Märkte in der Seitwärtsbewegung – Frühzeitig erkennen und davon profitieren

Märkte in der Seitwärtsbewegung – Frühzeitig erkennen und davon profitieren

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Märkte in der Seitwärtsbewegung sind unter Anlegern unbeliebt. Der fehlende eindeutige Trend sorgt dafür, dass sie nicht wissen sollen, wie sie gewinnbringend handeln können. Allerdings ist es durchaus möglich, auch von fehlenden Trends zu profitieren.

Was ist eine Seitwärtsbewegung?

Der Begriff Seitwärtsbewegung wird dann genutzt, wenn sich der Kurs einzelner Basiswerte oder sogar ganze Märkte kaum verändern.

  • Das Niveau des Kurswertes ändert sich im Vergleich zu den vergangenen Kurswerten dann nur unwesentlich.
  • Es lässt sich deswegen kein eindeutiger Trend ausmachen, der den Kurs zumindest langsam in eine bestimmte Richtung drängt.
  • Das bedeutet allerdings nicht, dass es überhaupt keine Wertschwankungen gibt.
  • Der Begriff der Seitwärtsbewegung wird auch dann genutzt, wenn ein Kurs um ein bestimmtes Niveau schwankt, dieses also über längere Zeit nicht verlassen wird, sondern immer wieder erreicht wird.

Der Begriff wurde im Übrigen zum Börsenunwort des Jahres 2004 von der Börse Düsseldorf gewählt. Die Begründung lautet, dass der Begriff in sich unsinnig sei. Eine Seitwärtsbewegung an Handelsplätzen finde immer dann statt, wenn gerade keine Bewegung feststellbar sei.

Wie erkennen Anleger Seitwärtsbewegungen?

Seitwärtsbewegungen sind eigentlich relativ leicht zu erkennen. Im Chart können diese schon auf dem ersten Blick identifiziert werden. Häufig finden sich Unterstützungen und Widerstände, die grafisch eindeutig erkennbar sind. Bei ihnen prallt der Kurs von einem Hoch oder Tief ab und entwickelt sich wieder in Richtung des gewohnten Niveaus. In der Regel sind es gerade die Marktwiderstände in einer Aufwärtsbewegung, die dazu führen, dass sich der Kurs einige Zeit lang auf einem bestimmten Niveau bewegt.

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Der schlimmste Feind bei der Bestimmung eines Seitwärtstrends sind die False Breakouts, die den Beginn eines Trends andeuten, der dann jedoch nicht auftritt. Es kann also selbst bei einer eingehenden Analyse nicht im Vorfeld bestimmte werden, ob es sich um eine Auflösung der Seitwärtsbewegung handelt, oder ob der Seitwärtstrend länger anhält. Grundsätzlich gilt jedoch bei Anlegern, die nicht von der Seitwärtsbewegung profitieren möchten, dass das Überschreiten eines Seitwärtstrends als charttechnisches Kaufsignal gewertet werden kann.

Es gibt zudem verschiedene Indikatoren, die die optische Analyse festigen können:

  • ADX: Der ADX soll die Trendstärke erkennbar machen. Dafür werden die Tageshochs und Tagestiefs mehrere Tage miteinander verglichen. In der Regel wird der Indikator durch die True Range, also dem Schwankungsbereich der Kurse im Verlauf des Tages, normiert. Liegt er unter 30, handelt es sich um eine Seitwärtsbewegung.
  • RAVI: Der RAVI wird in Prozent ermittelt und nutzt dafür die gleitende Durchschnittslinie (GDL) über sieben Schlußkurse, von der eine längere GLD abgezogen wird. Ein RAVI unter 3 % zeigt einen Seitwärtstrend an.
  • Momentum: Der Momentum-Indikator ist einer der ältesten Indikatoren überhaupt und gibt die Trendstärke an. Dabei kann es Werte über 100 % und unter – 100 Prozent annehmen. Alle Werte dazwischen zeigen für die meisten Anleger keinen klaren Trend und somit eine Seitwärtsbewegung an.

Gewinnbringende Geldanlagen für die Seitwärtsbewegung

Mit dem Kauf von Wertpapieren können in Seitwärtsbewegungen keine großen Gewinne erzielt werden. Lediglich bei sehr volatilen Werten, die um ein bestimmtes Niveau schwanken, könnte diese gewinnbringend eingesetzt werden. Zudem sind Kurse in der Seitwärtsbewegung immer wieder ein beliebtes Spekulationsobjekt und wenn ein Trend ermittelt werden kann, setzt er häufig mit großer Wucht ein. Ist jedoch beides nicht der Fall und der Anleger geht davon aus, dass die Seitwärtsbewegung noch eine Weile anhält, muss er Alternativen zum herkömmlichen Aktienkauf suchen. Zahlreiche Finanzderivate ermöglichen es dann, auch von gleichbleibenden Kursen zu profitieren.

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CFD können in Seitwärtsphasen sehr gut eingesetzt werden, Quelle: Consorsbank

Reverse-Bonuszertifikate

Reverse-Bonuszertifikate werden von vielen Investoren dazu genutzt, ihre eigenen Positionen abzusichern. Dies gilt sowohl für seitwärts laufende als auch für fallende Märkte. Sogar leichte Aufwärtsphasen können noch zu einem Gewinn führen.

Die Barriere, die Anleger von Bonuszertifikaten gewöhnt sein dürften, befindet sich über dem aktuellen Kurs des Basiswertes. Berührt das Underlying die Marke innerhalb der Laufzeit nicht, erhält der Käufer zum Laufzeitende eine Bonuszahlung. Die beiden entscheidenden Faktoren sind also zum einen die Barriere, zum anderen die Laufzeit. Je niedriger die Barriere, umso riskanter und renditeträchtiger wird das Investment. Auch mit steigender Laufzeit erhöhen sich Risiko und Renditemöglichkeit. Wichtig ist zudem auch die Entfernung der Produktbasis vom Kurs des Basiswertes. Liegt sie deutlich unter dem Kurs des Basiswertes, tritt ein geringer Hebeleffekt ein und das Risiko erhöht sich deutlich. Grund dafür ist, dass der Schwellenverlust wahrscheinlicher wird.

Reverse-Bonuszertifikate ermöglichen es durchaus, eine vergleichsweise hohe Rendite zu erzielen. Teilweise sind sogar mehr als 15 Prozent drin, ohne, dass das Risiko unvernünftig wäre. Sollte der Kurs zudem deutlich sinken, können Anleger auch hier profitieren. Die negative Performance wird dann bei einem Long-Bonuszertifikat ebenfalls gutgeschrieben.

Allerdings beinhalten die meisten Reverse-Bonuszertifikate eine Gewinnbegrenzung. Dies macht sie für seitwärts laufende Märkte besonders geeignet. Dann sind nämlich deutlich höhere Renditen möglich als bei Reverse-Bonuszertifikate ohne Begrenzung des Gewinns.

Sollte der Basiswert hingegen die Barriere überschreiten, fällt die Bonuszahlung in jedem Fall weg. Das Reverse-Bonuszertifikat verwandelt sich dann in ein einfaches Short-Zertifikat. Der fallende Basiswert führt zu einem steigenden Zertifikatewert und umgekehrt. Ein heftiger Kursanstieg kann allerdings sogar zu einem Totalverlust führen. Entscheidend hierfür ist das Reverse-Level. Es entspricht genau dem Doppelten der Produktbasis, von der zur Feststellung des inneren Wertes der aktuelle Basiswertkurs subtrahiert wird.

Wann Verlust- und Gewinnzonen erreicht werden, hängt von den jeweiligen Produktmerkmalen ab, die der Emittent für das jeweilige Zertifikat festlegt. Reverse-Optionsscheine sind recht kostenintensiv und zudem riskant. Anleger sollten sich also bewusst über den spekulativen Charakter dieser Anlage sein.

Range-Optionsscheine, Inline-Optionsscheine, Range-Earn-Optionsscheine oder Range-Warrants

Inline-Optionsscheine, Range-Warrants oder Range-Optionsscheine ermöglichen es ebenfalls, von Seitwärtsbewegungen des Marktes zu profitieren. Für jeden Tag, an der Kurs des Basiswertes innerhalb einer vorher fixierten Bandbreite (Range) liegt, einen vorher in der Höhe festgelegten Betrag auf dem Papier gutgeschrieben. Dies ist beispielsweise bei sogenannten Hamster-Optionsscheinen der Fall, die unter dem ohnehin recht riskanten Anlageprodukt noch eine der „sichersten“ Alternativen darstellen und auch als Range-Earn-Optionsscheine auf dem Markt sind. In der Regel sind sie mit einem maximalen Auszahlungsbetrag versehen.

Range-Optionsscheine werden in unterschiedlichen Spielarten angeboten. Je nach Bedingungen des Emittenten kann das Verlassen der Range ein Knock-Out-Kriterium sein, in der Regel ist dies jedoch nicht der Fall. Relativ häufig wird für die Tage, an denen die Range verlassen wird, ein bestimmter Betrag abgezogen. Es gibt zudem Range-Optionsscheine, bei denen die Anzahl der negativen Tage von der Anzahl der positiven Tage abgezogen wird und die daraus ermittelte Differenz mit dem zuvor erreichten Betrag multipliziert wird. Auf diese Weise erhöhen sich die Rendite-Chancen noch einmal deutlich. Diese Bedingung herrscht beispielsweise bei den E.A.R.N-Scheinen, die auch deutlich negative Zahlen annehmen können.

Eine einfachere Variante der Range-Earn-Optionsscheine sind beispielsweise Range-KO und EKO-Optionsscheine. Sie werden zudem auch als Mini-Premium-Optionsscheinen bezeichnet. Bei ihnen ist ausschließlich entscheidend, ob der Bezugskurs bis zum Laufzeitende innerhalb einer zuvor festgelegten Range bleibt. Ist dies der Fall, erhält der Besitzer eine festgelegte Rückzahlung. Überschreitet der Kurs die Range hingegen, verfällt der Schein wertlos.

Eine Spielart davon ist die Sleepy-Option. Hierbei erhält der Inhaber des Optionsscheins auch dann eine festgelegte Rückzahlung in Höhe des „Sleepy“-Betrages, wenn der Kurs die Range verlässt. KO-Optionsscheine werden zudem häufig auch als Quattro-Optionsschein angeboten, bei dem für vier Basiswerte eine Bandbreite festgelegt wird. Dabei verfällt jeweils nur der Basiswert, der seine Range verlässt und der Optionsschein ist nur dann wertlos, wenn alle vier Basiswerte die Bandbreite überschreiten.

Je nach Risikotyp können Anleger aus einer Vielzahl von Range-Optionsscheinen wählen. Zwischen den einzelnen Arten gibt es zudem auch unter den Emittenten deutliche Unterschiede. Grundsätzlich gilt, dass eine lange Laufzeit und eine große Bandbreite auch dazu führen, dass der Optionsschein Gewinn bringt. Dementsprechend teurer ist er im Vergleich zu riskanteren Optionsscheine. Auch die Volatilität fließt in die Preisfindung ein. Ohnehin gelten allerdings viele Range-Optionsscheine als übermäßig teuer. Privatanleger sollten ihre Möglichkeiten also umfangreich prüfen und dabei auch bedenken, dass das Verhältnis von Rendite und Risiko auch deswegen nicht angemessen sein kann, weil die Emittenten in ihrer Preisgestaltung viele Freiheiten besitzen. Anleger sollten zudem nicht vergessen, dass sie bei den meisten Range-Optionsscheinen ein Totalverlustrisiko in beide Richtungen haben und es dementsprechend schwierig ist, Gewinne zu realisieren.

Allerdings sind die Renditechancen mit vielen Range-Optionsscheinen erheblich. Es handelt sich jedoch fraglos um eine spekulative Anlageform, die zudem nicht geeignet ist, um Wertpapiere gegen Verluste abzusichern. Sie dienen alleine dem Ziel, auch in Seitwärtsbewegungen renditeträchtig zu handeln. Wer sonst eher auf Sicherheit bedacht ist, findet also in den Optionsscheinen keine geeignete Alternative.

Handelsarten bei binären Optionen

Binäre Optionen bieten gleich mehrere Handelsarten, bei denen Anleger Seitwärtsbewegungen gewinnbringend handeln können. Das wohl bekannteste Beispiel ist die Range-Option, die je nach Broker unterschiedlich ausgestaltet sein kann. Häufig ist es lediglich erforderlich, dass der Kurs innerhalb der Range schließt, um den Gewinn in voller Höhe realisieren zu können. Es gibt allerdings auch Anbieter, die ähnlich wie bei den Range-Optionsscheinen den Zeitraum ermitteln, in dem die Position im Geld war.

Auch beim Handel mit binären Optionen gibt es vereinzelt Anbieter, die das Verlassen der Range als Knock-Out-Kriterium ansehen. In der Regel findet sich diese Bedingung allerdings eher im Rahmen der No-Touch-Optionen. Hierbei definiert der Anbieter eine vorher festgelegte Schwelle, die nicht erreicht werden darf oder bei der Touch-Option erreicht werden muss. Das Erreichen des Niveaus führt dann dazu, dass die Position geschlossen wird, ohne dass der Trader einen Gewinn realisieren könnte. Ein Nachteil der binären Optionen ist allerdings, dass die Broker meist nur Laufzeiten über sehr kurzfristige Zeiträume bieten und deswegen eher für Day- oder Swingtrader geeignet sind. Zudem sind binäre Optionen hochspekulativ und deswegen nur in Ausnahmefällen für risikobewusste Privatanleger geeignet.

Fazit:

Es ist durchaus möglich, Märkte in der Seitwärtsbewegung gewinnbringend zu nutzen. Allerdings geht dies fast immer mit einem erhöhen Risiko einher. Zum Handel eignen sich dann eigentlich ausschließlich Derivate, die in der Regel zwar erhebliche Renditechancen mit sich bringen, allerdings auch ein entsprechend hohes Risiko aufweisen.

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