bier braut, nutzt Biotechnologie. Denn er verwendet lebende Systeme, um damit Dinge herzustellen, in diesem Fall Hefen und Milchsäurebakterien. Grundsätzlich umfasst Biotechnologie also den Einsatz von Zellen, Enzymen oder sogar ganzen Organismen zur Herstellung von Produkten.

Einen Schub erlebte die Biotechnologie ab dem späten 19. Jahrhundert. So nutzte der deutsche Mediziner und Mikrobiologie Robert Koch Krankheitserreger, um damit Menschen gegen Krankheiten zu immunisieren.

Auch die Gentechnik gehört zur Biotechnologie. Mit ihr lässt sich gezielt in den genetischen Code eingreifen. So können Änderungen, die sonst über Züchtungen und Kreuzungen sehr mühsam vorgenommen wurden, deutlich schneller umgesetzt werden.

Wo lässt sich Biotech einsetzen?

Wie das Beispiel Brot zeigt, sind die Anwendungsmöglichkeiten für Biotechnologie riesig. Das ist auch mit ein Grund, warum einige Marktbeobachter hier nach dem Boom der Internetkonzerne um die Jahrtausendwende den nächsten großen Impulsgeber für die Märkte erwarten.

Vor allem lässt sich Biotechnologie in der Medizin und der Landwirtschaft einsetzen. Bei der Gentechnik spricht man von roter und grüner Gentechnik, wobei rot für die Medizin, grün für die Landwirtschaft steht.

BioTech Einsatzmöglichkeiten

Medizin, Lebensmittelherstellung und Landwirtschaft sind die wichtigsten Einsatzgebiete der Biotechnologie.

Welche Erfolge gibt es aktuell in der Biotechnologie?

Biotechnologie wird seit Jahrtausenden erfolgreich angewandt. Auch die moderne Biotechnologie hat schon Erfolge erzielt. Wie die Wissenschaftszeitschrift „Spektrum der Woche“ im November 2019 berichtete, vermeldeten mehrere Forscher, dass sie erstmals mit Hilfe der Genschere CRISPR/Cas 9 zwei Patientinnen von den Symptomen einer genetisch bedingten Krankheit geheilt hätten.

Dabei seien die Blutstammzellen durch mit der Genschere veränderte Zellen ersetzt worden. Bisher waren die beiden auf eine ständige Bluttransfusion angewiesen, das soll jetzt nicht mehr nötig sein.

Was ist die Genschere CRISPR?

Das CRISPR/Cas-System ist ein Verfahren, mit dem einzelne Bausteine der DNS abgeschnitten oder eingefügt werden können. Man spricht daher auch von einer Genschere. Das Verfahren besteht aus drei Schritten. Zunächst wird der gewünschte Abschnitt gesucht. Dann wird die DNA (Desoxyribonukleinsäure, teilweise auch deutsch DNS abgekürzt) dort auseinander geschnitten. Gegebenenfalls wird ein ganzes Stück entfernt oder ein anderes eingesetzt – oder beides. Anschließend werden die Abschnitte wieder zusammengefügt.

Gibt es auch moderne Biotechnologie ohne Gentechnik?

Gentechnik ist nur ein Teil der Biotechnologie. Viele moderne Verfahren kommen ohne Gentechnik aus. Beispielsweise nutzt das französische Unternehmen Fermentalg (siehe oben) Algen, um damit Zusätze für Nahrungsmittel herzustellen oder CO2 aus der Luft zu filtern.

 

SWOT-Analyse zu Biotech-Aktien

Stärken

Die Biotech-Branche ist hoch kreativ. Viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern arbeiten hier zusammen. Moderne Technologien wie die Genschere CRISPR erlauben es mittlerweile, gezielt in das Erbgut von Pflanzen und auch Menschen einzugreifen.

Viele Anwendungen beziehen sich auf das Feld der Medizin. Durchbrüche hier dürften den Menschen viel Geld wert sein. Weil die Technologie noch jung ist, sind viele Aktien, anders als beispielsweise die großer Internetkonzerne, noch vergleichsweise billig.

Schwächen

Biotechnologische Forschung ist teuer. Ein Fehlschlag kann eine Firma viel Geld kosten. Das gilt vor allem für kleine Unternehmen. Hier kann schon ein einziges erfolgloses Projekt den Ruin bedeuten. Aber auch größere Unternehmen sind nicht vor Problemen geschützt. Hier kann eine Pechsträhne die Aktionäre ebenfalls viel Geld kosten.

Chancen

Viele Entwicklungen sprechen für die Biotechnologie. Einmal natürlich der technische Fortschritt, der bereits erzielte wurde. Dazu gehört vor allem die Genschere CRISPR/Cas. Mit ihrer Hilfe lässt sich die DNA so genau bearbeiten, dass kein Unterschied zwischen der gentechnisch veränderten und einer durch klassische Kreuzung veränderten Sequenz bemerkbar ist.

Hinzu kommt, dass die Biotechnologie zwei Zukunftsfelder bearbeitet. Eine effiziente Landwirtschaft dürfte angesichts einer weiter steigenden Weltbevölkerung, steigendem Appetit auf Fleisch und der gleichzeitigen Forderung nach weniger Flächenverbrauch immer wichtiger werden.

Noch besser sind die Aussichten aber in der Medizin. Gesundheit ist ein wichtiges Gut und der steigende Wohlstand erlaubt es, dass immer mehr Menschen sich Behandlungen leisten können.

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Risiken

Vor allem für die grüne Gentechnik sind die politischen Risiken groß. Gerade in Europa stehen viele Menschen der Gentechnik ablehnend gegenüber. Sie befürchten negative Auswirkungen auf Mensch und Natur, auch wenn es dafür bisher keine überzeugenden Nachweise gibt. Auch wirtschaftliche Abhängigkeiten werden befürchtet. Weil gentechnisch verändertes Saatgut oft urheberrechtlich geschützt ist, können es Bauern nur von einem Hersteller kaufen.

Angst vor Gentechnik

Die Angst vor Gentechnik kann zu Auflagen führen, die die Forschung entweder unmöglich machen oder aber stark verteuern. Aber auch ohne gesetzliche Reglungen besteht die Gefahr, dass auf Gentechnik basierende Produkte schlicht abgelehnt werden.

Beispielsweise züchtete eine internationale Forschergruppe eine Reissorte, die Betacarotin enthält. Das soll helfen, den in vielen Ländern verbreiteten Vitamin A-Mangel zu bekämpfen, der im schlimmsten Fall zum Erblinden führen kann. Normaler Reis kann diesen Stoff aber nicht bilden, weshalb er mit Hilfe der Gentechnik hinzugefügt wurde.

Obwohl der Reis ohne Lizenzgebühren an Kleinbauern abgegeben werden soll und zur lokalen Vermarktung nachgezüchtet werden darf, gab es eine große Kampagne der Anti-Gentechnik-Lobby, die die Aussaat deutlich verzögerte. Allerdings gibt es auch Gegenbewegungen. Beispielsweise demonstrierten die Bauernverbände in Indien gegen Beschränkungen der Gentechnologie und in Bangladesch soll goldener Reis ab 2020 in größerem Stil angebaut werden.

Weitere Risiken

Nicht übersehen sollte man aber die ganz klassischen Risiken jeder Branche. Die versprochenen technologischen Durchbrüche könnten beispielsweise ausbleiben. Oder zumindest könnten sie deutlich später erfolgen als geplant. Das würde dann zunächst hohe Verluste bedeuten, vermutlich sogar die Insolvenz von mehreren Unternehmen.

Fazit der SWOT-Analyse

Die Gentechnik bietet die größten Möglichkeiten innerhalb der Biotechnologie, aber auch die höchsten Risiken. Neben möglichen Fehlschlägen sind das vor allem politische Gefahren. Wobei rote Gentechnik, also im medizinischen Bereich, hier weniger bedroht ist als die grüne für den Anbau von Nahrungsmitteln.

Biotechnologie, die ohne Gentechnik auskommt, ist davon ebenfalls weniger betroffen. Sie kann vom Trend zum „Natürlichen“ sogar profitieren. Wie fast immer beim Aktienhandel gilt: Je mehr Risiko, desto größer sind auch die Chancen.

Wie kann man Biotech-Aktien kaufen?

Die meisten Biotech-Aktien lassen sich über jeden deutschen Broker kaufen. Denn viele Firmen werden auch in Deutschland an den Börsen gehandelt.

Hier haben Kunden die Qual der Wahl. Sehr günstig sind die Gebühren bei Discountbrokern wie DEGIRO oder flatex. Sie bieten den Aktienhandel oft zwei Drittel günstiger als klassische Direktbanken wie die DKB Bank oder die ING (ehemals ING-DiBa). Wer ein Konto bei der Sparkasse hat, kann das außerdem oft als Verrechnungskonto für ein Depot beim Sparkassen Broker (S Broker) nutzen.

Wer aber alle Bankdienstleistungen aus einer Hand wünscht, wird dort nicht fündig. Ein breites Angebot und – zumindest im ersten Jahr –günstige Gebühren bietet die Consorsbank.

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Alternativen zu Biotech-Aktien

Biotech-Aktien sind überwiegend sehr riskant. Vor allem dann, wenn man in Unternehmen investieren will, die noch unterbewertet sind. Wer das Risiko eingehen will, hat verschiedene Alternativen. Er kann Aktien aus verwandten Gebieten wählen oder aber sein Risiko durch einen ETF breiter streuen.

Die zwei besten Biotech-ETFs

Einzelaktien bieten zwar große Chancen, aber auch hohe Risiken. Selbst wenn sich die Erwartungen an die Biotechnologie erfüllen, kann eine Einzelaktie Schiffbruch erleiden, wenn sie auf die falsche Technologie setzt, das Management Fehler macht oder die Firma einfach Pech hat. Die Streuung bei ETFs und Zertifikaten reduziert das Risiko.

L&G Pharma Breakthrough UCITS ETF (WKN: A2H9XR; ISIN: IE00BF0H7608)

Der ETF beinhaltet Aktien mehrerer forschungsstarker Unternehmen, darunter aktuell (Stand: 11/2019) auch das von uns empfohlene Unternehmen Vertex. Auch andere Firmen wie Horizon, Biogen oder Holozyme, die regelmäßig auf Empfehlungslisten für Biotech-Aktien auftauchen, finden sich unter den Top 10 im Portfolio des Fonds. Dessen Charme liegt gerade darin, dass hier viele Unternehmen versammelt sind, die sehr große Chancen bieten, als Einzelwerte aber auch riskant sind. Durch das Zusammenfassen in einem ETF wird das Risiko gestreut.

NameL&G Pharma Breakthrough UCITS ETF
WKNA2H9XR
ISINIE00BF0H7608
LagerlandIrland
Gesamtkostenquote (TER)0,75
ReplikationPhysisch
ErtragsverwendungThesaurierend

Die Gesamtkostenquote ist mit 0,49 für einen spezialisierten ETF günstig. Vor allem, da der Fonds die abgebildeten Aktien auch wirklich besitzt, also physisch replizierend ist. Erträge werden sofort wieder angelegt, allerdings zahlen die meisten Firmen aktuell ohnehin keine Dividende.

Fazit: Favorit der Redaktion

SPDR S&P BIOTECH ETF REGISTERED SHARES O.N. (WKN: A0MYHE; ISIN: US78464A8707)

Die meisten Firmen der Biotech-Branche kommen nach wie vor aus den USA. Hier ist das Klima gegenüber technischen Innovationen noch immer offener und die Bereitschaft, viel Geld in riskante Projekte zu stecken, größer. Deshalb ist es wenig verwunderlich, dass auch viele gute Biotech-ETFs aus den USA kommen.

Der ETF von State Street Global Advisors (SPDR, sprich: wie Spider für engl. Spinne) bildet den S&P Biotech Index ab. Darin enthalten sind jene Aktien aus dem S&P Total Markets Index, die dem Sektor Biotechnologie zugeordnet sind, analog zum NASDAQ BioTech Index.

Das bedeutet, dass ausschließlich US-amerikanische Firmen enthalten sind. Von den größten und bekanntesten Firmen der Branchen kommen aber ohnehin nur wenige aus anderen Regionen. Die Streuung ist trotzdem höher als beim erstgenannten Fonds, weil sich der ETF nicht auf forschungsstarke Firmen beschränkt.

Da alle Aktien aus den USA stammen, fällt jeweils eine 30-prozentige Quellensteuer an. Gute Depotbanken wie onvista oder die DKB sorgen aber dafür, dass nur der reduzierte Satz von 15 Prozent einbehalten wird, den Anleger aus Deutschland aufgrund eines Doppelbesteuerungsabkommens maximal zahlen müssen. Der wiederum kann voll auf die Abgeltungssteuer angerechnet werden.

NameSPDR S&P BIOTECH ETF REGISTERED SHARES
WKNA0MYHE
ISINUS78464A8707
LagerlandVereinigte Staaten von Amerika
Gesamtkostenquote (TER)0,35
ReplikationPhysisch
ErtragsverwendungAusschüttend

Die Kosten liegen mit 0,35 Prozent noch niedriger als beim L&G Fonds. Im Gegensatz zu diesem ist der ETF aber ausschüttend, Dividenden werden also nicht wieder angelegt, sondern an den Anleger ausgezahlt.

Fazit: Nur US-Aktien, wegen der vielen enthaltenen Unternehmen trotzdem sehr große Streuung.

Klassische Chemie- und Pharmaunternehmen

Auch große Chemie- und Pharmaunternehmen nutzen oft Biotechnologie. Zudem haben viele Firmen aus der Branche kleine Biotech-Unternehmen aufgekauft. Allerdings entwickelten sich die Kurse dieser Unternehmen in der jüngsten Vergangenheit oft enttäuschend.

Ein besonders extremes Beispiel ist die Bayer AG, die in den vergangenen zehn Jahren rund die Hälfte ihres Wertes verlor. Auch der Chemie-Gigant BASF liegt auf den Zeitraum von zehn Jahren bezogen im Minus. Das Schweizer Pharmaunternehmen Novartis gewann zwar rund zehn Prozent hinzu, bleibt damit aber deutlich hinter dem Plus des DAX von rund 30 Prozent zurück.

 2016201720182019 (e)2020 (e)2021(e)
Umsatz in Milliarden Euro laut GuV46,835,039,6.........
Gewinn je Aktie in Euro 5,448,411,80(6,44)(7,37)(8,22)
Dividende je Aktie in EUR2,702,802,802,84(3,01)(3,20)

Die niedrigen Kurse können Kaufkurse sein, aber denkbar ist auch, dass die jungen Biotech-Unternehmen viele aufwändige Verfahren der klassischen Chemie- und Pharmaunternehmen unnötig machen. Wer hier investieren will, sollte den Markt gut beobachten.

Andere Zukunftsthemen zum Investieren

Biotechnologie ist ein Zukunftsthema, allerdings nicht das einzige. Ein großes Thema ist aktuell der Ausbau der Elektromobilität. Dabei könnte Lithium eine große Rolle spielen, weshalb ein Investment in diese Branche interessant sein kann.

Möglicherweise macht aber doch noch der Wasserstoff das Rennen. Unabhängig vom Einsatz in Autos könnte das Gas auch eine große Rolle beim Speichern von Überschüssen aus erneuerbaren Energien spielen. Scheint gerade die Sonne und weht der Wind, verbrauchen aber nur wenige Menschen Strom, werden die Überschüsse bei diesem Power-to-Gas genannten Verfahren in Wasserstoff umgewandelt und in das Gasnetz eingespeist. Wasserstoff-Aktien können deshalb ebenfalls sehr interessant sein.

Brennstoffzellen Aktien kaufen

Wasserstoff hat oft einen schlechten Ruf, da es schnell brennbar ist. Aus diesem Grund werden in Luftschiffen heute andere Gase eingesetzt. In der Automobilindustrie versichern die Ingenieure aber, dass sie das Problem im Griff hätten.

Auch das Thema Wasser ist wichtig. Weniger interessant sind dabei Fördergesellschaften, sondern vor allem Unternehmen, die Wasser reinigen oder Meerwasser entsalzen.

Biotech ist also nicht die einzige Zukunftstechnologie – allerdings eine sehr interessante.

Fazit: Biotech-Aktien mit interessanten Aussichten – ETFs bieten Risikoreduzierung durch Streuung

Die Biotech-Branche hat jüngst viele interessante Entdeckungen gemacht und könnte bald das sein, was Internetfirmen Ende der 1990er waren. Allerdings gibt es auch viele Risiken. Gerade bei der Gentechnik sind politische Gefahren wie Überregulierung oder sogar ein Verbot möglich. Wer Einzelaktien kauft, lebt außerdem mit der Gefahr, dass sich eine vielversprechende Entdeckung irgendwann doch als Sackgasse erweist und das Unternehmen nie Geld verdient. Daher sollten Anleger den Kauf eines ETFs zur besser Streuung des Risikos als Alternative erwägen.

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