Aktiendepot richtig diversifizieren und absichern

Aktiendepots richtig diversifizieren » Die besten Tipps für 2018

Aktiendepots richtig diversifizieren

Eine ausreichende Diversifikation von Aktiendepots gilt bei vielen Finanzexperten als die Grundlage für ein erfolgreiches Investment in Aktien. Auch die renommierte Frankfurter Allgemeine hebt in ihrem Essay „Ein Lehrgang: Aktien für Einsteiger“ die Wichtigkeit der Diversifizierung hervor.

  • Viele deutsche Aktiendepots bestehen dagegen in der Regel aus nur einer oder vier Aktien.
  • Sinken dort die Kurse, dezimiert sich das eingesetzte Kapital in Sekundenschnelle.
  • Die Folge davon ist, dass viele Anleger solche Erfahrungen als „normal“ verbuchen und Aktienanlagen wegen des „zu hohen Risikos“ meiden.

Tatsächlich haben sie den Kapitalverlust selbst zu verantworten. Im Rahmen eines guten Risikomanagements und bei ausreichender Diversifikation des Portfolios lassen sich solche deutlichen Verluste in der Regel vermeiden.

Wie funktioniert Diversifikation?

Bei der Diversifikation geht es im Prinzip darum, das unsystematische Risiko zu verringern. Der Anleger kauft also Aktien von verschiedenen Unternehmen, um zu verhindern, dass sein Kapital stark in Mitleidenschaft gezogen wird, wenn der Kurs einer Aktie stark fällt. Zugleich ist eine ausreichende Diversifikation allerdings noch etwas komplizierter, denn in der Regel hängen Unternehmen auf unterschiedliche Arten miteinander zusammen oder teilen das gleiche Risiko. So können beispielsweise Energie-Konzerne von neuen Gesetzen oder Ölpreisänderungen empfindlich getroffen werden. Dies gilt dann jedoch für die gesamte Branche und nicht nur ein einzelnes Unternehmen. Genauso wirkt sich eine schwächelnde Konjunktur in einem Staat häufig auf fast alle Aktiengesellschaften aus. Es ist ebenso möglich, dass zwei Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen als Zulieferer von einem Konzern von dessen Krise besonders betroffen sind. Es gibt also verschiedene Faktoren, die sich auf den wirtschaftlichen Erfolg von mehreren Unternehmen auswirken können. Nur wer diese Risiken möglichst ausgleicht, kann davon sprechen, dass er sein Aktiendepot ausreichen diversifiziert hat.

Für eine gute Risikostreuung ist es nicht entscheidend, wie viele Aktien im Portfolio sind, sondern um welche es sich handelt. Unternehmen hängen auf unterschiedliche Arten miteinander zusammen, sodass sich einige Faktoren auf viele Aktiengesellschaften gleichzeitig auswirken können.

Maßstab für Diversifikation: Korrelation

Werden die historischen Kursentwicklungen von zwei Unternehmen miteinander verglichen, kann daran abgelesen werden, wie sehr sie zusammenhängen. In der Regel überprüfen Analysten dies an Rendite, Risiko und Kovarianz.

  • Je geringer die Korrelation ist, umso weniger ähneln sich die Kursverläufe der Aktie und umso mehr wären beide Aktien zur Risikodiversifizierung geeignet.
  • Die Korrelation kann dabei Werte zwischen +1 und -1 annehmen.

Die Volkswirtschaften und Branchen der verschiedenen Staaten hängen inzwischen so stark zusammen, dass es kaum Aktienmärkte innerhalb der westlichen Welt gibt, die untereinander einen negativen Korrelationskoeffizienten aufweisen. In der Regel schwankt dieser hingegen zwischen 0,4 und 0,8.

Als Risikodiversifizierung gelten allerdings alle Aktien, deren Korrelation kleiner als eins ist, sodass sie dennoch für die Streuung geeignet sind.

Grundsätzlich beobachten Analysten, dass die Korrelation zwischen den einzelnen Aktientiteln im Zuge der Globalisierung immer stärker zunimmt. Inzwischen hängt die Weltwirtschaft auf vielfältige Art und Weise zusammen und die Auswirkungen aus anderen Ländern werden in jedem Staat deutlicher spürbar, als es noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war. Es wird also schwieriger, eine umfangreiche Risikostreuung zu erzielen.

Der Korrelationseffizient gibt an, wie ähnlich sich die Aktienkurse von zwei Unternehmen entwickeln.

Wie sich Diversifikation auswirkt

Der Einfachheit halber sein an dieser Stelle zwei Aktien angenommen – bei der ersten Aktie handelt es sich um das junge IT-Start-Up mit einer Renditechance von 10 Prozent und einem Risiko von 14 Prozent. Die zweite Aktie stammt hingegen von einem alteingesessenen DAX-Unternehmen mit einem geringen Risiko von 4 Prozent und einer Rendite von 6 Prozent. Würde sich der Anleger für eine der Aktien entscheiden, könnte er entweder vom geringeren Risiko des Dax-Unternehmens oder von der hohen Renditeerwartung des Startups profitieren, müsste aber auch jeweils den Nachteil in Kauf nehmen. Eine bekannte Grundlage der Geldanlage ist ja, dass es keine Rendite ohne Risiko gibt.

Entscheidet sich der Anleger nun allerdings, sein Kapital genau zwischen den beiden Aktien aufzuteilen, hat er nun ein Risiko von 9 Prozent und eine Renditeerwartung von 8 Prozent. Entscheidet er sich hingegen dazu, einen größeren Anteil von 70 Prozent seines Kapitals in das DAX-Unternehmen zu stecken und nur für 30 Prozent Start-Up-Aktien zu erwerben, liegt sein Risiko bei 7 Prozent und seine Renditeerwartung würde 7,2 Prozent betragen. Damit läge die Renditeerwartung sogar oberhalb des Risikos. Bei den einzelnen Aktien ist dies niemals der Fall. Zwischen zwei Aktien gibt es also eine Gewichtung der einzelnen Positionen, in denen das Verhältnis von Rendite und Risiko optimal ist.

  Aktie 1 Aktie 2
100 Prozent je Aktie 10 Prozent/14Prozent 6 Prozent/4 Prozent
50 % je Aktie 8 Prozent Rendite und 9 Prozent Risiko
30 % Aktie 1/ 70 % Aktie 2 7,2 Prozent Rendite  und 7 Prozent Risiko

 

Allerdings ist diese Rechnung stark vereinfacht, da sie nur dann gilt, wenn es zwischen beiden Wertpapieren überhaupt keine Korrelation geben würde. Prinzipiell wäre es beispielsweise möglich, dass beide Unternehmen aus der gleichen Branche stammen und so auch von ähnlichen Faktoren beeinflusst werden würden. Es ist also wichtig, den Korrelationseffizienten auch zu betrachten, damit die Diversifikation tatsächlich funktioniert.

Die Kombination aus zwei Wertpapieren mit stark unterschiedlichem Risiko und abweichender Rendite kann bei sinnvoller Gewichtung dazu führen, dass das Verhältnis zwischen Risiko und Rendite deutlich besser wird.

Ist eine Diversifikation immer sinnvoll?

Es gibt bestimmte Anlagestrategien, bei denen Diversifikation sogar nicht erwünscht ist. Sie gilt auch als „Gleichmacher“, der letztlich dazu führt, dass die Rendite geschmälert wird und zumindest den Markt nicht mehr schlagen kann. Bei Aktiendepots, in denen nicht ein außergewöhnlich hohes Risiko gegangen wird, achten die Anleger jedoch dennoch darauf, so viel zu diversifizieren, wie es möglich ist. Zumindest eine geeignete Aufteilung des Kapitals gehört auch hier immer zu den wesentlichen Bestandteilen der Strategie.

Allerdings ist selbst unter den Anhängern derselben Idee keine Einigkeit. So schwört beispielsweise der Star-Investor Warren Buffett darauf, dass zu viel Diversifikation der Performance schadet und verteilt ein Großteil seines Kapitals in der Regel auf fünf Positionen, die er teilweise jahrzehntelang hält. Sein Lehrer, Benjamin Graham, war hingegen Fan von größerer Diversifikation. Die meisten Privatanleger stehen allerdings vor dem folgenden Dilemma: Prinzipiell wäre es möglich, mit wenigen sorgfältig ausgewählten Aktien eine bessere Rendite zu erzielen – andererseits verfügt wohl kein Privatanleger über das Wissen und die Analysemöglichkeiten eines Warren Buffetts, dessen zahlreiche Mitarbeiter innerhalb eines Tages deutlich mehr Einblick in die Unternehmenszahlen und –führung gewinnen können, als ein einzelner Anleger in seiner jährlichen Freizeit.

Unumstritten ist jedoch ebenfalls, dass es nicht sinnvoll ist, eine zu umfangreiche Diversifikation zu betreiben. Wer einen Depotwert zwischen 10.000 und 20.000 Euro auf mehrere Dutzend Aktien verteilt, übertreibt die Streuung. Hier würden sich andere Finanzprodukte wie Fonds oder ETFs wesentlich ehr anbieten. Allerdings ist hier auch Vorsicht geboten: Nicht jedes Angebot ist ausreichend diversifiziert. Außerdem besteht bei Anlegern, die gleich mehrere Fonds oder ETFs kaufen, die Gefahr, dass sie unbewusst Klumpenrisiken eingehen. Häufig sind einzelne Branchen oder Unternehmen in mehreren Produkten übergewichtet und dieser Effekt kann sich durch mehrere Produkte noch verstärken. Anleger müssen also auch hier überprüfen, wie die einzelnen ETFs oder Fonds diversifiziert sind.

Wie sehr muss ein Aktiendepot diversifiziert werden?

Eine eindeutige Antwort ist hier nicht möglich, da sie immer davon abhängt, welche Strategie der Anleger verfolgt. Zudem besteht durchaus die Option, Aktienanlagen durch andere Finanzprodukte wie Zertifikate oder CFDs abzusichern. Dies erfordert jedoch in der Regel etwas mehr Beschäftigung und Risikofreude, als durchschnittliche Anleger aufzubringen bereit sind. Es ist jedoch möglich, ein Aktiendepot ganz ohne Diversifikation „sicher“ zu gestalten und eine Streuung der Aktientitel ist nur eine Möglichkeit, das Risiko zu minimieren.

Positionsgrößenbestimmung als wichtiger Faktor

Wer sich für eine oder mehrere Aktien entschieden hat, muss sich auch darüber im Klaren sein, wie groß das Risiko sein soll, dass er mit dem entsprechenden Wertpapier eingehen möchte. Eine Möglichkeit, ein gutes Verhältnis zu bestimmen, ist sicherlich, die Korrelation zu bestimmen und auf der Grundlage von Renditechance und Risiko zu entscheiden, welche Positionsgröße sinnvoll ist. Allerdings wird die Berechnung so umso komplizierter, je mehr Aktien sich im Depot befinden. In der Regel ist es deswegen völlig ausreichend, das Risiko auf das gesamte Portfolio zu beziehen.

Zuerst muss der Anleger sich klar machen, welchen Anteil an seinem Kapital er für die spezifische Aktie bereit wäre zu verlieren. Diese Entscheidung sollte er vor allem vom Risiko und weniger von der Renditeerwartung abhängig machen. Im Rahmen des Moneymanagements wird in der Regel die Empfehlung ausgegeben, nicht mehr als 1 Prozent des Gesamtkapitals je Position zu riskieren. Privatanleger können dies leicht mit dem Setzen eines Stop-Loss kontrollieren. Nur wenn der Verlustbetrag, der entstehen würde, würde das Stop-Loss ausgelöst werden, dieses eine Prozent des Gesamtkapitals nicht übersteigt, ist das Risiko der Aktie richtig gewichtet. Natürlich muss das Stop-Loss auch weit genug entfernt vom Kurs sein, dass es nicht nur bei leichten Schwankungen zum Tragen kommt. In diesem Falle hätt der Anleger es zu eng gesetzt und würde einen unnötigen Verlust verzeichnen müssen.

Im Rahmen bestimmter Strategien kann es natürlich sinnvoll sein, mehr Risiko einzugehen. Für Einsteiger ist 1 Prozent dennoch ein guter Wert. Wer gerade erst mit dem Aktienhandel beginnt, sollte das Risiko gering halten, falls er nicht von vornherein mit dem Gedanken an die Börse geht, sein Kapital als Lehrgeld zu riskieren.

Branchen oder Länder – wie diversifizieren?

Der Korrelationskoeffizient von verschiedenen Aktien bleibt nicht immer gleich, sondern kann sich wie die Kursverläufe auch stetig ändern. In der Regel sind die Korrelationswerte zwischen den einzelnen Branchen stabiler als die zwischen unterschiedlichen Staaten. Einzelne Länder weisen im Vergleich zu den verschiedenen Branchen ein höheres Risiko auf. Eine Länderdiversifikation ist auch aufgrund der Globalisierung nicht mehr so vorteilhaft wie noch vor einigen Jahrzehnten. Stattdessen gibt es inzwischen viele weltweit aktive Unternehmen, bei denen sich die Bedingungen im Heimatland immer weniger auf die gesamte wirtschaftliche Lage auswirken.

Deswegen gilt es inzwischen sinnvoller, Branchen bei der Risikostreuung eine größere Beachtung zu schenken als den Ländern. Natürlich sollten Anleger dennoch Besonderheiten wie Unternehmen aus Schwellenländern oder globale Konzerne beachten. Davon unabhängig hat die Diversifikation innerhalb der Länder an Bedeutung verloren.

Fazit

Jeder Privatanleger sollte die Diversifikation kennen und zumindest in einem gewissen Rahmen nutzen. Das Risiko der Geldanlage in Aktien lässt sich deutlich mindern, ohne dass dies bedeutend zu Lasten der Rendite ginge. Allerdings ist eine zu umfangreiche Risikostreuung nicht in allen Anlagestrategien sinnvoll.

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