Finanzkrisen – Ursachen, Anzeichen & Ausblick 2022

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Aktienkursverlauf in rot

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Finanzkrisen treten auf, wenn systemrelevante Finanzinstitutionen ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen oder die Preise auf wichtigen Aktien- und Finanzmärkten die Fundamentaldaten nicht widerspiegeln.
  • Finanzkrisen sind keine zufälligen Ereignisse. Die Ursache können u.a. notenbankpolitische Entscheidungen, staatliche Finanzregulierung oder eine durch Kreditausfälle hervorgerufene Bankenkrise sein.
  • Währungskrisen sind Teil von Finanzkrisen, wobei u.a. Devisenspekulationen oder schwindendes Vertrauen in eine Währung für ein Zustandekommen verantwortlich sind.
  • Aus Anlegersicht ist eine Finanzkrise häufig mit finanziellen Verlusten verbunden. Auch das Anlegerverhalten ändert sich; viele legen risikobewusster an.
  • Derivate bieten Anleger*innen Möglichkeiten, ihr Depot gegen einen Crash abzusichern oder kurzfristig auf Entwicklungen während der Finanzkrise zu spekulieren.
  • Während der Finanzkrise könnten Anleger*innen investiert bleiben oder die Situation am Markt für Investments nutzen.

Was sind Finanzkrisen?

Von einer Finanzkrise wird gesprochen, wenn systemrelevante Finanzinstitutionen wie Notenbanken und andere Bankinstitute wegen Überschuldung zahlungsunfähig sind oder wenn Preise auf wichtigen Aktien- und Finanzmärkten erheblich von den Fundamentaldaten abweichen. Finanzkrisen sind das Ergebnis von Verwerfungen: Es sind keine zufälligen Ereignisse.

Folgende Definitionsmerkmale müssen erfüllt sein, damit von einer Finanzkrise gesprochen werden kann:

  • Plötzlich sinkende Vermögenswerte
  • Zahlungsunfähigkeit mehrerer Unternehmen der Finanzwirtschaft oder anderer Branchen
  • Beeinträchtigung der ökonomischen Aktivität in einem Land oder in mehreren Ländern

Finanzkrisen können in verschiedenen Varianten auftreten:

  • Finanzsystemkrise
  • Verschuldungskrise
  • Bankenkrise
  • Währungskrise

Welche Gründe gibt es für Finanzkrisen?

Es gibt verschiedene Theorien, die Finanzkrisen zu erklären versuchen:

1. Überinvestitionstheorie

Die Überinvestitionstheorie geht davon aus, dass es zu einem Anstieg des natürlichen Zinssatzes über den bestehenden Geldzinssatz kommt. Daraufhin steigt die Nachfrage nach Krediten, um neue Investitionen finanzieren zu können. Die größere Nachfrage führt nur mit einer zeitlichen Verzögerung zu einer Erhöhung des Zinssatzes. Investitionsprojekte zum alten Zinssatz sind nun nicht mehr rentabel und werden abgebrochen. Die Strukturbereinigung sorgt dann dafür, dass Finanzinstitute, Unternehmen und Konsumenten wirtschaftliche Probleme bekommen, die sich gegenseitig verstärken.

2. Monetarismus

Der Monetarismus erklärt Finanzkrisen (vereinfacht) damit, dass exzessive Geldmengenbewegungen verzeichnet werden können. Im Falle der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren wäre dies die Reduzierung der Geldmenge in den USA um 30 Prozent von 1929 bis 1933. Allerdings fehlte in der Finanzkrise ab 2007 eine entsprechende Geldmengenbewegung. Die Geldpolitik der US-Notenbank FED unter Alan Greenspan wird dennoch kritisiert. Die radikale Senkung der Zinssätze für Zentralbankkredite sei nicht notwendig gewesen und habe die Kapitalisierungsrate reduziert. So entstand, laut den Experten, ein Anstieg der Marktpreise, was wiederum die Blase begünstigte. Der entscheidende Fehler war allerdings die ausbleibende Zinsstabilisierung, die dann zu Zinssprüngen und zum Ausbruch der Finanzkrise führte.

3. Keynesianische Finanzkrisentheorie

Der britische Ökonom John Maynard Keynes war grundsätzlich der Meinung, dass ein ideales Gleichgewicht nicht ohne Eingriff des Staates möglich sei. Einer der zentralen Begriffe der keynesianischen Lehre ist die Liquiditätsfalle. Sie beschreibt eine Situation, in der die Zinssätze durch die Geldpolitik so weit unten liegen, dass eine zusätzliche Geldmengenerweiterung nicht mehr für zusätzliche Investitionsanreize sorgt. Dann wird Geld nicht mehr für langfristige Investitionen zur Verfügung gestellt, sondern gehortet. Grund dafür ist die Erwartung einer Liquiditätsprämie. Keynes sieht den einzigen Ausweg aus dieser Situation in der Investition durch den Staat, den dieser durch Kreditaufnahme finanziert.

Die Gründe für die Finanzkrise 2007 sehen Keynesianer in einer zu laxen Finanzregulierung in den 1980er und 1990er.

4. Minsky

Hyman Minsky fand zu seinen Lebzeiten wenig Gehör und wurde erst im Zuge der Finanzkrise 2007 wieder entdeckt. Inzwischen wird der Moment, in dem Spekulationsblasen platzen, sogar als „Minsky-Moment“ bezeichnet. Minsky ging davon aus, dass die Finanzierungsprozesse selbst destabilisierende Kräfte entwickeln.

Nach seiner Theorie verhalten sich Marktteilnehmer folgendermaßen:

  • Zu Beginn sind Investoren vorsichtig und sichern ihre Finanzierung ab. Demzufolge reichen auch die Einnahmen durch die zuvor getätigten Investitionen aus, um die Kredite inklusive Zinsen zurückzuzahlen.
  • Das wirtschaftliche Wachstum scheint stabil und Investoren gehen mehr Risiko ein. Die Einnahmen reichen jedoch nur noch, um die Tilgung der Kredite durchzuführen. Die Kredite selbst werden hingegen durch zusätzlich aufgenommene Kredite abgelöst.
  • Erweist sich dieses Vorgehen ebenfalls als stabil, wird auch die Zinslast durch die zusätzliche Kreditaufnahme finanziert. Dahinter steckt jedoch die Erwartung, dass die Einnahmen aus den Investitionen letztlich ausreichen, um alle Darlehen begleichen zu können.
  • Die Wirtschaft ist jedoch instabil geworden, es kommt zu Insolvenzen und Bilanzbereinigungen.

Nach der Krise beginnt der Zyklus erneut. In zahlreichen Krisen spiegelte sich dieses Schema wider. Auch auf die Finanzkrise 2007, die erst nach Minskys Tod stattfand, konnte seine Theorie angewendet werden.

5. Verhaltensökonomisch

Verhaltensökonomisch werden Krisen mit dem individuellen Anlegerverhalten erklärt. Die Konjunktur ist nach dieser Erklärung abhängig von:

  • Vertrauen
  • Gerechtigkeitsvorstellungen
  • Zeitweise Anomie
  • Geldillusion
  • Kollektive Narrativen

6. Marx

Nach Karl Marx sind Krisen keine Anomalien oder Störungen, sondern entstehen zyklisch. Demnach überschießen die Produktionskapazitäten die zahlungsfähige Nachfrage, was einen Fall der Profitrate und die zeitweise Entwertung des investierten Kapitals zur Folge hat. Erst durch diese Kapitalentwertung werden die Kapitalverwertungsvoraussetzungen verbessert und wieder aufgenommen.

7. Unterkonsumtionstheorie

Nach John Atkinson Hobson entstehen Wirtschaftskrisen aus einer zu geringen Nachfrage nach Konsumgütern. Demzufolge können sie durch Stärkung der Massenkaufkraft durch beispielsweise Lohnerhöhungen abgeschwächt werden.

Unter den Wirtschaftstheoretikern herrscht grundsätzlich keine Einigkeit darüber, wie Finanzkrisen entstehen. Dies liegt auch daran, dass die Grundannahmen über Märkte häufig entgegengesetzt sind. Dennoch konnten bislang kaum Theorien widerlegt werden. Je nach Krise scheint jedoch die eine Theorie wahrscheinlicher als die andere. Eine allumfassende Theorie, die von allen Wirtschaftsexperten als gültig angenommen wird, gibt es jedoch nicht.

Welche Gründe gibt es für Währungskrisen?

Währungskrisen werden teilweise anders verursacht, als dies bei Finanzkrisen der Fall ist. Häufig gehen sie jedoch Hand in Hand und werden deswegen häufig auch unter „twin crises“ zusammengefasst.

Derzeit gibt es drei verschiedene Modelltypen, die Währungskrisen erklären können:

Modell 1:

  • Expansive Fiskal- und Geldpolitik lassen sich mit einer festen Wechselkursbindung nicht vereinbaren.
  • Geldmengenanstieg und hohe Budgetdefizite führen zu hoher Inflation.
  • Es gibt keine natürliche Wechselkurskorrektur in Form von Abwertungen.
  • Der zu hohe Wechselkurs führt zu Leistungsbilanzdefiziten und Währungsreservenverlusten.
  • Die Zentralbank muss Devisenreserven verkaufen.
  • Wenn die Reserven aufgebraucht sind, muss die Zentralbank den Wechselkurs freigeben.
  • Die Währung wird plötzlich und massiv abgewertet.

Modell 2:

  • Es existierte eine Abwertungserwartung bei Spekulanten und Anleger*innen; diese ziehen Kapital ab.
  • Im Anschluss daran verschlechtern sich Wachstum und Beschäftigung.
  • Eine expansivere Geldpolitik beugt dem vor.
  • Diese wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Abwertung der Währung.
  • Als Konsequenz beginnen spekulative Attacken gegen die Währung.
  • Die Währung muss durch Zinserhöhungen gestützt werden, was sich wiederum auf Beschäftigung und Wirtschaftswachstum negativ auswirkt.

Modell 3:

  • Auch unbegründete Abwertungserwartungen können eine Kettenreaktion von Misstrauen und Kapitalflucht auslösen.
  • Verstärkende Ursachen hierfür können überzogene Erwartungen an Wirtschaftswachstum und Rendite sein.
  • Eine hohe Auslandsverschuldung kann bei kurzfristigen Krediten problematisch werden.
  • Ein Vertrauensverlust führt zu stark steigenden Kosten bei Anschlussfinanzierungen.
  • Gelder werden abgezogen, das Wirtschaftswachstum sinkt,h und Unternehmen und Staaten können Verbindlichkeiten nicht mehr begleichen.

Währungskrisen können auf unterschiedliche Arten zustande kommen und haben vor allem bei frei konvertierbaren Währungen ihren Ursprung entweder im Vertrauensverlust oder bei Spekulationen. Währungskrisen haben häufig Finanzkrisen zur Folge, können jedoch auch alleine auftreten.

Welche Anzeichen gibt es für drohende Finanzkrisen?

Es gibt verschiedene Anzeichen, die eine baldige Finanzkrise andeuten können. Allerdings garantiert keines dieser Merkmale, dass die Finanzkrise tatsächlich bald eintrifft. Häufig gibt es erste Warnzeichen bereits Jahre vor einer tatsächlichen Krise, und fast genauso häufig schafft es der Markt, sich selbst oder durch äußere Einflüsse zu korrigieren.

Als zentrales Problem für spekulative Anleger*innen gilt zudem die Tatsache, dass gerade kurz vor dem Platzen einer Blase gute Gewinne möglich sind. Dass sich ein Ende der Kursgewinne abzeichnet, lässt sich jedoch an den folgenden Anzeichen erkennen:

  • Starke Inflation
  • Zunehmende Arbeitslosigkeit
  • Stagnierende Löhne
  • Zunehmender Anteil an kreditfinanzierten Investitionen.
  • Steigende CDS-Notierungen
  • Stark fallende Preise in bestimmten Branchen können auf das Platzen einer Blase hindeuten.
  • Langfristige Staatsanleihen bringen weniger Zinsen als kurzfristigerer Anleihen.
  • Hausfrauen-Hausse
  • Nicht-Kerneinlagen der Banken wachsen.
  • Hohe Volatilität an den Aktienmärkten

Zyniker sind zudem der Meinung, dass fehlende Anzeichen einer Krise auch Anzeichen einer Krise sein können: Die Boomphasen sorgen für eine Euphorie und ein Ausmaß an Vertrauen, die riskantere Investitionen begünstigen, was wiederum zum Auslöser einer Krise werden kann.

Auch Chartanalyse haben verschiedene Krisenindikatoren, die das Bevorstehen einer Krise anzeigen sollen. Einer der bekanntesten ist das Hindenburg-Omen:

  • Die tägliche Zahl der neuen 52-Wochen-Hochs und der neuen 52-Wochen-Tiefs der NYSE müssen sich oberhalb von 2,2 Prozent der am entsprechenden Tag an der NYSE gehandelten Aktien befinden.
  • Der gleitende Durchschnitt über die vergangenen zehn Wochen an der NYSE steigt.
  • Der McClellan Oszillator ist negativ.
  • Die Zahl der neuen 52-Wochen-Hochs ist nicht mehr als doppelt so groß wie die Zahl den neuen 52-Wochen-Tiefs.
  • Das Hindenburg-Omen gilt dann als bestätigt, wenn es innerhalb von 36 Tagen noch einmal auftritt.

Das Hindenburg-Omen ist fraglos fehlbar. In nur einem Viertel aller Fälle folgt auf ein Hindenburg-Omen tatsächlich ein Crash. Allerdings wurde ein Crash meist von einem Hindenburg-Omen begleitet.

Es gibt zahlreiche Anzeichen, die eine Krise voraussagen können. Allerdings zeigen sich viele bereits Jahre vor Ausbruch einer tatsächlichen Krise, sodass es keine Möglichkeit gibt, den genauen Zeitpunkt zu bestimmen. Sich häufende Anzeichen sind allerdings ein Warnsignal, das nicht missachtet werden und Anleger*innen vorsichtiger machen sollte.

Von vergangenen Finanzkrisen & Börsenbeben

Im letzten und in diesem Jahrhundert hat es mehrere globale Finanz- und Wirtschaftskrisen und weitere Börsenbeben gegeben. Bekannt ist der große Börsencrash am Black Friday (24. Oktober 1929) an der New Yorker Börse, der eine mehrjährige Finanz- und Weltwirtschaftskrise einläutete. Der Grund für das Börsenbeben waren Spekulationen mit Aktien, bis die Blase platzte.

Der internationale Handel brach ein und die Produktion kam vielerorts zum Stillstand. Massenarbeitslosigkeit und politische Krisen traten weltweit auf. Weitere Börsencrashs gab es 1987 (Dow Jones -23 Prozent) und 2002 (Platzen der Dotcom-Blase), bei denen Kleinanleger*innen viel Geld verloren. Echte Weltfinanz- und Wirtschaftskrisen entwickelten sich daraus nicht.

Finanzkrise 2007/2009 als Wendepunkt globaler Finanzsysteme

Die Finanzkrise 2007/2009 hat in ihrer Schwere die Weltwirtschaftskrise 1929/1933 weit übertroffen. Der Auslöser war eine Immobilienblase in den USA in Kombination mit einer unzureichenden Regulierung des Finanzsektors. Die Ursachen der Finanzkrise waren um einiges komplexer als 1929. Zu nennen sind die starke Vernetzung der globalen Finanz- und Kapitalmärkte und im Umlauf befindliche Unmenge derivativer Finanzprodukte.

Zu den ineinander wirkenden Gründen für das Entstehen der Finanzmarktkrise gehörten u.a. leichtfertige Kreditvergabe, Spekulationen auf Höchstrenditen, inakzeptables Managerverhalten, sehr hohes Kreditvolumen, geschönte Bankbilanzen und das Verbergen von Kreditrisiken in Wertpapierpaketen. Die Pleite der Investmentbank „Lehman Brothers“ im Jahr 2008 steht beispielhaft als Auslöser der Krise, die bereits im Jahr 2007 begann.

Die Finanzkrise erstreckte sich nach und nach auf alle Segmente der Finanz- und Kapitalmärkte. Die Folge war eine sich stetig verschlechternde Realwirtschaft. Auf die entstandene Weltwirtschaftskrise reagierten Regierungen und Zentralbanken mit riesigen Finanz- und Konjunkturpaketen.

Das internationale Finanzsystem konnte vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Allein Deutschland stattete deutsche Banken, die sich auf dem Immobilienmarkt in den USA verspekulierten, mit einem Rettungspaket von 480 Milliarden Euro aus.

Euro-Krise & Corona-Pandemie

Kurze Zeit später, begünstigt durch die weltweite Finanzkrise von 2008/2009, begann im Jahr 2010 die Euro-Krise bzw. Krise der Europäischen Währungsunion. Bei der Euro-Krise handelt es sich um ein Geflecht aus Krisen von Staatsschulden, der Banken und der Wirtschaft. Nur durch das Einschreiten finanzstarker Euro-Staaten im Verbund mit der Europäischen Zentralbank (EZB) konnte ein drohender Staatsbankrott mehrerer Euro-Staaten abgewendet werden.

In den Jahren danach wurde die breite Regulierung der Finanzmärkte und der Aufbau kompetenter Finanzaufsichten vorangetrieben. Gelöst ist die Euro-Krise auch Anfang des Jahres 2022 nicht. In den damaligen Problemländern Griechenland, Zypern, Italien und Spanien ist die Staatsverschuldung weiterhin hoch.

Für Ablenkung sorgte die Corona-Pandemie, die sich ebenfalls zu einer Weltwirtschaftskrise entwickelte. Die im März 2020 stark gefallenen Aktienmärkte (DAX Kursverlust 38 Prozent) haben sich schneller erholt, als von Crashpropheten wie Max Otte oder Dirk Müller vorhergesagt.

Die lockere Geldpolitik der EZB im Zuge der Corona-Krise hat die Euro-Krise beruhigt und den Regierungen Zeit verschafft. Die Probleme sind noch vorhanden.

Warum die nächste globale Finanzkrise wahrscheinlich ist

Auslöser der nächsten weltweiten Finanzkrise könnten Schwellenländer wie China sein. Die Corona-Krise hat Politik und Wissenschaft enorm gefordert. Eine Vielzahl von Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung und Wirtschaftsbelebung wurden initiiert. Steigende Risiken für das Finanzsystem wurden kaum beachtet.

Internationale Organisationen warnen seit einiger Zeit vor wachsenden Finanzrisiken in Schwellen- und Entwicklungsländern. Die in diesem Zusammenhang gewährten Erleichterungen der Finanzierung und einen teilweisen Schuldenerlass werden den enormen Finanzrisiken nicht gerecht.

Mögliche Faktoren für eine Finanzkrise

Die steigende Wahrscheinlichkeit einer regionalen Finanzkrise oder gar einer Weltfinanzkrise lässt sich an mehreren Faktoren festmachen.

  • Im Zuge der Corona-Pandemie sind zahlreiche Unternehmen in existenzielle Schwierigkeiten geraten. Die Folge könnten Kreditausfälle und ein destabilisiertes Finanzsystem sein.
  • Immer häufigere Naturkatastrophen und globale Extremwetter werden zu einer immer größeren Belastung für Volkswirtschaften und Finanzsysteme.
  • Seit der weltweiten Finanzkrise von 2008 haben viele Länder riesige Schulden u.a. im Immobiliensektor angehäuft. Die private Verschuldung befindet sich in einigen Ländern auf einem kaum mehr beherrschbaren Niveau.
  • Schwellenländer sind besonders von steigender Staatsverschuldung betroffen, da sie für ihre Kredite mehr Zinsen zahlen müssen. Meist erfolgt die Verschuldung in ausländischer Währung.
  • Die Finanzbranche steht ebenfalls steigenden Risiken gegenüber, da es in einer Vielzahl von Ländern keine oder wenig wirkungsvolle Regulierung von Schattenbanken und Bitcoin &. Co. gibt.

Die globalen Finanzmärkte sind auf niedrigen Inflationsraten und Zinsen aufgebaut. Marktteilnehmer wie Staaten, Unternehmen und private Verbraucher*innen haben sich verschuldet, weil sie von dauerhaft niedrigen Finanzierungskosten ausgegangen sind. Billiges Geld hat zu hohen Bewertungen bei zahlreichen Vermögenswerten wie Aktien, Immobilien und Staatsanleihen geführt.

Mit steigenden Zinsen könnte manches bisher solide erscheinende Finanzierungsmodell scheitern. Die Folgen wären eine Pleitewelle und später auch eine Finanzkrise. Noch gehen Regierungen und Notenbanken davon aus, dass es nicht zu einer Überhitzung der Wirtschaft kommt und eine länger andauernde hohe Inflation unwahrscheinlich ist. Doch Gefahren drohen auch von anderer Seite.

China als möglicher Startpunkt einer globalen Finanzkrise

Eine Finanzkrise Chinas könnte das globale Finanzsystem mitreißen und die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzen. Es gibt einige Gründe, von einer Finanzkrise, die in China ihren Ursprung hat, auszugehen: In der Vergangenheit haben Schwellenländer ihr starkes Wachstum mit Finanzkrisen bezahlen müssen (beispielsweise Lateinamerika 1980er-Jahre & 1992/93, Asien 1996/97).

Die größten Finanzrisiken beherbergt der Immobiliensektor mit der massiven Verschuldung der Immobilienkonzerne wie Evergrande und der privaten Haushalte. Das hoch verschuldete Evergrande ist nur einer von vielen Immobilienkonzernen, die vor der Insolvenz stehen.

Ein Vorteil Chinas ist die staatliche Kontrolle des Finanzsystems und ein geschlossener Kapitalverkehr. Anweisungen zur Kreditvergabe an eigentlich zahlungsunfähige Unternehmen oder Finanzgesellschaften sind vorstellbar. Eine Kapitalflucht oder ein Bankenrun ist nicht zu befürchten, da privates Kapital nicht in großem Stil abgezogen werden kann. Der Großteil der Kreditschulden ist in chinesischen Renminbi, ausländische Währungen machen nur einen kleinen Teil aus.

China muss seine Probleme des Finanzsystems irgendwann lösen. Das würde die Insolvenz großer Immobilienkonzerne, die Liquidierung einiger staatlicher Banken und das Schließen von Staatskonzernen bedeuten.

In unserem Artikel „Chinesische Aktien“ gehen wir genauer auf Chinas Wirtschaft, den Aktienmarkt und die aktuelle Lage ein.

Von der inneren Finanzkrise zur geopolitischen Krise

Die Corona-Pandemie und der schwelende Handelskonflikt mit den USA haben das Potenzial für eine geopolitische Krise mit drastischen Folgen für die Weltwirtschaft. Auch in Europa wird über Handelsbeschränkungen gegen Chinas diskutiert.

Den chinesischen Impfstoffen wird eine ungenügende Schutzwirkung gegen Omikron nachgesagt, was auch auf neue Virus-Varianten zutreffen könnte. Schließungen von Produktionsstätten und Störungen von Handelsrouten würden die Folge sein.

Eine Finanzkrise Chinas hätte enorme negative Folgen für die Weltwirtschaft. China ist als Produzent und Zulieferer vieler Hightech-Produkte. Ein Ausbleiben von Lieferungen ist kurzfristig nicht ersetzbar. Unterbrochene Lieferketten würden weltweit weitere Produktionsausfälle nach sich ziehen. Hinzu kommt, dass China einer der größten Handelspartner und Importeure Deutschlands ist.

Ohne China würden Autokonzerne wie BMW, Daimler und Volkswagen weniger als 70 Prozent ihrer derzeitigen Gewinne erzielen. Außerdem kontrolliert China wichtige Rohstoffe wie seltene Erden.

Eine Finanzkrise Chinas könnte sich zu einer geopolitische Krise ausweiten. In der Vergangenheit haben autoritäre Regime versucht, von internen Problemen abzulenken, indem sie externe Probleme herbeiführten. Politische und territoriale Streitigkeiten gibt es bereits mit Taiwan und Ländern im Südchinesischen Meer.

Im Zuge der Corona-Pandemie hat das Risiko von Finanzkrisen erheblich zugenommen. Eine Bewertung haben wir eben versucht. Einige Fakten deuten darauf hin, dass China der Auslöser einer globalen Krise sein könnte.

(Quelle: Tagesspiegel)

Die Finanzkrise aus Sicht der Anleger*innen

Erfahrene Anleger*innen und Börsenprofis können einen drohenden Börsencrash vielleicht erahnen, wenn sie die Vorzeichen richtig deuten oder den Analysen von Wirtschaftsexpert*innen folgen. Bekannte Krisenszenarien aus der Vergangenheit helfen mitunter dabei. Verhindern oder genau vorhersagen lassen sich Finanzkrisen durch Anleger*innen und Börsenexperten nicht.

Finanzielle Verluste aufgrund der Finanzkrise 2008 haben dazu geführt, dass das Anleger*innenverhalten risikobewusster geworden ist; der jahrelange Börsenboom hat dafür gesorgt, dass sich mehr und mehr Anleger*innen an der Börse auf der sicheren Seite wähnen. Die enormen Kursgewinne nach dem Corona-Crash im März 2020 und im Jahr 2021 haben allein hierzulande vier Millionen neue Händler*innen an die Börse gelockt.

Wie können Anleger*innen ihr Depot gegen einen Crash absichern?

An einem schlechten Handelstag für den DAX oder Dow Jones kann es mit den Kursen um 12 und mehr Prozent heruntergehen. So geschehen im März 2020 im Zuge der Corona-Krise. In der Vergangenheit hat nach dem Crash die Erholung über kurz oder lang wieder eingesetzt. Die meisten Aktienbewertungen vor der Finanzkrise von 2008 und dem Corona-Crash wurden erreicht und übertroffen.

Für langfristig orientierte Anleger*innen waren die Finanzkrisen und Börsenbeben ohne große Auswirkungen auf die Rendite. Professionelle Marktteilnehmer*innen verdienen sich auch im Crash eine Rendite, indem sie ihr Portfolio entsprechend absichern. Zum Depot absichern stehen eine Reihe von derivativen Finanzinstrumenten wie Put-Optionen, Zertifikate, Short-ETFs und CFDs oder Short-ETFs zur Verfügung.

Wer an der Börse aktiv ist, sollte die Folgen einer möglichen Finanzkrise im Hinterkopf haben und seine Investments absichern. Einfach praktikabel auch für Einsteiger*innen sind Order-Limits zur Verlustminimierung oder regelmäßigen Gewinnmitnahme. Sinnvoll ist der Verzicht auf zu riskante Werte und das Investieren in relativ sichere Aktien wie Versorgerunternehmen oder Nahrungsmittelkonzerne.

Wie sollen sich Anleger*innen während der Finanzkrise verhalten?

Aus Sicht der Anleger*innen führten Finanzkrisen zu einem erheblichen Wertverlust des Depots. In einer solchen Situation kommt es dann vor, dass sich viele unerfahrene und weniger gut informierte Privatanleger*innen in Panik von ihren Wertpapieren trennen. Das führt zu einem fortschreitenden Einbrechen der Kurse.

Erfahrene Händler*innen nutzen volatile Märkte für gezieltes Investieren oder zum Spekulieren auf fallende Kurse von Aktien, indem sie beispielsweise Aktien leerverkaufen oder CFDs traden.

Als Anleger*in mit längeren Anlagehorizont können Sie während einer Finanzkrise investiert bleiben. Das verlangt von Ihnen mentale Stärke, um auch einen größeren Kurscrash hinzunehmen. Aufgelaufene Gewinne sollten Sie zumindest zum Teil mitnehmen. Freies Kapital können Sie später in günstigere Aktien erneut investieren. Ein breit diversifiziertes Portfolio ist geeignet, Marktkorrekturen auszuhalten.

FAQ: Unsere Antworten auf typische Fragen rund um Finanzkrisen

Wann war die letzte Finanzkrise?

Die letzte große Weltfinanzkrise war 2007 bis 2009. Es folgten die Euro-Krise (2010) und Corona-Krise (2020). In der Euro-Krise trafen Staatsschulden-, Banken- und Wirtschaftskrise aufeinander. Finanzkrisen werden immer komplexer. Hinzu kommt, dass Ursachen für frühere Finanzkrisen nicht ausreichend beseitigt sind.

Wieso kam es zur Finanzkrise 2007?

Die Finanzkrise 2007 hat verschiedene Ursachen. Auslöser war das Platzen einer Immobilienblase, die Insolvenz der Investmentbank „Lehman Brothers“ und die Übernahme von Merrill Lynch durch die Bank of America. Die wahren Gründe sind vielschichtig und umfassen beispielsweise unzureichende Finanzmarktregulierungen, Bankenversagen und aggressive Investor*innen.

Wann gibt es die nächste Finanzkrise?

Eine nächste Finanzkrise wird es mit großer Wahrscheinlichkeit früher oder später geben, nur der Zeitpunkt steht noch nicht fest. Im Zuge der Corona-Pandemie haben Regierungen und Notenbanken den Markt mit billigem Geld versorgt und so viele Unternehmen vor der Insolvenz bewahrt. Die Wahrscheinlichkeit, dass nur Zeit gekauft wurde und die Pleitewelle noch folgen wird, ist hoch. Die Euro-Krise ist keineswegs ausgestanden, denn die Verschuldung vieler Euro-Mitgliedsländer hat zugenommen.

Was ist eine Finanzkrise einfach erklärt?

Eine Finanzkrise geht mit erheblichen Verwerfungen in den Bereichen Finanzmarkt, Banken und Wirtschaft aufgrund von Marktversagen einher. Bewertungen für Vermögensgüter wie Aktien oder Immobilien spiegeln die Realität nicht mehr annährend wider. Im Zuge einer Verschlechterung der Finanzmarktbedingungen sind systemrelevante Banken zahlungsunfähig. Ein starker Vertrauensverlust ist die Folge.

Wann sinken die Immobilienpreise?

In den vergangenen zehn Jahren stiegen die Hauspreise um 70 Prozent. Die Bundesbank sieht eine Überbewertung in Metropolen von 15 bis 30 Prozent. Eine weitere Entwicklung in den kommenden zehn Jahren auf dem bisherigen Niveau würde zum Platzen einer Hauspreisblase führen. Expert*innen der Deutschen Bank prognostizieren das Ende des Immobilienbooms im Jahr 2024. Das Angebot an freiem Wohnraum wird abseits der Metropolen in vielen C- und D-Standorten die Nachfrage übersteigen.

Fazit

Nach der Finanzkrise ist vor der Weltfinanzkrise

Finanzkrisen haben häufig ähnliche Ursachen, auch wenn sich die Wirtschaftstheoretiker darüber streiten, wie Krisen zustande kommen und wie ihnen begegnet werden kann. Generelle Anlageeuphorie ist verdächtiger, je länger sie anhält. Privatanleger*innen sollten deswegen vor allem nach längeren Wachstumsphasen vorsichtig investieren und keinesfalls Kredite aufnehmen. Zudem sollten sie auf Überbewertung achten und entsprechende Branchen meiden.

Anleger*innen sollten sich mit der Wahrscheinlichkeit einer künftigen Finanzkrise auseinandersetzen und sich auf ein solches Szenario vorbereiten. Einfache Tools zum Depot absichern sind Limit-Orders.

Tipp
Sollte eine Krise eintreten (wie zuletzt mit Corona), birgt das Investieren in Finanzkrisen durchaus auch Chancen für Anleger*innen. Im verlinkten Artikel stellen wir zudem ETFs und Aktien für Krisenzeiten vor.

Thomas Detlef Bär schreibt seit mehr als zehn Jahren über Wirtschafts-, Finanz- und Verbraucherthemen. Bereits vor dieser Zeit galt sein Interesse dem Aktienmarkt. Seine Erfahrungen hat er in vielen Ratgebern niedergeschrieben und in Onlinemedien veröffentlicht. Thomas hat Betriebswirtschaft studiert und nach Abschluss seines Studium mehrere Jahre als Ökonom in einem ostdeutschen Automobilbetrieb gearbeitet. In den 1990er Jahren startete er als freiberuflicher Versicherungs- und Vermögensberater. 2009 begann er Ratgeber für das bekannte Portal helpster.de zu verfassen. Seitdem veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf zahlreichen Finanz-Portalen, darunter mikrokredit24.net, gevestor.de, onlinebanken.com. Seit 2020 schreibt er bei Aktien.net über Themen rund um den Aktienmarkt.

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