Lithium Aktien kaufen – Absturz oder Aufschwung in 2020?

Das Wichtigste in Kürze

Was man zu Lithium wissen muss

Lithium-Ionen-Akkus stecken in Smartphones, Computern und Elektroautos. Vor allem eine zunehmende Nachfrage nach Elektroautos könnte den Kurs von Lithium-Aktien stark ansteigen lassen. Denn mehr Elektroautos bedeutet auch mehr Nachfrage nach Lithium.

Lithium ist das leichteste aller Metalle, die es auf der Erde gibt – sozusagen das Gegenstück zu Platin und  Gold, die zu den schwersten Metallen zählen. Das, und natürlich noch weitere Eigenschaften des Rohstoffs, führen dazu, dass Lithium insbesondere in Akkus und Batterien verwendet wird. Da der weltweite Bedarf an leistungsstarken Batterien und Akkus in den nächsten Jahrzehnten immer weiter steigen wird, setzten Anleger in den letzten Jahren vermehrt auf Lithium Aktien. Seit Anfang 2018 brachen einige Aktienkurse jedoch regelrecht ein. Sollten Sie als Anleger daher jetzt Lithium-Aktien kaufen?

3 Lithium-Aktien mit Potenzial für 2020

Grundsätzlich empfiehlt es sich, insbesondere auf die Weltmarktführer zu setzen. Grund ist, dass diese über ausreichende finanzielle Mittel verfügen, um auch mal ein erfolgloses Projekt zu überleben. Gleichzeitig hat das Management in der Regel auch deutlich mehr Erfahrung als kleine Explorationsfirmen. Das Risiko ist im Gegensatz zu einem Investment in kleine Firmen also deutlich geringer. Bei den Weltmarktführern im Lithium-Abbau ist der Rohstoff teilweise nicht mal das Hauptprodukt.

Allerdings sind nicht alle Firmen an der Börse notiert. Tianqi Lithium gehört zu den wichtigsten Produzenten weltweit. Die Firma aus Sichuan hält rund ein Viertel am chilenischen Förderkonzern SQM und ist stark in Australien engagiert, aber leider nicht börsennotiert.

Es bleiben drei Aktien, die auch für Privatanleger interessant sein können. Darunter haben wir mit Varta einen Batteriehersteller aufgenommen. Er sollte auch vom Akku-Boom profitieren, wäre aber weniger von einem Preisverfall bei Lithium, einem Umstieg auf alternative Rohstoffe oder Umweltproblemen beim Abbau betroffen.

Albemarle Corporation (WKN: 890167, ISIN: US0126531013): Weltmarktführer aus den Vereinigten Staaten

Albemarle Corporation ist der Weltmarktführer im Lithium-Segment. Das Unternehmen kontrolliert ungefähr ein Drittel des globalen Lithium-Marktes. Die jährlichen Wachstumsraten liegen seit Jahren im positiven zweistelligen Bereich. Vor allem die erhöhte Nachfrage nach Lithium bescherte dem Unternehmen deutliche Gewinnsteigerungen. Auch in den kommenden Jahren dürfte der Gewinnanteil deutlich steigen.

Seit Dezember 2019 ist auch der Kurs auf der Überholspur. Innerhalb von drei Monaten stieg er um fast 40 Prozent. Doch das muss noch nicht bedeuten, dass die Aktien überbewertet ist. Ende 2017 lag der Kurs bereits bei 120,- Euro, ehe er zeitweise auf bis zu 55,- Euro fiel. Im Gegensatz zu vielen Firmen aus dem Bereich Wasserstoffaktien macht Albemarle außerdem Gewinne und zahlt eine Dividende.

 20162017201820192020 (e)
Umsatz in Milliarden USD2,6773,0723,375......
Ergebnisse je Aktie in USD (unverwässert, nach Steuern)4,530,496,40......
Dividende je Aktie in USD1,221,281,34(1,40)(1,47)

Umsatz und Dividende sind in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Beim Ergebnis je Aktie nach Steuern ist die Tendenz leider nicht so einheitlich. Sowohl verwässert wie auch unverwässert bewegte er sich vor allem seitwärts. Zuletzt hat der Konzern auch unter fallenden Lithium-Preisen gelitten. Sollten Elektroautos sich tatsächlich langfristig durchsetzen, würden mittelfristig vermutlich auch die Preise für Lithium wieder steigen – und damit auch die Gewinne von Albemarle.

Lithium Aktien kaufen Infografik: Wo das Erdöl des E-Zeitalters schlummert | Statista

Chile hat die größten Lithium-Reserven der Welt, aber Australien ist aktuell noch das wichtigste Förderland. (Quelle: statista.com nach Daten der USGS)

Albemarle will in Australien eine weitere Miene eröffnen. Das Land hat mittlerweile die südamerikanischen Staaten als Nummer 1 bei der Lithium-Förderung abgelöst, obwohl es bei den Reserven nur auf Platz vier liegt. Die Diskussion über Umweltschäden bei der Lithium-Förderung in Südamerika (siehe SWAT-Analyse) könnte Albemarle weiter helfen, denn wenn Batteriehersteller von ihren Lieferanten die Einhaltung von Umweltstandards verlangen, erhöht das die Kosten in Südamerika stärker als in Australien, wo jetzt schon hohe Anforderungen bestehen.

Allerdings ist Albemarle kein reiner Lithium-Förderer. Das Geschäft ist zwar sehr wichtig für das Unternehmen, aber nicht der einzige Geschäftszweig des Chemiekonzerns. Ein weiteres wichtiges Geschäftsfeld sind beispielsweise Flammschutzmittel auf Basis von Brom.

Die Aktie wird nicht nur in den USA gehandelt, sondern auch in Deutschland, darunter an der Lang & Schwarz Exchange in Hamburg. Sie lässt sich damit auch kostengünstig über den Discountbroker Trade Republic ordern.

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Sociedad Quimica Minera de Chile (SQM – WKN: 895007, ISIN: US8336351056): Chemiekonzern aus dem mit Abstand lithiumreichsten Land der Welt

Ebenfalls ein Weltmarktführer ist das chilenische Unternehmen Sociedad Quimica Minera de Chile (im Folgenden kurz SQM). Auch SQM beansprucht, Weltmarktführer zu sein. Auf lange Sicht gesehen, hat SQM wohl die besseren Voraussetzungen. Grund ist, dass Chile das mit Abstand lithiumreichste Land der Welt ist. Allerdings hat sich die Aktie von SQM auf einen Zeitraum von einem, drei, fünf und zehn Jahren jeweils schlechter entwickelt als die seines Konkurrenten Albemarle.

Lithium ist hier ebenfalls nur einer von mehreren Geschäftsbereichen, obwohl es mittlerweile der wichtigste Geschäftsbereich ist. Das Unternehmen stellt auch Düngemittel, Kalisalze, Industriechemikalien sowie Jod her.

Die SQM Aktie ist vom Hoch Ende 2018 bis Ende 2019 um mehr als 50 Prozent gefallen, hat sich dann allerdings bis Februar wieder erholt, ohne aber auch nur in die Nähe des alten Kurshochs zu kommen. Es ist also noch Luft nach oben. Die Vereinbarung von SQM mit der chilenischen Regierung, die Fördermengen bis zum Jahr 2025 deutlich auszuweiten, war auch eine Ursache für den starken Lithium-Preisverfall Anfang 2018. Der Abbau soll in den nächsten 7 Jahren um das 4-Fache erhöht werden. Dazu macht die Firma Gewinne und zahlt eine Dividende.

 20162017201820192020 (e)
Umsatz in Milliarden USD1,9522,1562,269......
Ergebnisse je Aktie in USD (unverwässert, nach Steuern)1,061,621,67......
Dividende je Aktie in USD0,831,631,06(1,00)(1,02)

Schwierig ist auch hier die Fokussierung auf wenige Abbaugegenden. Zumal die Firma jüngst eine Niederlage vor Gericht hinnehmen musste. Der oberste Umweltgerichtshof von Antofagasta gab Klagen gegen einen Umweltschutzplan für eine Miene statt. Dieser sei nicht ausreichend.

Paradoxerweise könnte diese Entscheidung das Unternehmen aber langfristig beflügeln. Die Käufer von Elektrofahrzeugen dürften Wert auf eine umweltverträgliche Herstellung ihrer Akkus legen.

Trotzdem bleibt die Aktie spekulativ. Ein weiterer Minuspunkt: Anleger können das Papier nicht direkt kaufen, sie erwerben nur ein Sponsored American Depositary Receipt (sponsored ADR).

Dieses Papier lässt sich ebenfalls sowohl über die wichtigsten deutschen Börsenplätze als auch außerbörslich an der Lang & Schwarz Exchange kaufen.

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Varta (WKN: A0TGJ5, ISIN: DE000A0TGJ55): Von einem Absturz der Lithium-Preise profitieren

Varta ist kein Lithium-Förderer, sondern ein Batterie- und Akkuhersteller. Interessant ist die Aktie vor allem dann, wenn man einen Verfall der weltweiten Lithium-Preise erwartet. Davon könnten nämlich die Hersteller von Akkumulatoren profitieren – und zu denen gehört Varta.

Die bekannten Batterien für den Haushalt sind allerdings keineswegs das Hauptprodukt. Zwar ist der Bereich Varta Consumer Electronics seit Mai 2019 wieder Teil des 2002 zunächst zerschlagenen und 2017 verschlankt an die Börse gegangenen Unternehmens, doch Geld verdient man vor allem mit Industriekunden. Was nicht bedeutet, dass nicht viele Endkunden Batteriezellen von Varta besitzen, die stecken beispielsweise in Apple AirPod-Kopfhörern.

Auffällig ist, dass die Aktie in den vergangenen Jahren oft wie ein Spiegelbild derer von Albemarle oder Orocobre wirkte. Allerdings mit einer höheren Volatilität. Nach dem Börsengang Mitte 2017 bewegte sich die Aktie zunächst ein halbes Jahr lang seitwärts, ehe sie ihren Kurs teilweise verfünffachte. Während Orocobre Anfang 2019 noch einmal deutlich zulegte, stürzte die Varta-Aktie ab und verlor fast die Hälfte des Wertes – womit sie Anfang Februar 2020 noch immer mehr etwa dreimal so viel Wert war wie 2017.

Allerdings ist der Wert nichts für schwache Nerven. Anfang Februar 2020 wurde er das Ziel von Leerverkäufern, zumal mit Apple ein wichtiger Kunde eine Gewinnwarnung veröffentlichte. Dann aber legte die Varta AG hervorragende Zahlen vor und stieg im Wert deutlich an.

 2017201820192020 (e)
Umsatz in Millionen Euro7,737,11......
Ergebnisse je Aktie in Euro (unverwässert, nach Steuern)0,420,66(1,19)(2,40)
Dividende je Aktie in Euro--(0,24)(0,53)

Die Basisdaten sind allerdings gut, das Unternehmen macht Gewinne und wächst deutlich. In den ersten neun Monaten des Jahres 2019 stieg der Umsatz von 198,9 Millionen Euro auf 242,8 Millionen Euro, der Gewinn vor Steuern (EBITDA) von 36,2 auf 61,0 Millionen Euro.

Gefährlich könnte eher das hohe Wachstum werden. Denn der Konzern investiert aktuell viel Geld, teilweise auch über Kapitalerhöhungen. Das birgt große Chancen, aber natürlich auch das Risiko eines Scheiterns. Außerdem könnte Großaktionär Montana Tech Components (Anteil fast 60 Prozent) Aktien verkaufen.

Lithium Aktien kaufen Infografik: Preisverfall bei Lithium-Ionen-Batterien | Statista

Sollten die Lithium-Preise deutlich anziehen, beispielsweise aufgrund höherer Umweltauflagen oder einer Marktbereinigung, müsste Varta mehr für die Rohstoffe zahlen und könnte die Preise wohl nicht sofort weitergeben. Setzt sich der Rückgang aber weiter fort, könnte der Konzern profitieren. Mittel- bis langfristig sollten auch bei steigenden Lithium-Preisen und fallenden Akku-Preisen die Zeichen für Varta gut stehen.

Auch die Aktie von Varta lässt sich über die Lang & Schwarz Exchange kaufen. Weil das Unternehmen aus Deutschland stammt, entfällt außerdem die Quellensteuer-Problematik für deutsche Anleger weitgehend.

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Lithium-ETF kaufen als Alternative zur Einzelaktie?

Wer den direkten Einstieg in Lithium Minen Aktien scheut, könnte auf einen LithiumETF zurückgreifen. Wir stellen zwei vor.

Gloxal X Lithium & Battery ETF (WKN: A143H3, ISIN: US37954Y8553)

Der Global X Lithium & Battery ETF (WKN: A143H3, ISIN: US37954Y8553) bildet den Solactive Global Lithium Index nach, der die gesamte Wertschöpfungskette von Rohstoffproduzenten bis hin zu Batterieproduzenten umfasst. Neben der oben vorgestellten Aktien enthält er beispielsweise auch Aktien des Elektronikkonzerns Samsung oder des Automobilherstellers Tesla. Aufgrund der breiteren Streuung ist das Risiko für Anleger hier deutlich geringer.

Allerdings ist die Gesamtkostenquote (TER) mit 0,75 Prozent für einen Indexfonds vergleichsweise hoch. Das ist aber wegen des geringeren Volumens und des niedrigeren Wettbewerbs zwischen den Fondsanbietern auch wenig verwunderlich.

Amplify Advanced Battery Metals and Materials ETF (WKN: A2JPGH, ISIN: US0321088058)

Im Gegensatz zum oben vorgestellten Indexfonds setzt dieser ETF (WKN: A2JPGH, ISIN: US0321088058) ganz auf Aktien aus dem Bereich Rohstoffgewinnung und -recycling. Dafür werden hier alle Batteriemetalle berücksichtigt, also auch Graphit, Nickel oder Mangan. Das birgt zusätzliche Risiken, beispielsweise wenn das umweltschädliche Schwermetall Kobalt Stück für Stück ersetzt wird. Dafür würde der Fonds aber weniger stark leiden, wenn statt Lithium doch ein anderer Rohstoff das Rennen machen sollte.

Die Kosten (TER) liegen mit 0,73 Prozent im Vergleich zu ETFs auf den DAX oder Gold-ETCs zwar ebenfalls hoch, allerdings 0,02 Prozentpunkte niedriger als bei Global X ETF.

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Zukunftsmarkt Lithium in der SWOT-Analyse

Kennzeichnend für alle vier vorgestellten Aktien ist ihre hohe Volatilität. Das liegt nicht zuletzt daran, dass bei Lithium-Aktien vor allem die Zukunft gehandelt wird. Die aktuellen Einnahmen sind gering, aber die Chancen sind groß. Wir nehmen deshalb Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken genau unter die Lupe.

Stärken: Öl des 21. Jahrhunderts

Egal ob Aktien oder ETF, Anleger sollten sich zunächst fragen, ob Lithium-Aktien überhaupt eine sinnvolle Geldanlage sind. Dafür spricht, dass Lithium in Batterien und Akkus nicht mehr wegzudenken ist. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Batterien immer mehr. Insbesondere im Fahrzeugsegment, vor allem bei E-Autos, sehen Experten einen regelrechten Boom für Lithium. Das Metall könnte sozusagen das Öl des 21. Jahrhunderts werden.

Fakt ist, dass bis dato weltweit nicht mal ein Prozent aller zugelassenen Autos E-Autos sind. Sollte dieser Wert in den nächsten Jahren auf 5 bis 7 Prozent steigen, so bedeutet das eine deutliche Steigerung der Nachfrage nach Lithium-Batterien. Gleichzeitig wird das Metall auch in anderen Geräten, wie Klimaanlagen, verwendet. Auf der anderen Seite kann der Abbau von Lithium nicht ohne Weiteres beschleunigt werden. Die Exploration und Aufbau einer Lithium-Mine dauert im Schnitt 4 bis 7 Jahre.

Schwächen: Rohstoffe sind ein schwieriges Geschäft

Wie bei allen Rohstoffen ist auch bei Lithium das Produkt weitgehend austauschbar. Das gilt erst recht, wenn das Metall mittelfristig an den Rohstoffbörsen gehandelt werden kann. Während Apple und Samsung für ihre Smartphones deutlich mehr verlangen können als beispielsweise Xiaomi, sind solche Extra-Renditen bei Rohstoffen schwierig. Gewinne lassen sich fast nur über Einsparungen bei den Kosten erhöhen.

Problematisch wird das, wenn der Preis für Lithium fällt, wie das beispielsweise in den vergangenen Jahren der Fall war. Viele Produzenten machen deshalb aktuell Verluste.

Hinzu kommt, dass das Erschließen von Rohstoffquellen mit großen politischen Risiken verbunden ist. In einigen Ländern ist es nicht einfach möglich, Rohstoffquellen zu erschließen. Oft werden inländische, teilweise staatliche Erzeuger bevorzugt und nicht selten spielt Korruption bei der Vergabe eine Rolle.

Beim Lithium kommt hinzu, dass sich ein großer Teil der weltweit leicht abbaubaren Vorkommen auf wenige Länder begrenzt.

Chancen: Gute Aussichten dank Energie- und Verkehrswende

Die große Bedeutung für Lithium als Grundstoff für Lithium-Ionen-Akkus ist bereits weitgehend eingepreist (siehe „Stärken“). Deutlich positiv überraschen dürften Lithium-Aktien vor allem, wenn die Erwartungen übertroffen oder zumindest eingehalten werden. Sprich, wenn die Elektromobilität nun tatsächlich Fahrt aufnimmt. Dazu könnte beispielsweise das Engagement der Volksrepublik China beitragen, die etwas gegen die schlechte Luft in ihren Großstädten tun will. Der Erfolg von Tesla zeigt, dass es hier große Chancen gibt.

Fallende Kosten für Speicherzellen könnten auch dafür sorgen, dass mehr Menschen ihren tagsüber selbst produzierten Strom speichern, um ihn abends oder bei bewölktem Himmel nutzen zu können. Mit einem weiteren Anwachsen der erneuerbaren Energien sind Speicherlösungen unbedingt notwendig.

Risiken: Kommt jetzt der Absturz?

Einige Beobachter sehen ein Risiko in den starken Anstiegen von Lithium-Aktien Anfang 2020 und erwarten einen Crash. Allerdings liegt der Kurs der meisten Papiere immer noch niedriger als vor drei Jahren. Zum Teil zu Recht, denn die Preise für den Rohstoff sind seitdem deutlich gefallen. Außerdem sind viele Aktien im Vergleich zu ihren Gewinnen nach wie vor hoch bewertet. Ob diese hohe Bewertung zum Problem wird, hängt von einigen anderen Risiken ab.

Alternative Antriebe

Die größte Gefahr für Lithium-Aktien sind alternative Energiespeicher, etwa Redox-Flow-Batterien. Dabei wird ein Stoff unter Energiezufuhr aufgespalten. Führt man beide Teile später wieder zusammen, entsteht Energie. So funktionieren auch auf Wasserstoff basierende Energiespeicher, die ebenfalls eine Alternative zu klassischen Batterien sind.

Es könnten aber auch alternative Grundstoffe verwendet werden. Lange Zeit war Kobalt für Lithium-Ionen-Akkus unverzichtbar, doch jetzt sieht es so aus, als habe man das Schwermetall ersetzen können.

Politische Risiken

Vor allem an den Umweltfolgen des Abbaus von Lithium ist viel Kritik laut geworden ist. Die Gewinnung von Lithium in Australien setzt viel CO2 frei. Der in Südamerika betriebene Abbau wird dagegen dafür verantwortlich gemacht, zu viel Grundwasser zu entziehen. Das ist nicht nur für umweltbewusste Anleger ein bedenkenswerter Punkt, sondern auch unter ökonomischen Gesichtspunkten wichtig. Es könnte dazu führen, dass anderen Technologien oder Rohstoffen der Vorzug gegeben wird.

Viele Medien, vom Deutschlandfunk über die Frankfurter Rundschau bis zu Pro7, berichteten jüngst über „Die dunkle Seite des Lithiumabbaus“, „Wasserraub“ und „Todesopfer der Energiewende“. Oft bezogen sich die Beiträge auf eine ZDF-Reportage mit dem Titel „Der wahre Preis der Elektroautos“. Wie das Fachmagazin Edision aufdeckte, sind viele dort aufgestellten Behauptungen zwar übertrieben, der Grundwasserverbrauch beispielsweise viel niedriger. Doch der Fachartikel blieb – im Gegensatz zu den Beiträgen der großen Zeitungen und Fernsehsender – weitgehend unbeachtet.

Zudem ist unumstritten, dass die Lithium-Förderung Wasser verbraucht, wenn auch deutlich weniger als oft behauptet. Die Fördergesellschaften werden Wege finden müssen, die Umweltgefahr zu reduzieren und gleichzeitig einen Mehrwert für Menschen in den Förderländern zu schaffen – und das auch medial deutlich zu machen. Sonst steigt der Druck auf die Batteriehersteller, Lithium zu ersetzen.

Auch Verstaatlichungen sind denkbar. So erging es beispielsweise einst der Erdölindustrie in vielen Staaten, beispielsweise der saudischen Aramco.

Mehr Chancen oder Risiken bei Lithium-Aktien?

Für Lithium-Aktien gilt das Gleiche, das für fast jede Geldanlage gilt: Wo hohe Chancen sind, gibt es auch hohe Risiken. Lithium-Aktien sollten deshalb nur ein Baustein in einer umfangreichen Strategie sein.

Weil den meisten Menschen das Kapital fehlt, um direkt mit Aktien ein breit gestreutes Portfolio anzulegen, sollten sie entweder ETFs oder Fonds kaufen, um eine breite Streuung zu schaffen, beispielsweise auf den MSCI World All Countries.

Allerdings ist auch dieser nicht so breit gestreut, wie viele Anleger hoffen. Beispielsweise beträgt das Gewicht der Schwellenländer nur etwas mehr als zehn Prozent, das ist weniger als auf die großen Tech-Giganten Alphabet (Google), Amazon, Apple, Facebook und Microsoft entfällt. Insgesamt haben US-Aktien ein Gewicht von mehr als 50 Prozent.

Eine Alternative kann eine automatisierte Vermögensverwaltung sein. Dabei sucht ein Robo Advisor passende Wertpapiere, die kostengünstig sind, zukunftsträchtig und vor allem eine breite Streuung bieten.

So ein Depot kann die Basis für gezielte Investitionen sein, wie beispielsweise in Lithium-Aktien.

Top 5 Robo Advisor

Sie riskieren Ihr Kapital

Alternativen zu Lithium-Aktien

Lithium ist nicht die einzige Technologie mit Potenzial. Im Zusammenhang mit der Energie- und Verkehrswende wird oft auch Wasserstoff genannt. Wasserstoff-Aktien haben sich im Jahr 2019 hervorragend entwickelt. Das aber birgt auch Risiken. Unklar ist, ob die Rallye weiter geht oder ob es nicht schon Zeit zum Aussteigen ist. Mehr Informationen dazu haben wir in unserem Beitrag zu Wasserstoff-Aktien zusammengestellt.

Ein großes Problemfeld, das auch beim Lithium-Abbau eine Rolle spiel, ist Wasser. Steigender Wohlstand und eine wachsende Weltbevölkerung erhöhen die Nachfrage, die schon jetzt teilweise kaum befriedigt werden kann. Hier haben Firmen Zukunft, die moderne Verfahren in der Wasseraufbereitung anbieten können, sei es durch die Reinigung von Schmutzwasser oder die Meerwasserentsalzung. Mehr dazu im Beitrag über Wasser-Aktien.

Nicht nur der Wasserverbrauch steigt, auch die Nachfrage nach Nahrungsmitteln. Außerdem wird das Thema Gesundheit immer wichtiger. Davon profitieren Unternehmen aus dem Bereich Biotechnologie. Welche Wertpapiere dort Potenzial haben, haben wir im Artikel zu Bio-Tech-Aktien untersucht.

Fazit

Die Nachfrage nach Akkus auf Lithium-Basis dürfte für eine steigende Nachfrage sorgen. Daran wird vermutlich auch ein möglicher (Wieder-)Aufstieg von Wasserstoff als Energiespeicher nichts ändern. Allerdings bedeutet steigende Nachfrage nicht auch steigende Gewinne. Einmal gibt es da politische Risiken. Außerdem ist die steigende Nachfrage zum großen Teil bereits im Preis mit inbegriffen. Trotzdem bieten die Aktien viele Chancen – bei gleichzeitig hohen Risiken. Lithium-Aktien sollten deshalb nur ein Baustein in einer breit aufgestellten Geldanlage-Strategie sein.