Ursachen und Anzeichen für Finanzkrisen

Ursachen und Anzeichen für Finanzkrisen

Dow Jones

Finanzkrisen treffen die Weltwirtschaft fast regelmäßig. Die Ursachen ähneln sich häufig und auch die Anzeichen vor dem Ausbruch sind fast immer die ähnlich. Wirtschaftsexperten, die entweder davon ausgehen, dass eine Krise noch nicht zu Ende ist oder bald eine neue beginnen wird, finden sich dennoch zu fast jeder Zeit. Doch wie können Privatanleger drohende Finanzkrisen erkennen und wie kommen sie zustande?

Was sind Finanzkrisen?

Folgende Definitionsmerkmale müssen erfüllt sein, damit von einer Finanzkrise gesprochen werden kann:

  • Plötzlich sinkende Vermögenswerte
  • Zahlungsunfähigkeit mehrere Unternehmen der Finanzwirtschaft oder anderer Branchen
  • Beeinträchtigung der ökonomischen Aktivität in einem oder mehreren Ländern.

Finanzkrisen können in verschiedenen Varianten auftreten:

  • Finanzsystemkrise
  • Verschuldungskrise
  • Bankenkrise
  • Währungskrise

Welche Gründe gibt es für Finanzkrisen?

Es gibt verschiedene Theorien, die Erklärungsansätze für Finanzkrisen liefern:

  1. Überinvestitionstheorie

Die Überinvestitionstheorie geht davon aus, dass es zu einem Anstieg des natürlichen Zinssatzes über den bestehenden Geldzinssatz kommt. Daraufhin steigt die Nachfrage nach Krediten, um neue Investitionen finanzieren zu können. Die größere Nachfrage führt nur mit einer zeitlichen Verzögerung zu einer Erhöhung des Zinssatzes. Investitionsprojekte, die sich zum alten Zinssatz trugen, sind nun nicht mehr rentabel und werden abgebrochen. Die Strukturbereinigung sorgt dann dafür, dass Finanzinstitute, Unternehmen und Konsumenten wirtschaftliche Probleme bekommen, die sich gegenseitig verstärken.

  1. Monetarismus

Der Monetarismus erklärt Finanzkrisen vereinfacht damit, dass exzessive Geldmengenbewegungen verzeichnet werden können. Im Falle der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren wäre dies die Reduzierung der Geldmenge in den USA um 30 Prozent während 1929 bis 1933. Allerdings fehlte beispielsweise in der Finanzkrise ab 2007 eine entsprechende Geldmengenbewegung. Die Geldpolitik der FED unter Alan Greenspan wird dennoch kritisiert. Die radikale Senkung der Zinssätze für Zentralbankkredite sei nicht notwendig gewesen und haben die Kapitalisierungsrate reduziert, was zu einem Anstieg der Marktpreise geführt und so die Blase begünstigte. Der entscheidende Fehler war allerdings die ausbleibende Zinsstabilisierung, die dann zu Zinssprüngen und zum Ausbruch der Finanzkrise führte.

  1. Keynesianische Finanzkrisentheorie

Keynes war grundsätzlich der Meinung, dass ein ideales Gleichgewicht nicht ohne Eingriff des Staates möglich sei. Einer der zentralen Begriffe in der keynesianischen Lehre ist die Liquiditätsfalle. Sie beschreibt eine Situation, in der die Zinssätze durch die Geldpolitik so weit unten sind, dass eine zusätzliche Geldmengenerweiterung nicht mehr für zusätzliche Investitionsanreize sorgt. Dann wird Geld nicht mehr für langfristige Investitionen zur Verfügung gestellt, sondern gehortet. Grund dafür ist die Erwartung einer Liquiditätsprämie. Keynes sieht den einzigen Ausweg aus dieser Situation in der Investition durch den Staat, den dieser durch Kreditaufnahme finanziert.

Die Gründe für die Finanzkrise 2007 sehen Keynesianer in einer zu laxen Finanzregulierung in den 1980er und 1990er.

  1. Hyman Minsky

Minsky fand zu seinen Lebzeiten wenig Gehör und wurde erst im Zuge der Finanzkrise 2007 wieder entdeckt. Inzwischen wird sogar der Moment, in dem Spekulationsblasen platzen als „Minsky-Moment“ bezeichnet. Minsky geht davon aus, dass die Finanzierungsprozesse selbst destabilisierende Kräfte entwickeln.

Nach seiner Theorie verhalten sich Marktteilnehmer folgendermaßen:

  • Zu Beginn sind Investoren vorsichtig und sichern ihre Finanzierung ab. Demzufolge reichen auch die Einnahmen durch die zuvor getätigten Investitionen aus, um die Kredite inklusive Zinsen zurückzuzahlen.
  • Das wirtschaftliche Wachstum scheint stabil und Investoren gehen mehr Risiko Die Einnahmen reichen jedoch nur noch, um die Tilgung der Kredite durchzuführen. Die Kredite selbst werden hingegen durch zusätzlich aufgenommene Kredite abgelöst.
  • Erweist sich auch dieses Vorgehen als stabil, wird auch die Zinslast durch die zusätzliche Kreditaufnahme finanziert. Dahinter steckt jedoch die Erwartung, dass die Einnahmen aus den Investitionen letztlich ausreichen, um alle Darlehen begleichen zu können.
  • Die Wirtschaft ist jedoch instabil geworden, es kommt zu Insolvenzen und Bilanzbereinigungen.

Nach der Krise beginnt der Zyklus erneut. In zahlreichen Krisen spiegelte sich dieses Schema wieder. Selbst auf die Finanzkrise 2007, die erst nach Minskys Tod stattfand, konnte seine Theorie angewendet werden.

  1. Verhaltensökonomisch

Verhaltensökonomisch werden Krisen mit dem individuellen Anlegerverhalten erklärt. Die Konjunktur ist nach dieser Erklärung abhängig von:

  • Vertrauen
  • Gerechtigkeitsvorstellungen
  • Zeitweise Anomie
  • Geldillusion
  • Kollektive Narrativen
  1. Marx

Nach Marx sind Krisen keine Anomalien oder Störungen, sondern entstehen zyklisch. Hiernach überschießen die Produktionskapazitäten die zahlungsfähige Nachfrage, was einen Fall der Profitrate und die zeitweise Entwertung des investierten Kapitals zur Folge hat. Erst durch diese Kapitalentwertung werden die Kapitalverwertungsvoraussetzungen verbessert und wieder aufgenommen.

  1. Unterkonsumtionstheorie

Nach John Atkinson Hobson entstehen Wirtschaftskrisen aus einer zu geringen Nachfrage nach Konsumgütern. Demzufolge können sie durch Stärkung der Massenkaufkraft durch beispielsweise Lohnerhöhungen abgeschwächt werden.

Unter den Wirtschaftstheoretikern herrscht grundsätzlich keine Einigkeit darüber, wie Finanzkrisen entstehen. Dies liegt auch daran, dass die Grundannahmen über Märkte häufig entgegengesetzt sind. Dennoch konnten bislang kaum Theorien widerlegt werden. Je nach Krise scheinen jedoch manche Theorien wahrscheinlicher als andere. Eine allumfassende Theorie, die von allen Wirtschaftsexperten als gültig angenommen wird, gibt es jedoch nicht.

Welche Gründe gibt es für Währungskrisen?

Währungskrisen werden teilweise anders verursacht, als dies bei Finanzkrisen der Fall ist. Häufig gehen sie jedoch Hand in Hand und werden deswegen häufig auch unter „twin crises“ zusammengefasst.

Derzeit gibt es drei verschiedene Modelltypen, die Währungskrisen erklären können:

Modell 1:

  • Expansive Fiskal- und Geldpolitik lassen sich mit einer festen Wechselkursbindung nicht vereinbaren.
  • Geldmengenanstieg und hohe Budgetdefizite führen zu hoher Inflation.
  • Es gibt keine natürliche Wechselkurskorrektur in Form von Abwertungen.
  • Der zu hohe Wechselkurs führt zu Leistungsbilanzdefiziten und Währungsreservenverluste
  • Die Zentralbank muss Devisenreserven verkaufen.
  • Wenn die Reserven aufgebraucht sind, muss die Zentralbank den Wechselkurs freigeben.
  • Die Währung wird plötzlich und massiv abgewertet.

Modell 2:

  • Es existierte eine Abwertungserwartung bei Spekulanten und Anlegern. Diese ziehen Kapital ab.
  • Im Anschluss daran verschlechtern sich Wachstum und Beschäftigung.
  • Eine expansivere Geldpolitik beugt dem vor.
  • Diese wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Abwertung der Währung.
  • Als Konsequenz beginnen spekulative Attacken gegen die Währung.
  • Die Währung muss durch Zinserhöhungen gestützt werden, was sich wiederum auf Beschäftigung und Wirtschaftswachstum negativ auswirkt.

Modell 3:

  • Auch unbegründete Abwertungserwartungen können eine Kettenreaktion von Misstrauen und Kapitalflucht
  • Verstärkende Ursachen hierfür können überzogene Erwartungen an Wirtschaftswachstum und Rendite
  • Eine hohe Auslandsverschuldung kann bei kurzfristigen Krediten problematisch werden.
  • Ein Vertrauensverlust führt zu stark steigenden Kosten bei Anschlussfinanzierungen.
  • Gelder werden abgezogen, das Wirtschaftswachstum sinkt und Unternehmen und Staaten können Verbindlichkeiten nicht mehr begleichen.

Währungskrisen können auf unterschiedliche Arten zustande kommen und haben vor allem bei frei konvertierbaren Währungen ihren Ursprung entweder im Vertrauensverlust oder bei Spekulationen. Währungskrisen haben häufig Finanzkrisen zur Folge, können jedoch auch alleine auftreten.

Welche Anzeichen gibt es für drohende Finanzkrisen?

Es gibt verschiedene Anzeichen, die eine baldige Finanzkrise andeuten können. Allerdings garantiert keines dieser Merkmale, dass die Finanzkrise tatsächlich bald eintrifft. Häufig setzen die Warnungen bereits Jahre vor einer tatsächlichen Krise ein und fast genauso häufig schafft der Markt es, sich selbst oder durch äußere Einflüsse zu korrigieren.

Als zentrales Problem für spekulative Anleger gilt zudem die Tatsache, dass gerade kurz vor dem Platzen einer Blase gute Gewinne möglich sind. Dass sich ein Ende der Kursgewinne abzeichnet, lässt sich jedoch durch die folgenden Anzeichen vermuten:

  • Starke Inflation
  • Zunehmende Arbeitslosigkeit
  • Stagnierende Löhne
  • Zunehmender Anteil an kreditfinanzierten Investitionen.
  • Steigende CDS-Notierungen
  • Stark fallende Preise in bestimmten Branchen können auf das Platzen einer Blase hindeuten.
  • Langfristige Staatsanleihen bringen weniger Zinsen als kurzfristigerer Anleihen.
  • Hausfrauen-Hausse
  • Nicht-Kerneinlagen der Banken wachsen.
  • Hohe Volatilität an den Aktienmärkten

Zyniker sind zudem der Meinung, dass gerade fehlende Anzeichen einer Krise, Anzeichen einer Krise sind. Dies gilt auch deswegen, weil gerade die Boomphasen für eine Euphorie und ein Ausmaß an Vertrauen sorgen, die riskantere Investitionen begünstigen, deren Platzen dann wiederum als Auslöser einer Krise zum Problem wird.

Auch Chartanalysten haben verschiedene Krisenindikatoren, die das Bevorstehen einer Krise anzeigen sollen. Einer der bekanntesten ist das Hindenburg-Omen:

  • Die tägliche Zahl der neuen 52-Wochen-Hochs und der neuen 52-Wochen-Tiefs der NYSE müssen sich oberhalb von 2,2 Prozent der am entsprechenden Tag an der NYSE gehandelten Aktien befinden.
  • Der gleitende Durchschnitt über die vergangenen zehn Wochen an der NYSE steigt.
  • Der McClellan Oszillator ist negativ.
  • Die Zahl der neuen 52-Wochen-Hochs ist nicht mehr als doppelt so groß wie die Zahl den neuen 52-Wochen-Tiefs.
  • Das Hindenburg-Omen gilt dann als bestätigt, wenn es innerhalb von 36 Tagen noch einmal auftritt.

Das Hindenburg-Omen ist fraglos fehlbar. In nur einem Viertel aller Fälle folgt auf ein Hindenburg-Omen tatsächlich ein Crash. Demgegenüber wurde allerdings kaum ein Crash nicht von einem Hindenburg-Omen begleitet.

Es gibt zahlreiche Anzeichen, die eine Krise voraussagen können. Allerdings zeigen sich viele bereits Jahre vor Ausbruch einer tatsächlichen Krise, sodass es keine Möglichkeit gibt, den genauen Zeitpunkt zu bestimmen. Sich häufende Anzeichen sind allerdings ein Warnsignal, dass nicht missachtet werden und Anleger vorsichtiger machen sollte.

Fazit:

Finanzkrisen haben häufig ähnliche Ursachen, auch wenn sich die Wirtschaftstheoretiker darüber streiten, wie Krisen zustande kommen und wie ihnen begegnet werden kann. Generelle Anlageeuphorie ist umso verdächtiger, je länger sie anhält. Privatanleger sollten deswegen vor allem nach längeren Wachstumsphasen vorsichtig investieren und keinesfalls Kredite aufnehmen. Zudem sollten sie auf Überbewertung achten und entsprechende Branchen meiden.

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