Als Privatanleger Geld in junge Unternehmen anlegen.

Als Privatanleger Geld in junge Unternehmen anlegen.

Die Investition in Startup kann eine der lukrativsten Geldanlagen überhaupt sein. Als wohl krassestes Beispiel in der jüngeren Vergangenheit kann das Investment von Jim Goetz in WhatsApp gesehen werden. Er beteiligte sich vor dem Verkauf an Facebook mit 60 Millionen US-Dollar an dem Nachrichtendienst und erhielt dafür satte drei Milliarden US-Dollar zum Verkaufszeitpunkt. Natürlich ist dies eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte, dennoch sind Startup zweifelsfrei eine Renditechance – allerdings mit entsprechendem Risiko.

Eine Startup weist die folgenden Merkmale auf:

  • Kürzlich gegründet
  • Erste Phase der Geschäftstätigkeit
  • Innovative Geschäftsidee
  • Überzeugendes Geschäftsmodell
  • Überdurchschnittliches Wachstumspotential

Welche Möglichkeiten gibt es, in Startups zu investieren?

Derzeit bieten sich für Privatanleger vor allem drei Möglichkeiten an:

  1. Crowd-Investing

Eine relative neue Möglichkeit, in Startups zu investieren ist Crowdinvesting. Dabei stellen sich die jungen Unternehmen auf spezialisierten Plattformen vor und können so Kleinanleger vom Geschäftskonzept überzeugen. Diese können das Startup unterstützten, indem sie Kapital zur Verfügung stellen. Da hier häufig auch Kleinstbeträge möglich sind, ist eine Streuung besonders leicht. Der Anleger erwirbt allerdings kein Mitbestimmungsrecht.

Wie das Investment rechtlich genau geregelt hat, unterscheidet sich je nach Plattform. Je nach Anbieter können bei Interessenkonflikten eher die Startups oder die Anleger im Vorteil sein. Fast allen ist jedoch gemeinsam, dass sie keine Erlaubnis der deutschen Finanzaufsicht BaFin vorweisen können. Dies ist erst dann notwendig, wenn stille Beteiligungen von über 100.000 Euro vermittelt werden, da dann ein Wertpapierprospekt veröffentlicht werden muss. Teilweise umgehen die Plattformen dies durch eine Deckelung des Höchstbetrags, teilweise durch die Art der Anlage. Ein partiarisches Nachrangdarlehen ist von solchen Regelungen beispielsweise nicht betroffen. Allerdings lassen sich auch Schadensersatzforderung so nur schwer durchsetzen.

Startup

Im Internet findet man viele Informationen zum Thema Crowdfunding

Eine Unterart, die noch nicht sehr verbreitet ist, allerdings an Bedeutung Gewinne dürfte, sind Crowdfunding-Plattformen, die den Kauf von Aktien ermöglichen und zugleich einen Handelsplatz für eben diese Wertpapiere anbieten.

  1. Venture Capital-Fonds

Venture Capital wird im Deutschen auch als „Wagnis- oder Risikokapital“ bezeichnet und ist eng mit dem Investment in junge Unternehmen verknüpft, die sich noch nicht etablieren konnten. Die Unternehmen weisen häufig ein vielversprechendes Potential auf, das Risiko einer Pleite und somit des Totalverlustes bleibt allerdings bestehen, was auch den Namen der Investitionsart prägt.

Üblicherweise wird Venture Capital von speziell gegründeten Investmentunternehmen zur Verfügung gestellt. In den letzten Jahren hat sich jedoch auch die Möglichkeit etabliert, in Fonds zu investieren. Wie für Fonds üblich bündeln diese das Kapital von vielen Anlegern und investieren es in mehrere Unternehmen gleichzeitig. Auf diese Weise wird eine deutlich höhere Risikodiversifikation erreicht. Allerdings ist auch diese Branche noch vergleichsweise jung und in der Vergangenheit gab es durchaus auch erfolglose Fonds. Zudem konzentrieren sich die meisten Fonds auf einen bestimmten Sektor. Eine vollständige Diversifikation des Investments wird so keineswegs erreicht.

  1. Direktinvestition in Aktien

Start-Ups, die an die Börse streben, haben in der Regel bereits eine mehrjährige Erfahrung und konnten sich auf dem Markt beweisen. Zudem müssen sie ihre Börsentauglichkeit nachweisen, auch wenn die Anforderungen je nach Standard, Handelsplatz und Heimatland mehr oder weniger strikt sein können. Das Risiko eines neuen Unternehmens bleibt dennoch. Anleger sollten zudem bedenken, dass Startups häufig noch keinen Gewinn verzeichnen können und ein Turnaround gerade in den neuen Technologien mehrere Jahre auf sich warten lassen kann. Eine Dividende können die wenigsten Unternehmen in der Anfangsphase bieten. Zudem ist die Volatilität neuer Werte häufig sehr groß, sodass der Anleger Geduld und Nervenstärke mitbringen muss. Eine eingehende Fundamentalanalyse sollte zudem die Grundvoraussetzung sein, um die Investition in ein bestimmtes Startup überhaupt in Erwägung zu ziehen.

Die Investition in Startups ist für Kleinanleger inzwischen möglich. Crowdfunding ist hierbei sicherlich der größte Trend, doch auch Venture Capital Fonds kommen in Frage, wenn eine gute Risikostreuung erreicht werden soll. Auch die Investition in IPOs oder Aktien von Startups generell ist nach wie vor eine gute aber auch riskante Investitionsmöglichkeit.

Wie riskant ist die Investition in Start-Ups?

Hierzu gibt es unterschiedliche Statistiken. Die pessimistischste Variante geht davon aus, dass es von 10 Start-Ups durchschnittlich nur eines schafft, langfristig erfolgreich zu sein. Die kfw-Bankengruppe geht hingegen davon aus, dass jedes dritte Startup innerhalb der ersten drei Jahre wieder aus dem Markt ausscheidet. Zu viele Unsicherheiten und unvorhergesehene Ereignisse machen einen ausreichenden Erfolg in der Startphase fast unerreichbar. Auch eine Anschlussfinanzierung ist häufig notwendig, wird jedoch aufgrund des hohen Risikos nicht immer erreicht.

Das bedeutet, dass Anleger bei jeder Investition riskieren, ihr gesamtes eingesetztes Kapital zu verlieren. Deswegen ist es umso wichtiger, dass Privatanleger ihr Investment ausreichend zwischen mehreren vielversprechenden Start-Ups streuen und auf diese Weise unterm Strich dennoch Gewinn machen können.

Häufig reicht es allerdings aus, bei einem erfolgreichen Start-Up dabei zu sein, um die Verluste bei mehreren anderen Start-Ups, die es nicht geschafft haben, wieder gut zu machen. Zudem müssen nicht alle Unternehmen tatsächlich erfolgreich sein, damit der Privatanleger einen Gewinn erzielen kann. Grundsätzlich reicht es ebenfalls, wenn ein größerer Investor die Anteile aufkaufen möchte.

Anleger sollten sich jedoch darüber im Klaren sein, dass nicht nur der Totalverlust ein Risiko ist, das typisch für die Investition in Startups ist. Darüber hinaus kann auch eine Verwässerung des Investments eintreten. Dies ist dann der Fall, wenn das Startup, in das der Anleger bereits investiert hat, eine weitere Finanzierungsrunde durchführt. Die prozentuale Investmentquote des Anlegers sinkt dann, wenn der Anleger sich hieran nicht beteiligt.

Außerdem sind Investments in Startups alles andere als liquide. Investoren müssen von einem langfristigen Zeitraum ausgehen, der selten kürzer als fünf Jahre ist. Für die abgeschlossenen Investmentverträge gibt es zudem keinen sekundären Markt, was zur Folge hat, dass der Vertrag nicht vor Ablauf der Mindestvertragslaufzeit beendet werden kann. Zugleich sollte die Mindestbeteiligungsdauer langfristig ausgerichtet sein, um die Rendite zu maximieren.

Leider muss weit mehr als die Hälfte aller Startups Insolvenz anmelden, sodass im Ernstfall ein Totalverlust gilt. Zudem sind Investments in junge Unternehmen langfristig gebunden und somit inliquide. Ein weiteres Risiko ist die Verwässerung des Kapitals durch weitere Finanzierungsrunden.

Wie kann das Risiko bei der Investition in Start-Ups verringert werden?

Es ist wichtig, dass das Risiko bei der Geldanlage in neue Unternehmen so gering wie möglich gehalten wird. Dazu empfehlen sich verschiedene Verhaltensweisen:

  1. Risikodiversifikation

Eine gute Streuung des Risikos ist unerlässlich, um nicht das gesamte Kapital zu verlieren. Privatanleger sollten darauf achten, dass sie das zur Verfügung stehende Kapital sinnvoll auf mehrere Unternehmen in verschiedenen Branchen aufteilen. Derzeit ist zwar hauptsächlich der Technik-Bereich Trend, bei dem besonders gerne innovative Ideen gefördert werden, allerdings sollten Anleger sich nicht nur hierauf konzentrieren.

  1. Kapitalhöhe wählen

Anleger müssen bei der Investition in Start-Ups grundsätzlich mit einem Totalverlust rechnen. Dadurch, dass die Geldanlage durch Crowdinvesting deutlich leichter geworden ist, legen immer mehr Privatanleger in junge Unternehmen an, ohne dass dies im Rahmen einer Anlagestrategie sinnvoll wäre. Unternehmen Geld zu leihen, die noch in den Kinderschuhen stecken, ist deutlich riskanter als beispielsweise ein Aktienkauf bei den DAX-Unternehmen. Deswegen sollten Anleger wenigstens darauf achten, dass sie den Totalverlust des Kapitals verkraften können. Noch besser ist es natürlich, einen Großteil der Geldanlage „sicherer“ anzulegen und nur einen geringen Teil des Geldes in neue Unternehmen zu investieren.

  1. Unternehmen prüfen

Wer ein Start-Up per Crowdinvesting-Plattform unterstützten möchte, kann sich sicher sein, dass die Voraussetzungen des Unternehmens bereits geprüft und als gut befunden worden sind. Allerdings empfehlen selbst die Plattformen, die Investmentangebote kritisch zu überprüfen. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben der Startups übernehmen sie zudem keine Gewähr. Anleger sollten also einige Recherchen selbstständig nachforschen und vor allem bei Unklarheiten oder nicht ausreichenden Informationen die Anbieter kontaktieren, bevor eine Investition erfolgt.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Risiko bei der Investition in junge Unternehmen zu senken. Hierzu gehört vor allem die Risikostreuung, da viele Startups ihre Anfangsphase nicht überstehen. Doch auch eine sorgfältige Prüfung des Unternehmens und eine sinnvoll gewählte Höhe des Investments helfen dabei, das Risiko zu verringern.

Wie hoch ist die Rendite beim Investment in Startups?

Wie hoch die Rendite tatsächlich ist, hängt auch davon ab, ob es dem Anleger gelingt, in erfolgreiche Unternehmen zu investieren. Im Rahmen von Fonds und Aktien verläuft die Ausschüttung der Rendite wie gewohnt. Die Renditechancen sind grundsätzlich höher als bei etablierten Unternehmen.

Im Rahmen des Crowdinvesting gibt es in der Regel zwei Möglichkeiten, eine Rendite zu erzielen: Entweder ein größerer Investor versucht die Anteile der Kleinanleger zu übernehmen. Das Problem der Investoren ist, dass es häufig nicht all zu leicht ist, alle Anleger aus ihren Verträgen herauszukaufen. Vor allem der organisatorische Aufwand kann hier erheblich sein. Auch deswegen versuchen sie die Abwicklung häufig mit einem attraktiven Angebot zu beschleunigen. Die zweite Möglichkeit  besteht darin, gegen Ende der Vertragslaufzeit ausbezahlt zu werden. Die meisten Verträge legen die Auszahlungshöhe auf Grundlage des Umsatzes und nicht des Gewinnes fest, sodass auch Firmen, die den Turnaround noch nicht erreicht haben, attraktive Anlagemöglichkeiten bleiben.

Wie hoch die Rendite beim Investieren in junge Unternehmen ist, hängt auch vom Geschick des Anlegers ab und ob das Unternehmen Übernahmen oder größere Investoren anlockt.

Fazit:

Die Investition in Startups ist mit einer hohen Renditechance verknüpft, birgt jedoch auch das Risiko des Totalverlustes. Viele Unternehmen überleben die ersten Geschäftsjahre nicht. Vor allem durch das Crowdfunding und Venture Capital Fonds gibt es inzwischen mehr Möglichkeiten für Kleinanleger, in Start-Ups zu finanzieren. Allerdings sollten sie auf eine ausreichende Diversifikation achten und die Unternehmen prüfen.

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