Aktien erben Steuern sparen

Aktien und Co. vererben: Wie spart man Steuern?

Das Vererben oder Erben von Aktien ist häufig mit Problemen behaftet. Deren Wert wird nämlich in der Regel in die Vergangenheit datiert und kann so deutlich über dem Wert liegen, auf dem der Erbe Zugriff hat. Allerdings gibt es Möglichkeiten, um sich gegen dieses Vorgehen zu wehren.

Problem: Kursstellung am Todestag

Das Finanzamt steht vor dem Problem, dass es den Wert des Erbes beziffern können muss. Um diesen zu errechnen, müssen natürlich die Aktienkurse der Wertpapiere dienen, die sich im Portfolio befinden. Um einen nachvollziehbaren Zeitpunkt zu wählen, nutzt das Finanzamt üblicherweise die Kurse am Todestag des Erblassers. Dieses Vorgehen ist als auch „Stichtagprinzip“ bekannt.

 

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Es gelten die Aktienkurse des Todestages

Nun ist das Problem, dass Erben in der Regel nicht direkt an diesem Tag Zugriff auf das Portfolio haben. Stürzt der Kurs beispielsweise deutlich ab, kann es sogar vorkommen, dass die Belastung durch die Erbschaftsteuer höher ist, als der Wert der Aktien zu diesem Zeitpunkt. Der Erbe hat allerdings in der Regel keine Möglichkeit, vorher auf diesen Umstand zu reagieren und die Aktien zu einem besseren Preis zu verkaufen. Bis er Zugriff auf das Depot erhält, können viele Monate vergehen.

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Möglichst schneller Zugriff auf die Aktien

Um dies zu verhindern, ist es sinnvoll, wenn der Erblasser bereits zu Lebzeiten eindeutig regelt, wer auf das Depot im Falle seines Todes zugreifen darf. Er sollte dazu zudem bei der Bank eine Vollmacht hinterlegen und den jeweiligen Erben darüber informieren. Auf diese Weise vergeht nicht unnötig viel Zeit, bis der Erbe auf das Depot zugreifen und notwendige Transaktionen durchführen kann.

Eine weitere Möglichkeit ist natürlich außerdem, jede Aktie schon zu Lebzeiten über ein Stop-Loss abzusichern. Ist dieses gesetzt, werden die Wertpapiere automatisch verkauft, wenn ein bestimmter Kurs unterschritten wird. Der Verlust lässt sich somit begrenzen. Dieses Vorgehen ist ohnehin empfehlenswert. Ein Stop-Loss kann zudem gerade im Krankheitsfall oder bei einem sich verschlechternden Gesundheitszustand bares Geld wert sein. Ältere Menschen sollten deswegen auf das Setzen eines Stop-Loss besonderen Wert legen.

Warum kommen Erben so schlecht an das Depot?

Weiß eine Erbengemeinschaft bereits, dass Aktien Teil des Erbes sind, die an Wert verlieren oder vermutlich verlieren werden, will sie in der Regel schnell handeln. Allerdings ist es vergleichsweise kompliziert, Zugriff auf das Wertpapierdepot eines Verstorbenen zu erhalten. Auch wenn die Geldinstitute in der Regel wissen, dass hier schon Stunden bis Tage von großer Bedeutung sein können, sind ihnen üblicherweise die Hände gebunden.

Die Geldinstitute benötigen eine rechtliche Legitimation. Dies gilt immer und Bankarbeiter haben hier auch keinen Ermessenspielraum, beispielsweise weil sie Erben und Erblasser persönlich gut kennen. Das Problem dabei ist, dass die Banken üblicherweise einen Erbschein oder eine Kopie des Testaments inklusive Eröffnungsprotokoll vorliegen haben müssen. Erst dann können sie die Gelder schuldbefreiend auszahlen. Die Ausstellung eines solchen Erbscheines kann allerdings mehrere Monate dauern.

An dieser Stelle ergibt sich zudem in der Regel ein besonderes Problem: Testamente werden häufig in Bankschließfächern aufbewahrt. Die Erben können allerdings ohne das Testament keinen Zugriff auf das Bankschließfach erhalten. Banken sind zudem nicht dazu verpflichtet, das Nachlassgericht zu informieren. Ein Bankschließfach ist deswegen ein relativ schlechter Aufbewahrungsort für ein Testament. Beim Anwalt des Vertrauens ist es hingegen deutlich besser aufgehoben.

Da Erben ohne eine eindeutige Legitimation in der Regel nicht an das Depot kommen, sollten Erben bereits zu Lebzeiten des Erblassers mit ihm die notwendigen Schritte besprechen.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass Konten im Zuge des Vererbens in der Regel zu sogenannten Und-Konten werden. Dies gilt auch für Depots. Das bedeutet, dass Transaktionen nur dann durchgeführt werden können, wenn alle Erben damit einverstanden sind. Aufgelöst werden kann dies nur, wenn alle Erben einer bestimmten Person eine Vollmacht erteilen, die dann im Sinne der Erben Transaktionen vornehmen.

Wie werden Aktien untere mehreren Erben aufgeteilt?

Wurden Aktien an mehrere Erben vererbt, gibt es verschiedenen Möglichkeiten, damit zu verfahren. So ist es gängig, die Aktien gerecht aufzuteilen und auf die Wertpapierdepots der Erben zu übertragen. Sollte allerdings einer oder mehrere Erben kein Interesse an den Wertpapieren haben, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder der Erbe, der die Aktien behalten möchte, zahlt die anderen Erben aus. Darüber kann ein Kaufvertrag abgeschlossen werden, der es letztlich allerdings erfordert, dass alle Erben bei der Bank das Depot auf den Namen des Erben umschreiben, der das Depot weiter führen möchte. Ein Problem kann dabei zudem sein, dass der Erbe, der die Aktien behalten möchte, die Summe auszahlen muss, die der entsprechende Teil der Aktien am Tag des Todes des Erblassers wert waren. Dies ist selten fair, da Aktienkurse stark schwanken und einer der Erben dabei mit großer Wahrscheinlichkeit ein schlechtes Geschäft machen wird.

Sinnvoller ist hier, die „Liquidation“ des Aktienanteils und die Zahlung des Liquidationserlöses. Der oder die anderen Erben würden also genau den Betrag erhalten, den ihre Aktien eingebracht haben, und wären somit „ausbezahlt“. Es kann für den Erben, der Aktien behalten möchte, allerdings natürlich sinnvoller sein, den üblichen Verkaufswert zu zahlen. Gerade dann, wenn er von einer Wertsteigerung ausgeht, ist dies oft der bevorzugte Weg.

Welche Möglichkeiten hat der Erbe, wenn die Erbschaftsteuer zu hoch ist?

Wenn die Erbschaftsteuer zu hoch ist, haben Erben verschiedene Möglichkeiten, dagegen vorzugehen. Dies gilt beispielsweise immer dann, wenn die Steuerforderung als „unbillig“ angesehen werden kann.

Dann kann der Erbe einen Antrag auf Erlass der Erbschaftsteuer stellen. Besonders gute Chancen hat der Erbe dann, wenn seine wirtschaftliche Existenz durch die Höhe der Erbschaftsteuer gefährdet wäre. Ein Erlass gilt auch dann als grundsätzlich angebracht, wenn die Erbschaftsteuer mehr als die Hälfte des Vermögens ausmacht.

Dann besteht die Möglichkeit, dass die Forderung ganz oder zumindest teilweise erlassen wird. Eine unbillige Steuerforderung besteht auch dann, wenn der Erbe sich nicht selbst in die entsprechende Notlage gebracht hat. In dem Fall, dass er kein Zugriff auf die Aktien hatte, während die Aktienkurse fielen, wäre ein solcher Fall.

Erben sollten beim Finanzamt in diesen Fällen einen Antrag auf Erlass stellen und dabei darauf hinweisen, dass der Erbe keine Möglichkeit hatte, auf das Depot zuzugreifen. In der Regel haben derartige Forderungen Erfolg, zumal diese Möglichkeit von verschiedenen Gerichten und auch dem Bundesfinanzhof in ähnlichen Fällen gestützt wurde.

Wem dies zu unsicher ist, hat keine andere Chance, als das Erbe bereits im Vorfeld auszuschlagen. Hierfür bleiben nach Testamentseröffnung nur sechs Wochen Zeit, sodass der Erbe die Steuerbelastung in vielen Fällen noch gar nicht abschätzen kann, geschweige denn gegen die Steuerforderung vorgehen kann. Entschließt er sich dazu, auf das Erbe zu verzichten, bedeutet dies allerdings, dass er auch auf andere Vermögenswerte verzichtet.

Die steuerliche Behandlung der Gewinne und Verluste von ererbten Aktien

Gerade durch die Einführung der Abgeltungssteuer und die Ausnahme aller vor 2008 erworbenen Aktien erhöht die Attraktivität von geerbten Aktien besonders. Werden diese vererbt und der Erbe verkauft sie nicht, können sie im Vergleich zu anderen Aktien eine deutlich bessere Rendite erzielen. Auf ihre Erlöse werden nämlich keine Abgeltungsteuern fällig. Das macht sie optimal geeignet, um beispielsweise über Dividenden einen regelmäßigen steuerfreien Ertrag zu generieren. Sie zu verkaufen ist in der Regel nur in Ausnahmefällen klug.

Wer solche Aktien im Depot seines Erblassers findet, sollte darauf achten, dass der Kaufzeitpunkt beim Übertrag des Depots in jedem Fall richtig vermerkt wird. Sollte das Kaufdatum umdatiert werden und nach 2009 sein, kann der Erbe von dieser Regelung keinen Gebrauch mehr machen.

Offene Verlustvorträge des Erblassers können inzwischen nicht mehr genutzt werden. Jahrelang war dies anders, allerdings kippte der Bundesfinanzhof diese Regelung bereits 2008 nach gut 54 Jahren. Verluste sind seitdem nicht mehr vererblich.

Wann fallen überhaupt Erbschaftsteuern an?

In vielen Fällen ist selbst eine sehr ungünstige Entwicklung des Aktiendepots allerdings kein Grund zur Sorge. Nur sehr wohlhabende Erblasser oder bei einem entfernteren Familienverhältnis müssen die Erben überhaupt Erbschaftsteuer zahlen.

Verwandschaftsverhältnis Freibetrag
Ehegatten und Lebenspartner 500.000 Euro
Kinder, Stiefkinder, Adoptivkinder, Enkelkinder von verstorbenen Kindern oder Stiefkindern 400.000 Euro
Enkel 200.000 Euro
Eltern und Großeltern 100.000 Euro
Alle übrigen Personen, also auch Geschwister, Nichten und Neffen, Stiefeltern, Schwiegerkindern oder Schwiegereltern 20.000 Euro

 

Das bedeutet, dass beispielsweise Enkel Vermögen im Wert von bis zu 200.000 Euro erben können, ohne dass darauf Erbschaftsteuer anfallen würde. Erst, wenn das Vermögen diesen Betrag überschreitet, werden überhaupt Steuern fällig. Dies kann besonders relevant werden, wenn beispielsweise ein Eigenheim oder andere Immobilien ebenfalls zum Erbe gehören. Deswegen kann es sinnvoll sein, die Immobilie bereits zu Lebzeiten per Schenkung zu übertragen und bei selbstgenutztem Wohneigentum ein Nießbrauchrecht zu vereinbaren. Der Schenkungsteuerfreibetrag bewegt sich nämlich im ähnlichen Rahmen. Lediglich bei Eltern und Großeltern ist er auf 20.000 Euro reduziert. Bereits nach zehn Jahren steht der Freibetrag erneut zur Verfügung und kann dann entweder erneut im Rahmen einer weiteren Schenkung oder aber eben im Falle eines Erbes genutzt werden.

Fazit:

Es kann für Erben mit großen Schwierigkeiten verbunden sein, nach dem Tod des Erblassers Zugriff auf das Depot zu erhalten. Erblasser sollten deswegen immer eine Vollmacht ausstellen, die im Falle des Todes gilt und darüber auch die Erben informieren. Auf diese Weise ist ein Zugriff auf das Depot schon ab dem Todestag möglich, wodurch Erben die Aktien bei sinkenden Kursen rechtzeitig verkaufen können. Haben sie keinen Zugriff und die Aktien sinken stark an Wert, können sie immerhin beim Finanzamt einen Nachlass der Erbschaftsteuer beantragen.

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