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Auslandsaktien handeln: Was müssen Anleger unbedingt bedenken?

Auslandsaktien bieten verschiedene Vorteile. Sie helfen dabei, das Portfolio zu diversifizieren und bieten häufig besonders interessante Renditechancen. In vielen Ländern herrscht eine ausgeprägtere Dividendenkultur als in Deutschland, sodass sich vor allem bei den Gewinnausschüttungen interessante Möglichkeiten ergeben. Allerdings müssen Privatanleger vor allem in steuerlicher Hinsicht einiges wissen, um ihren Gewinn nicht zu riskieren.

Günstig ausländische Aktien kaufen

  1. Elektronischer Handelsplatz Xetra

Ausländische Aktien müssen nicht unbedingt an einem Handelsplatz im Ausland gehandelt werden. Die Handelsplattform Xetra erlaubt es hingegen, zumindest die weltweiten Standardwerte zu erwerben. Dow Jones, Nikkei, EuroStoxx und SMI sind hier in der Regel vollständig vertreten. Die Orderkosten liegen dabei häufig unter denen der inländischen Börsen. Auch bei den Kursen sind die Unterschiede zu den Handelsplätzen in der Heimat häufig nicht all zu groß, da eine ausreichende Liquidität gegeben ist.

lynx handelsplätze

Lynx Broker bietet nicht nur nationale, sondern auch internationale Handelsplätze an, Quelle: Lynx Broker

  1. Börse Berlin

Die Börse Berlin hat sich seit Jahren auf Aktien aus dem Ausland spezialisiert. Demzufolge finden Aktionäre hier nicht nur die Standardwerte, sondern auch Wertpapier von kleineren und mittelständische Unternehmen, also Small und Mid Caps. Derzeit bietet der Handelsplatz der Hauptstadt rund 10.000 Auslandswerte aus 120 Ländern. Dabei sind die Ordergebühren zwar teurer als bei einem Kauf über Xetra, allerdings günstiger als beim Kauf der jeweiligen Handelsplätze. Es empfiehlt sich dennoch, die Kurse mit denen der Heimatbörse zu vergleichen und zur Sicherheit eine limitierte Order aufzugeben.

  1. Börsen vergleichen

Xetra oder auch die Berliner Börse bieten zwar häufig geringere Orderkosten, jedoch nicht immer die besten Kurse. Häufig besteht bei wenig liquiden Auslandswerten jedoch die Gefahr, dass diese zu einem deutlich schlechteren Kurs als an ihrer Heimatbörse gehandelt werden. Bei selten gehandelten Nebenwerten kann dann schon die Order des Aktionärs dazu führen, dass der Kurs deutlich ansteigt, weil kein anderer Anleger die entsprechende Positionsgröße anbietet. Für den Handelsplatz bedeutet dies, dass es unsicher ist, zu welchem Handelspreis er die entsprechenden Aktien erhält und dieses Risiko durch einen Aufpreis weitergibt.

In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, die Aktien doch direkt an ihrer Heimatbörse zu erwerben.

  1. Während der Handelszeiten handeln

Aufgrund der höheren Liquidität empfiehlt es sich immer, Auslandswerte möglichst dann zu handeln, wenn ihre Heimatbörse geöffnet hat. Die Liquidität ist dann deutlich höher, was wiederum zu engeren Spreads führt.

  1. Günstigen Broker wählen

Einer der besten Tipps, um Auslandsaktien günstig handeln zu können, ist zudem ein Brokervergleich. Es bestehen zwischen den einzelnen Brokern deutliche Unterschiede darin, wie sehr die Nutzung von Handelsplätzen im Ausland zu Buche schlagen. Wer also weiß, dass er häufiger im Ausland handeln möchte, kann viel Geld sparen, wenn er den richtigen Broker wählt.

Wer günstig Aktien aus dem Ausland handeln möchte, sollte vor allem auf die Liquidität achten. Vor allem Nebenwerte sind über inländische Handelsplätze und außerhalb der Handelszeiten deutlich teurer. Es ist zudem sinnvoll, auch bei den Brokergebühren genauer hinzusehen und den Anbieter notfalls zu wechseln.

Lohnt sich ein Depot im Ausland?

Ob sich ein Wertpapierdepot im Ausland lohnt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Preisstruktur deutscher Broker ist inzwischen sehr günstig und die Online Broker bieten zudem einen umfangreichen Zugang zu den wichtigsten weltweiten Börsen und sogar dem außerbörslichen Handel. Wer Auslandsaktien handeln möchte, kann dies also auch im Rahmen des Depots in Deutschland tun.

Kompliziert kann es allerdings bei einem Depotwechsel aus dem Ausland nach Deutschland werden.

  • Die Broker dürfen im Gegensatz zu deutschen Anbietern eine Bearbeitungsgebühr beim Depotübertrag erheben.
  • Manche Broker schließen den Übertrag von Wertpapieren aus bestimmten Ländern aus.
  • Überträgt der alte Anbieter die Einstiegskurse nicht, droht umfangreicher bürokratischer Aufwand. Die aufnehmende Bank kann die Papiere sonst im schlimmsten Fall zu einem Anschaffungspreis von einem Cent verbuchen, wobei realisierte Gewinne unter die Abgeltungssteuer fallen. Die Korrektur kann durch alte Depotauszüge erfolgen, ist jedoch häufig mit Mehrkosten verbunden.

Versteuerung von Auslandsaktien

Zwar hat Deutschland mit über 80 Ländern ein Doppelbesteuerungs-Abkommen geschlossen, die doppelte Belastung ist jedoch für viele international aktive Anleger immer noch eine bürokratische Herausforderung. Dennoch wagen viele Aktionäre es, in Auslandtitel zu investieren. Grund ist hierfür auch die Tatsache, dass viele ausländische Unternehmen großzügigere Dividenden zahlen.

Allerdings kann dies zumindest erst einmal zu einer Doppelbesteuerung führen. Die Anleger müssen in Deutschland Abgeltungsteuer zahlen. Zudem wird die Quellensteuer in den meisten anderen Staaten fällig. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Ein Teil der ausländischen Quellensteuer wird auf die Abgeltungssteuer angerechnet.
  • Es handelt sich hierbei maximal um 10 Prozent des Kapitalertrags oder 15 Prozent der Dividende.
  • Das Finanzamt schlägt dann den Differenzbetrag bis zu 25 Prozent Abgeltungssteuer auf.
  • Liegt die Besteuerung über 15 Prozent, ist der Anteil der darüber hinaus geht erstattungsfähig, aber nicht mehr anrechenbar. Der Aktionär muss sich die Quellensteuer also selbst aus dem Ausland zurückholen.
  • Der Erstattungsantrag muss an die Steuerbehörde des Landes gestellt werden, in dem das Unternehmen seinen Hauptsitz hat.

Die Rückholaktion ist bei Differenzbeträgen unter 100 Euro häufig weder Zeit noch Geld wert. Es ist deswegen sinnvoll, beim Auslandinvestment auch darauf zu achten, wie hoch die Quellensteuer im jeweiligen Staat ist und wie kompliziert eine Rückerstattung wäre.

Steuer Lynx

Broker informieren in der Regel sehr transparent über das Abführen der Steuer, Quelle: Lynx Broker

Verschiedene Staaten ermöglichen es allerdings das Verfahren zu erleichtern und einen Vorabantrag zu stellen. Zu ihnen gehören Frankreich, Finnland und Schweden.

Spanien

Spanien erlaubte die vollständige Rückerstattung der Quellensteuer auf Dividenden bis zu einer Höhe von 1.500 Euro jährlich. Allerdings durften deutsche Banken spanische Quellensteuern nicht automatisch auf die Abgeltungsteuer anrechnen lassen. Sonst könnte die spanische Steuer die Abgeltungsteuer verringern, obwohl der deutsche Steuerzahler diese zurückerstatten lässt. Das bedeutet, dass abzüglich spanischer Quellen- und deutscher Abgeltungsteuer nur die Hälfte von Dividenden gut geschrieben wurden. Spanien galt auch aufgrund des hohen Verwaltungsaufwandes und der langen Bearbeitungsdauer als Anlegerschreck.

Seit dem 01.01.2015 ist dies allerdings anders. Inzwischen können Banken in Deutschland die Quellensteuer auf die deutsche Abgeltungsteuer anrechnen lassen und die Grenze von 1500 Euro gilt als gestrichen. Dies ist allerdings auf die festgesetzte und gezahlte ausländische Quellensteuer möglich, für die kein Anspruch auf Ermäßigung oder Erstattung besteht.

Besteht im Quellenstaat jedoch dennoch ein Anspruch auf teilweise Erstattung der Quellensteuer, nimmt die Bank keine Anrechnung vor. Dies kann der Anleger jedoch über die Steuererklärung erreichen. Dazu muss er die Höhe der möglichen Erstattung im Quellenstaat durch Vorlage des spanischen Bescheides über die Erstattung nach ausländischem Recht vorweisen.

Norwegen

Auch Norwegen gehört zu den Staaten, in denen ein Abzug der Quellensteuer in Höhe von 25 Prozent von der deutschen Abgeltungsteuer nicht möglich ist. Allerdings ist das Erstattungsverfahren vorbildlich. Ein formloser Brief an die Steuerbehörde für Ausländische Steuerangelegenheiten genügt und kann sogar auf Deutsch eingereicht werden. Allerdings muss eine Ansässigkeitsbescheinigung des zuständigen Finanzamts in Deutschland und eine Kopie der Dividendenabrechnung beigefügt werden.

Frankreich

Frankreich erhebt eine Quellensteuer von 21 Prozent. 15 Prozent davon werden auf die Abgeltungsteuer angerechnet. Um die verbleibenden sechs Prozent zurückzuerhalten, bleiben vier Jahre. Ärgerlich ist, dass die Steuerbehörden Frankreichs Erstattungsanträge nur dann akzeptieren, wenn sie über die jeweilige Depotbank eingereicht werden. Dies lassen sich die meisten Depotbanken allerdings fürstlich entlohnen, sodass sich die Steuerrückerstattung in Frankreich für Kleinanleger so gut wie nicht lohnt.

Italien

Die italienischen Finanzbehörden verlangen von jeder Dividendenzahlung 26 Prozent Quellensteuer. Die deutschen Depotbanken können davon 15 Prozent anrechnen. Die übrigen elf Prozent müssen Anleger mit einer Frist von vier Jahren nach der Dividendenzahlung zurückfordern. Allerdings ist hier vor allem die Wartezeit ein großes Ärgernis. Bis zu zehn Jahren sind nicht unüblich.

Japan

Dividenden in Japan können sich auch für deutsche Anleger lohnen. Das dortige Finanzamt behält 15 Prozent Quellensteuer ein, die direkt auf die Abgeltungsteuer angerechnet werden.

USA

Die Quellsteuer beträgt in den USA 30 Prozent. 15 Prozent können auf die deutsche Abgeltungsteuer angerechnet werden. Die anderen 15 Prozent können auf zwei Wegen erstattet werden:

  • Der Anleger reicht eine US-Steuererklärung ein.
  • Depotbanken können von den amerikanischen Steuerbehörden mit dem Status eines Qualified Intermediary ausgezeichnet sein. Ist dies der Fall, wird nur der ermäßige Satz von 15 Prozent einbehalten, der voll auf die Abgeltungssteuer angerechnet wird.

Großbritannien

Großbritannien besteuert seit 1973 keine Dividendenzahlungen für ausländische Aktionäre mehr.

Schweiz

Die Schweizer Finanzämter verlangen 35 Prozent Verrechnungsteuer. 15 Prozent davon können auf die Abgeltungsteuer angerechnet werden, die üblichen 30 Prozent können mit einem Formular vom Schweizer Fiskus zurückverlangt werden. Die Schweizer gelten dabei als außergewöhnlich schnell und zahlen zu viel gezahlte Steuer innerhalb weniger Wochen.

Land Quellensteuersatz Anrechenbar auf deutsche Abgeltungssteuer
Finnland 30 % 15 %
Frankreich 21% 15%
Großbritannien 0% 0%
Italien 20% 15%
Japan 15% 15%
Luxemburg 15% 15%
Niederlande 15% 15%
Norwegen 25% 0%
Österreich 25% 15%
Schweden 30% 15%
Schweiz 35% 15%
Spanien 21% 15%
USA 30% 15%

 

Die Regelungen für die Steuererstattung bei Dividendenzahlungen im Ausland sind also von Staat zu Staat verschieden. Nur wenige Länder machen es deutschen Aktionären so leicht wie Großbritannien. In allen Ländern lässt sich die Doppelbesteuerung vermeiden, vereinzelt lohnt sich der Aufwand jedoch erst ab besonders umfangreichen Dividendenzahlungen und/oder erfordert einen langen Atem.

Fazit:

Auslandsaktien stellen deutsche Aktionäre vor besondere Herausforderungen. Anleger sollten wissen, wann und wo sie die Aktien zu den günstigsten Kursen erhalten können. Eine deutliche Beschränkung kann zudem die Besteuerung von Dividenden im Ausland sein. Anleger sollten sich deswegen vor dem Kauf über die Begebenheiten im Herkunftsland der Unternehmen informieren.

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