Was bedeutet das KGV einer Aktie?

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Die Entscheidung, ob eine bestimmte Aktie gekauft werden soll oder nicht, ist von vielen Faktoren abhängig. Die Anzahl der unterschiedlichen Strategien ist nahezu unbegrenzt und Anleger können mit ganz verschiedenen Ansätzen erfolgreich sein, vorausgesetzt die Strategie passt zur persönlichen Risikoneigung und wird konsequent und nachhaltig umgesetzt.

Wie Anleger mit Hilfe dieser fundamentalen Kennzahl KGV die richtigen Aktien finden

Während der eine eher auf technische Analyse setzt und Unterstützungen, Widerstände und Trendlinien in den Chartbildern auswertet, gelangen andere zu ihrer Kaufentscheidung, indem sie die fundamentalen Kennzahlen von Unternehmen dafür in Betracht ziehen. Jede an der Börse gehandelte Aktiengesellschaft ist gesetzlich dazu verpflichtet, die Bilanzkennzahlen und die quartalsweise erscheinenden Geschäftsergebnisse zu veröffentlichen. Diese Zahlen bilden die Grundlage für die fundamental orientierte Aktienanalyse. Vor allem langfristig orientierte Anleger halten sich eher an diese fundamentalen Kennzahlen, da sie einen Rückschluss auf die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens erlauben und somit einen Hinweis darauf geben können, ob die Aktie an der Börse günstig bewertet wird oder nicht.

Eine wichtige und viel beachtete Kennzahl von Unternehmen ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis, abgekürzt KGV. Um das KGV eines Unternehmens oder Aktie zu bestimmen, wird der Kurs einer Aktie ins Verhältnis gesetzt zum erwarteten jährlichen Gewinn je Aktie des Unternehmens. Das bedeutet jedoch auch, dass Sie bei Unternehmen mit einem Jahresverlust kein KGV angezeigt bekommen. Denn eine Firma mit Verlusten kann kein Kurs-Gewinn-Verhältnis ermittelt. Um Unternehmen trotzdem vergleichbar zu machen, wird daher manchmal nach der Bedeutung bei diesen Aktien ein negatives KGV hinterlegt.

Was ist die Bedeutung eines negativen KGV einer Aktie?

Je niedriger das KGV einer Aktie ist, desto besser für den Investor und Anleger. Ist ein negatives KGV einer Aktie dann noch besser?
Das kommt darauf an, wie der Verlust entstanden ist. Denn wenn Sie von einem negativen KGV einer Aktie lesen oder hören, bedeutet dies, dass das Unternehmen im Berechnungszeitraum keinen Gewinn je Aktie ausgewiesen hat. Sollte dann der Verlust gegen den Kurs dividiert werden, kommt somit ein negatives KGV zum Vorschein. Das bedeutet somit ein Minus im KGV.
Pauschal ist durch das Verzerren oder die „Manipulation“ der Bilanzen durch Auflösen oder Neubewerten von stillen Reserven oder Bildung von zu hohen oder zu niedrigen Rückstellungen keine befriedigende Antwort möglich. Jedoch sind beispielsweise außerordentliche einmalige Kosten für die Übernahme eines Konkurrenten oder Unternehmens positiver zu bewerten, als wenn ein Unternehmen dauerhaft Verluste produziert. Gleiches gilt für Verzerrungen infolge manipulierter Gewinne – etwa durch die Auflösung stiller Reserven.

Berechnung des KGV

Daraus ergibt sich die Formel:

KGV = aktueller Aktienkurs/ Jahresgewinn pro Aktie.

Diese Zahl lässt sich auch deuten, als die Anzahl von Jahren, die vergehen muss, bis die jährlich erzielten Gewinne zu einer Verdoppelung des Investments geführt haben. Denn geht man davon aus, dass die jährlichen Zugewinne an die Aktionäre ausgeschüttet werden, dann wächst der Aktienwert jedes Jahr um eben diesen jährlichen Gewinn. Vorausgesetzt, dass der Gewinn gleichbleibt, erhält man die Anzahl von Jahren, bis die angehäuften Gewinne die Höhe des Kurswertes erreicht haben, aus dem Quotienten aus Kaufkurs und eben diesem Gewinn. Das ist genau die Berechnungsvorschrift für das Kurs-Gewinn-Verhältnis.

Wird beispielsweise die Aktie eines Unternehmens an der Börse zu 42 Euro gehandelt und der zu erwartende jährliche Gewinn pro Aktie beträgt 2 Euro, dann ergibt sich ein KGV von42/2= 21. Nach 21 Jahren würde also der angefallene Gewinn genau dem Kaufkurs einer Aktie entsprechen, sprich das Investment sich verdoppelt haben.

Eine alternative Deutung erhält man, wenn man den Kehrwert des KGV betrachtet, also den jährlichen Gewinn pro Aktie durch den aktuellen Aktienkurs dividiert. Dieser Wert entspricht nämlich der zu erwartenden jährlichen Rendite.

Im obigen Beispiel ergibt sich 100% / 21 = 4,76 %.

Immer unter der Voraussetzung, dass die Unternehmensgewinne in Zukunft konstant bleiben, würde sich also aus einem Investment in die betreffende Aktie eine Rendite von ca. 4.8 % ergeben.

Der Vorteil dieser Rechnung besteht darin, dass man so eine Kennzahl für den Gewinn je Aktie erhält, unabhängig vom absoluten Kurswert der Aktie eine Aussage darüber erlaubt, ob sie an der Börse günstig bewertet wird.
So kann eine Aktie für zehn Euro zu teuer sein, während eine andere Aktie mit 200 € noch sehr günstig bewertet wird. Durch die Bildung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses ist es möglich, Aktien von ganz unterschiedlichen Kurswerten hinsichtlich ihrer Bewertung über das KGV miteinander zu vergleichen.

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Was bedeutet für Anleger das KGV?

Denn ob eine Aktie billig oder teuer gehandelt wird, ist vollkommen unabhängig vom absoluten Kurswert. Dieser ergibt sich ja aus der Marktkapitalisierung geteilt durch die Anzahl der Aktien, die das Unternehmen herausgegeben hat. Diese ist willkürlich und ändert sich oft im Laufe der Zeit. So kommt es nicht selten vor, dass Unternehmen durch einen Aktiensplit die Anzahl der im Umlauf befindlichen Papiere verdoppeln, um die Aktien optisch zu verbilligen. Der Kurs halbiert sich dadurch, aber da dann auch jeder Anleger, der bereits investiert war, seine Aktienanzahl verdoppelt bekommt, ändert sich natürlich insgesamt nichts an der Bewertung. Da das KGV aber den Gewinn pro Aktie einbezieht und dieser sich bei dem Split zusammen mit dem Kurs ebenfalls halbieren würde, bleibt das KGV der Aktie weder negativ noch positiv von solchen Aktionen vollkommen unbehelligt.

Im Allgemeinen gilt als Orientierungsregel, je niedriger das KGV, desto günstiger ist die Aktie bewertet. Als ausgesprochen günstig gelten KGVs kleiner als zwölf. Mit den Marktbedingungen verändert sich allerdings im Laufe der Zeit auch die Grenze, ab der eine Aktie als günstig eingeschätzt wird. KGVs von Aktien aus den großen Indizes tendieren dazu, mit der Zeit immer weiter an zu wachsen. Somit könnte ein KGV eines Unternehmens, das vor einigen Jahren noch zu hoch schien, heute ein „guter KGV Wert“ auf eine günstige Kaufgelegenheit hinweisen. Dies hängt mit dem allgemeinen Wirtschaftswachstum zusammen, welches dafür sorgt, dass Aktienkurse generell im sehr langfristigen Mittel eine steigende Tendenz aufweisen.

Consorsbank Analyse

Es gibt viele wichtige Kennzahlen um Aktien bewerten zu können, Quelle: Consorsbank

Ein alleine hinreichendes Kriterium für den Kauf kann das KGV eines Unternehmens alleine aber nicht sein Dies haben in der Vergangenheit immer wieder die sehr trendstarken Titel wie Apple oder Google gezeigt. Durch den langfristig immer weiter steigenden Kurs wuchs das KGV dieser Aktien immer weiter an, obwohl sie weiterhin im stabilen Aufwärtstrend gute Kaufgelegenheiten boten. Daher können in Ausnahmefällen auch Aktien mit KGVs von 25 oder mehr immer noch eine lohnende Kaufgelegenheit darstellen. Denn es kommt allein auf die Deutung des KGV an. Dabei handelt es sich um die sogenannten Wachstumswerte, die eine besondere Kategorie innerhalb der fundamentalen Analyse darstellen.

Andererseits ist auch ein niedriges KGV, etwa im einstelligen Bereich, nicht automatisch ein Zeichen für eine günstige Einstiegsgelegenheit. Es könnte auch ein Hinweis darauf sein, dass das betreffende Unternehmen in Schieflage geraten ist und fallende Gewinnprognosen abgegeben hat. Durch die Erwartung fallender Gewinne fällt auch der Aktienkurs, so dass sich optisch ein günstiges KGV ergibt, dennoch aufgrund der Zukunftsaussichten der Titel aber keine lohnende Investition verspricht.

Dies zeigt wieder einmal, dass die fundamentale Analyse immer versuchen sollte, ein ganzheitliches Bild eines Unternehmens und des aktuellen Marktumfeldes aufzubauen, anstatt nur blind auf einzelne Kennzahlen zu schauen. Das KGV kann immer nur im Zusammenhang mit anderen Kenngrößen zur Bewertung des Gesamtbildes eines Unternehmens herangezogen werden. Daher ist es sicher sinnvoll, auch andere wichtige fundamentale Kennzahlen wie KBV oder Eigenkapitalquote in die Bewertung mit einzubeziehen.

Probleme bei der Berechnung des KGV

Gewinne sind nicht im Voraus bekannt

Üblicherweise wird das KGV aus dem geschätzten Jahresgewinn eines Unternehmens gebildet. Diese Gewinnschätzungen sind mit einer Unsicherheit behaftet. Unvorhergesehene Ereignisse, unerwartete konjunkturelle Entwicklungen oder spezielle Unternehmensnachrichten können die Berechnung unbrauchbar machen. Lediglich bei den aus den Daten der Vergangenheit gebildeten Kurs-Gewinn-Verhältnissen handelt es sich um gesicherte Kennzahlen. Diese erlauben einen Vergleich der vergangenen Entwicklung verschiedener Unternehmen, sagen aber natürlich nichts über die zukünftigen Chancen und Risiken eines Investments aus.

Negatives KGV? Verlustjahre können nicht einbezogen werden

Ein weiterer offensichtlicher Nachteil besteht darin, dass in Verlustjahren kein mathematisch sinnvoller Wert gebildet werden. Hier würde das KGV einen Wert im Minus annehmen.

Auch die Interpretation oder Bedeutung der Kennzahl KGV birgt für den Kauf von Aktien Unsicherheiten. Eine gesicherte Regel, ab wann eine Aktie als billig zu bewerten ist, gibt es nicht. Wie bereits erwähnt, ändert sich die Grenze zwischen günstig und ungünstig im Laufe der Zeit. Sie ändert sich aber auch bei Betrachtung von Unternehmen verschiedener Länder oder Branchen. Welches KGV also als in einer bestimmten Branche zur gegebenen Zeit günstig bewertet werden kann, müssen Anleger zunächst aus weiteren unabhängigen Quellen in Erfahrung bringen. Dies bringt naturgemäß einige Unsicherheiten mit sich.

Seine Stärken spielt das KGV aus, wenn Unternehmen aus gleichen Ländern von gleicher Branche miteinander verglichen werden sollen. Das heißt, wenn Anleger die Bewertung eines bestimmten Unternehmens im Vergleich zur direkten Konkurrenz betrachten wollen, dann bietet hierfür das KGV die besten Voraussetzungen.

Dabei muss man sich in den seltensten Fällen die Mühe machen, die Berechnung selbst vorzunehmen. Gängige Börsenportale veröffentlichen Tabellen fundamentaler Kennzahlen zu allen wichtigen Aktientiteln. Auch bieten viele Börsenportale kostenlose Aktien-Screener an. Als Beispiel sei hier etwa der Internetauftritt der OnVista Bank genannt.

Mit solchen Tools lässt sich eine ganze Reihe von Aktien gleichzeitig nach vorgegebenen Kriterien wie auch das KGV von Unternehmen filtern, zum Beispiel ein minimales oder maximales KGV. Dieser Wert wird dann vom Nutzer vorgegeben und das System durchsucht die aktuellen Kurslisten nach Einzeltiteln, die den angegebenen Kriterien entsprechen. Für Anleger, die Titel nach fundamentalen Kriterien auswählen, sind dies nützliche Werkzeuge, um interessante Investment-Gelegenheiten ausfindig zu machen.

Fazit

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist eine wichtige und viel beachtete Kennzahl bei der fundamentalen Analyse von Aktien. Es lässt sich anschaulich deuten als die Anzahl von Jahren, nach denen sich der Aktienkurs verdoppeln würde. In diesem Sinne steht ein niedrigeres KGV für fundamental günstige Kaufgelegenheiten. Allerdings sollten Anleger ihre Handelsentscheidungen nicht alleine von einer Kennzahl abhängig machen. Dennoch ist das KGV ein wichtiges Werkzeug, da es erlaubt, verschiedene Aktien aus ähnlichen Branchen hinsichtlich ihrer Bewertung miteinander zu vergleichen. Anleger müssen die Kenngrößen nicht selbst berechnen, sondern können auf eine Vielzahl von Angeboten im Internet zugreifen, die fundamentalen Kennzahlen bereitstellen. Eine Unsicherheit bei der Bestimmung des KGV ergibt sich daraus, dass Unternehmensgewinne für die Zukunft Schätzungen sind.