Zusammensetzung Ordergebühren

Wie setzen sich Ordergebühren zusammen?

Die Ordergebühren – oft werden sie unterschätzt, doch sie können gerade bei Vieltradern über Sieg oder Niederlage entscheiden. Es findet keine Transaktion statt, ohne dass Broker und der Börsenplatz mitkassieren. Wir klären auf, wo die Gebühren herkommen und wie man sie abschätzen kann.

Die Börse, so liest man immer wieder, ist ein Nullsummenspiel. Das bedeutet, dass jeder Trading-Gewinn gleichzeitig der Verlust eines anderen Marktteilnehmers ist, irgendwo auf der Welt. Nimmt man die Gesamtheit aller Trader, so müssten sich Gewinne und Verluste aller offenen Positionen in jedem Moment genau ausgleichen. Doch diese Rechnung stimmt nicht ganz, denn es gibt eine bestimmte Gruppe am Markt, die bei jeder Transaktion gewinnt: die Broker.

Ganz egal, ob Sie als Trader mit Ihrer Position Gewinne oder Verluste gemacht haben, Ihr Broker wird auf jeden Fall davon profitieren. Denn die Transaktionskosten fallen ja grundsätzlich an, unabhängig vom Ergebnis des Trades. Doch wie setzen sich diese Kosten zusammen? Welche Kostenmodelle gibt es?

Ordergebühren: Direktbroker vs. Hausbank

Die erfreuliche Nachricht für Anleger ist, dass die durchschnittlichen Ordergebühren in den letzten Jahren stetig gesunken sind. Das hängt vor allem mit der Digitalisierung des Börsenhandels zusammen. Seit immer mehr Direktbroker auf dem Markt sind, die ihren Dienst ausschließlich online anbieten, kann man bereits Aktienorders an der elektronischen Börse XETRA für pauschal unter 5 € aufgeben. Klassische Hausbanken, die auf Wunsch die Orders noch manuell ausführen und etwa eine telefonische Orderabwicklung anbieten, schlagen hier oft mit 20 € oder mehr zu Buche. Diese Banken verfolgen aber ein anderes Geschäftsmodell. Sie setzen eher auf persönlichen Kundenkontakt und verstehen sich als finanzielle Berater, die Kunden langfristig begleiten.

kosten dab

Bei der DAB bank handelt man ab 4,95€, Quelle:DAB bank

Tarifmodelle, bei denen sich die Brokergebühren prozentual an der Ordergröße orientieren, sind bei Direktbrokern inzwischen eher die Ausnahme. Sie kommen aber bei einigen Banken und auch bei ausländischen Brokern durchaus noch vor.

Eine optimale Lösung für Trader bieten Direktbroker, die eine telefonische Orderannahme zusätzlich zur Onlineplattform anbieten. Diese ist zwar auch meist deutlich teurer, kann aber lebensrettend sein, wenn im Fall eines Netzausfalls oder Hardwarecrashs schnell Positionen glattgestellt werden müssen, denn dann genügt dafür ein Anruf beim Broker.

Ebenfalls berechnen Hausbanken teilweise noch Gebühren für die Depotführung. Dies ist jedoch bei den modernen Direktbrokern nicht mehr üblich, hier ist ein kostenloses Depot die Regel und Trader, die noch Depotführungsgebühren zahlen, sollten ernsthaft erwägen, ob nicht bessere Alternativen vorhanden sind. Mit der großen Anzahl der Anbieter hat auch eine Fülle von Tarifoptionen Einzug in den Markt gehalten. So gibt es beispielsweise auch Flatrate-Angebote für Vieltrader, die aber meist auch eine Mindestanzahl von Trades pro Monat erfordern.

Viele in Deutschland zugelassene Broker bieten auch den Handel an ausländischen Börsenplätzen an, vor allem die US-Märkte und asiatische Handelsplätze erfreuen sich hier bei Tradern großer Beliebtheit. Die Gebühren sind bei Auslandstransaktionen meistens ebenfalls etwas höher.

Der erste Teil der Orderkosten kommt dem Broker selbst zugute. Bei Online-Direktbrokern handelt es sich meist um eine Orderpauschale von etwa 5 €. Es gibt jedoch Filialbanken, bei denen deutlich höhere Gebühren anfallen, die aber dafür persönliche Betreuung und telefonische Orderaufgabe anbieten.

Und was sind Börsengebühren?

Zu den Ordergebühren, die der Broker erhebt, kommen noch die Börsengebühren hinzu. Die Börsen sind regulierte Handelsplätze, welche Angebot und Nachfrage von Wertpapierhändlern miteinander decken und so den Handel ermöglichen. Dafür ist eine technisch und logistisch aufwendige Infrastruktur zu betreiben, die teilweise über Transaktionsgebühren finanziert wird. Die genaue Zusammensetzung der Börsengebühren ist komplex, da hier neben der Finanzierung der von den Börsen bereitgestellten Dienstleistungen auch noch so genannte Clearing- und Settlement-Gebühren hinzukommen. Diese fallen dafür an, eine rechtssichere Übermittlung der Forderungen und Verbindlichkeiten zu gewährleisten, die durch die Wertpapiertransaktion entstanden sind. Dies ist sozusagen der Moment der Transaktion, an dem die Wertpapiere den Besitzer wechseln.

In Deutschland kommen neben dem elektronischen Handelsplatz XETRA vor allem die Börse Frankfurt und die Börse Stuttgart als Handelsplätze in Frage. Die Frankfurter und Stuttgarter Börsen sind noch klassische Parkettbörsen, an denen Makler vor Ort agieren, wenn auch inzwischen selbstverständlich ausschließlich per Computer. Dennoch ist es hier im Prinzip weiterhin möglich, telefonisch oder durch Zuruf Orders zu erteilen, weswegen die Gebühren naturgemäß an diesen Handelsplätzen ebenfalls höher ausfallen, als an der rein elektronischen XETRA-Börse, denn dort entfällt die Makler-Courtage.

Die Gebühren orientieren sich prozentual an der Ordergröße, jedoch werden meist von den Börsen Mindest- und Höchstgrenzen festgelegt. So kostet eine Order mindestens etwa 1 € und in der Regel nicht wesentlich mehr als 100 €. Für eine relativ kleine Aktienorder im Wert von 3000€ fallen an der elektronischen Wertpapierbörse z.B. 2-3€ Gebühren an, an den Parkettbörsen muss man für denselben Trade schon mit bis zu 20€ Gebühren rechnen. Diese kommen zu den Brokergebühren hinzu.

Somit kann die Wahl des Brokers und des Handelsplatzes einen entscheidenden Einfluss auf die Kosten haben und ein und derselbe Trade kann zwischen 7 € bis hin zu über 50€ kosten.

Vor allem für Vieltrader sind die Orderkosten extrem wichtig, weil sie darüber entscheiden können, ob ein auf dem Papier erfolgreiches Tradingsystem auch in der Praxis Profite generiert. Dabei gilt die Faustformel, je länger die Haltezeit, desto unwichtiger werden die Ordergebühren.

Auch die Positionsgröße hat natürlich einen Einfluss. Denn wer etwa für 1000€ Aktien kauft und 30 € Ordergebühren zahlt, liegt mit der Position direkt 3% im Minus. Diese muss der Kurs zunächst aufholen, um in den Break-even Bereich zu gelangen. Somit sollten vor allem Trader mit hoher Tradingfrequenz und mit kleinem Handelskapital sehr genau auf die Orderkosten achten.

Der zweite Teil der Ordergebühren geht an den Handelsplatz. Darin sind Makler-Courtagen enthalten sowie die Kosten für die logistische Abwicklung und rechtliche Absicherung der Transaktion (Clearing & Settlement). An der elektronischen Wertpapierbörse XETRA entfallen die Maklerkosten, so dass hier Transaktionen deutlich günstiger sind.

Versteckte Kosten: der Spread

Die Funktion einer Börse besteht darin, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. Möchte zum Beispiel Trader A 100 Stück einer Aktie zu einem Kurs von 105 € verkaufen, Trader B ist aber nur bereit 103 € dafür zu bezahlen, dann werden diese beiden Anliegen in Orderbuch gegenübergestellt. Jeder weitere Trader, der Einblick in dieses Orderbuch hat, weiß nun, dass er die betreffende Aktie für 105 € bekommen kann, die aber nur für 103 € verkaufen könnte.

Deswegen werden Aktienkurse in Form von Geld und Brief Kurs angezeigt. Der immer höher liegende Briefkurs ist derjenige, zu dem ein Trader die Aktie an der Börse kaufen kann. Verkauft der Trader hingegen das Papier, so erhält er als finanziellen Gegenwert nur den niedrigeren Geldkurs. Der Unterschied zwischen diesen beiden Werten wird Spread genannt.

Manche Broker, vor allem im CFD-Bereich, agieren als Marketmaker. Das heißt sie bilden nicht die Kurse dadurch aus, dass sie Angebote und Nachfragen gegeneinander aufwiegen, sondern sie nehmen die Gegenposition einer Kundenorder ein. Aber auch in diesem Fall werden die Kurse in Form von Geld-und Briefkurs angegeben, denn auf diese Weise finanziert sich der Broker, ohne klassische Ordergebühren eintreiben zu müssen. Dadurch, dass Kunden etwa ein Aktien-CFD etwas teuerer kaufen und etwas billiger verkaufen müssen, kommt die Differenz immer dem Broker zugute.

Vor allem Broker im Forexbereich finanzieren sich fast ausschließlich über solche Spreads. Es ist daher für Neueinsteiger sehr wichtig, vor der Eröffnung eines Brokerkontos zu ermitteln, wie hoch die Spreads ausfallen bei den Währungspaaren, die gehandelt werden sollen. Der Spread wirkt sich nämlich anteilig auf das Ordervolumen aus, das heißt je größer die gehandelte Position, desto höher ist auch der Spread, der gezahlt werden muss.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Trading-Frequenz. Wenn ein Daytrader beispielsweise mehrere Trades innerhalb nur einer Stunde macht, dann kann ein Unterschied im Spread von einem Punkt oder zwei Punkten am Monatsende über Gewinn oder Verlust in der Gesamtbilanz entscheiden.

Wenn also ein nicht ganz seriöser Forex-Broker behauptet: „Bei uns zahlen Sie keine Ordergebühren“, dann kann es ein böses Erwachen geben, wenn sich hinterher herausstellt, dass der Spread um mehrere Punkte größer ist als bei der Konkurrenz.

Aus der Differenz von Kauf- und Verkaufspreis ergibt sich der Spread, ein weiterer etwas versteckter Kostenfaktor. Bei Marketmakern im Forex- und CFD Bereich ist der Spread meist die einzige Gebührenform.

Fazit

Für Wertpapier-Transaktionen fallen Gebühren an, die sich aus vielen verschiedenen Teilen zusammensetzen. Der größte Teil entfällt auf den Broker, der als Vermittler zwischen privatem Trader und Börsenplatz auftritt. Ein weiterer Teil der Gebühren wird vom  Börsenplatz erhoben, über den der handel stattfindet. Schließlich entsteht bei jedem Trade noch eine implizite Belastung durch den Spread, also den Unterschied zwischen An- und Verkaufspreis eines Wertpapiers. Eine große Anzahl von Brokern bieten heute auf dem Markt unterschiedlichste Gebührenmodelle an, die auch von der Trading-Häufigkeit und dem Handelskapital des Kunden abhängen.

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