Emerging Markets – Risiko oder Potenzial?

Emerging Markets – Risiko oder Potenzial?

Mehrere Festgeldkonten gleichzeitig nutzen

Emerging Markets gelten immer noch als eine der renditeträchtigsten Anlagemöglichkeiten für Aktionäre. Doch das Risiko lässt viele Privatanleger vor der Investition zurückschrecken. Grund dafür ist jedoch häufig auch die Unwissenheit und der Unwillen, sich mit Unternehmen und Märkten in Schwellenländern auseinanderzusetzen.

Wie werden Emerging Markets definiert?

Der Begriff „Emerging Markets“ hat keine besonders enge Definition, sondern beschreibt aufstrebende Märkte. Diese finden sich vor allem in den Ländern der „zweiten Welt“. Es handelt sich dabei als überwiegend nicht um Entwicklungsländern, sondern eher um Schwellenländer, die zwischen diesen und Industrienationen anzusiedeln sind. Sie verfügen häufig über eine besser ausgebildete Infrastruktur, ein wachsendes Bildungsniveau und die Wirtschaft verfügt über ein Mindestmaß an Freiheit. Häufig etablieren sich für Investoren weitere günstigere Bedingungen wie mehr Rechtssicherheit. Vor allem der Absatzmarkt für Konsumgüter vergrößert sich. Probleme können vor allem Korruption, nicht ausreichend qualifizierte Mitarbeiter und politische Instabilität sein.

Welche Länder gehören zu den Emerging Markets?

  • China
  • Indien
  • Brasilien
  • Russland
  • Thailand
  • Mexiko
  • Südafrika
  • Indonesien
  • Südkorea
  • Türkei
  • Malaysia
  • Kleinere Staaten wie Bulgarien, Kasachstan oder Rumänien
  • Frontier Markes wie Vietnam, Bangladesch und zahlreiche afrikanische Staaten

Welche Chancen gibt es Aktien aus Schwellenländern?

Das Hauptargument für die meisten Privatanleger, die in Emerging Markets investieren, ist fraglos die Hoffnungvon dem dynamischen Wirtschaftswachstum profitieren zu können. Im Jahr 2013 entfiel erstmal auf Kaufkraftbasis mehr als die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung auf Schwellenmärkte. Der Anteil der Emerging Markets am globalen BIP-Wachstum hat sich zwischen 2000 und 2012 verdoppelt.

Das hohe Wirtschaftswachstum resultiert häufig daraus, dass Emerging Markets häufig exportorientierte Volkswirtschaften aufweisen, die Märkte innerhalb der Länder jedoch vor allem für Konsumgüter noch nicht gesättigt sind. Das führt zu wesentlich höheren Wachstumspotenzialen als in den westlichen Ländern. Ein weiterer Faktor, der das Wachstum begünstigt ist die demografische Situation. Während die Industriestaaten eine zunehmende Überalterung zu schaffen macht, können die meisten aufstrebenden Märkte ein deutliches Bevölkerungswachstum verzeichnen. Damit steigt die Zahl der inländischen Konsumenten und somit auch das Potenzial für den Verkauf von Konsumgütern.

Das bedeutet wiederum, dass Unternehmen, die Konsumgüter und Exportgüter für den Bedarf dieser Märkte produzieren oder in den Emerging Markets vertreten sind, große Wachstumschancen aufweisen. Zudem spielt auch die Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen eine große Rolle. Rohstoffe werden von Schwellenländern stärker nachgefragt, zusätzlich sorgen sie selbst zumindest für einen Teil der Rohstoffexporte. Das heißt, dass nicht nur die Nachfrage nach Rohstoffen wächst, sondern auch, dass die Emerging Markets aufgrund ihrer Rohstoffvorkommen diesen Vorteil häufig nutzen können.

Ein weiterer bedeutender Vorteil, der von vielen Anlegern vernachlässigt wird, ist die Tatsache, dass viele Unternehmen aus Schwellenländern bedeutende Dividenden zahlen. Einzelnen Aktientitel changieren sogar zwischen Zahlungen von fünf bis acht Prozent. Vereinzelt warten Unternehmen aus Schwellenländern sogar mit Dividenden im unteren zweistelligen Bereich auf. Damit empfehlen sich Emerging Markets geradezu für langfristige Anhänger und vor allem für diejenigen, die die Dividendenstrategie bevorzugen.

Ein weiterer Faktor, der das Investment in Emerging Markets häufig attraktiver macht, ist die Tatsache, dass das niedrige Lohnniveau zusammen mit dem Rohstoffvorkommen eine besonders hohe Gewinnspanne ermöglicht. Dabei müssen Unternehmen in vielen Staaten nicht mehr auf Qualifikation verzichten. Auch in Schwellenländern gibt es inzwischen immer mehr hochgebildete und qualifizierte Arbeitskräfte, die sich zudem häufig durch eine bessere Arbeitsmoral als in den westlichen Ländern auszeichnen.

Im Rahmen von bereits in den Emerging Markets tätigen Unternehmen ergibt sich hingegen häufig ein bedeutendes Potenzial bei Vertrieb und der Optimierung der Produktivität. Moderne Technologien können häufig dabei helfen, Arbeitsabläufe noch kosteneffizienter zu gestalten, was die Produktionskosten bei vielen Firmen selbst dann gering halten kann, wenn sich die Löhne angleichen. In vielen Fällen ist zudem eine weitere Ersparnis möglich.

Innerhalb bestimmter Staaten sind unterschiedliche Branchen besonders interessant. Viele Emerging Markets verfügen über wertvolle Ressourcen wie Kohle, Öl, Gold, Diamanten, Erzen oder seltene Erden. Darüber hinaus versuchen viele weiterentwickelte Emerging Markets zunehmend unabhängiger von ihren Rohstoffvorkommen zu werden und sich durch Dienstleistungen oder Forschungszentren einen Vorteil zu verschaffen, der dies ermöglicht.

Vor allem im Rahmen der Niedrig- oder sogar Nullzinspolitik in den USA und Europa werden die Emerging Markets zunehmend interessant für Privatanleger. Ein weiterer Faktor ist die Hoffnung, dass das bereits vorhandene Kapital dazu führt, dass die Grundbedingungen stetig verbessert werden. Dies führt natürlich auch dazu, dass mehr Investoren bereit sind, Kapital in den entsprechenden Märkten anzulegen und so ein positiver Kreislauf entsteht, der für mehr Sicherheit sorgt.

Zudem sind viele Schwellenländer zur Diversifikation von Aktiendepots hervorragend geeignet. So waren viele Emerging Markets von der Finanzkrise 2008 weit weniger stark betroffen als die westlichen Staaten. Allerdings litten viele unter der sinkenden Rohstoffnachfrage im Rahmen der schwächelnden Weltkonjunktur.

Was sind die Risiken bei der Investition in Emerging Markets?

  • Emerging Markets werden häufig Ziel von Spekulationen
  • Investitionsbooms werden teilweise kreditfinanziert
  • Verschuldung (bspw. Asiatische Schwellenländer)
  • Währungsrisiko
  • Hohe Volatilität der Aktienkurse
  • Politische Unsicherheit
  • Mangelnde Rechtssicherheit
  • Teilweise hohe Besteuerung
  • Korruption
  • Infrastrukturprobleme
  • Geringe Markttransparenz
  • Unterschiedliche Bilanzierungsregeln
  • Freiheitsgrad der Wirtschaft häufig eingeschränkt, staatliche Eingriffe und vorhandene Restriktionen möglich
  • Investitionen von Ausländern teilweise nur unter Auflagen oder in Zusammenarbeit mit einheimischen Investoren möglich
  • Höhere Ausfallrisiken bei Unternehmen und Staaten
  • Häufig hohe Abhängigkeit von ausländischen Geldgebern
  • Im Vergleich zu Entwicklungsländern geringeres Potenzial

Welche Möglichkeiten gibt es für Privatanleger, in Schwellenländer zu investieren?

Privatanleger bieten sich verschiedene Möglichkeiten, in Emerging Markets zu investieren. Im Rahmen vieler Anlagestrategien ist dies zudem aufgrund der Diversifikation sogar empfehlenswert. Hier empfehlen sich Einzelwerte jedoch vor allem für spekulativ-orientierten Anlegern. Für weniger risikoaffine Anleger ist es hingegen weitaus sinniger, auf Finanzprodukte zu setzen, die das Risiko deutlicher streuen. Ein gutes Beispiel sind ETFs oder Fonds, die das Risiko verringern, indem sie gleich in mehrere Volkswirtschaften investieren.

Emerging Markets

Besonders gut sind ETFs und ETCs geeignet, um in Schwellenländer zu investieren, Quelle: Consorsbank

Eine weitere Möglichkeit ist zudem, in westliche und etablierte Unternehmen zu investieren, die verstärkt global tätig sind und dabei Schwellenmärkte speziell als Wachstumsmöglichkeit wahrnehmen. Diese finden in Emerging Markets häufig sehr unternehmensfreundliche Rahmenbedingungen vor, die sich durch niedrige Gehaltskosten, geringe Steuersätze und kaum existente Umweltauflagen auszeichnen.

Der wohl bekannteste Index für Schwellenländer ist der MSCI Emerging Markets, der sich allerdings seit 2003 in einem langfristigen Bullenmarkt befindet. Allerdings sehen viele Finanzexperten die gute Performance der Emerging Markets auf einem soliden realwirtschaftlichen Fundament. Nur wenigen Staaten gelingt es nicht, ein Wachstum zu verzeichnen, das den Erwartungen standhält. Natürlich gibt es dennoch vereinzelt überbewertete Börsen und vor allem Branchen innerhalb der Schwellenländer. Es ist deswegen besonders wichtig, dass sich Privatanleger damit auseinandersetzen, in welche Staaten und Branchen sie investieren und warum.

Worauf sollten Anleger achten?

Anleger tendieren bekanntermaßen dazu, ihren Heimatmarkt deutlich zu bevorzugen. Das auch als Home Bias bekannte Phänomen findet sich weltweit und sorgt dafür, dass viele Anleger denken, dass heimische Unternehmen eine sichere Wahl sind. Demzufolge bevorzugen deutsche Aktionäre deutsche Aktien. Grund hierfür ist vor allem die Fehlannahme, dass sich die Entwicklung der deutschen Konjunktur und deutschen Unternehmen für Privatanleger besser voraussagen lässt, als die der Wirtschaft eines x-beliebigen Landes mit einem aufstrebenden Markt.

Dass sich ausländische Aktien und vor allem auch Wertpapiere aus Schwellenländern hervorragend zur Beimischung im Portfolio eignen, ist jedoch bei weitem kein Geheimnis mehr. Viele Kleinanleger trauen sich dennoch nicht, ihr Wertpapierdepot um internationale Aktien zu bereichern, obwohl Emerging Markets vor allem in Krisenzeiten der Industrienationen gut performen.

Wer die Wachstumschancen von Emerging Markets als Kleinanleger nutzen sollten, sollte fraglos darauf achten, dass sich die entsprechenden Wertpapiere hinsichtlich ihres Risikos für eine Portfoliobeimischung eignen. Dabei sollten Anleger nicht die Eigenarten der jeweiligen Länder außer Acht lassen. Innerhalb der Emerging Markets gibt es bedeutende Unterschiede, die Anleger kennen müssen. Für die meisten Privatanleger empfehlen sich zudem ETFS und Fonds wesentlich stärker als die Investition in einzelne Titel oder auch Indizes der jeweiligen Staaten. Diese lassen sich zudem häufig nach Branche oder Rohstoffen wählen, sodass Anleger eine umfassende und attraktive Auswahl vorfinden, die zur Optimierung der Diversifikation des Portfolios genutzt werden kann.

Wer sich dennoch auf Einzelwerte konzentrieren möchte, sollte – wie in Deutschland auch – keine Aktie ohne umfassende Fundamentalanalyse kaufen. Dabei sollten natürlich auch nationale Vergleiche gezogen werden. Die Kennzahlen können je nach Markt deutlich andere Höhen als in Deutschland annehmen und dennoch im Rahmen des nationalen Vergleichs durchschnittlich sein.

Bei der Investition in Schwellenländern ist zudem auch die politische Stabilität eine entscheidende Frage. Anleger sollten sich gerade bei einer nicht völlig stabilen Regierung erkundigen, wie investorenfreundlich die Opposition ist, um sicherzugehen, dass auch politische Umstürze ihr Investment nicht durch Enteignung oder andere Restriktionen gefährden würde. Nur auf diese Weise lässt sich ein Teil des Risikos umgehen, das aufstrebende Märkte häufig mit sich bringen. Auch Staatspleiten sollten nicht akut drohen und das Land über ausreichende Insolvenz verfügen.

Neben einem tragfähigen Geschäftskonzept mit Zukunftsaussichten sollten Anleger zudem das Management  genauer auf Vertrauenswürdigkeit prüfen. In vielen Schwellenländern gehört Korruption zu einem der wichtigsten Bremsen und ein seriöses Management ist unumgänglich, um in einem häufig widrigen Umfeld dennoch Wachstumschancen nutzen zu können.

Fazit:

Emerging Markets bieten enorme Chancen, auch für Privatanleger. Allerdings existieren auch innerhalb der Schwellenländer bedeutende Unterschiede. Dies führt dazu, dass es notwendig ist, dass sich Anleger mit den Spezifikationen der Volkswirtschaften auseinanderzusetzen. Jedoch ist das Wachstum der dortigen Länder auch mit Risiken verbunden, die ein Investment nur für entsprechend chancenorientierte Anleger überhaupt interessant machen. Im Rahmen der Risikostreuung sind aufstrebende Märkte auch für sicherheitsorientierte Aktionäre von großem Wert, vor allem wenn diversifizierte Anlageprodukte genutzt werden.

Top 5 Aktien Broker