Emerging Markets 2020 – Chance und Risiko

Mehrere Festgeldkonten gleichzeitig nutzen

Das Wichtigste in Kürze

Emerging Markets sind immer noch eine der renditeträchtigsten Anlagemöglichkeiten für Aktionäre. Gleichzeitig ist in diesen Märkten aber auch das Risiko höher. Umso wichtiger ist es, Chancen und Risiken abzuwägen, um die besten Investitionsmöglichkeiten zu finden. Wir stellen daher drei gute Fonds für Emerging Marketes. Im Zentrum stehen dabei die BRICS- und SMIT-Staaten, zu denen auch die Outreach 5 (O5 Staaten) gehören. Einen allgemeineren Beitrag haben wir unter mit ETFs in Schwellenländer investieren verfasst.

Die drei besten Fonds für Emerging Markets

Xtrackers MSCI Emerging Markets UCITS ETF 1C – großer ETF der Deutschen Bank

(WKN: A12GVR / ISIN: IE00BTJRMP35)

Der MSCI Emerging Markets ist aktuell der wichtigste Index für Aktien aus Schwellenmärkten. Er wird beispielsweise vom Xtrackers MSCI Emerging Markets UCITS ETF 1C abgebildet und kann problemlos über Xetra, die Tradegate Exchange oder eine andere europäische Handelsplattform ge- und verkauft werden.


Emittentin ist mit Xtrackers ein Unternehmen der Deutschen Bank Gruppe. Das Fondsvermögen beträgt rund 2,2 Milliarden Euro. Erträge werden wieder angelegt, die Abbildung erfolgt weitgehend physisch. Das bedeutet, dass der Fonds die im Index enthaltenen Wertpapiere tatsächlich besitzt, was zusätzliche Sicherheit im Vergleich zu einer Abbildung über Swap-Geschäfte bietet. Allerdings verleiht der Fonds Wertpapiere, was zwar zusätzliche Erträge bedeutet, gleichzeitig aber auch ein Risiko.

Rendite ETF

10,05 %
Rendite Benchmark10,05 %
TER (Total Expense Ratio, Gesamtkostenquote)0,20 %
AusschüttungsmodusThesaurierend
ReplikationsmethodePhysisch (Sampling)

Quellenangabe: etf.dws.com

Günstig lässt sich der Fonds bei Smartbroker, der onvista bank oder DEGIRO kaufen. Wer alle Bankdienstleistungen aus einer Hand möchte, findet das beispielsweise bei der ING oder der comdirect bank.

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iShares BRIC 50 UCITS ETF

(WKN: A0MR61 / ISIN: IE00B1W57M07)

Der BRIC 50 Index bildet die 50 wichtigsten börsennotierten Unternehmen aus den BRIC-Staaten ab, also aus Brasilien, Russland, Indien und China. Für den Index spricht die gute Entwicklung in der Vergangenheit, von Mitte 2015 bis Mitte 2020 stieg er um rund 60 Prozent, vergleichen mit rund 20 Prozent beim DAX-Kursindex.

Ein Nachteil ist dabei allerdings der hohe Anteil chinesischer Unternehmen, von den zehn wichtigsten Firmen im Index stammen neun aus China, darunter Tencent und Alibaba. Der Anteil Brasiliens liegt bei nur 6 Prozent, der Russlands bei 9 Prozent, der Indiens unter einem Prozent. Damit bietet der BRIC 50 nur wenig mehr Streuung als ein reiner China-ETF. Außerdem entfallen rund 75 Prozent des Wertes auf Technologieaktien. Probleme in dieser Branche würden den Index hart treffen, von 2011 bis 2016 verlor er beispielsweise rund ein Drittel seines Wertes, während der DAX deutlich zulegte.


Der iShares BRIC 50 UCITS ETF ist der einzige in Deutschland gehandelte ETF auf den Index. Er ist ausschüttend, Dividenden werden also nicht wieder angelegt, sondern ausgezahlt. Die Gesamtkostenquote liegt bei 0,74 Prozent, also deutlich höher als man das von DAX-ETFs gewohnt ist.

Rendite ETF fünf Jahre annualisiert+ 9,34 %
Rendite Benchmark fünf Jahre annualisiert+10,05 %
TER (Total Expense Ratio, Gesamtkostenquote)0,74 %
AusschüttungsmodusAusschüttend
ReplikationsmethodePhysisch

Quellenangabe: Blackrock iShares

Der Fonds investiert nur in chinesische Aktien, die außerhalb von Festlandschina handelbar sind, also beispielsweise in Hongkong. Bei Aktien aus Russland, Brasilien und Indien kauft er die Aktien im Regelfall nicht direkt, sondern Hinterlegungsscheine wie ADRs (American Deposit Receipt). Er kann aber auch Derivate einsetzen, um die Entwicklung des BRIC 50 abzubilden.

Der ETF wird bei einigen Brokern auch als Sparplan angeboten, beispielsweise bei der onvista bank und dem finanzen.net Broker.

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ÖKOWORLD GROWING MARKETS 2.0 – C EURO

(WKN: A1J0HV/ ISIN: LU0800346016)

Im Gegensatz zu den beiden oben vorgestellten Papieren handelt es sich beim Ökoworld Growing Markets 2.0 um einen aktiv verwalteten Fonds. Die Gesamtkostenquote liegt daher mit 2,56 Prozent deutlich höher. Außerdem verlangen viele Banken einen Ausgabeaufschlag von bis zu 5,0 Prozent. Allerdings lässt sich der Fonds beim finanzen.net Broker und der onvista bank ohne Aufschlag kaufen.


Dafür bietet der Fonds drei Vorteile. Die Rendite hat von Mitte 2019 bis Mitte 2020 den BRIC 50 Index deutlich übertroffen. Außerdem ist das Klumpenrisiko geringer, chinesische Aktien stehen einschließlich Hongkong für rund 30 Prozent des Wertes statt für über 80 Prozent beim BRIC 50, die IT-Branche kommt nur auf einen Anteil von rund 25 statt rund 75 Prozent. Hinzu kommt, dass der Fonds auch ethische Kriterien bei der Auswahl der Wertpapiere berücksichtigt.

Rendite ETF fünf Jahre annualisiert+ 8,12 %
Rendite Benchmark fünf Jahre annualisiert+10,05 %
TER (Total Expense Ratio, Gesamtkostenquote)2,46 %
AusschüttungsmodusThesaurierend
Ausgabeaufschlag0,0 bis 5,0 %

Quellenangabe: DZ Privatbank

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Regionale Emerging Markets Fonds und ETFs

Asien:  SPDR MSCI EM Asia UCITS ETF

(WKN: A1JJTG / ISIN: IE00B466KX20)

Wie der Name schon andeutet ist der MSCI Emerging Markets Asia ein Subindex des MSCI Emerging Markets. Er beinhaltet also nur Aktien aus Schwellenmärkten, die aus Asien kommen. Rund die Hälfte des Wertes entfällt auch hier auf Aktien aus der Volksrepublik China  und Hongkong (das überwiegend wie ein eigenes Land behandelt wird). Weitere 30 Prozent entfallen auf Taiwan (Republik China) und Südkorea, immerhin 10 Prozent aber auch auf Indien. Die übrigen rund zehn Prozent verteilen sich überwiegend auf Firmen aus Indonesien, Thailand, Malaysia und den Philippinen. Bekannte Aktien aus dem Index sind beispielsweise Alibaba, Samsung oder Taiwan Semiconductor.


Der MSCI EM Asia wird von mehreren ETFs abgebildet, fast alle bilden den Index aber nur synthetisch ab. Das bedeutet, dass sie unter Umständen ganz andere Aktien kaufen und deren Wertentwicklung dann mit einem Partner (einer anderen Bank oder Investmentgesellschaft) gegen die Entwicklung des MSCI EM Asia tauschen. Das aber birgt ein zusätzliches Risiko, wenn der Partner die Bedingungen aus diesem Swap-Geschäft nicht erfüllen kann.

Rendite ETF fünf Jahre annualisiert+10,46 %
Rendite Benchmark fünf Jahre annualisiert+10,05 %
TER (Total Expense Ratio, Gesamtkostenquote)0,55 %
AusschüttungsmodusThesaurierend
ReplikationsmethodePhysisch (optimiert)

Quellenangabe: SPDR

Zu den wenigen physisch replizierenden ETF gehört der SPDR MSCI EM Asia UCITS ETF mit einer Gesamtkostenquote von 0,55 Prozent. SPDR ist die drittgrößte Emittentin von ETFs nach iShares (Blackrock) und Vanguard. Die Erträge werden thesauriert, Dividenden und andere Zahlungen werden also direkt wieder in Aktien investiert.

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Lateinamerika:  HSBC MSCI EM Latin America UCITS ETF

(WKN: A1H8BL / ISIN: IE00B4TS3815)

Auch der MSCI EM Latin America ist ein Subindex des MSCI Emerging Markets. Er enthält nicht nur Aktien aus Südamerika, sondern aus allen portugiesisch- oder spanischsprachigen Ländern Süd-, Mittel- und Nordamerikas. Tatsächlich ist das nordamerikanische (aber spanischsprachige) Mexiko mit rund 20 Prozent zweitwichtigster Markt. Fast 60 Prozent entfallen auf Brasilien, der Rest überwiegend auf Chile, Peru, Kolumbien und Argentinien.


Auch hier gibt es nur wenige ETFs, die den Index physisch replizieren, also die darin enthaltenen Aktien tatsächlich enthalten und die Wertentwicklung nicht in erster Linie mit Derivaten nachbauen. Zu den günstigsten gehört der ETF der britischen HSBC. Die Gesamtkostenquote liegt dort bei nur 0,60 Prozent, Erträge aus Dividenden und anderen Zahlungen werden direkt wieder angelegt (Thesaurierung).

Rendite ETF fünf Jahre annualisiert+1,52 %
Rendite Benchmark fünf Jahre annualisiert+10,05 %
TER (Total Expense Ratio, Gesamtkostenquote)0,60 %
AusschüttungsmodusAusschüttend
ReplikationsmethodePhysisch (optimiert)

Quellenangabe: HSBC

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Afrika:  LYXOR PAN AFRICA UCITS ETF-ACC – EUR

(WKN: LYX0V7 / ISIN: LU1287022708)

Dritte Unterkategorie des MSCI Emerging Markets ist die Region Europe, Middle East and Africa, die neben Schwellenmärten aus Europa und Afrika auch Unternehmen aus dem Nahen und Mittleren Osten enthält. Letztere gehören zwar zu Asien, sind im MSCI EM Asia aber nicht enthalten.

Abbilden lässt sich diese Unterkategorie mit ETFs wie dem Xtrackers MSCI EM Europe, Middle East & Africa Swap UCITS ETF, wegen der hohen Heterogenität halten wir diese aber für wenig attraktiv. Wer eine breite Risikostreuung wünscht, sollte besser gleich in einen allgemeinen Emerging Markets ETF investieren (siehe oben), für einen regionalen Fokus ist dieser ETF mit Aktien aus Europa, Afrika und Westasien zu breit aufgestellt.

Anders der Lyxor Pan Africa ETF, der ausschließlich in Afrika investiert. Der südliche Nachbar Europas ist in den Köpfen der Menschen vor allem durch Negativnachrichten verankert, allerdings gibt es auch dort viele positive Entwicklungen. Trotzdem brauchen Anleger vermutlich einen langen Atem, auf eine Frist von einem, drei und fünf Jahren hat der Afrika-ETF jeweils schlechter abgeschnitten als der MSCI World. Doch gleichzeitig bietet gerade Afrika viel Aufholpotenzial.


Der Lyxor Pan Africa bildet den SGI Pan Africa Net TR von Standard & Poors ab, der wiederum die 30 größten afrikanischen oder in Afrika gelisteten Unternehmen enthält. Auffällig ist der hohe Anteil von Rohstoffunternehmen. Allerdings dürften die meisten Anleger davon bisher wenig im Portfolio haben, der DAX beispielsweise enthält kein einziges. Der hohe Anteil von Minengesellschaften bedeutet für viele Anleger also mehr und nicht weniger Streuung. Zweitwichtigste Branche sind Banken und Versicherungen mit rund 21 Prozent vor IT- und Telekomfirmen mit rund 16 Prozent. Wichtigste Zielländer sind Ägypten und Südafrika. Dass sich auch Kanada unter den Heimatländern der enthaltenen Firmen befindet liegt daran, dass dort einige Minengesellschaften residieren, die überwiegend in Afrika tätig sind, deren Zentrale sich aber in Kanada befindet, beispielsweise B2Gold.

Rendite ETF fünf Jahre annualisiert+ 3,32 %
Rendite Benchmark fünf Jahre annualisiert+10,05 %
TER (Total Expense Ratio, Gesamtkostenquote)0,85 %
AusschüttungsmodusThesaurierend
ReplikationsmethodeSynthetisch

Quellenangabe: Lyxor

Allerdings wird der Index nur synthetisch repliziert. Die Gesamtkostenquote liegt bei 0,85, was bei einem relativ kleinen Fonds mit 40 Millionen Euro Fondsgröße normal ist. Erträge werden thesauriert, also wieder angelegt.

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Was sind Emerging Markets?

Eine kurze Emerging Markets Definition

Emerging Markets sind Märkte, die noch nicht die Kriterien für einen Industriestaat erfüllen, aber wohlhabender und wirtschaftlich stärker sind als Entwicklungsländer. Sie werden in der deutschen Sprache oft auch Schwellenmärkte bezeichnet. Der Begriff Schwellenländer wird dagegen meist von internationalen Organisationen verwendet und kann leicht abweichen. Der Indexanbieter MSCI führt beispielsweise auch Länder wie Südkorea als Emerging Markets, die von anderen Institutionen bereits als Industriestaaten geführt werden. Außerdem kennen die Indexanbieter noch die Kategorie der Frontier Markets. Mit dem Thema Schwellenländer befassen wir uns im Beitrag Mit ETFs in Schwellenländer investieren.

Die Indexanbieter grenzen die Emerging Markets einerseits von den Devoloped Markets ab, also den Industriestaaten, andererseits aber auch von den Frontier Markets. Letztere können sowohl Entwicklungs- als auch Schwellenländer nach der Definition der Weltbank sein.

Einteilung MSCI Emerging Markets

So ordnet der Indexanbieter MSCI die Staaten den Indizes Developed Markets, Emering Markets und Frontier Markets zu. Von allen dreien gibt es jeweils regionale Subindizes. Die Emerging Markets sind sowohl im MSCI All Countries World Index (ACWI) als auch im Emerging & Frontier Markets Index enthalten, alle drei Bereich im MSCI ACWI & Frontier Markets Index. Die Abkürzung CIS steht Community of Independend States, deutsch GUS, also die ehemalige Sovietunion, WAEMU steht für die Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion.

Eine offizielle Definition der Emerging Markets gibt es nicht. Für Anleger interessant sind aber vor allem die Einteilungen der großen Indexanbieter wie S&P, FTSE und MSCI. Hier gibt es zwar kleine Unterschiede bei der Zuordnung einzelner Länder, im wesentlich ist die Einteilung aber ähnlich.

Klarer ist die Abgrenzung für Ländergruppen wie BRICS oder die Outreach 5. Hier gibt es Mitglieder, die an den Treffen der Staaten teilnehmen.

BRICS Staaten Definition: 5 Mitglieder

Die Abkürzung BRICS steht für einen Staatenbund aus fünf Länder, nämlich

  • Brasilien,
  • Russland,
  • Indien,
  • China und
  • Südafrika.

Aus den Anfangsbuchstaben ergibt sich der Name BRICS. In diesen fünf Staaten leben 40 Prozent der Weltbevölkerung, allein Indien und China sind zusammen die Heimat jedes dritten Menschen. Die Gruppe trifft sich seit 2009 (erstes Treffen in Jekaterinburg) regelmäßig, seit 2014 betreibt die Gruppe eine eigene Entwicklungsbank.

Der Name BRIC wurde 2001 von Jim O'Neill erfunden, dem Chefvolkswirt von Goldman Sachs Asset Management, von dem auch die Begriffe MIST-Staaten und Next 11 stammen. Erst später trafen sich die Staatschefs regelmäßig und nahmen 2010 mit Südafrika ein neues Mitglied auf, so dass auch BRIC BRICS wurde.

Der BRIC 50, der bekannteste Index für diese Staatengruppen, enthält aber nach wie vor nur die 50 wichtigsten Aktien aus Brasilien, Russland, Indien und China, also keine Papiere aus Südafrika. Das liegt auch daran, dass das Land am Kap nach wie vor vergleichsweise schwach wächst.

Daneben gibt es weitere Variationen der BRICS, beispielsweise BRIICS, hier steht das zweite I für Indonesien. Bei BRICKS wiederum sind Korea oder Kasachstan mit dabei. Dabei handelt es sich aber um keine offizielle Staatengruppe.

Die Outreach 5 Staaten (O5-Staaten)

Bei den Outreach 5 handelt es sich um jene fünf Staaten, die kein Mitglied der G7 sind, aber teilweise zu deren Konferenzen mit eingeladen werden. Die Gruppe ist weitgehend identisch mit den BRICS-Ländern. Nur Russland ist kein Mitglied der O5, da der Staat bis 2014 Mitglied der damaligen G8 war, ehe es wegen der Besetzung der Krim ausgeschlossen wurde. Dafür ist Mexiko Mitglied der Outreach 5, nicht aber der BRICS Staaten.

Die MIST-Staaten oder SMIT-Staaten

Anders als die BRICS-Staaten oder die Outreach 5 sind die MIST-Länder keine Staatengemeinschaft, sondern die Abkürzung wurde von Volkswirten erfunden. Wegen der Doppeldeutigkeit der Abkürzung MIST im Deutschen liest man teilweise auch die Abkürzung SMIT. Sie steht für

  • Mexiko,
  • Indonesien,
  • Südkorea und
  • Türkei.

Diesen vier Staaten trauen einige Volkswirte ein ähnlich dynamisches Wachstum zu wie den BRICS-Staaten, sie sind tendenziell aber sogar wohlhabender als die BRICS-Staaten. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt in Südkorea beispielsweise über dem Niveau von Spanien oder Italien, auch die Türkei und Mexiko sind wohlhabender als alle BRICS-Staaten mit Ausnahme Russlands.

Die Next 11

Gleiches gilt auch für die Next 11. Das sind elf Staaten, die in Sachen Dynamik und Wachstum mittelfristig die Rolle der BRICS-Staaten übernehmen sollen, wenn diese entweder ihr Potenzial ausgeschöpft haben oder die in sie gesetzten Hoffnungen langfristig nicht erfüllen. Bei den Next 11 handelt es sich um

  • Ägypten,
  • Bangladesch,
  • Indonesien,
  • Iran,
  • Mexiko,
  • Nigeria,
  • Pakistan,
  • Philippinen,
  • Südkorea,
  • Türkei und
  • Vietnam.

Aus Investorensicht schwierig ist dabei, dass die Gruppe sehr heterogen ist. Südkorea und die Türkei sind Industriestaaten, dagegen gehört Bangladesch nach Daten der Weltbank noch zur Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder (Entwicklungsländer). Die meisten anderen Staaten werden von der Weltbank und den Vereinten Nationen als Schwellenländer geführt, von den meisten Indexanbietern und Fondsgesellschaften aber als Frontier Markets und damit eine Ebene unter den Emerging Markets.

Unsere Emerging Market SWOT Analyse: Stärken, Schwächen, Chancen und Risken analysiert

Emering Markets bieten viele Chancen, haben aber auch ein paar Schwächen. Welche das sind, analysieren wir hier.

Stärke: Was zeichnet die BRIC Staaten und andere Emerging Markets aus?

Für die Emerging Markets – und insbesondere für die BRIC-Staaten – sprechen zwei Gründe. Das eine ist die schlichte Masse an Menschen, die in dieser Region leben. Zwar ist deren wirtschaftliches Gewicht bisher gering, vieles spricht aber für eine weitere Annäherung der Staaten in Sachen Wohlstand.

Während die Wohlstandsunterschiede zwischen den Ländern nämlich bis 1980 stiegen, sinken sie seitdem. Damit sind wir beim zweiten Grund. Sollte sich die wirtschaftliche Angleichung fortsetzen, dürfen die Emerging Markets mit deutlich höheren Wachstumsraten rechnen. Zumal die Bevölkerung dort wächst und der Nachholbedarf nach Gütern hoch ist.

Der wichtigste Grund für ein Investment in den Schwellenmärkten ist aber schlicht die Risikostreuung. Sollten Länder wie China und Indien die Unternehmen aus Deutschland, Japan oder den USA in Bedrängnis bringen, profitiert der Anleger von seinen Emerging Marktes Aktien und kann damit Verluste (oder zumindest schwache Kursgewinne) bei seinen Aktien aus Industriestaaten ausgleichen.

Schwäche: Geringe Effizienz, hohe Korruption

Leider haben die Schwellenländer auch eine Reihe von Nachteilen. Die Korruption ist hoch, das gilt vor allem für den BRICS-Staat Russland (Rang 137 von 180 Staaten im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International), aber auch für Brasilien (Rang 106). Südafrika (Rang 70), die Volksrepublik China (Rang 80) und Indien (ebenfalls Rang 80) liegen zwar noch in der oberen Hälfte der Rankingtabelle (gehören also zu den weniger korrupten Staaten), die Korruption wird aber als deutlich höher eingeschätzt als in Deutschland (Rang 9).

In vielen Emerging Markets ist die Infrastruktur nach wie vor nicht so gut ausgebaut, wie man das von Europa kennt. Das gilt beispielsweise für Straßen und Eisenbahnen, wenngleich vor allem China viel Geld in seine Verkehrsinfrastruktur investiert hat. Ein noch größeres Problem sind aber die Stromausfälle, die auch in vergleichsweise wohlhabenden Emerging Markets wie Griechenland regelmäßig vorkommen.

Ebenfalls problematisch ist die oft sehr hohe Einkommensungleichheit. Sie führt zu sozialen und politischen Spannungen, Kriminalität und behindert die Aus- und Weiterbildung von Menschen aus armen Stadtteilen. Südafrika gilt aktuell (Stand: 09/2020) als das ungleichste Land der Welt (Quelle: CIA World Factbook).

Chance: BRICS-Staaten wachsen, doch die Geburtenrate sinkt

Anders als in vielen Industrienationen wächst die Bevölkerung in den Emerging Markets weiter (wichtigste Ausnahme: Russland mit einem Bevölkerungsrückgang um 0,16 Prozent, ähnlich den -0,19 Prozent in Deutschland). Trotz des Bevölkerungswachstums haben die meisten Schwellenmärkte aber einen geringen Abhängigenquotienten (Dependancy Ratio), also ein günstiges Verhältnis von Menschen im Erwerbsalter zu Kindern und Rentnern. Denn das Bevölkerungswachstum speist sich nämlich nicht mehr aus einer hohen Geburtenrate, sondern aus der hohen Zahl von Menschen zwischen 20 und 40.

Fertilitätsraten und Bevölkerungswachstum in BRICS und MIST-STaaten

Fertilitätsrate (Kinder, die eine Frau im Laufe ihres Lebens durchschnittlich bekommt; blau) und Bevölkerungswachstum (grau) in den BRICS und SMIT Staaten. Zum Vergleich Deutschland. Quelle: World Factbook der CIA

Die Zahl der Geburten pro Frau liegt in fast allen Emerging Markets unter 2,4, also niedriger als im Deutschland der 1960er Jahr. In vielen Ländern wie der Türkei, Brasilien oder China liegt sie bereits unter 2,0. Mittelfristig bedeutet das auch für viele Schwellenmärkte eine alternde Bevölkerung, zunächst einmal ist sie aber positiv. Wegen der gefallenen Geburtenrate können die Eltern mehr in die Bildung ihrer Kinder investieren. Frauen können deutlich stärker erwerbstätig sein als noch vor etwas mehr als einer Generation, als jede Frau in Südkorea im Durchschnitt sechs Kinder gebar (2020: 1,3).

Der steigende Wohlstand könnte endlich attraktive Binnenmärkte schaffen. China wäre dann viel weniger als heute auf Exporte angewiesen. Außerdem drängen immer mehr Menschen in die großen Städte, vor allem an den Küsten. Was sich zunächst problematisch anhört, ist aus Sicht des Wirtschaftswachstums positiv. Eine Erschließung des gesamten Landes mit Autobahnen und Eisenbahnstrecken in einer mit Deutschland, Japan oder Frankreich vergleichbaren Art ist bei großen Ländern wie Indien oder Brasilien kaum möglich. Durch die Konzentration der Menschen in Städten wird die Erschließung einfacher.

Risiko: Stark abhängig von Rohstoffmärkten und politisch oft instabil

Allerdings sind vor allem Südafrika, Brasilien und Russland bisher stark vom Rohstoffexport abhängig. Das gilt auch für viele andere Emerging Markets. Minen- und Ölgesellschaften machen im BRIC 50 rund zehn Prozent des Wertes aus, auch viele Banken (14 Prozent) verdienen stark an der Rohstoffförderung, diese Unternehmen könnten durch einen Verfall der Rohstoffpreise getroffen werden.

Hinzu kommt eine hohe politische Instabilität. Viele Länder sind Diktaturen oder zumindest keine vollwertigen Demokratien. Aber auch in den demokratischen Staaten spielen ethnische oder familiäre Bindungen oft eine große Rolle bei der Stimmabgabe, was den Wettbewerb weniger effizient macht. In Kombination mit der herrschenden Ungleichheit können ein Verlust staatlicher Leistungsfähigkeit oder gar Bürgerkriege die Folge sein.

Alternativen zu Emerging Markets Fonds

Regionale ETFs

Emerging Markets ETFs haben den Nachteil (und Vorteil), dass man mit ihnen in eine sehr heterogene Gruppe investiert. Taiwan (offiziell: Republik China) und Südkorea sind praktisch Industrienationen und stehen vor ganz anderen Herausforderungen als beispielsweise Ägypten, das ebenfalls als Schwellenmarkt gilt. Der nordafrikanische Staat ist nicht nur wirtschaftlich ganz anders positioniert, auch die politischen und kulturellen Rahmenbedingungen sind völlig verschieden. Das kann positiv sein, wenn man sein Risiko streuen will. Doch wer eine gezielte Strategie verfolgen will, für den ist die Heterogenität eher ein Nachteil.

Einige ETFs bieten die Investition in bestimmte Regionen an, beispielsweise Ostasien. Oft schließen sie die Industrienation Japan aus, so dass ein Ostasien ex Japan ETF fast ausschließlich Aktien aus Schwellenländern bietet. MSCI bieten sogar spezielle Indizes für Emerging Markets aus einer Region (siehe oben).

Top 5 ETF

1
Anzahl ETFs
1500
Orderkosten 1000€
0€
Sparplanfähige ETFs
600
Anzahl gebührenfreier ETFs
300
Testberichtzu Smartbroker
2
Anzahl ETFs
443
Orderkosten 1000 €
9,95€ + 1%
Sparplanfähige ETFs
443
Anzahl gebührenfreier ETFs
250
Testberichtzu Consorsbank
3
Anzahl ETFs
1000
Orderkosten 1000 €
4,90€ + 0,25%
Sparplanfähige ETFs
600
Anzahl gebührenfreier ETFs
170
Testberichtzu Comdirect
4
Anzahl ETFs
165
Orderkosten 1000 €
1€
Sparplanfähige ETFs
165
Anzahl gebührenfreier ETFs
0
Testberichtzu OnVista
5
Anzahl ETFs
728
Orderkosten 1000 €
4,90€ + 0,25%
Sparplanfähige ETFs
700
Anzahl gebührenfreier ETFs
150
Testberichtzu ING
Sie riskieren Ihr Kapital

Frontier Markets

Die Frontier Markets stehen in der Entwicklungshierarchie noch unter den Emerging Markets. Bei den meisten Indexanbietern bilden sie die unterste Stufe, für wirtschaftlich noch schwächere Staaten werden meistens keine Indizes und ETFs angeboten.

Der Indexanbieter MSCI zählt zu den Frontier Markets beispielsweise Rumänien, Nigeria, Jordanien oder Vietnam. Zu dieser Gruppe zählen auch vergleichsweise reiche Nationen wie Argentinien, Bahrein oder Kuweit und sogar europäische Staaten wie die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Die genaue Zuordnung ist aber von Indexanbieter zu Indexanbieter verschieden. Marokko wird beispielsweise von Russell als Emerging Market eingestuft, von MSCI als Frontier Market, während Gabun bei Russell ein Frontier Market ist, bei S&P, FTSE und MSCI dagegen gar nicht geführt wird.

Einteilung MSCI Emerging Markets

Die Einteilung zu Frontier Markets oder Emerging Markets kann bei anderen Anbietern anders ausfallen als hier bei MSCI.

Frontier Markets bieten im Vergleich zu Emerging Markets noch höhere Risiken, aber auch höhere Chancen. Von 2017 bis 2020 blieb die Entwicklung des MSCI Frontier Markets 100 deutlich hinter dem MSCI World zurück, das kann in den nächsten Jahren aber schon ganz anders sein. Ein Kompromiss kann ein ETF auf den MSCI Emerging & Frontier Markets Index sein, der beide Märkte kombiniert.

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Robo Advisor

Wem die Aufteilung seines Vermögens zu mühsam ist, der kann das Geld auch einer Online-Vermögensverwaltung wie quirion oder Oskar anvertrauen. Dabei wird das Geld von einem Robo Advisor auf verschiedene ETFs verteilt. Gute Anbieter achten auch auf eine regionale Streuung und investieren Geld in Emerging Markets.

Top 5 Robo Advisor

1
Servicegebühr
0,80%
Fondskosten
0,15%
Sparplan
Ab 25€
Mindesteinlage
Ab 1.000€
Anlagestrategien
5
Testberichtzu Oskar
2
quirion-logo-184x44
Servicegebühr
0,00%
Fondskosten
0,22%
Sparplan
Ab 30€
Mindesteinlage
Ab 5.000€
Anlagestrategien
10
Testberichtzu Quirion
3
Weltsparen-logo-184x44
Servicegebühr
0,33%
Fondskosten
0,16%
Sparplan
Ab 50€
Mindesteinlage
Ab 500€
Anlagestrategien
4
Testberichtzu Weltsparen
4
Growney-logo-184x44
Servicegebühr
0,69%
Fondskosten
0,27%
Sparplan
Ab 1€
Mindesteinlage
Ab 0€
Anlagestrategien
5
Testberichtzu Growney
5
Servicegebühr
0,70%
Fondskosten
0,25%
Sparplan
Ab 50€
Mindesteinlage
Ab 2.500€
Anlagestrategien
5
Testberichtzu Fintego
Sie riskieren Ihr Kapital

FAQ zum Thema Emerging Markets

FAQ

Was sind Emerging Markets

Emerging Markets sind Länder beziehungsweise Märkte, die von der Wirtschaftskraft noch hinter den Developed Markets (Industrieländer) zurückbleiben, aber deutlich wirtschaftsstärker sind als Frontier Markets. Sie bilden damit die obere Mittelschicht der Nationen, zu ihnen gehören beispielsweise China, Indien oder Südafrika.

Was ist der Unterschied zwischen Schwellenländern und Emerging Markets

Der Begriff Schwellenländer wird vor allem von internationalen Organisationen gebraucht und ist weiter gefasst als der der Emerging Markets, der vor allem von Indexanbietern und Fondsgesellschaften verwendet wird. Zu den Schwellenländern gehören auch Länder wie Nigeria, die an der Börse als Frontier Markets gelten. Manchmal wird der Begriff der Emerging Markets als Schwellenmärkte übersetzt, um ihn von den Schwellenländern abzugrenzen.

Warum Emerging Markets ETF kaufen?

Einige Emerging Markets wie China haben sich in der Vergangenheit sehr dynamisch entwickelt. Wichtigster Grund für den Kauf von Aktien aus Schwellenmärkten ist aber die Risikostreuung.

Was sind BRICS-Staaten?

Die Buchstaben BRICS stehen für Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Diese fünf Staaten stellen 40 Prozent der Weltbevölkerung. Die BRICS Staaten treffen sich regelmäßig, beispielsweise 2019 in Brasilia.  

Fazit

In ein breit aufgestelltes Depot gehören auch Aktien aus Emerging Markets. Das ist schon unter dem Gesichtspunkt der Risikostreuung sinnvoll, zumal mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung mittlerweile in diesen Ländern der „globalen Mittelschicht“ lebt. Emerging Markets sind wirtschaftlich und politisch meist besser aufgestellt als die sogenannten Frontier States („globale untere Mittelschicht“) oder gar die „Länder der untersten Milliarde“, gleichzeitig aber bieten sie mehr Potenzial als die reichen Developed Markets. Allerdings sind die Unterschiede groß. China hat sich zuletzt dynamisch entwickelt, während Südafrika vor vielen Problemen steht. Im Einzelfall können deshalb regionale Schwerpunkte sinnvoll sein. Allerdings sind diese oft durch ein einziges Land geprägt, in Südamerika beispielsweise Brasilien, in Asien die Volksrepublik China.