Euro Geld

Wie können sich Anleger vor einem Zusammenbruch des Euros schützen?

Spätestens seit der Finanzkrise scheint ein Eurocrash nicht unwahrscheinlich. Mit jeder neuen drohenden Staatspleite wird das Thema zudem erneut aufgegriffen und es ist kein Geheimnis, dass gerade die südlichen Euroländer aufgrund der fehlenden Möglichkeit der Abwertung ihrer Währung deutliche finanzielle Probleme haben, die je nach Land und Wirtschaftsexperte sogar als unlösbar eingeschätzt werden. Auch Privatanleger können ihr Geld vor dem Eurozusammenbruch schützen.

Was passiert im Falle eines Eurocrashs?

Für fast alle Wirtschaftsexperten ist sicher, dass Deutschland wieder zur DM zurückkehren würde. Als wahrscheinlich gilt dabei ein Wechselkurs von 1:1, auch wenn die wirtschaftliche Lage bei einem tatsächlichen Zusammenbruch der Gemeinschaftswährung eine andere Umrechnung erforderlich machen würde. Gerade im Falle einer Hyperinflation würden derartige Wechselkurse natürlich nicht mehr gelten. Zudem kann es auch möglich sein, dass, wie beispielsweise beim Wechsel auf die DM, nur Sparguthaben bis zu einem bestimmten Guthaben umgetauscht werden könnte oder der Wechselkurs doch deutlich schlechter ist.

Sehr wahrscheinlich sind zudem die folgenden Konsequenzen, vorausgesetzt die DM wäre im Vergleich zum Euro – so wie derzeit –unterbewertet:

  • Zeitweises Einfrieren der Konten um eine starke Kapitalflucht zu verhindern.
  • Kapitalverkehrskontrollen müssten eingerichtet werden, um den Umtausch von ausländischen Euro in DM zu verhindern.
  • Das Guthaben von Deutschen im Ausland würde an Wert verlieren.

Wertet die DM im Vergleich zu anderen europäischen Währungen stark auf, führt dies dazu, dass Banken durch ausländische Staatsanleihen „faule Kredite“ anhäufen. Eine Abwertung gegenüber der DM um 20 Prozent sorgt beispielsweise auch dafür, dass dieser für die Bank nur noch 80 Prozent wert ist. Zugleich verteuert sich der Kredit für das verschuldete Land deutlich, sodass die Kredite kaum getilgt werden können. Wirtschaftliche Turbulenzen würden die Lage zusätzlich verschlimmern und es würde eine Masseninsolvenz der deutschen Kreditinstitute drohen. Darauf, dass gleich mehrere Banken insolvent werden, ist die Einlagensicherung jedoch nicht ausgerichtet, sodass die Bundesregierung vermutlich umfangreich Steuergelder investieren müsste, um ein Kollaps des Finanzsystems zu verhindern. Auch hier könnten Enteignungen von Sparern möglich sein.

Deswegen empfehlen Experten, das Geld von vorneherein auf verschiedene Banken mit möglichst unterschiedlichen Geschäftsmodellen zu verteilen und dabei auf jeden Fall unter der Grenze der gesetzlichen Einlagensicherung zu bleiben. Auf diese Weise können Anleger unterschiedliche Sicherungsnetze nutzen und die Chance erhöhen, liquide zu bleiben.

Möglichkeiten der Absicherung des Kapitals

  1. Fremdwährungskonten

Bei einem Zusammenbruch des Euros sind natürlich alle Sparer im Vorteil, die durch ein Fremdwährungskonto über ausländische Währung verfügen. Die Einrichtung eines solchen Kontos ist sehr leicht. Der Anleger hat bei seiner Hausbank die Möglichkeit, ein derartiges Konto einzurichten und sich für eine bestimmte Währung zu entscheiden und kann dann ein Euroguthaben überweisen, das direkt konvertiert wird.

Wer ein Fremdwährungskonto zur Absicherung nutzen möchte, sollte vor allem auf stabile Währungen zurückgreifen. Als „sicher“ gelten:

  • US-Dollar
  • Kanadischer Dollar
  • Schweizer Franken
  • Norwegische Krone
  • Schwedische Krone
  • Dänische Krone
  • Britisches Pfund
  • Yen
  • Singapur-Dollar

Darüber hinaus gibt es für spekulativer orientierte Anleger auch die Möglichkeit, in volatilere Währungen zu investieren. Hier sind Wechselkurschancen und –risiken erhöht. Zugleich können hier die Zinsen auch höher sein. Zu den derzeit beliebten riskanteren Währungen mit höheren Renditechancen gehören:

  • Südafrikanischer Rand
  • Renminbi
  • Hongkong Dollar
  • Türkische Lira
  • Mexikanischer Peso
  • Ungarischer Forint
  • Tschechische Krone
  • Polnischer Zloty

Fremdwährungskonten können zudem durch ihre Verzinsung interessant sein und eignen sich deswegen auch für risikoorientierte Portfolios als gute Ergänzung. Anleger sollten allerdings die steuerliche Unterscheidung von verzinsten und unverzinsten Fremdwährungskonten beachten.

Allerdings steht natürlich außer Frage, dass auch Fremdwährungen durch den Eurocrash durcheinandergewirbelt würden. Vor allem die Währungen der anderen EU-Länder könnten in Mitleidenschaft gezogen werden und kurzzeitig ebenfalls einbrechen.

Privatanleger müssen zudem damit rechnen, dass eine Geldanlage in einer fremden Währung einen erheblichen Wertverlust resultieren kann, der deswegen wahrscheinlich ist, weil der Euro derzeit im Vergleich zur DM stark unterbewertet ist. Wer jetzt in eine Fremdwährung investiert, würde bei einem Rücktausch in DM deswegen einen Verlust hinnehmen müssen.

Eine Investition in Fremdwährung würde zudem nicht schützen, wenn es sich nicht nur um einen Eurocrash handelt, sondern die gesamte Weltwirtschaft und das Geldsystem ins Straucheln gerät. Dafür könnte eine derartige Taktik gerade bei einer Hyperinflation bedeutende Vorteile haben und das Geld schon vor einer Währungsreform schützen. Sparer könnten auf diese Weise ihr Kapital dennoch sichern.

Lohnt sich der Aktienkauf beim Eurozusammenbruch?

Aktien stellen Sachwerte dar und eignen sich deswegen grundsätzlich, um Währungsrisiken wie Inflation oder sogar Währungsreformen mit so wenig Verlust wie möglich zu überstehen. Natürlich würden vor allem deutsche und europäische Unternehmen und Handelsplätze unter einigen Turbulenzen leiden.

Eurocrash

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Bei einer Währungsreform wäre wahrscheinlich, dass der Handel für einige Zeit ausgesetzt werden würde. In der Folge käme es vermutlich zu massiven Kursverlusten, die jedoch nicht zwangsläufig langanhaltend wären. Als zentrales Problem der deutschen Unternehmen gilt jedoch die Tatsache, dass der Export durch die Aufwertung einer Landeswährung extrem einbrechen würde, was vermutlich gerade exportorientierte Unternehmen schwer treffen würde. Zudem würden wichtige Absatzmärkte wie das südliche Europa stark einbrechen. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass es in Deutschland zu deutlichen Gewinneinbrüchen und damit einhergehenden Kursverlusten bei Aktien kommen würde.

Eine gute Alternative stellen deswegen Aktieninvestments außerhalb des Euroraumes dar. Allerdings ist nicht wahrscheinlich, dass die weltweiten Aktienkursen von einem Eurozusammenbruch unbehelligt bleiben würden. Die Credit Suisse geht beispielsweise davon aus, dass die Gewinne der 500  wichtigsten börsennotierten US-Unternehmen um 40 Prozent je Aktie einbrechen würden.

Hieraus ergeben sich folgende wichtige Leitlinien

  • Ein Eurozusammenbruch würde an keinem weltweiten Markt spurlos vorbeigehen. Ziel sollte sein, die Verluste so gering wie möglich zu halten.
  • Aktien aus Deutschland wären bei einer Umstellung auf DM dann im Vorteil, wenn das Unternehmen hauptsächlich im Inland aktiv ist.
  • Vor allem Firmen, die Waren importieren, könnten die Vorteile nutzen.
  • Zahlreiche Schweizer Konzerne sollen einen Eurozusammenbruch unbeschadet überstehen können.
  • Bei einer Aufwertung der Inlandswährung (beispielsweise durch eine Umstellung auf DM) würden die Kurse ausländischer Unternehmen zwangsläufig sinken.
  • Eine Risikodiversifizierung ist wie immer unabdingbar und sollte speziell Unternehmen außerhalb der Währungsunion im Fokus haben.
  • Anleger sollten auf starke und solide Einzeltitel setzen und dabei auch die globalen Verflechtungen überprüfen.
  • Eine gute Alternative stellen Fonds und ETFs dar, die das Risiko auf mehrere Wirtschaftsräume verteilen.

Dabei kann es jedoch durchaus sinnvoll sein, einen gewissen Beitrag als liquide Mittel zu erhalten. So könnten sich beispielsweise durch eine Umstellung auf DM interessante Investitionsmöglichkeiten in Südeuropa ergeben.

Staatsanleihen

Als sicher geltende Staatsanleihen sind derzeit nicht in der Lage, die Inflation auszugleichen. Dennoch könnten sie im Falle eines Eurocrashes die großen Gewinner sein. So gilt als wahrscheinlich, dass beispielsweise deutsche Staatspapiere im Falle einer Währungsreform besonders stark nachgefragt werden wird. Voraussetzung ist natürlich, dass eine derartige Umstellung ohne Schuldenschnitte einhergeht und die Anleihen weiterhin bedient werden würden. Grundsätzlich gilt dies jedoch als wahrscheinlich, denn um das neue Zahlungsmittel direkt als harte Währung etablieren zu können, kann ein Vertrauensverlust nicht riskiert werden.

Eine weitere Möglichkeit stellen jedoch auch die Staatsanleihen anderer Länder dar, die über eine hohe Bonität verfügen und nicht Teil der Währungsunion sind. Die meisten wichtigen Rating-Agenturen bewerten die folgenden Staaten außerhalb des Euroraumes mit Spitzennoten:

  • Kanada
  • Australien
  • Norwegen
  • Schweiz
  • Schweden
  • Dänemark
  • Singapur
  • Großbritannien
  • USA

Allerdings bieten nicht alle Staaten attraktive Zinsen, sodass Privatanleger im Vorfeld die Angebote und Laufzeiten vergleichen sollten. Derzeit bieten verschiedene Länder wie beispielsweise Dänemark oder Australien jedoch durchaus noch Zinsen um die vier Prozent. Anleger hätten hier also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Zum einen diversifizieren sie ihre Anlage für den Fall des Eurocrashs, zum anderen können sie von einer höheren Rendite profitieren, die auch beim Fortbestehen der Währungsunion solide ist. Das Wechselkursrisiko bleibt dabei jedoch natürlich vorhanden.

Gold und Silber

Gold gilt als krisensicher und gehört in jedes Portfolio, das gegen einen Eurozusammenbruch absichern soll. Dabei sollte die physische Form bevorzugt werden. Edelmetalle sind in der Regel selbst in absoluten Krisenzeiten als Tauschwährung gegen Waren nutzbar. Zudem steigt ihr Preis dann deutlich an.

Nachteil: Die Kurse von Edelmetallen sind derzeit ohnehin sehr hoch und steigen durch einen Wertverlust des Euros weiter. Es ist zudem grundsätzlich sinnvoller, Gold als Versicherung gegen weitere Verluste beim Euro zu sehen, denn als sichere Renditemöglichkeit.

Immobilien

Natürlich ist auch das „Betongold“ in Krisenzeiten besonders gefragt und würde Anleger im Ernstfall absichern. Eine Enteignung oder ein totaler Wertverlust ist hier noch am unwahrscheinlichsten. Im Ernstfall können jedoch der Mietausfall und die mangelnde Liquidität problematisch sein.

Gerade im krisengeschüttelten südeuropäischen Ausland gibt es derzeit zudem interessante Investitionsmöglichkeiten – die im Falle einer Währungsreform jedoch natürlich auch an Wert verlieren würden.

Immobilien sind deswegen vor allem für Anleger geeignet, die genügend Zeit und Expertise aufbringen können, um geeignete Objekte zu finden. Zum anderen ist ein ausreichender Kapitalstock notwendig, da sie als einzige Kapitalanlage nicht geeignet sind. Fast uneingeschränkt empfehlenswert ist der Kauf als Eigenheim, allerdings kann eine hohe Verschuldung hier problematisch sein.

Fazit:

Einen Zusammenbruch des Euros unbeschadet zu überstehen, ist für Privatanleger fast unmöglich. Es gilt hingegen, so wenig Verlust wie möglich hinnehmen zu müssen. Hierzu empfehlen sich wie immer in Krisenzeiten vor allem Sachwerte, wie Immobilien, Aktien (auch in Form von Fonds und ETFs) sowie Edelmetalle. Doch auch Fremdwährungskonten und Staatsanleihen stellen eine interessante Alternative dar, die das Ersparte von Privatanlegern sichern können.

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