Stärken und Risiken: Dividenden ETFs in der SWOT Analyse
Im Vergleich zum Index ETF gibt es einige Besonderheiten beim Dividenden ETF. Hinter einem Dividenden ETF steht der Gedanke, passives und damit günstiges Fondsmanagement mit einer Dividendenstrategie zu verknüpfen. Dabei nutzen die ETF-Anbieter Referenzindizes mit anderer Gewichtung, die dem ETF vor allem eine hohe Dividendenrendite versprechen sollen.
Auch wenn es mittlerweile thesaurierende Dividenden-ETFs gibt, schüttet die große Mehrheit die Dividendenerträge in regelmäßigen Abständen aus. Ein entsprechendes Investment lohnt für Sie als Anleger*in also besonders dann, wenn Sie regelmäßige Einkünfte generieren möchten.
Doch wie alle Anlageoptionen erfordern auch beste Dividenden ETFs einen genaueren Blick:
Stärken: Regelmäßige Ausschüttungen direkt ins Depot
Beste Dividenden ETFs 2022 haben über Jahre attraktive Ausschüttungen vorgenommen. Während viele aktienbasierte ETFs vierteljährlich ausschütten, erhalten Investoren in anleihenbasierte ETFs sogar monatliche Auszahlungen.
In Zeiten von Niedrigzinsen übernehmen entsprechende Ausschüttungen also eine gewisse Ersatzstellung für Zinsen. Anleger*innen können sich zudem über einen regelmäßigen Einkommensstrom freuen. Wer also eine gewisse Verlässlichkeit benötigt, bekommt mit Dividenden ETFs die richtige Lösung.
Achtung: Dividenden sind keine Zinsen. Es gibt also keine Sicherheit dafür, eine einmal gezahlte Dividende auch in Zukunft zu erhalten.
Höhere Ausschüttungen als herkömmliche ETFs
Durch den Fokus auf dividendenstarke Titel bieten Dividenden ETFs regelmäßig höhere Ausschüttungen als herkömmliche Indexfonds. Liegt die Dividendenrendite des MSCI World seit 1970 bei etwa 3 Prozent, kommen gute Dividenden ETFs oft auf 4 Prozent und mehr.
Schwächen: Fokus liegt ausschließlich auf dividendenstarken Titel
1. Geringere Diversifizierung
Die Referenzindizes für die besten Dividenden ETFs weisen oft weniger Aktientitel aus als ihre herkömmlichen „Geschwister“. Hier einige Beispiele:
| Regionaler Fokus | Titel im herkömmlichen Referenzindex | Titel im passenden Referenzindex für Dividenden ETFs |
| Deutschland | 30 (DAX) | 15 (DIV-DAX) |
| Europa | 50 (Euro STOXX) | 30 (Euro STOXX Select Dividend) |
| Welt | 1.600 (MSCI World) | 280 (MSCI World High Dividend) |
Die Indizes unterscheiden sich vor allem deshalb so stark, weil Dividenden-ETFs sich auf besonders dividendenstarke Titel konzentrieren. Durch die „Kappung“ der Diversifizierung sind aktienbasierte Dividenden-ETFs jedoch tendenziell anfälliger für Kursschwankungen.
2. Gesamtperformance bedeutet mehr als nur Dividenden
Wenn Sie in einen ETF oder auch eine Aktie investieren, sollte dabei immer die Gesamtperformance überzeugen. Und hier gilt:
Gesamtperformance = Kursgewinn + Dividende
Unternehmen zahlen zwar oft nur dann hohe Dividenden aus, wenn die Geschäfte gut laufen, aber dies ist nicht zwingend der Fall. Einige Firmen bezahlen Anteilseigner*innen auch aus der Substanz. Dabei erhalten Anleger*innen eine satte Dividende, obwohl es gar keinen großen Gewinn zu verteilen gibt. Das Geld fehlt später für wichtige Zukunftsinvestitionen. Mittel- bis langfristig zahlen Sie den Preis dafür in Form sinkender Aktienkurse. Umgekehrt gibt es erfolgreiche Unternehmen, die trotz hoher Gewinne keine Dividenden zahlen, da sie ihre Erträge sofort reinvestieren.
Zusätzlich erweist sich auch die Dividendenrendite oft als missverständlich. Sie drückt nämlich nur das Verhältnis zwischen der ausgezahlten Dividende und dem Aktienkurs an. Demnach steigt die Dividendenrendite also in zwei Fällen:
- Die Dividende erhöht sich
- Der Aktienkurs sinkt
Im zweiten Fall hat sich also die Dividendenrendite erhöht, obwohl die Gesamtperformance durch Kursverluste gesunken ist.
Dass die Gesamtperformance durch einen Fokus auf Dividenden mitunter leidet, zeigen die Erfahrungen mit dem Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield UCITS ETF (WKN: A1T8FVWKN kopiert). Dessen Wertzuwachs liegt seit seiner Auflegung im Jahr 2013 bei 6,26 Prozent pro Jahr. Der ETF (ebenfalls ausschüttend) für den großen herkömmlichen Schwesterindex FTSE All-World aus gleichem Hause wuchs durchschnittlich um 12,28 Prozent seit 2010. Dieser ist übrigens am günstigsten bei Brokern wie flatex oder Smartbroker handelbar.
3. Ausschüttung von Dividenden verhindert Zinseszins-Effekt
Wenn Anleger*innen regelmäßige Auszahlungen durch Dividenden erhalten, wirkt dies zunächst verlässlich und beruhigend. Doch sie bringen sich damit um den Zinseszins-Effekt, der ihre effektive Rendite auf Dauer erheblich erhöht.

WisdomeTree vertreibt vor allem Smart Beta ETFs. (Quelle: WisdomTree)
Thesaurierende ETFs reinvestieren die Dividenden und erzeugen damit wiederum weiteren Wertzuwachs. Wählen Sie also nur dann ausschüttende Dividenden ETFs, wenn es Ihnen wirklich um regelmäßige Auszahlungen geht. In allen anderen Fällen sind thesaurierende ETFs die bessere Wahl. Infrage kommt etwa der WisdomTree Global Quality Dividend Growth. Fonds und Index wurden von Wisdom Tree selbst entwickelt und setzen auf Unternehmen mit Dividende und konkreter Wachstumsperspektive. Die Gebühren sind mit 0,38 Prozent fair für diesen ETF, wobei dieser leider nicht sparplanfähig ist. Erhältlich ist der ETF bei Anbietern wie DEGIRO, flatex und Smartbroker.
Steuerliche Vorteile bringt ein thesaurierender ETF seit 2018 allerdings genauso wenig wie ein ETF, der Dividenden ausschüttet. Durch die Vorabpauschale unterstellen die Finanzbehörden eine pauschale Wertsteigerung als Bemessungsgrundlage und nehmen so eine jährliche Besteuerung vor. Bis zu dieser Reform konnten Anleger*innen bei thesaurierenden ETFS die Steuern stunden, da unmittelbar keine Gewinne ausgezahlt wurden. Bei thesaurierenden ETFs werden die anfallenden Dividenden von den ETF-Anbieter*innen in neue Aktien investiert, die dann prozentual auf die ETF-Anleger*innen aufgeteilt werden.
Sie können sich zudem die bei einem ausländischen ETF anfallende Quellensteuer nicht mehr auf Gewinne anrechnen lassen. Im Gegenzug erfolgt jedoch eine Teilfreistellung.
Leseempfehlung: Alles, was Sie über Aktien und Steuern wissen müssen
Chancen: attraktives Investment in Nullzinszeiten
In Zeiten sehr niedriger Zinsen profitieren Anleger*innen von hohen Ausschüttungen von Dividenden-ETFs. Ausschüttende Varianten sorgen für regelmäßiges Geld auf dem Depot-Konto.
Zusätzliche Renditen ergeben sich durch etwaige Kurssteigerungen der enthaltenen Dividenden-Aktien. Mit einem Dividenden-ETF sparen sich Anleger*innen das Zusammenkaufen von Einzelaktien mit Dividende.
Dividenden-ETFs erweisen sich in stürmischen Börsenzeiten im Vergleich zum Index als weniger verlustreich. Während der Finanzkrisen 2007/2009 verlor der S&P-500-Index bis zu 50 Prozent an Wert. Im Gegensatz dazu gingen Dividenden rund 20 Prozent zurück. Dividenden erleichtern die finanzielle Planbarkeit in der Rente.
Risiken: Wertschwankungen wie bei jedem anderen Aktien-Investment
Regelmäßige Ausschüttungen bringen zuverlässig Geld ins Depot. Bei Dividenden ETFs handelt es sich allerdings um ein Aktien-Investment mit allen dazugehörigen Anlagerisiken. Größere Wertschwankungen kann es und wird es immer wieder geben, wie der Corona-Crash im März 2020 deutlich machte.
Läuft der breite Markt gut, kann die Performance der Dividendentitel nicht mithalten – sie werden vor allem von den Wachstumsaktien abgehängt. Die meisten Dividenden ETFs umfassen weniger Aktien als ein breiter Aktienindex. Damit sind sie weniger diversifiziert.
Ein höheres Kostenrisiko ist vorhanden, denn die Gesamtkostenquote für die meisten Dividenden ETFs liegt bei 0,50 Prozent pro Jahr und höher. Marktbreite Index-ETFs kosten teilweise unter 0,2 Prozent jährlich.
Ergebnis der SWOT Analyse
Viele Dividenden-ETFs können rein von ihrer Performance nicht lange überzeugen. Klassische Index-ETFs sind wegen ihrer breiteren Streuung und den tendenziell niedrigeren Kosten meist die bessere Wahl.
Wer Wert auf ein solides und regelmäßiges monatliches Zusatzeinkommen legt, findet in Dividenden-ETFs aber eine mögliche Lösung. ETFs mit quartalsweisen Ausschüttungen lassen sich so kombinieren, dass dem Depot-Konto monatlich Geld zufließt. Aktuelle Ausschüttungsrenditen bewegen sich bei etwas unter 5 Prozent.
Für den klassischen Vermögensaufbau sind Index-ETFs mit Schwerpunkt Wachstumsaktien oft die bessere Wahl. Dividenden-ETFs sind sinnvoll, wenn mit dem Investment ein regelmäßiges passives Einkommen erreicht werden soll.