Was ist Geldpolitik? – Die verschiedenen Instrumente der Zentralbanken

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Geldpolitik

Als Geldpolitik können alle wirtschaftspolitischen Maßnahmen bezeichnet werden, die eine Zentralbank zum Erreichen ihrer Ziele ergreifen kann. Auf diese Weise beeinflusst sie wichtige volkswirtschaftliche Faktoren wie:

  • Geldmenge
  • Inflationsrate
  • Zins
  • Preisniveau
  • Wirtschaftswachstum

Was ist der Unterschied zwischen Geldpolitik, Finanzpolitik und Wirtschaftspolitik?

Unter Wirtschaftspolitik fallen alle Maßnahmen, mit denen ein Staat gestaltend oder regelnd in die Wirtschaft eingreifen kann. Damit legt die Wirtschaftspolitik fest, wie sich die hauptsächlich privat organisierte Wirtschaft entwickeln kann.

Die Wirtschaftspolitik kann weiter eingeteilt werden. Die Ordnungspolitik setzt die Rahmenbedingungen fest und beinhaltet beispielsweise die Wettbewerbspolitik. Die Strukturpolitik reglementiert regionale oder sektorale Branchenstrukturen. In der Prozesspolitik greift der Staat hingegen aktiv in Marktprozesse ein. Hierzu zählen beispielsweise Arbeitsmarktpolitik, die Fiskalpolitik und die Handelspolitik. Auch die Finanzpolitik und die Geldpolitik finden sich hier wieder, auch wenn die Finanzpolitik auch als Ordnungspolitik eingeordnet werden kann.

Sowohl Finanzpolitik als auch Geldpolitik sind also Teilbereiche der Wirtschaftspolitik. Sie selbst unterscheiden sich voneinander ebenfalls in wesentlichen Merkmalen. Die Finanzpolitik beschäftigt sich vor allem mit dem Staatshaushalt und regelt so beispielsweise Steuersystem, staatliche Einnahmen und Ausgaben. Dabei wirkt sie vor allem indirekt. Geldpolitik ist hingegen eindeutige Aufgabe der Zentralbank, deren Aufgaben im Folgenden näher erläutert werden.

Consorsbank

1% Zinsen – solche Zinssätze wären vor Jahren noch undenkbar gewesen, Quelle Consorsbank

Wichtig ist allerdings, dass die Geldpolitik noch einmal von der Währungspolitik abgegrenzt werden muss. Hierunter fallen die Maßnahmen, die die Zentralbank gezielt nutzen kann, um Wechselkurse zu beeinflussen.

Unterschiede bei den Zielen der Geldpolitik

Welches Ziel eine Zentralbank hat, hängt in der Regel von übergeordneten wirtschaftspolitischen Zielen ab.

  • So hat beispielsweise die Europäische Zentralbank (EZB) als oberstes Ziel, die Preisniveaustabiltität zu gewährleisten. Nur als Nebenziel soll sie die allgemeine Wirtschaftspolitik der Währungsunion unterstützen.
  • Demgegenüber hat die Federal Reserve der USA (Fed) zusätzlich ein gleichberechtigtes Wachstums- und Beschäftigungsziel. Das bedeutet, dass Zinsänderungen immer in Hinblick auf beide Ziele getroffen werden und gleichberechtigt nebeneinander existieren, was durchaus zu Konflikten führen kann.
  • Die Chinesische Volksbank (PBoC) hat neben der Preisstabilität auch die schwierige Aufgabe, die Währungsstabilität zu gewährleisten. Im Gegensatz zu der EZB und der FED muss sich die Zentralbank der Volksrepublik China auch den Wechselkurs des Renminbi sichern. Ihr Hauptziel ist der Erhalt der Geldwertstabilität. Zudem soll sie als Nebenziel das Wirtschaftswachstum fördern.

Die Ziele der Zentralbanken werden also durchaus unterschiedlich festgelegt. Sie sind in der Regel gesetzlich verankert. So gut wie immer wird allerdings die Preisstabilität als wichtigstes Ziel genannt. Dies liegt darin begründet, dass vor allem eine zu große Inflationsrate vermieden werden soll. Die Entwertung des Geldvermögens resultiert zusammen mit der Begünstigung des Schuldners zu einem geringen Anreiz zu sparen. Als Konsequenz steht zu wenig Geldkapital zur Verfügung, es wird nicht genügend Sachkapital gebildet und das Wachstum wird behindert. Um dies zu vermeiden, greifen Zentralbanken regelmäßig über verschiedene Maßnahmen in die Wirtschaft ein.

Wie Zentralbanken eingreifen dürfen und sollen und welche Ziele als wichtiger erachtet werden, ist dabei vor allem zwei Faktoren geschuldet. Zum einen ist die Geschichte entscheiden. Deutschland litt in seiner Historie beispielsweise unter zwei Hyperinflationen, sodass Preisniveaustabilität ein wichtiges Ziel war.

Unabhängig davon ist die Wirtschaftspolitik entscheidend für die Prämissen der Geldpolitik. Grundsätzlich stehen sich hier verschiedene Wirtschaftstheorien gegenüber, die mal stärker und mal schwächer von den unterschiedlichen Lagern und Politikern vertreten werden und so auch die Geldpolitik prägen. Gängige Theorien sind die folgenden:

  • Der Keynesianismus geht davon aus, dass die Geldpolitik in einer schweren Rezession die Nachfrage nicht mehr ausreichend stimulieren kann. Die Wirtschaft befindet sich in einer Liquiditätsfalle und benötigt vor allem wirtschaftspolitische Anreize. Eine restriktive Geldpolitik beinhaltet zudem das Risiko sinkender Löhne und Preise und kann so eine deflationäre Depression auslösen.
  • Der Monetarismus geht hingegen von einer großen Wichtigkeit der Geldmenge aus. Anhänger vertreten in der Regel, stetige und vorhersehbare Bedingungen für die Wirtschaft zu schaffen, bei der die Preisniveaustabilität eine zentrale Rolle spielt.

Was ist expansive Geldpolitik?

Die expansive Geldpolitik wird vor allem im Rahmen von Rezessionen getätigt und soll die Konjunktur beleben. Sie wird in der Regel kurzfristig angewandt und kann dann eine schnelle und reale Wirkung auf die Produktion und den Zinssatz erzielen. Allerdings verliert sie mittelfristig an Wirkung und hat nur eine Preisniveauerhöhung zur Folge.

Die expansive Geldpolitik hat das Ziel, Reservesätze zu verringern und so Überschussreserven entstehen zu lassen. Zu den Instrumenten, die eine expansive Geldpolitik ermöglichen zählen:

  • Senkung des Leitzinses
  • Offenmarktgeschäfte
  • Angebot ständiger Fazilitäten
  • Ankauf bestimmter Wertpapiere und Wechsel

Allerdings gibt es einige Umständen, in denen eine expansive Geldpolitik keine Wirkung entfalten kann. Zu ihnen gehören:

  • Investitionsfalle

Investieren Unternehmen im Rahmen einer Depression selbst dann nicht, wenn die Zinsen sehr niedrig sind, weswegen sie Stimulation der Konjunktur ausbleibt. Gründe gibt es viele:

  • Unternehmen lasten die bereits vorhanden Kapazitäten nicht aus.
  • Es kann für Unternehmen attraktiver sein, in „sichere“ Wertpapiere zu investieren, anstatt Investitionen zu tätigen, die riskanter sind.
  • Liquiditätsfalle

In der Liquiditätsfalle sind die offiziellen Zinssätze so gering, dass keine herkömmliche Geldpolitik mehr betrieben werden kann. Das Geld wird nicht für Investitionen genutzt und so dem Wirtschaftskreislauf entzogen, weil der Liquiditätsvorteil gegenüber der Ware zu groß ist.

  • Geldmengenfalle

Erhöht die Zentralbank die Geldmenge zu sehr, folgt auf dem Preisanstieg auch eine Zinssteigerung, was zu einer Steigerung des Nominalzinses führt. Die Geldpolitik verkehrt sich dann in eine restriktive um die Zentralbank kann keine Signale der Lockerung mehr setzen.

  • Quantitative Lockerung

Bei der quantitativen oder monetären Lockerung versucht die Zentralbank die Realzinsen zu senken, indem die Geldbasis ausgeweitet wird. Die Geldschöpfung ermöglicht es, private Anleihen oder Staatsanleihen zu erwerben, um so die Investitionen anzuregen. Als Konsequenz soll dann die Wirtschaftstätigkeit zunehmen und das Wirtschaftswachstum stimuliert werden.

Restriktive Geldpolitik

Die restriktive Geldpolitik wird auch als kontraktive Geldpolitik bezeichnet und bezeichnet alle Maßnahmen, die die Geldmenge senken soll. Die Senkungen der Bankreserven führen zur Verknappung von Buchgeld und Geldmenge. Die Zinssätze erhöhen sich aufgrund der höheren Nachfrage. Dadurch werden Investitionen, Konsum und Nettoexporte gedrosselt. Dies wirkt sich auch negativ auf die Gesamtnachfrage aus.

Kurzfristig hat dies in der Regel eher negative Folgen. Die Nachfrage geht aufgrund der erhöhten Preise zurück, Preisniveau und Produktion sinken in der Folge ab. Auch die Beschäftigung kann sich verringern. Durch weitere Preisanpassungen kehrt die Produktion allerdings zu ihrem natürlichen Niveau zurück. Das Preisniveau ist nun jedoch niedriger.

Damit eignet sich eine restriktive Geldpolitik vor allem dann, wenn die Inflationsrate zu groß ist und verringert werden muss, um eine Preisstabilität zu erreichen. Auch um Blasenbildungen im Finanzsektor zu verhindern, können restriktive Geldpolitikmaßnahmen sinnvoll sein. So hat beispielsweise die Nationalbank Chinas damit versucht, Spekulationsblasen durch exzessive Kreditvergaben einzudämmen.

Instrumente der Zentralbanken

Die Zentralbanken haben umfangreiche Möglichkeiten, Einfluss auf die volkswirtschaftliche Entwicklung zu üben. Das wohl bekannteste Instrument ist der Leitzins. Dabei wird zwischen drei unterschiedlichen Leitzinssätzen unterschieden:

  • Der erste Leitzins ist allgemein als „der“ Leitzins bekannt, heißt jedoch genauer Hauptrefinanzierungssatz. Will sich eine Geschäftsbank bei einer regulären Auktion Zentralbankgeld von der Zentralbank leihen, gilt dieser Zinssatz. Er ist auch deswegen wichtig, weil keine Bank unter normalen Umständen unterhalb dieses Zinssatzes Geld verleihen würde.
  • Der zweite Leitzins wird auch als Spitzenrefinanzierungssatz Will sich eine Geschäftsbank kurzfristig und außerhalb der Geldauktionen Geld von der Zentralbank leihen, muss sie diesen Zinssatz entrichten. Bei der EZB liegt er zwischen 1 und 0,75 % unter dem Hauptrefinanzierungssatz.
  • Der dritte Leitzinssatz wird auch Einlagesatz genannt und legt fest, wie hoch das Geld verzinst wird, das die Geschäftsbanken auf dem Zentralbankkonto halten. Er liegt üblicherweise unter dem Hauptrefinanzierungssatz, damit es für die Banken nicht vorteilhafter wird, mehr Geld auf dem Zentralbankkonto zu halten, als unbedingt notwendig ist.

Eine Erhöhung der Leitzinssätze führt in der Regel dazu, dass die Kreditkosten steigen. Dadurch werden Investitionen und Konsum seltener über Kredit finanziert, das Wirtschaftswachstum sinkt, weil die Nachfrage fällt. Sinnvoll ist dies gerade dann, wenn zu viele Kredite vergeben werden und Blasen entstehen, die die Wirtschaft instabil machen. Niedrige Leitzinsen begünstigen hingegen Konsum und Wirtschaftswachstum.

Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt für die Zentralbanken sind Geldumlauf und der Mindestreservesatz. Die meisten Kredite, die die Zentralbank bei den Geldauktionen vergibt, haben lediglich eine Laufzeit von einer Woche. Will die Zentralbank also die Geldmenge reduzieren, kann sie weniger Kredite versteigern, als getilgt werden. Außerdem kann sie Wertpapiere anbieten, die mehr Profit einbringen als das Zentralbankgeld, sodass Banken diese kaufen. Dies wird auch als Offenmarktgeschäft bezeichnet.

Darüber hinaus kann sie den Mindestreservesatz verändern. Geschäftsbanken sind gesetzlich dazu verpflichtet, dieses Guthaben nicht anderweitig zu verwenden und kann demzufolge nicht darüber verfügen. Bei einer Senkung des Mindestreservesatzes würde sich dies in doppelter Wirkung auf das Giralgeld auswirken und so die Geldmenge erhöhen.

Erhöht die Zentralbank den Mindestreservesatz, müssen die Geschäftsbanken große Mengen an zusätzlichem Zentralbankgeld aufbringen, was so dem Geldkreislauf entzogen wird. Dadurch erhöhen sich sowohl Einfluss als auch Einnahmen der Zentralbank, allerdings erhöht dies dadurch über die höheren Kosten für die Geschäftsbank auch den Zinssatz für Kreditnehmer.

Fazit:

Geldpolitik kann verschiedene Ziele haben und wird indirekt über die Gesetzgebung durch den Staat gesteuert. Verantwortlich sind allerdings die Zentralbanken, die unterschiedliche Möglichkeiten haben, auf die Volkswirtschaft Einfluss zu nehmen. In vielen Ländern ist das oberste Ziel die Preisniveaustabilität, allerdings sind konjunkturfördernde Maßnahmen in der Regel genauso häufig mindestens Nebenziele. Diese Ziele erreicht die Zentralbank meistens darüber, dass sie entweder Geldmenge oder Zinssätze durch verschiedene Instrumente beeinflusst.

Tilman schreibt seit 2017 für Aktien.net. Studiert hat er Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Seit mehr als zehn Jahren ist er freiberuflicher Online-Autor und hat unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, manager-magazin.de und Spiegel Online geschrieben. Gelernt hat er sein Handwerk aber ganz klassisch bei der Tageszeitung Main Post als Lokalreporter.

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