Handel mit Anleihen – Auf diese Aspekte sollte beim Kauf geachtet werden

Handel mit Anleihen – Auf diese Aspekte sollte beim Kauf geachtet werden

Unternehmen sind regelmäßig darauf angewiesen, Kapital von außen zu generieren. Bei großen Konzernen läuft die Außenfinanzierung entweder über die Ausgabe von Aktien oder die Emission von Anleihen ab. Aus Anlegersicht sind beide Finanzprodukte grundsätzlich zu empfehlen. Im Folgenden werden alle Besonderheiten, Merkmale und die Vorteile von Unternehmensanleihen näher erläutert.

Diese Kennzahlen müssen Anleger kennen

Investitionen in Anleihen bieten gute Renditeaussichten. Wer mit den Finanzprodukten allerdings langfristig Gewinne erwirtschaften möchte, muss wichtige Begrifflichkeiten kennen.

  • Rendite:
    Die Rendite einer Anleihe ist deren wichtigste Kennzahl. Sie ergibt sich aus der Laufzeit, den festgelegten Zinszahlungen, dem Kaufkurs und dem Rückkaufkurs der jeweiligen Anleihe. Die Renditeerwartung selbst geht immer davon aus, dass ein Anleger die Anleihe bis zum Ende der Laufzeit im Portfolio behält. Allerdings ist es auch möglich, das Finanzprodukt am Markt zu veräußern – vorausgesetzt es findet sich ein Käufer. Die Höhe der Rendite wird maßgeblich von der Bonität des Unternehmens, der Restlaufzeit und dem aktuellen Marktzinsniveau beeinflusst.
  • Kupon:
    Wer eine Anleihe erwirbt, erhält regelmäßig Zinszahlungen von Emittenten. Diese Zahlungen werden auch als Kupon bezeichnet. Es gilt zu beachten, dass der Kupon bereits im Vorhinein festgelegt ist und sich nicht mehr verändert – im Gegensatz zur Rendite.
  • Nennwert:
    Der Emittent einer Anleihe beziffert diese zu Beginn mit einem Nennwert. Am Ende der Laufzeit erhalten Anleger diesen Nennwert zurück. Gängig sind in der Regel ganzzahlige Werte ab 1.000 Euro.
  • Kurswert:
    Wie bereits angeklungen ist, können Anleihen an der Börse gehandelt werden. Je nach Angebot und Nachfrage schwankt der aktuelle Kurswert der Anleihe. Angegeben wird dieser Kurswert immer in Prozent vom Nennwert.
  • Restlaufzeit:
    Hierbei handelt es sich um die verbliebene Laufzeit bis zum Rückzahlungszeitpunkt der Anleihe.

Auf diese Aspekte sollte beim Kauf einer Anleihe geachtet werden

Grundsätzlich lassen sich Anleihen auf zwei verschiedene Arten und Weisen erwerben. So ist es etwa möglich, in sogenannte Rentenfonds zu investieren. Es handelt sich dabei um Investmentfonds, die ausschließlich Anleihen erwerben. Meist sind dann neben Unternehmensanleihen auch klassische Staatsanleihen im Portfolio zu finden. Rentenfonds ermöglichen eine breite Streuung des Kapitals, sind aber vergleichsweise teuer. Besonders der Ausgabeaufschlag schmälert die Rendite drastisch.

Fonds Conors

Die Consorsbank bietet viele Fonds auch ohne Ausgabeaufschlag, Quelle: Consorsbank

Wer keine Fondsanteile erwerben möchte, kann auch einzelne Anleihen kaufen. Beachtet werden muss dabei immer die Liquidität des Wertpapiers. Ist eine Anleihe liquide, wird sie häufig gehandelt. Das ist aus Anlegersicht vorteilhaft. Als liquide gelten Anleihen, wenn das Ausgabevolumen mindestens eine Milliarde Euro beträgt. Bei Werten unter 100 Millionen Euro wird es sehr schwierig, die Anleihe am Markt zu kaufen bzw. vor dem Ablauf der Laufzeit wieder zu veräußern.

Neben der Liquidität gilt es vor allem folgende Kennzahlen der Anleihe zu beachten:

Kennzahl Bemerkung
Laufzeit Grundsätzlich ist es vorgesehen, dass eine Anleihe bis zum Laufzeitende im Portfolio des Anlegers verbleibt. Das investierte Kapital ist damit relativ stark gebunden. Gängige Laufzeiten liegen zwischen fünf und zehn Jahren. Dabei gilt, dass eine höhere Laufzeit auch eine höhere Verzinsung mit sich bringt. Aufgrund dessen kann es lohnenswert sein, die eigene Investition zu stückeln. So können Anleihen mit unterschiedlicher Laufzeit erworben werden, um einen adäquaten Mix aus hoher Rendite und Liquidität im eigenen Portfolio zu schaffen.
Sicherheit Das Risiko von Anleihen ist die wichtigste Kennzahl überhaupt. Grundsätzlich wird die Bonität des Emittenten von Ratingagenturen bewertet. Gute Bewertungen bedeuten, dass das Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit nachkommen wird. Aus Sicht des Anlegers ist das positiv, allerdings fällt die Rendite bei sicheren Anleihen recht gering aus. Grundsätzlich gilt: Je höher das Risiko einer Anleihe, desto höher ist auch dessen Rendite. Mehr zur Bonität erfahren Anleger im nächsten Abschnitt.
Kosten Beim Kauf von Finanzprodukten muss immer auf deren Kosten geachtet werden. Anleihen zählen zu den günstigsten Produkten überhaupt. Das gilt sowohl für den Kauf als auch für den Verkauf. In beiden Fällen werden nur sehr geringe Transaktionskosten fällig. Anders sieht es hingegen aus, wenn Anleihen über Rentenfonds erworben werden. Diese zählen zu den teuersten Finanzprodukten.
Währungskursrisiko Nicht immer werden Anleihen in Euro erworben. Insbesondere der amerikanische Markt bietet zahlreiche Möglichkeiten, um mit Anleihen attraktive Renditen zu erwirtschaften. Allerdings werden US-Anleihen immer in US-Dollar ausgegeben. Beim Kauf einer solchen Anleihe entsteht folglich ein Währungskursrisiko. Die Schwankungen können maßgeblich über Gewinn oder Verlust bestimmen und müssen einkalkuliert werden.

 

Die Bonität eines Unternehmens

Wie bereits erwähnt wurde, ist die Sicherheit einer Anleihe die zentrale Kennzahl beim Kauf. Das Ausfallrisiko einer Anleihe wird anhand der Bonität es emittierenden Unternehmens gemessen. Je schlechter die Bonität des Unternehmens ausfällt, desto höher ist das Ausfallrisiko. Die genaue Bewertung dieses Risikos wäre für Privatpersonen unmöglich. Daher prüfen Ratingagenturen vor der Anleiheemission genau, wie es um die Bonität eines Unternehmens bestellt ist.

Zu den bekanntesten Agenturen zählen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch. Der Marktanteil der großen Drei beträgt rund 95 %. Anleger sollten sich daher intensiv mit den jeweiligen Bonitätseinschätzungen der Ratingagenturen beschäftigen. Grundsätzlich gilt, dass immer möglichst viele Ratings bei der persönlichen Anlageentscheidung berücksichtigt werden sollten. Zudem sollten sich Anleger nicht ausschließlich auf solche Ratings verlassen. Wer einzelne Anleihen erwerben möchte, sollte auch selbst einen Blick in die Unternehmensbilanzen werfen und aktuelle News über die Konzerne abfragen. Denn auch die Ratingagenturen können sich irren, wie das Beispiel der US-Investmentbank Lehman Brothers zeigt:

Die Finanzkrise im Jahr 2008 wurde durch den Fall der US-Bank mit ausgelöst und dramatisch verstärkt. Der Konzern hatte unzählige „fauler“ Kredite im Portfolio, die später für die Insolvenz sorgten. Noch drei Tage vor der Pleite – im September 2008 – las sich das Rating der damals zweitgrößten US-Investmentbank äußerst positiv: Die Bonität wurde mit der Note A bewertet – ein absoluter Spitzenwert, den auch viele große Industrienationen innehaben. Nur wenige Tage später standen Anleger vor einem Totalverlust ihres Kapitals.

Dennoch sind die Ratings grundsätzlich sehr aussagekräftig und werden nach strengen gesetzlichen Vorgaben erstellt. Die drei Ratingagenturen gehen bei der Bonitätsbeurteilung unterschiedlich vor, allerdings sind Differenzen eher im Detail zu erkennen. Auch die jeweiligen Anlageempfehlungen, die durch die Ratings entstehen, sind weitgehend gleich. Die nachfolgende Tabelle zeigt die möglichen Bonitätsbeurteilungen und deren Bedeutung für Anleger.

Moody’s und Fitch S&P’s Bedeutung
Aaa AAA Das höchste Rating wird Unternehmen nur äußerst selten zu Teil. In der Regel werden nur große Industrienationen in diese Kategorie eingeordnet. Die Zinszahlungen und Rückzahlungen des Kapitals gelten dann als äußerst sicher.
Aa1, Aa 2, Aa3 AA+, AA, AA- Auch in der zweiten Kategorie gilt die Bonität eines Unternehmens noch als äußerst hoch. Die Einschätzung ist nur  geringfügig schlechter als in der ersten Bewertungsstufe.
A1, A2, A3 A+, A, A- Wird die Bonität eines Unternehmens in die dritte Kategorie eigeordnet, so können nur äußerst negative wirtschaftliche Entwicklungen oder Veränderungen der Marktsituation für eine Gefährdung der Zins- und Tilgungszahlungen sorgen.
Baa1, Baa2, Baa3 BBB+, BBB, BBB- Das Rating „Baa2“ bzw. „BBB“ deutet auf eine ausreichende Sicherheit der Anleihen hin. Es ist durchaus denkbar, dass Veränderungen des Umfelds zu Verlusten des Unternehmens führen und somit die Anlegerinvestitionen gefährden.
Ba1, Ba2, Ba3 BB+, BB, BB- Die Unsicherheitsfaktoren überwiegen in dieser Bewertungskategorie. Zwar ist die Rendite dadurch recht hoch, das Investment gilt aber bereits als unsicher.
B1, B2, B3 B+, B, B- Sobald die Bonität eines Unternehmens mit „B2“ oder „B“ bewertet wird, gilt das Investment als stark risikoreich. Nur wer über eine hohe Risikobereitschaft verfügt, sollte jetzt noch investieren.
Caa CCC+, CCC, CCC- Ab der Kategorie „C“ sollten Anleger auf Investitionen gänzlich verzichten. Das jeweilige Unternehmen ist dann nicht mehr weit von der Insolvenz entfernt.
Darunter Darunter Die Ratingagenturen sehen unterhalb der Kategorie „CCC“ bzw. „Caa“ weitere Unterteilungen vor. Diese beziehen sich allerdings nur auf den Fortschritt der Insolvenz und sind daher für Anleger irrelevant.
1, 2, 3 +, – Sind die Ratings mit einem „+“ oder einer „1“ ausgestattet, so wird sich deren Bonität in Zukunft voraussichtlich positiv entwickeln. Entsprechend bedeutet ein „-“ oder eine „3“ das genaue Gegenteil. Ist die Bonität mit keinem Vorzeichen oder einer „2“ behaftet, so deuten sich keine kurzfristigen Veränderungen an.

 

Hochzinsanleihen für spekulative Anleger

Wer sich für Investitionen in Anleihen interessiert, stößt früher oder später auf sogenannte High-Yield-Anleihen. Die Wertpapiere werden häufig auch Junk-Bonds oder Ramschanleihen genannt. Der Name lässt bereits vermuten, dass es sich um Wertpapiere von Unternehmen mit äußerst schlechter Bonität handelt. Die Ratings stammen aus der Kategorie „B“ und allem, was noch unterhalb dessen liegt.

Grundsätzlich ist von einer Investition in solche Anleihen abzuraten. Nur wer über verhältnismäßig viel Kapital und eine hohe Risikobereitschaft verfügt, kann einen kleinen seines Geldes in Hochzinsanleihen anlegen. Dabei gilt es zu beachten, dass ein Totalverlust nicht ausgeschlossen ist. In einigen Fällen ist er sogar wahrscheinlich.

Auch ein Blick auf die Statistik unterstreicht das Risiko der spekulativen Wertpapiere. Die Verlustrate von Hochzinsanleihen betrug zwischen 1982 und 2010 ganze 2,8 % pro Jahr. Bei herkömmlichen Unternehmensanleihen waren es nur 0,06 %. Während der Finanzkrise 2008 brachen Hochzinsanleihen binnen fünf Monaten um ganze 31 % ein.

Fazit: Vielfältig einsetzbares Finanzprodukt

Anleihen weisen gegenüber Aktien einige Vorteile auf. Besonders der feste Rückzahlungszeitpunkt und die planbare Rendite sind aus Anlegersicht äußerst positiv zu beurteilen. Allerdings sollte immer auf die Liquidität einer Anleihe geachtet werden. Andernfalls kann das Wertpapier nicht vorzeitig veräußert werden. Zudem sollte vor allem die Bonität eines Unternehmens überprüft werden. Möglich ist das durch Bewertungen professioneller Ratingagenturen. Zusätzlich dazu kann auch ein Blick in die Unternehmensbilanz oder die Einholung aktueller News helfen.

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