Aktien mit Hebel

Wie man Aktien mit einem Hebel kauft

Der Aktienhandel mit Hebel ermöglicht es, mit deutlich weniger Kapital mehr Aktien kaufen zu können. Auf diese Weise können Anleger von Kurssteigerungen gleich mehrfach profitieren. Lange Zeit war die Nutzung eines Hebels ausschließlich institutionellen Anlegern vorbehalten. Inzwischen ist sie durch Online Broker jedoch auch für Privat- und sogar Kleinanleger möglich. Allerdings sollten sie dabei vor allem das Risiko im Auge behalten.

Was ist ein Hebel?

Ein Hebel ermöglicht es, dass kleine Veränderungen einer Variablen zu großen Ausschlägen führen. Im Bereich der Geldanlage wird dieser Begriff neben der Kapital- und Kostenstruktur vor allem bei Derivaten genutzt. Ein Hebel ermöglicht es dann, mit geringen Mitteln große Positionen im Basiswert einzugehen.

Ein Anleger kann also mit vergleichsweise wenig Kapital deutlich größere Positionen eingehen, als eigentlich für das gleiche Geld möglich wären. Dadurch wirken sich auch Gewinne und Verluste des Basiswertes deutlich stärker aus, als dies durch das Kapital eigentlich möglich wäre. Dadurch steigen also die Renditechancen genauso wie das Risiko.

Eine Beispielberechnung verdeutlicht dies:

Ein Hebel von 1:10 ermöglicht es, das 10-fache des Basiswertes zu erwerben, als durch das Kapital möglich wäre. Angenommen, ein Trader erwirbt mit 1.000 Euro eine Position im Gegenwert von 10.000 Euro.

  • Steigt nun der Kurs des Basiswertes um fünf Prozent, ist die Anlage nun 10.500 Euro wert. Der Anleger hätte also einen Gewinn von 500 Euro realisiert, was einer Rendite von 50 % entspricht.
  • Sinkt der Kurs hingegen um fünf Prozent, ist die Anlage nur noch 9.5000 Euro wert. Der Anleger müsste einen Verlust von 500 Euro verbuchen und hätte somit die Hälfte seines Einsatzes verloren.

Hieran zeigt sich deutlich, warum Hebelprodukte für viele Anleger außerordentlich attraktiv sind. Allerdings ist auch das Risiko der Hebelwirkung niemals zu unterschätzen.

Hebel für den Aktienhandel: Lombardkredit

Wer Aktien mit einem Hebel kaufen möchte, hat dafür verschiedene Möglichkeiten. Eine Möglichkeit, die sehr leicht zu verstehen ist, ist der Lombardkredit. Hier gewährt die Bank einen Kredit, der es dem Anleger ermöglicht, mehr Kapital für den Aktienhandel einzusetzen. Der Kredit wird im Gegenzug mit den im Depot gelagerten Wertpapieren gesichert.

Die mögliche Hebelwirkung ist hier allerdings eher gering. Die Höhe des Kreditrahmes richtet sich vor allem nach dem Beleihungswert der Wertpapiere und eine Steigerung des Kapitals zwischen 50 und 80 Prozent ist bereits sehr großzügig. Der Hebel würde hier also maximal 1,5 oder 1,8 betragen, sodass keine sehr großen Sprünge möglich sind. Ein Problem sind zudem die vergleichsweise hohen Kosten, die durch die Zinsen des Kredites entstehen.

Kredit Consorsbank

Bei der Consorsbank kann das eigene Depot beliehen werden

Sinken die Aktien dann, verringert sich auch der Kreditrahmen. Die Bank fordert dann den Anleger häufig auf, Kapital nachzuschießen. Kommt er dieser Aufforderung nicht nach, ist das Geldinstitut dazu berechtigt, die Wertpapiere zu verkaufen und den Kredit so abzulösen. Im schlimmsten Fall kann sich der Anleger durch den Lombardkredit also sogar verschulden.

Hebel für den Aktienhandel: Optionen

Deutlich häufiger werden deswegen Optionen als Möglichkeit genutzt, den Aktienhandel zu hebeln. Es handelt sich hierbei um ein Finanzderivat. Der Anleger kauft im Gegensatz zum Lombardkredit die Aktien also nicht direkt, sondern erwirbt lediglich das Recht darauf, sie zu einem bestimmten Preis und zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erwerben.

Hierfür muss der Anleger allerdings immer nur einen Bruchteil dessen bezahlen, was die Aktie selbst wert wäre. Angenommen einer Option liegt eine Aktie zugrunde, die 20 Euro kostet und die Option selbst kostet 2 Euro, so beträgt der Hebel 10.

Bei den meisten Optionen können die Käufer dann dennoch im gleichen Ausmaß von Kurssteigerungen profitieren. Die Option geht also die Wertänderungen voll mit, der Käufer muss jedoch nur einen Bruchteil des Wertes der Aktie investieren. Es gibt darüber hinaus jedoch auch einige kompliziertere Optionen und vor allem Optionsscheine, bei denen sich der Wert der Option auch nach anderen Faktoren richtet. Hier kann im ungünstigsten Fall auch der Totalverlust drohen.

Hebel für den Aktienhandel: Zertifikate und CFDs

Auch Hebelzertifikate können für den Aktienhandel geeignet sein, zählen dabei jedoch zu den spekulativsten Geldanlagen. In der Regel funktionieren sie allerdings sehr ähnlich wie Optionen. Grundsätzlich setzen sich Hebelzertifikate aus den Merkmalen Basispreis, Aufgeld und Bezugsverhältnis zusammen. Der Basispreis stellt den Kurswert des Underlyings dar, während das Aufgeld die Vergütung des Emittenten ist. Das Bezugsverhältnis stellt im Prinzip den Hebel dar und sorgt so dafür, dass sich der Kauf der Zertifikate lohnen kann. Viele Zertifikate verfügen zudem über ein Knock-Out, der angibt, ab wann ein Totalverlust eintritt.

Auch CFDs gelten als hochspekulative Anlageformen und werden so gut wie immer mit Hebel angeboten. Sie sind im Vergleich zu Aktien und Optionsscheinen deutlich weniger reguliert und in den USA sogar verboten. Auch hierbei handelt es sich um ein Finanzderivat. Der Händler kauft also nicht den Basiswert, sondern handelt mit Preisen und Kursveränderungen. Die CFDs selbst haben demzufolge keinen Nominalwert.

Wichtig beim gehebelten Aktienhandel: Risiko-Management

Gehebelte Produkte bieten besonders hohe Gewinnchancen, allerdings steigt auch das Risiko deutlich an. Im Ernstfall müssen Anleger bei vielen Finanzprokuten sogar ihre Nachschusspflicht erfüllen. Reicht die Margin nicht aus, um beispielsweise bei einem plötzlichen Kurssprung die Verluste auszugleichen, müssen Anleger den entsprechenden Betrag in ihr Broker-Konto einzahlen und es so ausgleichen. Damit dies nicht passiert oder zumindest dem Anleger nicht zu sehr schadet, muss dieser ein sinnvolles Risiko-Management ausüben.

Grundlage hierfür ist, dass selbst der beste Trader nicht immer richtig liegt. Hat der Anleger jedoch erst einmal Geld verloren, wird es immer schwieriger erfolgreich zu traden. Alleine das Anfangskapital zurückzuerhalten, kann dann zu einer fast unlösbaren Aufgabe werden. Dies gilt vor allem dann, wenn der Anleger gleich zu beginn ein paar Fehltrades registrieren musste.

Deswegen sollte jeder, der an spekulativeren Geldanlagen interessiert ist, nicht vergessen, dass für derartige Produkte ohnehin nur ein geringer Betrag eingesetzt werden sollte. Mehr als zehn Prozent der gesamten Geldanlage sollten es selbst bei sehr spekulativ ausgerichteten Anlegern nicht sein. Der Anleger sollte zudem einen Totalverlust problemlos verkraften können.

Das so in der Höhe ermittelte Kapital sollte nach den folgenden Grundregeln investierte werden:

  • Je Position sollte der Anleger maximal ein Prozent riskieren.
  • Die Positionsgröße ist dem Kapital anzugleichen.
  • Den Einsatz bei gesteigertem Kapital anzugleichen, ist nicht unbedingt erforderlich. Sinnvoller kann es sein, den Gewinn direkt abzuziehen.
  • Den Einsatz bei gesunkenem Kapital anzugleichen ist hingegen dringend notwendig.
  • Sollte aufgrund der Mindesteinsätze keine Positionseröffnung mehr notwendig sein, ist die Sinnhaftigkeit des Tradings zu hinterfragen. Unter Umständen ist es sinnvoller, auf Demokonten zurückzugreifen, bis ausreichende Gewinne erzielt werden können.

Dabei ist es unverzichtbar, für jeden Trade einen Stop-Loss zu setzen. Nur auf diese Weise können Anleger verhindern, dass sie zu viel Geld durch Unaufmerksamkeit oder technische Fehler verlieren. Es ist immer möglich, dass etwas Unvorhergesehenes die Aufmerksamkeit vom Trading ablenkt und so Positionen nicht rechtzeitig geschlossen werden können. Aufgrund der Hebelwirkung kann dies fatale Folgen für das gesamte Depot haben, sodass Anleger diese Möglichkeit immer nutzen sollten.

Berechnung der maximalen Positionsgröße in Abhängigkeit des Hebels

Die Positionsgröße hängt von den folgenden Faktoren ab:

  • Kapital, das für den Aktienhandel mit Hebel genutzt werden kann
  • Volatilität der Aktie
  • Hebel

Vor allem die Volatilität der Aktie sollte immer in die Berechnung einfließen. Eine sehr volatile Aktie kann sehr stark in ihrem Wert schwanken, ohne dass dies ein Alarmsignal wäre. Wer hier keinen ausreichenden Raum bietet, riskiert, dass das Stop-Loss ohne drohende Gefahr ausgelöst wird. Deswegen sollte das Stop-Loss immer erst in einem Bereich gesetzt werden, bei dem die durchschnittliche Volatilität entsprechend des gewählten Zeitraumes überschritten wird. Erfordert dies einen zu großen Verlust, ist der Basiswert ungeeignet.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Hebelwirkung. Anleger sollten nicht vergessen, dass ein Kurs sich nur wenig ändern muss, um viel Kapital zu vernichten. Profis handeln deswegen in der Regel mit sehr geringen Hebeln. Sie ermöglichen es dennoch, den Gewinn deutlich zu steigern, erlauben es dabei jedoch, das Risiko kontrollierbar und kalkulierbar zu halten. Je größer der Hebel, umso riskanter ist der Handel. Selbst ein gutes Risikomanagement kann einen zu großen Hebel nicht ausgleichen.

Eine Beispielrechnung:

Angenommen ein Anleger setzt 10.000 Euro für den gehebelten Aktienhandel ein. Er darf maximal ein Prozent verlieren, was in dem Fall 100 Euro entspricht. Der Kurs einer Aktie beträgt beispielsweise 10 Euro, die Aktie ist im letzten Zeitraum nicht unter 9,00 Euro gefallen. Der Anleger setzt sein Stop-Loss bei 8,90 Euro um etwas Sicherheitspuffer zu lassen.

Er kann also derzeit je Aktie 1,10 Euro verlieren. Daraus lässt sich errechnen, dass er den Verlust von 90 Aktien verkraften könnte. Er hätte dann einen Maximalverlust von 99 Euro. Wie er nun den Hebel wählt, ist ihm überlassen. Wichtig ist dabei lediglich, dass die 99 Euro nicht überschritten werden. Würde er beispielsweise einen Hebel von 1:10 einsetzen, müsste er für 90 Aktien a 10 Euro lediglich 90 Euro investieren. Hier zeigt sich, dass der maximale Verlust schnell größer werden kann als die eigentliche Positionsgröße. Läuft der Trade ungünstig für ihn, hätte dies nicht nur den Totalverlust zur Folge, sondern er müsste auch Geld nachschießen. Wählt er hingegen einen Hebel von 2, müsste er 450 Euro investieren. Er würde jedoch durch das Setzen des Stop-Loss niemals seinen gesamten Einsatz riskieren, sondern nur die errechneten 99 Euro.

Fazit:

Der Aktienhandel mit Hebel ist auch für Privatanleger aufgrund der gesteigerten Gewinnchancen sehr attraktiv. Allerdings führen Hebeleffekte auch immer zu einem deutlich erhöhten Risiko. Bei vielen Produkten droht nicht nur der Totalverlust. Durch die Nachschusspflicht kann das verlorene Kapital sogar den Einsatz überschreiten. Anleger sollten deswegen auf ein sinnvolles Risikomanagement achten und die Einsätze in entsprechender Höhe wählen.

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