Dividende

Was bedeutet das KGV einer Aktie?

Wie Anleger mit Hilfe dieser fundamentalen Kennzahl die richtigen Aktien finden

Die Entscheidung, ob eine bestimmte Aktie gekauft werden soll oder nicht, ist von vielen Faktoren abhängig. Die Anzahl der unterschiedlichen Strategien ist nahezu unbegrenzt und Anleger können mit ganz verschiedenen Ansätzen erfolgreich sein, vorausgesetzt die Strategie passt zur persönlichen Risikoneigung und wird konsequent und nachhaltig umgesetzt.

Während der eine eher auf technische Merkmale setzt und Unterstützungen, Widerstände und Trendlinien in den Chartbildern auswertet, gelangen andere zu ihrer Kaufentscheidung, indem sie die fundamentalen Daten von Unternehmen dafür in Betracht ziehen. Jede an der Börse gehandelte Aktiengesellschaft ist gesetzlich dazu verpflichtet, die Bilanzkennzahlen und die quartalsweise erscheinenden Geschäftsergebnisse zu veröffentlichen. Diese Zahlen bilden die Grundlage für die fundamental orientierte Aktienanalyse. Vor allem langfristig orientierte Anleger halten sich eher an diese fundamentalen Kennzahlen, da sie einen Rückschluss auf die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens erlauben und somit einen Hinweis darauf geben können, ob die Aktie an der Börse günstig bewertet wird oder nicht.

Eine wichtige und viel beachtete Kennzahl ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis, abgekürzt KGV. Um das KGV zu bestimmen, wird der Kurs einer Aktie ins Verhältnis gesetzt zum erwarteten jährlichen Unternehmensgewinn je Aktie.

Berechnung des KGV

Daraus ergibt sich die Formel:

KGV = aktueller Aktienkurs/ Jahresgewinn pro Aktie.

Diese Zahl lässt sich auch deuten, als die Anzahl von Jahren, die vergehen muss, bis die jährlich erzielten Gewinne zu einer Verdoppelung des Investments geführt haben. Denn geht man davon aus, dass die jährlichen Zugewinne an die Aktionäre ausgeschüttet werden, dann wächst der Aktienwert jedes Jahr um eben diesen jährlichen Gewinn. Vorausgesetzt, dass der Gewinn gleich bleibt, erhält man die Anzahl von Jahren, bis die angehäuften Gewinne die Höhe des Kurswertes erreicht haben, aus dem Quotienten aus Kaufkurs und eben diesem Gewinn. Das ist genau die Berechnungsvorschrift für das Kurs-Gewinn-Verhältnis.

Wird beispielsweise die Aktie eines Unternehmens an der Börse zu 42 Euro gehandelt und der zu erwartende jährliche Gewinn pro Aktie beträgt 2 Euro, dann ergibt sich ein KGV von42/2= 21. Nach 21 Jahren würde also der angefallene Gewinn genau dem Kaufkurs einer Aktie entsprechen, sprich das Investment sich verdoppelt haben.

Eine alternative Deutung erhält man, wenn man den Kehrwert des KGV betrachtet, also den jährlichen Gewinn pro Aktie durch den aktuellen Aktienkurs dividiert. Dieser Wert entspricht nämlich der zu erwartenden jährlichen Rendite.

Im obigen Beispiel ergibt sich 100% / 21 = 4,76 %.

Immer unter der Voraussetzung, dass die Unternehmensgewinne in Zukunft konstant bleiben, würde sich also aus einem Investment in die betreffende Aktie eine Rendite von ca. 4.8 % ergeben.

Der Vorteil dieser Rechnung besteht darin, dass man so eine Kennzahl erhält, unabhängig vom absoluten Kurswert der Aktie eine Aussage darüber erlaubt, ob sie an der Börse günstig bewertet wird.

So kann die eine Aktie für zehn Euro zu teuer sein, während eine andere mit 200 € noch sehr günstig bewertet wird. Durch die Bildung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses ist es möglich, Aktien von ganz unterschiedlichen Kurswerten hinsichtlich ihrer Bewertung miteinander zu vergleichen.

Was können Anleger aus dem KGV ablesen?

Denn ob eine Aktie billig oder teuer gehandelt wird, ist vollkommen unabhängig vom absoluten Kurswert. Dieser ergibt sich ja aus der Marktkapitalisierung geteilt durch die Anzahl der Aktien, die das Unternehmen herausgegeben hat. Diese ist aber willkürlich und ändert sich oft im Laufe der Zeit. So kommt es nicht selten vor, dass Unternehmen durch einen Aktiensplit die Anzahl der im Umlauf befindlichen Papiere verdoppeln, um die Aktien optisch zu verbilligen. Der Kurs halbiert sich dadurch, aber da dann auch jeder Anleger, der bereits investiert war, seine Aktienanzahl verdoppelt bekommt, ändert sich natürlich insgesamt nichts an der Bewertung. Da das KGV aber den Gewinn pro Aktie einbezieht und dieser sich bei dem Split zusammen mit dem Kurs ebenfalls halbieren würde, bleibt das KGV von solchen Aktionen vollkommen unbehelligt.

Im Allgemeinen gilt als Orientierungsregel, je niedriger das KGV, desto günstiger ist die Aktie bewertet. Als ausgesprochen günstig gelten KGVs kleiner als zwölf. Mit den Marktbedingungen verändert sich allerdings im Laufe der Zeit auch die Grenze, ab der eine Aktie als günstig eingeschätzt wird. KGVs von Aktien aus den großen Indizes tendieren dazu, mit der Zeit immer weiter an zu wachsen. Somit könnte ein KGV, das vor einigen Jahren noch überteuert schien, heute auf eine günstige Kaufgelegenheit hinweisen. Dies hängt mit dem allgemeinen Wirtschaftswachstum zusammen, welches dafür sorgt, dass Aktienkurse generell im sehr langfristigen Mittel eine steigende Tendenz aufweisen.

Consorsbank Analyse

Es gibt viele wichtige Kennzahlen um Aktien bewerten zu können, Quelle: Consorsbank

Ein alleine hinreichendes Kriterium für den Kauf kann das KGV alleine aber nicht sein Dies haben in der Vergangenheit immer wieder die sehr trendstarken Titel wie Apple oder Google gezeigt. Durch den langfristig immer weiter steigenden Kurs wuchs das KGV dieser Aktien immer weiter an, obwohl sie weiterhin im stabilen Aufwärtstrend gute Kaufgelegenheiten boten. Daher können in Ausnahmefällen auch Aktien mit KGVs von 25 oder mehr immer noch eine lohnende Kaufgelegenheit darstellen. Dabei handelt es sich um die sogenannten Wachstumswerte, die eine besondere Kategorie innerhalb der fundamentalen Analyse darstellen.

Andererseits ist auch ein niedriges KGV, etwa im einstelligen Bereich, nicht automatisch ein Zeichen für eine günstige Einstiegsgelegenheit. Es könnte auch ein Hinweis darauf sein, dass das betreffende Unternehmen in Schieflage geraten ist und fallende Gewinnprognosen abgegeben hat. Durch die Erwartung fallender gewinne fällt auch der Aktienkurs, so dass sich optisch ein günstiges KGV ergibt, dennoch aufgrund der Zukunftsaussichten der Titel aber keine lohnende Investition verspricht.

Dies zeigt wieder einmal, dass die fundamentale Analyse immer versuchen sollte, ein ganzheitliches Bild eines Unternehmens und des aktuellen Marktumfeldes aufzubauen, anstatt nur blind auf einzelne Kennzahlen zu schauen. Das KGV kann immer nur im Zusammenhang mit anderen Kenngrößen zur Bewertung des Gesamtbildes eines Unternehmens herangezogen werden.

Probleme bei der Berechnung des KGV

Gewinne sind nicht im Voraus bekannt

Üblicherweise wird das KGV aus dem geschätzten Jahresgewinn eines Unternehmens gebildet. Diese Gewinnschätzungen sind natürlich mit einer Unsicherheit behaftet. Unvorhergesehene Ereignisse, unerwartete konjunkturelle Entwicklungen oder spezielle Unternehmensnachrichten können die Berechnung unbrauchbar machen. Lediglich bei den aus den Daten der Vergangenheit gebildeten Kurs-Gewinn-Verhältnissen handelt es sich um gesicherte Kennzahlen. Diese erlauben einen Vergleich der vergangenen Entwicklung verschiedener Unternehmen, sagen aber natürlich nichts über die zukünftigen Chancen und Risiken eines Investments aus.

Verlustjahre können nicht einbezogen werden

Ein weiterer offensichtlicher Nachteil besteht darin, dass in Verlustjahren keine sinnvollen Werte gebildet werden. Hier würde ja das KGV ebenfalls negative Werte annehmen.

Auch die Interpretation der Kennzahl KGV birgt Unsicherheiten. Eine gesicherte Regel, ab wann eine Aktie als billig zu bewerten ist, gibt es nicht. Wie bereits erwähnt, ändert sich die Grenze zwischen günstig und ungünstig im Laufe der Zeit. Sie ändert sich aber auch bei Betrachtung von Unternehmen verschiedener Länder oder Branchen. Welches KGV also als in einer bestimmten Branche zur gegebenen Zeit günstig bewertet werden kann, müssen Anleger zunächst aus weiteren unabhängigen Quellen in Erfahrung bringen. Dies bringt naturgemäß einige Unsicherheiten mit sich.

Seine Stärken spielt das KGV aus, wenn Unternehmen aus gleichen Ländern oder von gleicher Branche miteinander verglichen werden sollen. Das heißt, wenn Anleger die Bewertung eines bestimmten Unternehmens im Vergleich zur direkten Konkurrenz betrachten wollen, dann bietet hierfür das KGV die besten Voraussetzungen.

Dabei muss man sich in den seltensten Fällen die Mühe machen, die Berechnung selbst vorzunehmen. Gängige Börsenportale veröffentlichen Tabellen fundamentaler Kennzahlen zu allen wichtigen Aktientiteln. Auch bieten viele Börsenportale kostenlose Aktien-Screener an. Als Beispiel sei hier etwa der Internetauftritt der OnVista Bank genannt.

Mit solchen Tools lässt sich eine ganze Reihe von Aktien gleichzeitig nach vorgegebenen Kriterien filtern, zum Beispiel ein minimales oder maximales KGV. Dieser Wert wird dann vom Nutzer vorgegeben und das System durchsucht die aktuellen Kurslisten nach Einzeltiteln, die den angegebenen Kriterien entsprechen. Für Anleger, die Titel nach fundamentalen Kriterien auswählen, sind dies nützliche Werkzeuge, um interessante Investment-Gelegenheiten ausfindig zu machen.

Fazit

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist eine wichtige und viel beachtete Kennzahl bei der fundamentalen Aktienanalyse. Es lässt sich anschaulich deuten als die Anzahl von Jahren, nach denen sich der Aktienkurs verdoppeln würde. In diesem Sinne steht ein niedrigeres KGV für fundamental günstige Kaufgelegenheiten. Allerdings sollten Anleger ihre Handelsentscheidungen nicht alleine von einer Kennzahl abhängig machen. Dennoch ist das KGV ein wichtiges Werkzeug, da es erlaubt, verschiedene Aktien aus ähnlichen Branchen hinsichtlich ihrer Bewertung miteinander zu vergleichen. Anleger müssen die Kenngrößen nicht selbst berechnen, sondern können auf eine Vielzahl von Angeboten im Internet zugreifen, die fundamentalen Kennzahlen bereitstellen. Eine Unsicherheit bei der Bestimmung des KGV ergibt sich daraus, dass Unternehmensgewinne für die Zukunft abgeschätzt werden müssen.

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