Überbewertete Aktien

Überbewertete Aktien erkennen – darauf sollten Anleger achten

Wie erkennen Anleger überbewertete Aktien?

Als Anleger überbewerteten Aktien auszuweichen kann den Erfolg bei der Geldanlage sichern. Überbewertete Aktien weisen dabei einige Merkmale auf, die der Anleger nur entschlüsseln können muss. Hilfreich ist dabei die Unternehmensbilanz.

Was bedeutet Überbewertung?

Der Begriff „Überbewertung“ ist durchaus nicht ganz unkritisch zu sehen. Immerhin handelt es sich beim Aktienkurs um ein relativ simples Zusammenspiel aus Angebot und Nachfrage. Auch bei Waren wird der Wert letztlich genau durch diese Faktoren festgelegt. Hier stören sich Verbraucher nur selten daran, wenn etwas überteuert ist. Im Ernstfall wird die Ware nicht ausreichend gekauft und der Hersteller senkt seinen Preis. Im Gegensatz hierzu werden Börsenkurse allerdings inzwischen sekündlich aus Angebot und Nachfrage berechnet. Es gibt also Käufer, die genau diesen Preis zahlen möchten und Verkäufer, die vermutlich nur bei diesem Preis verkaufen. Warum genau sprechen Aktienhändler also dennoch von Überbewertung?

Der Grund hierfür lässt sich im sogenannten „inneren Wert“ der Aktie finden. Dieser Begriff wurde vom Value Investment geprägt. Er soll beschreiben, wie wertvoll das Unternehmen ist, das hinter der Aktie steckt und umfasst dabei unter anderem:

  • Stabilität der Finanzlage
  • Schulden im Verhältnis zu den Einnahmen
  • Aktuelle Bilanz
  • Wachstumsprognosen
  • Zu erwartende Umsatzsteigerungen
  • Wegbrechende Märkte
  • Kompetentes Management und qualifizierter Mitarbeiterstamm

Immer dann, wenn der innere Wert sich vom Aktienkurs (bzw. von der Marktkapitalisierung) deutlich unterscheiden, sind Aktien entweder über- oder unterbewertet.

Consorsbank Analyse

Die Consorsbank liefert wichtige Kennzahlen zur Bewertung von Aktien

Warum sind überbewertete Aktien so problematisch?

Warum überbewertetet Aktien gerade für Privatanleger problembehaftet sind, ist nicht all zu kompliziert. Früher oder später ist davon auszugehen, dass sich der Kurs wieder korrigiert, sich dem tatsächlichen Wert also annähert und somit fällt. Wer nun die Aktie zu teuer gekauft hat, muss erst einmal eine weitere Kurssteigerung und damit häufig auch Wachstum des Unternehmens abwarten, bis das Ausgangsniveau erreicht ist.

Grundsätzlich gilt es deswegen als weniger riskant, unterbewertete Aktien zu kaufen. Hier ist die Wahrscheinlichkeit deutlich größer, dass die Kurse durch eine Korrektur steigen und so Kursgewinne realisiert werden können.

Märkte vs. Einzelaktien

Es ist dabei allerdings nicht nur möglich, dass einzelne Aktien überbewertet sind, auch ganze Märkte können überbewertet sein. Im Ernstfall können sich dann sogar Spekulationsblasen herausbilden, die immer ein Risiko der Korrektur und sogar des Crashs in sich tragen.

Dies ist auch einer der Gründe, warum Aktienkurse nicht nur mit anderen Aktien aus dem gleichen Marktumfeld verglichen werden sollten, sondern auch immer der Gesamtmarkt mit anderen Indizes, Geldanlagen und vergangenen Werten.

Nur so lässt sich letztlich feststellen, ob eine Aktie in einem normalen oder unterbewerteten Umfeld überbewertet ist, oder ob der gesamte Markt überbewertet ist. Ist Letzteres der Fall, ist es ein ungünstiger Zeitpunkt für den Aktienkauf generell.

Expertenmeinungen vergleichen

Wer eine Aktie erwerben möchte und im ersten Schritt noch keine genaue Vorauswahl über das neueste Mitglied im Aktiendepot hat, kann Aktien kurz auf ihre Überbewertung überprüfen, indem er die Experten zurate zieht. Die meisten Investmenthäuser und Großbanken veröffentlichen regelmäßige Bewertungen zu einer Vielzahl von Aktien. Diese nutzen in der Regel die Einschätzung „buy“, „hold“ und „sell“.

  • Kaufempfehlungen werden in der Regel für Aktien ausgegeben, die die jeweiligen Analysten für unterbewertet halten.
  • Die Aktien zu halten gilt dann als ratsam, wenn noch Potenzial zur Steigerung vorhanden ist.
  • „Sell“-Aktien sind überbewertet oder die dazu gehörige Aktiengesellschaft steuert auf Probleme oder sogar eine Krise zu.

In der Regel wird zudem ein Zielkurs angegeben, der dem Kurs entspricht, den der jeweilige Analyst für eine faire Bewertung hält.

Auch wenn solche Expertenmeinung häufig nicht ganz aktuell sind und darüber hinaus nicht immer stimmen müssen, eigenen sie sich durchaus, um einen groben Überblick zu erhalten und auf Probleme hingewiesen zu werden. Warum der Analyst die Aktie für überbewertet hält, kann der Anleger davon ausgehend überprüfen.

Fundamentalanalyse als Mittel der Wahl

Um herauszufinden, ob und warum ein Unternehmen überbewertet ist, muss der Anleger letztlich eine Fundamentalanalyse durchführen. Hierfür muss er in der Regel die Bilanz des Unternehmens genau studieren. Aus dieser lassen sich einige wichtige Erkenntnisse ableiten, die auf Probleme hindeuten können. Üblicherweise werden aus der Bilanz ohnehin von Wirtschaftszeitschriften einige Kennzahlen ermittelt, die übersichtlich in den Details zur Aktie aufgeführt werden.

Ein wichtiger Kritikpunkt bei den Kennzahlen ist allerdings die Tatsache, dass diese immer in die Vergangenheit gerichtet sind. Sie lassen oft Prognosen über die Zukunft zu, allerdings sind sie keine sicheren Werte. Anleger müssen vor allem darauf achten, ob bereits aktuellere Nachrichten darauf hindeuten, dass sich die Kennzahlen verbessern oder verschlechtern werden. Vor allem bei Gewinnwarnungen sollten Anleger aufpassen. Sie führt häufig dazu, dass Kennzahlen besser wirken, als dies bei der nächsten Bilanz der Fall sein wird.

Die fünf wichtigsten Indikatoren

  1. KGV

Üblicherweise wird das Kurs-Gewinn-Verhältnis als eine der wichtigsten Kennzahlen bei der Aktienanalyse angesehen. Hierbei werden – wie der Name schon sagt – Kurs und Gewinn in eine Relation gesetzt. Ist das KGV besonders hoch, muss der Anleger in Bezug auf den Gewinn besonders viel investieren.

  1. KBV

Da der Gewinn auf vielfältige Arten beschönigt werden kann, haben sich viele Anleger dazu entschlossen, stattdessen dem Kurs-Buchwert-Verhältnis mehr Bedeutung beizumessen. Beim KGV wäre ein guter Wert beispielsweise auch dadurch erreichbar, dass ein Unternehmen gerade das Tafelsilber verkauft, dass in der Bilanz mit geringerem Wert aufgeführt war. Die stillen Reserven und stillen Lasten werden auch beim KBV nicht erfasst, sodass sie sich nicht in allen Branchen gleichermaßen als Vergleichswert eignen. Hier ist der Nettoinventarwert eine wichtige Größe.

  1. Fremdkapitalquote

Ein Unternehmen kann ein gutes KGV vorweisen und dennoch ein großes Risiko für Investoren darstellen. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Eigenkapitalquote sehr gering ist und das Unternehmen am Rande einer Überschuldung steht. Dies ist vor allem dann problematisch, wenn sich die Zinsen deutlich erhöhen. Eine Zinslast, die beim Niedrigzins noch problemlos getragen werden kann, kann zu einem wirklichen Problem werden, sobald die Zinsen wieder anziehen. Viele Unternehmen wählen zudem sehr kurzfristige Fremdfinanzierungen, die kaum Planungssicherheit in einem anderen Marktumfeld erlauben.

Allerdings sind nicht alle Schulden gleich ein Pulverfaß. Vorsicht ist allerdings immer dann geboten, wenn sich die Fremdkapitalquote maßgeblich verändert, ohne dass Investitionen in Bezug auf das Wachstum gefördert werden. Fremdkapital muss zudem nicht immer schlecht sein und wird beispielsweise auch durch einen Börsengang erzeugt. Allerdings ist es wichtig, aus welchen Quellen das Fremdkapital stammt und wie es eingesetzt wird.

  1. Dividendenrendite

Ein wichtiger Faktor, der darüber Aufschluss geben kann, ob eine Aktie überbewertet ist oder nicht, kann die Dividendenrendite sein. Hier wird aufgeschlüsselt, wie viel Dividende der Anleger im Vergleich zum aktuellen Kurs erwarten kann.

Dies ist deswegen ein wichtiger Faktor, weil Aktien bekanntermaßen auf zwei Arten Erträge generieren können: entweder durch Kurssteigerung oder durch Dividenden. Wer eine langfristige Dividendenstrategie verfolgen möchte – und das wollen viele Anleger – sollte deswegen nicht nur auf den Kurs achten, sondern auch, welche Rendite er erhalten kann, während er die Aktie hält.

Dabei sollte allerdings nicht nur der aktuelle Wert betrachtet werden. Wichtiger kann sein, wie gleichmäßig ein Unternehmen Dividenden ausschüttet. Gerade Krisenzeiten sind hier von Bedeutung. Anleger müssen einkalkulieren, dass sie für einen zuverlässigen Dividendenzahler mehr Geld ausgeben müssen, als für ein Unternehmen, dass nur geringe Dividenden zahlt oder darauf sogar verzichtet.

  1. Kurs-Cash-Flow-Verhältnis

Für viele Analysten ist das KCV die einzige Kennzahl, die vor Manipulationen geschützt ist. Sie setzt den Cash-Flow – also die Differenz von Ein- und Auszahlungen – mit dem Kurs in Verhältnis. Sie soll deswegen besonders geeignet sein, die finanzielle Gesundheit eines Unternehmens zu beschreiben. Letztlich gibt sie an, welches Kapital auf Bankkonten und Kassenbeständen des Unternehmens zu finden ist, wie liquide es also ist. Daraus lässt sich auch ableiten, ob das Unternehmen Investitionen tätigen kann oder genügend Sicherheitspuffer im Falle von Umsatzrückgängen hat. Auch beim KCV gilt, dass ein niedriges Ergebnis besonders gut ist.

Beim KCV ist es außerordentlich wichtig, vergangene Geschäftsjahre in die Analyse mit ein zu beziehen. Außerdem gibt es unterschiedliche Berechnungsarten, die die Ergebnisse beim Vergleich verfälschen können. Bei wachsenden oder schrumpfenden Unternehmen kann das KCV einen falschen Eindruck liefern.

Weiche Fakten ebenfalls einbeziehen

Doch auch unabhängig von den harten Fakten müssen Anleger sich auch weitere Faktoren genauer ansehen:

  • Marktpotential und Wachstum

Auch das Marktpotential und das mögliche Wachstum eines Unternehmens sollten in die Einschätzung fließen, ob es sich um eine Überbewertung der Aktie handelt oder nicht. Ein Unternehmen, das kein tragendes Geschäftskonzept mehr hat und Umsatzrückgänge verzeichnen muss, ist ein Risiko in jedem Portfolio. Vor allem dann, wenn es durch aktuellere Entwicklungen und Techniken ins Hintertreffen geraten ist, müssen Anleger davon ausgehen, dass unter Umständen kein Wachstum mehr stattfindet und im schlimmsten Fall sogar eine rückläufige Entwicklung eintritt.

  • Monopolstellung und Größe

Ein weiterer wichtiger Faktor kann die Größe des Unternehmens sein. Als Faustregel gilt, dass in Krisen meistens Monopolisten und die größten Anbieter überleben, während kleinere Häufiger von Insolvenzen und Konsolidierungen getroffen werden. Es kann sich deswegen lohnen, in Monopolisten und Großkonzerne zu investieren, obwohl die Aktien nach den verschiedenen Kennzahlen bereits überbewertet sind. Der Anleger kauft dann ein bisschen mehr Sicherheit mit – auch wenn dieser Verlauf nicht eintreffen muss.

Fazit:

Um eine Überbewertung einer Aktie zu erkennen, ist eine Analyse der Fundamentaldaten wesentlich. Es gibt eine Handvoll Kennzahlen, die wichtig ist, um zu erkennen, ob eine Aktie ihr Geld wert ist oder nicht. Anleger müssen allerdings immer bedenken, dass es sich um eine rückwärtsgerichtete Analyse handelt. Deswegen müssen sie auch mögliche Marktprognosen, das Wachstumspotenzial und die Tragfähigkeit des Geschäftskonzeptes im Blick behalten. Nur so und im Vergleich mit anderen Unternehmen und Zeiten lässt sich feststellen, ob eine Aktie ihr Geld wert ist oder nicht.

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