Aktienkauf zu zweit – Das Gemeinschaftsdepot

Das Wichtigste in Kürze
Das Gemeinschaftsdepot hat diverse Vorteile. So ermöglicht es, Orderkosten zu sparen oder die Aktien bei Krankheit des Partners verwalten zu können. Gerade bei gemeinsamer Vermögensverwaltung kann ein Gemeinschaftsdepot zudem unnötigen Verwaltungsaufwand verringern. Allerdings ist die steuerliche und rechtliche Bewertung von Gemeinschaftsdepots sehr kompliziert, vor allem die Trennung zwischen Rechten aus dem Depotvertrag und der Eigentümerschaft gilt es zu beachten. Eheleute sollten sich beraten lassen, wie Gemeinschaftsdepots, Schenkungen und Vermögenseinbringungen sich steuerlich verhalten und was im Erbfall zu beachten ist. Für Nicht-Verheiratete lohnt sich ein Gemeinschaftsdepot häufig nicht. Ein Aktienclub kann allerdings eine interessante Alternative darstellen, erfordert jedoch auch mehr Aufwand.


Wem gehören die Aktien im Gemeinschaftsdepot?

Ganz eindeutig kann diese Frage nicht immer beantwortet werden. Abhängig ist dies auch vom Verhältnis der Inhaber des Gemeinschaftsdepots und von Interpretationsmöglichkeiten. Grundsätzlich muss bei Gemeinschaftsdepots Rechte aus dem Depotvertrag und zwischen der Eigentumslage an den verwahrten Wertpapieren unterschieden werden. Eine Gesamtgläubigerschaft existiert bei Aktien nicht. Der Depotinhaber muss zudem nicht zwingend der Eigentümer der Wertpapiere sein.

Grundsätzlich kann das Anlegen von Vermögen auf einem Gemeinschaftsdepot als hälftige Schenkung an den Ehegatten gelten. Bei einer Umwandlung eines Einzeldepots in ein Gemeinschaftsdepot ist dies jedoch nicht immer der Fall.

  • Bei Oder-Depots gilt die Eigentumslage als maßgeblich und es kann nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass die Eigentumsrechte auf beide Inhaber aufgeteilt werden.
  • Dies ist vor allem dann der Fall, wenn Eheleute Gütertrennung vereinbart haben und das Depot vorerst als Einzeldepot geführt und zu einem späteren Zeitpunkt in ein Gemeinschaftsdepot mit Einzelverfügungsberechtigung umgewandelt wird. Dann nämlich wird der Partner nicht automatisch zum hälftigen Eigentümer der Wertpapiere.
  • Steht dieser Annahme eine anderslautende Eigentumsvermutung entgegen, beispielsweise weil ein Testament einen anderen Erben bestimmt, ist der Partner kein Eigentümer.

Grund dafür ist, dass die Einrichtung eines Oder-Depots nicht zwangsläufig eine Miteigentümerschaft zum Ziel hat, sondern lediglich einer andern Person die Verfügung über die Wertpapiere ermöglichen kann.

  • Dies ist vor allem dann der Fall, wenn der ursprüngliche Eigentümer aufgrund von Krankheit oder Alter einen zusätzlichen Verfügungsberechtigten als sinnvoll erachtet hat.
  • Zudem legen eine Vereinbarung der Gütertrennung und gegenseitige Erbverträge oder Pflichtteilsverzichtsverträge nahe, dass der Partner keine Eigentumsrechte erhalten soll.

Um sicherzugehen, wie die Papiere im Gemeinschaftsdepot behandelt werden sollen, ist deswegen eine zusätzliche rechtliche Absicherung empfehlenswert. Im Falle einer Schenkung sollte dies vertraglich fixiert und gegebenenfalls mit Rücknahmeklauseln ausgestattet werden.

Um eine weitere Person zur Verwaltung der Aktien einzusetzen, ist zudem eine Vollmacht ausreichend. Auf diese Weise entstehen keinerlei Unsicherheiten über den Besitz.

Gemeinschaftsdepot im Erbfall häufig nachteilig

In der Vergangenheit sind mehrere Fälle bekannt geworden, in denen Gemeinschaftsdepots sich im Erbfall mehr als nur ungünstig auf die Steuerbelastung durch die Erbschaftsteuer auswirkten. Dies ist in der Regel in folgenden Konstellationen besonders ärgerlich:

  • Person A hat ein Aktiendepot mit hohem Wert, das zu einem Gemeinschaftsdepot mit Person B wird, oder zahlt auf dem Gemeinschaftsdepot mit Person B einen hohen Betrag ein.
  • Person B stirbt.
  • Nun zahlt Person A auf die Hälfte des Gemeinschaftsdepots, die Person B zugerechnet wurde, Erbschaftsteuer.
  • Im schlimmsten Fall verlangt das Finanzamt darüber hinaus für die Einzahlung von Person A nachträglich – die Festsetzungsfrist verjährt bei Hinterziehung nicht – eine Schenkungsteuer.
  • Person A zahlt also für das Vermögen, das er selbst eingebracht hat, sowohl Erbschaftsteuer als auch nachträglich eine Schenkungsteuer.

Dieser Fall ist mehrfach vorkommen. Besonders ärgerlich ist dies, wenn die Inhaber des Gemeinschaftsdepots nicht miteinander verheiratet sind. Dann erhebt das Finanzamt in beiden Fällen je nach Vermögen bis zu 50 % Erbschaft- und Schenkungsteuer und gestattet jeweils nur einen Freibetrag von jeweils 20.000 Euro.

Eine solche Doppelbesteuerung des selbsteingebrachten Vermögens lässt sich jedoch verhindern. Die Gütertrennung kann dann bei Eheleuten dazu führen, dass Person A das Geld nach dem Tod von Person B nicht mit der Erbschaftsteuer versteuern muss, Person B hingegen einen Zugewinnausgleichsanspruch gegenüber Person A besitzt.

Zudem sollten Gemeinschaftsdepotinhaber immer bedenken, dass die Schenkungsfrist nicht verjährt, wenn das zuständige Finanzamt davon nicht in Kenntnis gesetzt wird. Sonst ist eine Übertragung alle zehn Jahre bis zum Freibetrag steuerfrei möglich. Zudem wird der Freibetrag bei der Schenkungsteuer bis zu zehn Jahren auf die Erbschaftsteuer angerechnet. Wer also seinen Ehepartner absichern möchte, sollte frühzeitig damit beginnen. Allerdings sollte er dabei nach Möglichkeit Wege finden, die sein eigenes Vermögen nicht unnötig besteuern. Häufig kann der Erbanteil von Kindern hier sinnvoll eingesetzt werden, um die Familie ausreichend abzusichern, ohne bedeutende steuerliche Nachteile in Kauf nehmen zu müssen.

Wie kann ein Gemeinschaftsdepot eröffnet werden?

Ein Gemeinschaftsdepot wird von den meisten Depot-Banken angeboten. In der Regel werden diese als Oder-Konten eingerichtet. Das ermöglicht es allen Depotinhabern, Transaktionen durchzuführen, ohne dass die eindeutige Zustimmung des anderen für die Bank erkenntlich wäre. Bei sogenannten Und-Depots müssten hingegen beide Depoteigentümer bei jeder Transaktion deutlich machen, dass sie damit einverstanden sind. Da dieses Vorgehen sehr unpraktisch ist und zudem wichtige Zeit kosten kann, werden in der Regel von den Banken nur „Oder-Depots“ angeboten.

onvista gemeinschaftskonto

Ob Einzel- oder Gemeinschaftskonto – der Antrag ist der Gleiche, Quelle:OnVista Bank

Zusätzlich beschränken viele Banken die Gemeinschaftsdepots auf Partner, die miteinander verheiratet oder in Eingetragener Lebenspartnerschaft sind. Wer mit nicht-verwandten Partnern ein Gemeinschaftsdepot eröffnen möchte, muss häufig länger einen Broker suchen, der dies erlaubt,.

Ein Gemeinschaftsdepot zu eröffnen ist nur wenig umständlicher als ein herkömmliches Depot. Das Eröffnungsformular muss ausgefüllt werden und die Daten beider zukünftiger Depotinhaber aufweisen. Zudem müssen beide Inhaber den Antrag unterschreiben und gegebenenfalls bei einer Identitätsfeststellung per Post Ident teilnehmen. Sie erhalten dann beide Zugangsdaten und haben einen gleichberechtigten Zugang zu Depot. Die Zugangsdaten unterscheiden sich, damit die Bank nachvollziehen kann, welcher der beiden berechtigten Personen einen Auftrag erteilt hat.

Wie werden Gemeinschaftsdepots besteuert?

Bei gemeinsamer steuerlicher Veranlagung von Ehepartner kann auch der Freibetrag bei Einnahmen aus Kapitalerträgen für das gesamte Depot genutzt werden und auch per Freistellungsauftrag direkt dem Gemeinschaftsdepot zugewiesen werden. Ein tatsächlicher steuerlicher Vorteil ist dies jedoch nicht. Getrennte Einzeldepots können lediglich etwas unübersichtlicher und aufwändiger in der Verwaltung sein, der Freibetrag bleibt jedoch der gleiche.

Steuer OnVista

Die OnVista Bank klärt über die steuerlichen Rechte und Pflichten auf, Quelle: OnVista Bank

Können die Depotinhaber hingegen nicht gemeinsam veranlagt werden, kann dies steuerliche Nachteile mit sich bringen. Die Regelung ist hier außerordentlich kompliziert und sollte mit einem Steuerberater besprochen werden. In der Regel ist es jedoch notwendig, eine Steuererklärung als GbR durchzuführen und diese in die eigene Steuererklärung anteilig einzubringen. Dann kann allerdings jeder der Beteiligten seinen eigenen Freibetrag im Rahmen der Abgeltungsteuer wie gewohnt nutzen.

Gemeinschaftsdepots für Nicht-Verheiratete

Gemeinschaftsdepots werden in der Regel aus folgenden Gründen auch für Nicht-Verheiratete in Erwägung gezogen:

  • Mehrere Anleger haben häufig eine ähnliche Marktmeinung und möchten Transaktionskosten sparen.
  • Ein Anleger verwaltet das Vermögen von Familienmitgliedern oder Freunden.
  • Nicht-Verheiratete legen ihr Vermögen dennoch zusammen.

Allerdings ergeben sich aus der gemeinsamen Veranlagung häufig steuerliche und rechtliche Probleme. So ist vor allem ein Gemeinschaftsdepot, in dem Geld von anderen verwaltet wird, ein zweischneidiges Schwert. Lässt sich der Anleger beispielsweise für seine Dienste entlohnen, kann dies als gewerblicher Handel gesehen werden, der nicht ohne Lizenz durchgeführt werden darf und zudem zusätzliche Gewerbesteuer kosten würde.

Ein Ausweg kann hier die Gründung eines Aktienclubs sein. Hier verschärfen sich die gesetzlichen Anforderungen allerdings in den letzten Jahren deutlich. Zudem muss klar sein, dass ein Aktienclub weit mehr Regeln erfüllen muss, als gemeinhin unter „das Geld von ein paar Freunden anlegen“ vermutet wird. Lohnenswert kann ein Aktienclub jedoch bei einer Mitgliederzahl unter 50 Anlegern und einem Kapital unter einer halben Million sein.

Eine Möglichkeit, Freunde oder Verwandte an der eigenen Expertise teilhaben zu lassen, wären Social Trading-Anbieter wie Wikifolio. Problemtisch ist hierbei allerdings die Tatsache, dass diese nicht in Aktien, sondern in Zertifikate investieren müssten und zudem der Vorteil der geringeren Transaktionskosten durch die Masse wegfällt. Zudem müssten diese sich dennoch mit der Anlage und dem Aktienhandel auseinandersetzen.

Auch steuerlich sind Gemeinschaftsdepots für Nicht-Verheiratete nur bedingt empfehlenswert. Welche Art der Besteuerung hier vom Finanzamt gefordert wird, hängt von der Art der Zusammenarbeit ab, häufig muss für das Gemeinschaftsdepot eine gesonderte Steuererklärung abgegeben werden.

Übertragungen von Aktien zwischen Eheleuten

Die Übertragung von Aktien zwischen den Depots von Eheleuten kann als Übertrag ohne Gläubigerwechsel angesehen werden. Dabei ist es gleichgültig, ob Aktien in das Gemeinschaftsdepot übertragen werden oder in das Einzeldepot des Gattens. Für einen unentgeltlichen Depotübertrag fällt zudem grundsätzlich keine Abgeltungssteuer an. Ob es sich bei der übertragenen Aktie um eine Schenkung handelt, muss im Einzelfall entschieden werden.´

Damit keine Abgeltungsteuer anfällt, ist es jedoch notwendig, der Depotbank mitzuteilen, dass es sich um eine unentgeltliche Übertragung handelt. Nur dann betrachtet die Bank die umgeschriebenen Wertpapiere nicht als Veräußerung. Die Aktien können dann mit den alten Anschaffungskosten und auch dem entsprechenden Kaufzeitpunkt im neuen Depot geführt werden. Dies ist in besonderem Maße für Wertpapiere relevant, die vor 2009 erworben wurden und demzufolge auch nicht der Abgeltungsteuer unterliegen. Dann muss allerdings auch die Bank ihrem Betriebsstättenfinanzamt den Verzicht auf Abgeltungsteuer nicht mitteilen und der bürokratische Aufwand wird reduziert.

Fazit

Gemeinschaftsdepots sind weitaus komplizierter, als auf den ersten Blick anzunehmen. Vor allem die Trennung zwischen Rechten aus dem Depotvertrag und der Eigentümerschaft gilt es zu beachten. Eheleute sollten sich beraten lassen, wie Gemeinschaftsdepots, Schenkungen und Vermögenseinbringungen sich steuerlich verhalten und was im Erbfall zu beachten ist. Für Nicht-Verheiratete lohnt sich ein Gemeinschaftsdepot häufig nicht. Ein Aktienclub kann allerdings eine interessante Alternative darstellen, erfordert jedoch auch mehr Aufwand.

Top 5 Aktien Depots

Sie riskieren Ihr Kapital