Aktienarten im Überblick – Die Unterschiede im Detail

Aktienarten im Überblick – Die Unterschiede im Detail

Aktien Tipps

Aktienarten im Überblick

Aktien unterscheiden sich in verschiedenen Merkmalen, die für den Aktieninhaber von großem Belang sein können. Vor allem die Verfügbarkeit an der Börse und die Rechte, die der Aktieninhaber durch die jeweilige Aktie erwirbt, unterscheiden sich teilweise deutlich.

Grad der Übertragbarkeit

Diese Unterscheidung ist vor allem für Anleger relevant, die an der Börse Aktien handeln möchten. Je nach Art der Aktie ist es unterschiedlich umständlich, Wertpapiere zu kaufen und vor allem zu verkaufen. Grundsätzlich werden Inhaberaktien, Namensaktien und vinkulierte Namensaktien unterschieden.

a. Inhaberaktie

Inhaberaktien sind in Deutschland am häufigsten vertreten und gelten hier als Normalfall. In den USA und Großbritannien werden hingegen Namensaktien bevorzugt. Der Vorteil bei Inhaberaktien ist, dass diese sehr leicht verkauft werden können. Sie können formlos durch Einigung und Übergabe auf den Käufer übertragen werden.

b. Namensaktie

Bei Namensaktien ist der Weiterverkauf etwas komplizierter, dennoch findet sich diese Aktienart auch in Deutschland vergleichsweise häufig. Sie soll die Anonymität der Aktionäre aufheben und fordert eine Eintragung von Name, Geburtsdatum, Adresse und Stückzahl im Aktienregister des Unternehmens. Ist dies nicht der Fall, kann der Inhaber die Rechte aus der Aktie nicht geltend machen.

c. Vinkulierte Namensaktie

Die vinkulierte Namensaktie ist eine Sonderform der Namensaktie. Bei muss die Übertragung von der ausgebenden Aktiengesellschaft genehmigt werden, damit der Aktieninhaber alle Rechte erhält. Dies gilt vor allem für das Stimmrecht. Aktiengesellschaften geben in der Regel dann vinkulierte Namensaktien aus, wenn sei das Unternehmen vor Konkurrenten oder Fremden schützen müssen. In Branchen, die sicherheitsrelevant sind, kann die Emission als vinkulierte Namensaktien sogar gesetzlich vorgeschrieben sein.

Die Übertragbarkeit kann jedoch durch Blankozessionen erleichtert werden, um die Verfügbarkeit an der Börse zu erhöhen oder den Kauf durch Kleinanleger zu ermöglichen.

Umfang der Rechte

Aktien ermöglichen es, aktiv Einfluss auf das Unternehmen zu nehmen. Allerdings ist dies nicht bei allen der Fall. Es wird unterschieden zwischen:

a. Stammaktien

Stammaktien sind die ursprüngliche Form der Aktie und innerhalb Deutschlands am häufigsten anzutreffen. Mit ihnen erwirbt der Aktionär das Recht auf:

  • Teilnahme an der Hauptversammlung
  • Stimmrecht in der Hauptversammlung
  • Auskunftserteilung bei der Hauptversammlung
  • Anfechtung von Hauptversammlungsbeschlüssen
  • Anteil am Bilanzgewinn
  • Anteil am Liquidationserlös

Je mehr Stammaktien ein Aktionär besitzt, umso größer ist sein Einfluss bei Abstimmungen.

b. Vorzugsaktien

Vorzugsaktien lassen sich noch einmal unterteilen in Vorzugsaktien ohne Stimmrecht, Vorzugsaktien mit mehrfachem Stimmrecht (Mehrstimmrechtsaktien) und Vorzugsaktien mit Vorzügen am Liquidationserlös oder beim Bezugsrecht. Mehrstimmrechtsaktien sind in Deutschland allerdings inzwischen unzulässig.

Die häufigste Form der Vorzugsaktie ist fraglos die, bei der der Aktionär kein Stimmrecht erhält. Dafür kann er jedoch von einem anderen Vorteil profitieren. In der Regel ist dies eine höhere Dividende. Auch im Fall einer Unternehmensliquidation profitieren Inhaber von Vorzugsaktien häufig gegenüber denen von Stammaktien.

Vorzugsaktien eignen sich demzufolge vor allem für Aktionäre, die kein Interesse daran haben, an der Entwicklung des Unternehmens mitzuwirken und sich vor allem für die Rendite interessieren.

Zerlegung des Grundkapitals

Eine weitere Möglichkeit, Aktien zu unterscheiden, ist die Aufteilung des Grundkapitals.

a. Nennwertlose Aktien (Stückaktien)

Unter den nennwertlosen Aktien sind die Stückaktien deutlich bekannter. Sie lauten nicht auf einen Nennbetrag, sondern spiegeln einen Anteil am Grundkapital wieder. Es lässt sich also durch die ausgegebenen Aktien bestimmen.
Darüber hinaus gibt es auch Quotenaktien, die in Deutschland jedoch nicht vorkommen. Sie verkörpern einen Bruchteil am Unternehmen und nicht am Grundkapital.

b. Nennwertaktien

Nennwertaktien lauten immer auf einen bestimmten Nenn- oder Nominalbetrag, der in Geld ausgedrückt werden und mindestens einen Euro betragen muss. Zudem dürfen sie nicht unter pari ausgegeben werden. Die Summe der Nennwerte aller Nennwertaktien ergibt das Grundkapital.

Ausgabezeitpunkt

Bei Aktien werden zudem junge Aktien und alte Aktien unterschieden.

a. Alte Aktien

Der Begriff „alte Aktie“ existiert nicht, ohne dass ein Unternehmen neue Aktien emittiert. Wird eine erneute Kapitalerhöhung durchgeführt, werden die Aktien, die vorher emittiert wurden, als „alte Aktien“ bezeichnet. Alte Aktien können sich von neuen Aktien hinsichtlich der Dividendenberechtigung und des Stimmrechts unterscheiden. Früher wurden alte und junge Aktien deswegen sogar teilweise nebeneinander notiert und ihre Kurse entwickelten sich häufig unterschiedlich.

b. Junge Aktien

Junge Aktien heißen die Aktien, die im Zuge einer Kapitalerhöhung eines bereits börsennotierten Unternehmens emittiert werden. Altaktionäre haben häufig ein Bezugsrecht um junge Aktien zu erwerben und so ihren Anteil am Grundkapital beizubehalten.

Größe der Aktiengesellschaft

a. Bluechips

Bluechips werden die Aktien von umsatzstarken und großen Unternehmen genannt. Der Name leitet sich von den blauen Spielchips ab, die unter den Jetons im Casino den höchsten Wert haben. In Deutschland fallen vor allem die Unternehmen, die im DAX notiert sind.

b. Mid Caps

Mid Caps haben einen Börsenwert von 250 Millionen und einer Milliarde Euro. In Deutschland sind diese im MDAX zu finden.

c. Small Caps

Small Caps sind die Aktien von Unternehmen unter 250 Millionen Euro, die an der deutschen Börse im SDAX verzeichnet sind.

d. Pennystocks

Als Pennystocks werden innerhalb Deutschlands Aktien bezeichnet, deren Wert unter einem Euro beträgt. Allerdings sind an der deutschen Börse bereits seit einigen Jahren keine Wertpapiere mit einem derart geringen Wert mehr notiert. Wesentlich häufiger sind Pennystocks in den USA, wo die Grenze allerdings auch bei fünf Dollar verläuft.

Sonderformen unter den Aktien

a. Vorratsaktien

Vorratsaktien sind Aktien, die bei einer Kapitalerhöhung für Rechnung des Emittenten übernommen werden, ohne dass die Verfügungsgewalt auf sie übergeht. Dies kann beispielsweise geschehen, wenn Aktien emittiert werden, aber nicht alle zum Zielpreis veräußert werden können. Nach deutschem Recht sind Vorratsaktien allerdings nicht mehr zulässig.

b. Eigene Aktien

Der Erwerb eigener Aktien war lange Zeit in Deutschland verboten und ist auch heute noch auf maximal 10 Prozent der eigenen Aktien beschränkt. Zudem ist die Zustimmung der Hauptversammlung für den Kauf notwendig.
Unternehmen kaufen eigene Aktien in der Regel zurück, um das Kapital herabzusetzen. Dies kann sinnvoll sein, da es in gewisser Weise eine Rückzahlung des aufgenommenen Kredits bedeutet und dadurch die Ausgaben bei Dividenden sinken.

c. Volksaktien

Volksaktien werden Aktien genannt, die von einem privatisierten Unternehmen stammen und bei der Erstemission gezielt an Kleinanleger verkauft wurden. Auf diese Weise soll es den Bürgern möglich sein, von der Veräußerung von Staatseigentum zu profitieren. Wichtige Volksaktien in den 60er Jahren waren Volkswagen AG, VEBA und Preussag, in den 1990er Jahren wurde die Vorgehensweise durch Aktien der Deutschen Telekom und der Deutschen Post wieder bekannt.

Fazit

Wer Aktien deswegen kauft, weil er an der Hauptversammlung teilnehmen möchte, sollte darauf achten, dass er Stammaktien oder Vorzugsaktien mit Stimmrecht erwirbt. Anleger die Wertpapiere aus rein finanziellen Gründen erwerben, können mit Vorzugsaktien ihre Dividende steigern. Sie sollten zudem auf Inhaberaktien achten, um ihre Wertpapiere leichter verkaufen zu können.

Ob es sich bei den Aktien um Bluechips, Volksaktien oder Pennystocks handelt, macht keinen Unterschied. Wichtig ist bei dieser Unterscheidung, dass das Unternehmen in die Anlagestrategie passt. Auch die Unterteilung in Stückaktien und Nennwertaktien wirkt sich für normale Anleger nicht aus.

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