Geld anlegen Zinsen: Wahl zwischen Pest und Cholera

Wer Geld anlegen und Zinsen kassieren will, hat es aktuell schwer. Denn die Zinsen für sichere Geldanlagen liegen mittlerweile unter der Inflationsrate. Was tun? Wir haben uns umgesehen und dabei Lösungen sowohl für jene gesucht, die auf keinen Fall Geld am Aktien- oder Immobilienmarkt anlegen wollen als auch für jene, die ein geringes Risiko bereit wären einzugehen.

Geld anlegen Zinsen im Überblick:

  • Zinsen oberhalb der Inflationsrate nur für riskante Anlagen
  • Alternativen zum Festgeld
  • Über ETFs nachdenken
  • Automatisierte Vermögensverwaltung als Dritter Weg

Wo gibt es noch gute Zinsen?

Es gibt noch Zinsen oberhalb der Inflationsrate. Staatsanleihen der Republik Senegal mit Fälligkeit am 13.3.2028 schütten jährlich 4,75 Prozent Zinsen aus (ISIN: XS1790104530, WKN: A19XN0). Steht der Kurs der Anleihe unter 100 Prozent, kommen noch Kursgewinne hinzu, denn zurückgezahlt wird eine Anleihe immer zum Nennwert.

Allerdings sind hier auch die Risiken höher. Immer wieder gab es in den vergangenen Jahrhunderten Staatsschuldenkrisen. Sollte die Republik Senegal zahlungsunfähig werden, kann die Rückzahlung ganz ausfallen. Hohe Verluste haben beispielsweise Gläubiger argentinischer Staatsanleihen gemacht, als die Regierung des südamerikanischen Landes vor rund 20 Jahren die Rückzahlung einstellte. Immerhin ist die senegalesische Anleihe mit der WKN A19XN0 in Euro notiert. Bei Papieren in US-Dollar kommt nämlich noch ein Wechselkursrisiko hinzu.

Geldanlage Schwellenland

Anleihen von Schwellen- und Entwicklungsländern bringen noch vergleichsweise hohe Zinsen – bergen aber auch Risiken.

Bei Unternehmensanleihen gilt das Gleiche wie bei Staaten. Wenn die Rückzahlung relativ sicher ist, sind die Zinsen niedrig – und liegen auch hier mittlerweile oft unter der Inflationsrate. Hohe Zinsen bedeuten hohe Risiken. Was tun?

Erster Schritt: Sicherheitsbedürfnis klären

Im ersten Schritt müssen Anleger deshalb sich selbst darüber klar werden, wie hoch ihr Sicherheitsbedürfnis ist. Wer nicht schlafen kann, sobald die Rückzahlung seines Geldes auch nur geringfügig in Gefahr ist, der muss bei Sparkonten bleiben. Idealerweise sollte der Sitz der Bank in einem großen und stabilen EU-Land sein, idealerweise in Deutschland selbst.

Ähnliches gilt, wenn das Geld schon bald gebraucht wird. Auch dann sind Aktien oder auch Anleihen keine gute Wahl, denn sie können im Preis schwanken. Anleihen werden zwar im Regelfall zum Nennwert zurückgezahlt, dass ändert aber nichts daran, dass bis dahin auch ihr Preis schwankt. Eine lange laufende Anleihe sinkt im Kurs, wenn die Zinsen steigen, weil die Sparer dann ihr Geld höher verzinst anlegen können.

Wer kurzfristig anlegt oder sehr sicherheitsorientiert ist, für den ist unser Vorschlag 1 gedacht.

Andere Anleger schrecken vor Aktien zurück, sind aber bereit ein kleines Risiko einzugehen. Sie finden verschiedene Angebote, beispielsweise Festgeldkonten ausländischer Banken, Anleihen oder auch Kreditportale wie auxmoney. Bedingung ist, dass das Geld mittel- bis langfristig angelegt wird.

An diese Klientel richtet sich unser Vorschlag 2

Wer sein Geld für fünf Jahre oder länger anlegt und bereits ist ein kleines Risiko einzugehen, der kann auch ein breit aufgestelltes und gut diversifiziertes Depot anlegen. In diesem liegen nicht nur Aktien, sondern auch Anleihen und je nach Risikoneigung wird nur ein kleiner oder ein etwas größerer Teil dort angelegt.

Wer kein Problem mit einem noch höheren Risiko hat, der findet Informationen in unserem Beitrag In was investieren?

Unser Vorschlag 3 ist immer noch relativ sicherheitsorientiert, aber risikoreicher als die übrigen beiden.

Für jene, die sich zur zweiten oder dritten Gruppe rechnen, aber keine Zeit in den Aufbau eines entsprechenden Depots investieren wollen, für die ist unsere Alternative interessant, ein durch einen Robo Advisor verwaltetes Depot.

Unsere Vorschläge zum Geld anlegen.

Grundsätzlich bauen die drei Vorschläge aufeinander auf. Alle Anleger sollten einen Teil des Geldes so anlegen, wie Vorschlag 1 beschrieben. Je nach Risikoneigung kann ein weiterer Teil des Geldes entsprechend Vorschlag 2 und gegebenenfalls entsprechend Vorschlag 2 und 3 angelegt werden.

Vorschlag 1: Nur kein Risiko eingehen

Vernünftig ist das Vermeiden jedes Risikos vor allem dann, wenn das Geld nur kurzfristig angelegt wird und man es schon bald für eine andere Investition benötigt, beispielsweise ein neues Esszimmer, ein Haus oder eine PV-Anlage. Aber auch wem schon ein kleines Risiko schlaflose Nächte bereitet, der sollte diesen Weg wählen. Zwar schnitten Anleger in der Vergangenheit bei einem vernünftigen Risikomanagement fast immer besser ab, wenn sie einen Teil in Aktien investierten. Aber schlaflose Nächte sind ein zu hoher Preis für etwas mehr Rendite.

Geldanlagen in Deutschland sind sehr, sehr sicher. Grundsätzlich sind in allen EU-Ländern Einlagen bis 100.000,- Euro vollständig durch die nationalen Sicherheitseinrichtungen geschützt, aber eine Pleitewelle könnte viele Staaten überfordern. Als besonders sicher gelten beispielsweise Deutschland, die Niederlande und Österreich.

DKB Webauftritt

So präsentiert sich DKB auf seiner Webseite

Allerdings müssen Kunden sich darauf einstellen, dass ihre Zinsen dort unterhalb der Inflationsrate liegen werden. Ein bisschen Geld sollte trotzdem auf dem Tagesgeldkonto liegen, falls einmal unerwartete Ausgaben anfallen. Beispielsweise weil die Waschmaschine kaputt geht oder man den Geburtstag der Schwiegermutter vergessen hat.

Festgelder wenig attraktiv

Festgelder sind dagegen kaum noch attraktiv. Das Problem: Sollten die Zinsen mittelfristig wieder ansteigen, bleiben Gelder trotzdem gebunden. Fairerweise muss man sagen, dass es ähnliche Vorbehalte gegen Festgeld auch von vor rund zehn Jahren gab, als die Zinsen wegen der Finanzkrise fielen. Wer damals Geld zu 3,0 Prozent anlegte hat trotzdem Glück gehabt, denn die Zinsen fielen noch weiter.

Aktuell ist es aber schwer vorstellbar, wie die Kurse noch weiter fallen sollten. Eine attraktive Alternative zum Festgeld bietet aktuell die DKB Bank. Dabei wird Geld auf maximal fünf Jahre festgelegt. Im Gegensatz zu Festgeldern ist das Guthaben aber mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten jederzeit verfügbar. Steigen die Zinsen, lässt sich das Guthaben jederzeit abheben. Bleiben sie gleich oder fallen sie, lässt man es auf dem Konto liegen und wird dafür mit steigenden Zinsen belohnt.

Das ist nicht nur aus finanzieller Sicht attraktiv. Selbst wenn die Zinsen stagnieren sind sie für Festgeld in nur so geringem Maße höher, dass sich die geringe Flexibilität nicht lohnt. Warum für ein oder zwei Euro mehr Zinsen auf die Möglichkeit verzichten, in zwei oder drei Jahren das Geld auszugeben? 

Vorschlag 2: Ein klein bisschen Risiko

Etwas risikoreicher sind unsere weiteren Möglichkeiten. Dienstleister wie Weltsparen vermitteln Tages- und Festgelder bei internationalen Banken. Dort sind die Zinsen teilweise höher, liegen aber immer noch deutlich unter der erwarteten Inflationsrate von 2,0 Prozent. Einzige Ausnahme sind Konten in Fremdwährungen wie der Norwegischen Krone oder dem US-Dollar. Dabei sollten Anleger aber das Wechselkursrisiko nicht außer Acht lassen. Fällt der US-Dollar, verliert der Sparer Geld.

WeltSparen

Festgeld über WeltSparen

Eine weitere Alternative ist die Direktanlage über Portale wie auxmoney. Dabei wird das Geld direkt an bestimmte Kreditnehmer vergeben. Lediglich für die Abwicklung wird noch eine Bank benötigt. Die Zinsen sind hier höher, allerdings verlieren Kunden Geld, wen der Schuldner zahlungsunfähig wird. Das Risiko ist also höher als bei einem klassischen Bankguthaben. Obwohl die Mindestanlagesumme nur 25,- Euro beträgt, sollten Anleger mindestens 1.000,- Euro investieren. Denn nur dann lässt sich das Risiko ausreichend breit streuen.

Investieren mit Anleihen

Eine breite Streuung ist auch beim Kauf von Anleihen wichtig. Am einfachsten geht das mit einem börsennotierten Fonds, einem ETF (von englisch Exchange Traded Fund). Er bildet oft einen Index ab. Auch hier müssen Anleger aber auf die Währung achten. Die meisten Anleihen ETFs sind nämlich in US-Dollar notiert, beispielsweise der SPDR Emerging Markets Government Bond ETF (ISIN:  IE00BP46NG52, WKN: A119P6). Das bietet die Chance auf Extragewinne bei einem steigenden US-Dollar, gleichzeitig aber auch das Risiko eines fallenden Dollar.

Mehr Sicherheit bietet dagegen der ComStage iBoxx EUR Sovereigns Germany Capped ETF (ISIN: LU0444607005, WKN: ETF523), der in Euro notiert ist und deutsche Staatsanleihen kauft.

Erwerben lassen sich solche Fonds über jeden Broker, beispielsweise die Consorsbank oder die bereits erwähnt DKB Bank.

Vorschlag 3: Risikobewusst anlegen

Ein kleiner Anteil von Aktien tut fast jedem Depot gut. Statt Einzelaktien bieten sich auch hier ETFs an, am besten solche die einen internationalen Index abbilden. Denn so können Anleger ihr Risiko breit streuen. Wer beispielsweise einen ETF auf den MSCI All Countries World Index (MSCI ACWI) kauft, investiert in die wichtigsten Firmen aus Industrie- und Schwellenländern. Wobei auch hier rund 50 Prozent des Indexwertes aus Firmen aus den USA entfallen, nur zehn Prozent auf solche aus Schwellenländern. Es kann daher sinnvoll sein, gezielt weitere ETFs aus anderen Weltregionen wie Europa oder Asien oder weitere Schwellenland-ETFs hinzuzufügen.

 

Dow Jones

Nachteil der meisten internationalen Börsenbarometer: Aufgrund der großen wirtschaftlichen Bedeutung der USA sind sie sehr stark von US-Unternehmen geprägt .

Wer so investiert, ist über einen Zeitraum von zehn Jahren fast nie im Minus. Erst recht nicht, wenn er nicht alles Geld auf einmal investiert, sondern mit Hilfe eines Sparplans stetig Aktien kauft. Dann streut er nämlich auch hier das Risiko.

Wo investieren?

Für ETFs, egal ob sie Anleihen oder Aktien enthalten, benötigt man einen Broker. Denn die Papiere werden über die Börse gekauft, wie der Name Exchange Traded Funds schon verrät. Wer das von uns vorgestellte Zuwachssparen der DKB Bank nutzt, kann dort auch ein Depot einrichten. Das ist praktisch, denn je mehr Banken man nutzt, desto mehr Passwörter muss man sich merken und umso mehr TAN-Listen braucht man. Die Kosten liegen bei der DBK Bank mit rund zehn Euro in einem ähnlichen Rahmen wie bei allen großen Anbietern. Hier geht's zur DKB Bank.

Auch die Consorsbank verlangt ähnlich hohe Gebühren. Allerdings macht sie Neukunden im ersten Jahr oft besondere Angebote in Form von niedrigeren Ordergebühren oder hohen Tagesgeldzinsen – oder beidem. Das können Anleger nutzen, um das Geld zunächst auf dem Tagesgeldkonto zu parken und dann übers Jahr verteilt zu investieren. So lässt sich das Risiko senken kurz vor einer Kurskorrektur alles zu investieren.

Consorsbank Logo

Alternative: Robo Advisor

Geld anlegen ist nicht schwer, aber ein bisschen Aufwand ist damit schon verbunden. Wer dazu keine Lust hat, der kann sein Geld auch von einem Vermögensverwalter betreuen lassen. Der investiert das Geld nach den Risikovorgaben der Kunden. Traditionelle Anbieter wie die Berenberg Bank oder die Fürstlich Castell’sche Bank verlangen aber meist hohe Guthaben. 5.000,- Euro kann man dort nicht anlegen.

Cominvest Robo Advisor Test

Schon ab 3.000,- Euro lässt sich Geld bei Cominvest anlegen.

Anders sieht es bei automatisierten Vermögensverwaltungen aus. Sie nutzen einen Algorithmus, einen sogenannten Robo Advisors, für die Auswahl der Wertpapiere. Der sucht die zum Risikoprofil des Kunden passenden ETFs. Also je nach Risikoneigung vor allem Anleihen- oder vor allem Aktien-ETFs. Auch auf die Streuung über verschiedene Regionen und Branchen wird dabei geachtet.

Schon ab 3.000,- Euro können Kunden bei Cominvest, dem Robo Advisor der Comdirect Bank, ihr Geld anlegen. Der Vorteil hier: Ein Expertenteam prüft alle Vorschläge des Algorithmus. Wem das nicht reicht, der kann sie sich auch direkt vorlegen lassen. Bei der Variante “Wir gemeinsam” werden die Vorschläge nur umgesetzt, wenn der Kunde sie ausdrücklich genehmigt.

Das Verfahren eignet sich für alle, die sich auch mit unseren Vorschlägen 2 und 3 anfreunden konnten. Nur für ganz besonders risikoscheu Anleger oder die kurzfristige Geldanlage ist der Robo Advisor keine Alternative.

Fazit

Bei der Suche nach Begriffen wie “Geld anlegen Zinsen” werden Kunden oft vor allem Aktien als Alternative vorgeschlagen. Aber nicht für alle Anleger ist das auch die passende Wahl. Wer sich traut, kann mit einem breit gestreuten Aktienportfolio tatsächlich seine Renditechancen bei vergleichsweise geringem Risiko erhöhen (Vorschlag 3). Wem das aber immer noch zu riskant ist, der kann auf Anleihen-ETFs zugreifen oder Festgelder im Ausland nutzen. Sehr sicherheitsbewusste Sparer müssen dagegen akzeptierten, dass ihr Guthaben nach Abzug der Inflation kleiner werden wird. Wer sich nicht selbst um die Geldanlage kümmern will, der findet mittlerweile gut funktionierende Robo Advisor.

 

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