DAX

Deutscher Aktienindex erklärt » Die wichtigsten Infos für 2018

Was ist der Deutsche Aktienindex?

Aktienindizes werden dafür berechnet, um auf einem Blick ablesen zu können, wie es um den Aktienmarkt des jeweiligen Landes bestellt ist. Damit dies erreicht werden kann, werden die verschiedenen Aktienkurse unter bestimmten Berechnungen zusammengesetzt und bilden dann einen Index.

Der Deutsche Aktienindex DAX wurde im Juli 1988 gegründet und sollte eigentlich nur eine Ergänzung zu anderen Indizes darstellen. Er entwickelte sich jedoch schnell zum anerkannten Hauptindex für den deutschen Aktienmarkt. Er startete ursprünglich mit einem Stand von 1.163,52 Punkten. Die Indexbasis lag beim 1.000 Punkten am 31.12.1986. Noch heute beinhaltetet er ausschließlich die dreißig stärksten und größten deutschen Unternehmen, die auch als Blue Chips bezeichnet werden. Sie werden nach Marktkapitalisierung und Börsenumsatz ausgewählt. Derzeit repräsentiert er über 80 Prozent des Grundkapitals deutscher Aktiengesellschaften.

Warum gibt es zwei Indizes?

Faktisch gibt es zwei Indizes, die unter den Namen DAX berechnet werden. Zum einen gibt es den Performanceindex, der ausschließlich die vom Markt ausgelösten Kursveränderungen widerspiegelt. Dividenden, Bonus- und Sonderzahlungen oder Bezugsrechtsgewährungen, die meist zu Kursabschlägen führen, werden reinvestiert. Zusätzlich gibt es einen Kursindex, bei dem die entsprechenden Korrekturen enthalten sind und die von Dividenden und anderen Zahlungen verursachten Kursänderungen abbildet. Der Kursindex spielt gegenüber dem Performanceindex jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Wenn vom DAX die Rede ist, ist deswegen immer der Performanceindex gemeint.

Wie wird der DAX berechnet?

Einfach wäre es, wenn für den DAX einfach die Kurse der jeweiligen Unternehmen zusammengezählt werden würden. Tatsächlich wäre eine solche Darstellung jedoch nur bedingt aussagekräftig. So hat beispielsweise Lufthansa als eines der kleineren Unternehmen im DAX derzeit eine Marktkapitalisierung von etwas mehr als 6 Milliarden. Die Bayer AG hat hingegen mit mehr als 95,7
Milliarden deutlich mehr Einfluss auf den Aktienmarkt. Dies wird auch bei der Berechnung berücksichtigt. Entscheidend ist allerdings nicht der gesamte Börsenwert oder das Kapital des Unternehmens, sondern ausschließlich der Wert der frei handelbaren Aktien. Festbesitz, also der Besitz von Großaktionären mit mindestens 5 Prozent dieser Aktien oder eigene Aktien gehen in die Gewichtung nicht mit ein.

Es fließen also nicht alle Aktien der Unternehmen gleich stark in den DAX ein, sondern sie werden unterschiedlich stark gewichtet. Dafür wird die Laspeyres-Formel  genutzt. Die Bayer AG trägt beispielsweise mit gut 10 Prozent derzeit am meisten zum DAX bei.

Der DAX wird sekündlich neuberechnet. Allerdings hängt die Veränderung hierbei von den Kursveränderungen ab. Auch wenn sich die Streubesitz-Marktkapitalisierung ständig ändert, wird diese nur alle drei Monate zu den Anpassungsterminen erfasst und fließt erst danach in die Gewichtung ein.

Sonderfall: zeitweise Begrenzung

Allerdings ist es möglich, dass eine Aktie aufgrund von zu krassen Schwankungen aus dem Index genommen wird oder ihre Gewichtung auf 10 Prozent gesenkt wird. Dies ist allerdings nur in Extremfällen möglich. Zum einen muss die Gewichtung des jeweiligen Wertes 10 Prozent überschreiten – derzeit wäre das nur bei einem Unternehmen der Fall. Zum anderen muss die historische 30-Tages-Volatilität des Aktienkurses 250 Prozent übersteigen. Diese Maßnahme ist also nur in Ausnahmefällen möglich.

Wie wird ein Unternehmen in den DAX aufgenommen?

Damit eine Aktiengesellschaft im DAX gewichtet wird, muss es verschiedene Voraussetzungen erfüllen:

  • Gelistet im Prime Standard
  • Fortlaufen in Xetra gehandelt
  • Streubesitz von mindestens 10 Prozent
  • Sitz in Deutschland ODER Schwerpunkt des Handelsumsatzes an Aktien in Frankfurt UND Sitz in der EU

Diese Voraussetzungen werden natürlich von zahlreichen Unternehmen erfüllt. Aus diesen wird also eine weitere Auswahl getroffen. Wesentlich ist hierbei der Umsatz in Xetra und im Frankfurter Parketthandel und die Streubesitz-Marktkapitalisierung. Dann können zwei mögliche Aufnahmeregeln greifen:

Fast-Entry: Zählt ein Unternehmen sowohl nach Umsatz in Xetra und im Frankfurter Parketthandel sowie hinsichtlich der Streubesitz-Marktkapitalisierung zu den 25 größten Unternehmen, wird das Unternehmen in den DAX aufgenommen. Es scheidet der Wert aus, der in mindesten einem der beiden Merkmale nur auf Rang 36 ist oder die niedrigste Marktkapitalisierung aufweist.

Regular-Entry: Ein Unternehmen wird dann in den DAX aufgenommen, wenn es hinsichtlich der beiden Kriterien zu den 30 größten Unternehmen gehört und ein Indexwert existiert, der in einem Kriterium nicht mehr zu den 35 größten Unternehmen zählt.

Wann scheidet ein Unternehmen aus dem DAX aus?

Auch beim Ausscheiden aus dem DAX gibt es verschiedene Regelungen. Ein Unternehmen wird dann nicht mehr im DAX gelistet, wenn es von einem anderen Unternehmen übernommen oder zahlungsunfähig wird. Auch wenn es die oben genannten Voraussetzungen für die Teilnahme am DAX nicht mehr erfüllt, muss es den DAX verlassen. Zudem können die folgenden Regeln greifen:

Fast-Exit: Gehört ein Unternehmen nicht mehr zu den 45 größten Unternehmen hinsichtlich Börsenumsatz oder Marktkapitalisierung kann es zur nächsten Überprüfung aus dem DAX genommen werden. Weitere Voraussetzung ist allerdings, dass es ein weiteres Unternehmen gibt, dass bei der Marktkapitalisierung mindestens Rang 35 und hinsichtlich des Börsenumsatzes wenigstens Rang 45 erreicht.

Regular Exit: Gehört ein Unternehmen nicht mehr zu den 40 größten Unternehmen in beiden Kriterien, während ein anderes nicht gelistetes Unternehmen mindestens Rang 35 bei beiden Kriterien erreicht, wird es im September aus dem DAX genommen.

Es ist also nicht immer so, dass der DAX die 30 größten Unternehmen abbildet. Etablierte Unternehmen werden nur unter besonderen Bedingungen aus dem DAX entfernt und die Zusammensetzung demzufolge nicht ständig geändert.

Wann ändert sich der DAX?

  • Die Kursberechnung erfolgt innerhalb der Handelszeiten sekündlich.
  • Die Gewichtung ändert sich in einem dreimonatigen Turnus.
  • Die Zusammensetzung des DAX kann sich bei Fast-Entry oder Fast-Exit ebenfalls zu diesen Zeitpunkten ändern.
  • Eine Zusammensetzung nach der Regular-Exit- oder Regular-Entry-Regelung kann nur zum ordentlichen Anpassungstermin im September erfolgen.
  • Außerordentliche Aktualisierungen können im Fall von Insolvenzen vorgenommen werden.
  • Auch bei Übernahmen oder deutlichen Veränderungen beim Streubesitz kann die Zusammensetzung vom Vorstand der Deutsche Börse AG zusammen mit dem Arbeitskreis Aktienindizes überprüft werden.

Kursindex vs. Performanceindex – worauf achten?

Auffallend ist, dass sich der Performanceindex und der Kursindex innerhalb der letzten zehn Jahre immer deutlicher voneinander abweichen. Da es kaum einen anderen Index auf der Welt gibt – vor allem nicht mit dieser Relevanz – in dessen Berechnung Dividendenzahlungen einfließen, fordern Kritiker, dem Kursindex mehr Gewicht zu geben und den Performanceindex abzuschaffen.

Tatsächlich ist dieser nämlich irreführend, wenn es darum geht, tatsächlich den Aktienhandel einzuschätzen. Während beispielsweise der Performanceindex 2012 um 30 Prozent stieg und gegen Jahresende an der 12.000 Punkte-Markte kratzte, lag der Kursindex zu diesem Zeitpunkt noch bei gut 4.000 Prozent. Während der Performanceindex also bereits wieder auf dem Stand vor der Weltwirtschaftskrise war, lag der Kurs-Index noch mehr als 20 Prozent darunter.

Dennoch schreckte der Performanceindex Anleger ab, die innerhalb der kommenden drei Jahre jedoch bedeutende Kursanstiege mitnehmen hätten können.

Fazit: Der Performanceindex ist demzufolge eher ein Gradmesser dafür, wie gut es den größten deutschen Unternehmen geht, da die Gewinne über Dividenden ausgezahlt werden. Ob der Markt überkauft ist, erfahren Anleger hingegen eher durch den Kursindex.

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