Geldanlage Schwellenland

Warum und wie Anleger in Schwellenländer investieren sollten

Europäische und nordamerikanische Volkswirtschaften zählen aktuell zu den größten der Welt. Der Status der USA, Deutschlands und Frankreichs ist allerdings gefährdet: vor allem der asiatische Raum, allen voran China und Indien, wachsen deutlich Stärker als die bekannten Industrienationen. Für Anleger ist es daher äußerst interessant, zumindest einen Teil des Vermögens in sogenannte Emerging Markets zu investieren. Wie das möglich ist und was Anleger beim Investment unbedingt berücksichtigen müssen, zeigt der folgende Ratgeber.

Was sind Schwellenländer?

Grundsätzlich zeichnen sich Emerging Markets dadurch aus, dass sie sich aktuell auf dem Weg von einem Schwellenland zu einer Industrienation befinden. Die Entwicklung ist dabei durch ein sehr dynamisches Wirtschaftswachstum gekennzeichnet, mit dem etablierte Industrienationen nicht mithalten können. In Europa fand diese Entwicklung bereits ab den 1850er Jahren mit Beginn der Industrialisierung statt.

Emerging Markets weisen nicht selten Wachstumsraten zwischen fünf und zehn Prozent des BIP auf. Mittlerweile machen solche Nationen rund 34 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung aus. Viele der Staaten konnten die Auswirkungen der Finanzkrise 2008 dank des hohen Wachstums wesentlich besser abfangen, als viele europäische Staaten. Zudem ist der Staatshaushalt der Emerging Markets in der Regel solide aufgestellt. Die Staatsverschuldung beträgt nur wenige Prozentpunkte des BIP. Zum Vergleich: der europaweite Durchschnitt liegt bei weit über den im Maastricher Vertrag vereinbarten 60 Prozent.

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Warum sollten in Schwellenländer investiert werden?

Die Gründe für das Wachstum der Emerging Markets sind vielfältig. Für Investoren bieten sich dadurch unterschiedliche Potenziale, wenn sie in Schwellenländer investieren:

  • In den vergangenen Jahren haben viele Schwellenländer ihre Finanzmärkte weitgehend liberalisiert und die Wirtschaft privatisiert. Dadurch sind Investments überhaupt erst möglich geworden.
  • Die hohen Wachstumsraten begründen sich häufig in enormen Bodenschätzen. Der Verkauf von Rohstoffen boomt und bringt hohe Erträge. Allerdings macht das einige Schwellenländer anfällig für Krisen: fallen die Rohstoffpreise durch externe Schocks, sinkt auch das Wachstum – zumindest auf kurze Sicht.
  • Die wachsende Bevölkerung bietet ebenfalls großes Potenzial. Hohe Geburtenraten und niedrige Durchschnittsalter sorgen dafür, dass der Faktor Arbeit günstig zu haben ist. Gleichzeitig wächst der Binnenmarkt der Schwellenländer gewaltig, was für stabiles Wachstum aus dem Inneren der Nationen sorgt. Besonders der Bedarf nach alltäglichen Konsumgütern wird in Zukunft weiter steigen. Das bietet Unternehmen und Anlegern hohe Renditechancen.
  • Das heutige Wachstum der Emerging Markets ist vor allem im Export begründet. Dank günstiger Arbeitskräfte produzieren Weltkonzerne wie Apple oder Textilunternehmen bevorzugt im asiatischen Raum. Das Lohnniveau wird zumindest auf kurze Sicht nicht ansteigen, sondern im Vergleich zu alten Industrienationen weiter niedrig bleiben. Die Gewinnspanne für in Schwellenländern tätige Unternehmen ist damit hoch, die Rendite für Anleger ebenfalls.

Für Investoren ist es also besonders interessant in solche Unternehmen zu investieren, die Konsum- oder Exportgüter herstellen. Für beide Branchen ergeben sich große Wachstumschancen. Aber auch die heutigen Gewinne können sich bereits durchaus sehen lassen.

Die Risiken des Investments

Emerging Markets haben in den vergangenen Jahren eine äußerst positive Entwicklung durchlaufen. Doch trotz des vielversprechenden Ausblicks ist ein Investment noch immer deutlich risikoreicher als im nordamerikanischen oder europäischen Raum. Vor allem die fehlende Rechtssicherheit könnte Unternehmen und Anlegern Probleme bereiten. Verstaatlichungen von Konzernen sind beispielsweise in China oder Russland nicht ausgeschlossen und weitaus einfacher durchführbar als in Deutschland. Auch eine Erhöhung der Besteuerung von Aktionären ist in vielen Schwellenländern denkbar.

Zudem ist die politische Stabilität in einigen Schwellenländern nicht einwandfrei gegeben. Immer wieder kommt es beispielsweise in Nigeria zu religiösen Konflikten. Breiten sich diese über das ganze Land aus, ziehen sich Unternehmen schnell zurück. Aber auch die Willkür einiger Staatssysteme birgt Gefahren: Machtwechsel oder gar Regierungsumstürze sind in manchen Schwellenländern nicht ausgeschlossen – auch wenn sie natürlich nicht an der Tagesordnung stehen.

Die beschriebenen Szenarien stellen sicherlich den worst case dar, sind jedoch nicht ausgeschlossen. Selbst wenn die Fälle nicht eintreten, bergen vor allem die Finanzmärkte der Emerging Markets einige Gefahren. Sie sind vergleichsweise jung und noch recht volatil. Die Markttransparenz ist nicht immer gegeben, vor allem die Bilanzierungsvorschriften für Unternehmen sind recht unterschiedlich gehalten. Für Anleger kann das schnell zu Problemen bei der Beurteilung eines Konzerns führen, wenn wichtige Kennzahlen verzerrt oder gar komplett fehlerhaft sind.

Zusätzlich dazu besteht bei einer Anlage ein Währungsrisiko. Dieses ist zwar auch bei Investments in den USA gegeben, die Währungen von Schwellenländern sind allerdings deutlich anfälliger für Krisen. Verliert das Geld im Emerging Markt an Wert, sinkt gleichzeitig das Vermögen des Anlegers in Euro. Anleger sollten sich dieses Risikos bewusst sein und sich unter Umständen durch Termingeschäfte hiergegen absichern.

Die vielversprechendsten Volkswirtschaften der Welt

Noch liegen die USA und europäische Nationen vorne. In den kommenden Jahren und Jahrzehnten kann sich das allerdings grundsätzlich ändern. Schon jetzt stellt mit China eine asiatische Nation die größte Volkswirtschaft der Welt – und wird ihre Vormachtstellung weiter ausbauen. Laut Meinungen vieler Analysten zählen die folgenden Volkswirtschaften zu den größten Wachstumsmärkten und sind daher für Anleger äußerst interessant:

  • Nigeria
    Aktuell ist Nigeria bereits unter den 20 größten Volkswirtschaften der Welt. Neben Vietnam gilt der afrikanischen Staat als das Land, das bis 2050 am stärksten wachsen wird. Laut der bekannten Unternehmensberatung PWC könnte das Wirtschaftswachstum in den nächsten Jahren bei rund 5 Prozent im Durchschnitt liegen. Der westafrikanische Staat könnte damit sogar die Wirtschaftsleistung Deutschlands in den kommenden Jahrzehnten überholen.
    Begründet ist das Potenzial vor allem in den Rohstoffreserven, Nigeria verfügt über große Ölvorkommen. Genau das kann allerdings zum Problem werden: fallen die Preise für das schwarze Gold, leidet die Wirtschaft des Landes darunter. Neben den Rohstoffen verfügt Nigeria über großes Potenzial in der eigenen Bevölkerung: das Durchschnittsalter ist gering, in den kommenden Jahren werden viele neue Erwerbstätige auf den Arbeitsmarkt strömen.
  • Iran
    Die für den Iran prognostizierte Wachstumsrate liegt bei knapp 4 Prozent bis 2050, so prophezeit es die britische Großbank HSBC. Auch der Iran kann auf große Gas- und Ölvorkommen verweisen, die derzeit schon deutlich ertragreicher sind als in Nigeria. Ein Großteil der Wirtschaft besteht zudem aus petrochemischen Unternehmen und der Landwirtschaft. Auch die Metall- und KFZ-Industrie sind im Iran vertreten.
    Als Risikofaktor bleibt die politische Lage. In den vergangenen Jahren näherten sich der Iran und die internationale Weltgemeinschaft allerdings stark an. Handelsembargos wurden aufgehoben und das Atomprogramm des Staates wieder stärker überwacht.
  • Mexiko
    Im Jahr 2014 war Mexiko bereits die elftstärkste Volkswirtschaft der Welt. Prognosen gehen davon aus, dass sich die Wirtschaftsleistung bis 2050 vervierfachen wird. Mexiko profitiert dabei vor allem von der räumlichen Nähe zum US-Markt. Viele große Weltkonzerne in den USA können vom mittelamerikanischen Staat aus beliefert werden.
    Der größte Vorteil Mexikos besteht in den günstigen Arbeitskräften. Auch in Zukunft werden die Löhne noch deutlich unter dem Niveau der USA liegen. Zudem wächst die Bevölkerung jährlich im Schnitt um 0,6 Prozent, für einen Nachschub an Arbeitskräften ist also gesorgt.
  • Indien
    Indien gehört schon jetzt zu den am stärksten expandierenden Volkswirtschaften der Welt. Mit rund 1,2 Milliarden Einwohnern zählt der Staat zudem zu den bevölkerungsreichsten Nationen der Erde. Bis 2050 wird es in dieser Rangliste sogar auf den ersten Platz aufrücken.
    Indien ist schon jetzt – bemessen am BIP – die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Vor allem der zukünftig wachsende Anteil der erwerbstätigen Bevölkerung befeuert das Wachstum Indiens. Aber auch das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen wird in Zukunft ansteigen, so dass Indien als Absatzmarkt interessant wird.
  • Indonesien
    Mit Indonesien rangiert ein weiterer asiatischer Staat in den Top 10 der größten Volkswirtschaften der Welt. Bis 2050 soll Indonesien auf Platz 4 der Liste vorstoßen. Profitieren kann Indonesien dabei vor allem vom Wachstums Chinas: die größte Volkswirtschaft der Welt wird ihre Billigproduktion in Zukunft nach Indonesien auslagern.

Selbstverständlich existieren weitere, interessante Wachstumsmärkte. Dazu zählen vor allem Russland und Brasilien. Auch weitere südostasiatische Staaten wie Thailand oder Vietnam werden in Zukunft wachsen. Wohin das Kapital von Anlegern letztlich fließt, ist damit auch von individuellen Präferenzen abhängig. So spielen beispielsweise die bevorzugten Branchen eine wichtige Rolle.

Wie sollte in Schwellenländer investiert werden?

Es existieren mehrere Möglichkeiten, um Kapital in Schwellenländer zu investieren.

  1. Aktien
    Der Kauf von Wertpapieren eines Unternehmens ist immer dann lukrativ, wenn selbiges unterbewertet ist. Das ist in vielen Schwellenländern derzeit der Fall. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Anleger mit einzelnen Investments schlichtweg auf das falsche Pferd setzen. Wie bereits erwähnt wurde, sind die Bilanzierungsvorschriften in vielen Schwellenländern recht vage.
  2. Investmentfonds
    Viele Fondsmanager haben längst erkannt, dass sich Investitionen in Schwellenländer lohnen. Anleger sollten dabei immer auf die genaue Zusammensetzung des Fonds achten. Einige Manager legen das Kapital ausschließlich in Emerging Markets an, andere nutzen hierfür lediglich einen Teil des Vermögens.
  3. ETFs
    Deutlich günstiger und oftmals breiter gestreut sind Indexfonds, die Emerging Markets nachbilden. Anleger müssen hier allerdings mehr Eigeninitiative bei der Suche nach einem passenden Fonds zeigen. Es gilt, die einzelnen Positionen im Fonds genau zu überprüfen und die Performance zu analysieren.

Fazit: In Schwellenländer investieren lohnt sich für risikobewusste Anleger

Schwellenländer bieten Chance und Risiko zugleich. Chance deshalb, weil die Staaten in den vergangenen Jahren stabil gewachsen sind und sich das BIP der Nationen auch in Zukunft positiv entwickeln wird. Risikoreich sind Investments, weil sich die aktuell hohe Stabilität der politischen Lage in Zukunft wieder verändern kann. Entscheiden sich Anleger trotz oder gerade wegen des Risikos für ein Investment, eignen sich aktuell vor allem Mexiko, Nigeria, Indien, Iran und Indonesien. Aber auch China, Russland und Brasilien werden in Zukunft weiter wachsen.

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