Siemens Aktie Erfahrungen – Test und Bewertung

Die Siemens AG ist einer der größten Mischkonzerne der Welt und gilt als einer der Spitzenreiter bei Elektronik und Elektrotechnik. Seit mehr als 165 Jahren ist der Konzern in Deutschland verwurzelt, jedoch seit jeher international orientiert. Das Unternehmen befindet sich seit 2014 in einem Umbruch, der von Chef Kaeser eingeleitet worden ist und derzeit erste Früchte trägt.

Die Siemens-Aktie in der Übersicht

Die Aktie von Siemens wird unter der Wertpapierkennnummer 723610 und der ISIN DE0007236101 gehandelt. Das dazugehörige Symbol ist SIE. Die Aktie ist Teil der folgenden Indizes:

  • DAX 30
  • EURO STOXX 50
  • Stoxx Europe 50
  • EURO STOXX Technology
  • Prime All Share
  • Late DAX, HADAX, CDAX, DivDAX, X-DAX, L&S DAX Indikation
  • BX Swiss – Aktien EMEA – Europa und Afrika
  • DAXglobal Sarasin Sustainability Germany Index

Siemens zählt dabei zu den Gründungsmitgliedern des DAX und ist dementsprechend schon seit Juli 1988 Mitglied. Mit 10,46 Prozent Indexgewichtung besitzt der Konzern derzeit die wichtigste Aktie im DAX. Die Marktkapitalisierung ist mit 110 Milliarden Euro entsprechend hoch.

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Das Unternehmen hat momentan 850 Millionen Siemens-Aktien ausgegeben. Diese befinden sich zu 88,80 Prozent im Streubesitz. Sechs Prozent befinden sich nach wie vor in Besitz der Familie Siemens. Ein weiterer Großaktionär ist BlackRock mit 5 Prozent. Der Staat Katar hält weitere drei Prozent, die Norge Bank 2,50 Prozent. Zudem gibt es 3,04 Prozent nicht stimmberechtigte eigene Anteile der Siemens AG.

Die zuletzt ausgezahlte Dividende betrug 3,60 Euro je Aktie, was einer Dividendenrendite von 3,45 Prozent entspricht.

So präsentiert sich Siemens auf seiner Webseite

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Fakten und Zahlen zum Mischkonzern

Siemens wurde im Oktober 1847 gegründet und hat seinen Hauptsitz sowohl in München als auch in Berlin. Der Konzern wird momentan von Joe Kaeser geleitet, der den Vorstandsvorsitz seit August 2013 innehat und zuvor sieben Jahre lang Finanzvorstand war. Aufsichtsratsvorsitzender ist Gerhard Cromme.

Der Konzern konnte im Geschäftsjahr 2016 einen Umsatz von 79,64 Milliarden und einen Gewinn von 5,35 Milliarden Euro erzielen. Das Unternehmen ist in mehr als 200 Ländern aktiv und erhält alleine in Deutschland 125 Standorte. Dort sind 114.000 Mitarbeiter beschäftig, davon 13.000 Mitarbeiter im Service und Vertrieb. Dennoch erzielt das Unternehmen 85 Prozent des Umsatzes außerhalb Deutschlands und will deswegen bis 2020 rund 30 Prozent des Managements außerhalb Deutschlands ansiedeln.

Fast jeder zweite der 351.000 Siemens-Mitarbeiter besitzt auch Aktien des Konzerns und ist dementsprechend Miteigentümer. Möglich wird dies auch durch einen Zuschuss, den Siemens seinen Mitarbeitern bezahlt. Bis 2020 will der Konzern diesen Wert auf mehr als 50 Prozent steigern.

Mehr als 165 Jahre Siemens

Die Geschichte des Konzerns geht auf den 1. Oktober 1847 zurück. Ingenieuroffizier Werner Siemens und der Feinmechaniker Georg Halske gründeten in Berlin die Telegraphen Bau-Anstalt von Siemens & Halske. Siemens hatte den Zeigertelegraf verbessert und legte so den Grundstein. Schon im Folgejahr baute Siemens die erste Telegrafenlinie in Europa (Berlin – Frankfurt am Main). Zwei Jahre später eröffnete Siemens Bruder Carl Wilhelm die erste Repräsentanz in London. 1951 erhielt das Unternehmen dort eine Council Medal bei der Weltausstellung. Ein weiterer Bruder eröffnete eine Zweigniederlassung in St. Petersburg (1855). Wohl auch aufgrund der frühen internationalen Ausrichtung gelang es dem Unternehmen, an internationalen Großprojekten wie dem Bau der Indo-Europäischen Telegrafenlinie und der Verlegung eines Transatlantikkabel durchzuführen. Der zweite wichtige Faktor waren die Erfindungen Siemens, der das dynamoelektrische Prinzip entdeckte und dies des Chefkonstrukteurs Friedrich von Hefner-Alteneck.

Ab 1880 konnte das Unternehmen durch Telefone und Telegrafen den Umsatz deutlich steigern und entwickelte sich durch technische Entwicklungen und Forschungen zum deutschen Marktführer. Siemens forschte weiter und teste den „Elektromote“, den ersten Oberleitungsbus der Welt und die erste elektrische Grubenlok „Dorothea“. Der Konzern gehörte schon früh zu einem der ersten multinationalen Unternehmen in Europa. Es hatte sich innerhalb nur weniger Jahrzehnte zu einem Elektro-Unternehmen mit Niederlassungen in fast 50 Ländern aufgestiegen.

Obwohl das Unternehmen im Ersten Weltkrieg starke Verluste hinnehmen musste, war der Konzern schon Mitte der 1920er wieder an der Weltspitze. Siemens & Halske waren nach wie vor vor allem in den Bereichen Telefonsystem und Eisenbahn tätig. Siemens profitierte nach der Machtergreifung Hitlers von der Aufrüstung und expandierte international. Während des Zweiten Weltkriegs profitierte der Konzern zudem durch Fremd- und Zwangsarbeiter. Zudem errichtete der Konzern das Siemenslager Ravensbrück und produzierte in Auschwitz und Lublin mit KZ-Häftlingen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der rasche Wiederaufbau des Konzerns. Dafür erweiterte das Unternehmen seine Produktpalette auch auf Datenverarbeitung über Halbleiterkomponenten und Computer sowie den Konsumgüterbereich und Medizintechnik. Bis 1969 erfolgte eine Umstrukturierung, zu der alle Tochtergesellschaften zur Siemens AG zusammengefasst und der Haushaltsgerätesektor mit dem von Bosch zusammengelegt wurde.

Auch in den 1980ern konnte der Konzern sein internationales Renommee mit der ersten digitalen Telekommunikationsanlage, Beteiligungen am ICE-Projekt und weiteren wichtigen Entwicklungen ausbauen. Seitdem ist der Konzern zudem in vierzehn Unternehmensbereiche organisiert. Obwohl die Geschäftsentwicklung nicht zu jedem Zeitpunkt rein positiv verlief, konnte der Konzern sich auch durch kluge Zukäufe und internationale Expansion auf dem Markt behaupten. Siemens übernahm die Nixdorf Computer AG, die VEB Nachrichtenelektronik Greifswald, Texas Instrument und legte seinen Telekommunikationsbereich mit Nokia zusammen.

Im April 2017 konnte der Konzern zudem den Zusammenschluss des Windkraft-Geschäfts mit Gamesa vollziehen und erwarb auch Mentor Graphics. Zuvor zogen sich die Gespräche mit Gamesa monatelang hin, bevor endlich alle Details geklärt waren.

Investieren in neue Technologien

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Siemens im Umbau

Der Konzern konnte 2016 gut 79,644 Milliarden Euro erwirtschaften und damit den Umsatz um 5,30 Prozent steigern. Das operative Ergebnis stieg sogar um 33 Prozent auf 7,417 Milliarden Euro. Diese positive Entwicklung bestand auch noch beim Ergebnis vor Steuern mit 7,3 Milliarden (Zuwachs von 21,5 Prozent). Beim Ergebnis nach Steuern bedeutete der Wert von 5,35 Milliarden Euro allerdings einen Verlust von 0,36 Prozent.

Beeinflusst werden die Ergebnisse auch dadurch, dass Siemens-Chef Joe Kaeser einen grundlegenden Konzernumbau in die Wege geleitet hat. Dessen erklärtes Ziel ist es, den Mischkonzern zu entbürokratisieren und so Kosten zu senken. Dafür hat der Konzern die „Vision 2020“ ausgerufen, die eine Steigerung der Leistungsfähigkeit, eine Stärkung des Kerngeschäfts und ein weiteres Wachstum vorsieht.

Aufgrund erster Erfolge stellte Kaeser Aktionären für 2017 höhere Gewinne in Aussicht und korrigierte die Gewinnprognose schon im ersten Quartal 2017 nach oben. Allerdings kämpft der Konzern mit einem deutlichen Rückgang beim Auftragseingang, unter anderem bei der Kraftwerkstechnik.

Unklar ist bislang, wie es mit der Medizintechnik-Sparte weitergehen soll. Der Konzern plant, diese an die Börse zu bringen. Unter welchen Bedingungen dies geschehen wird, ist jedoch noch offen.

Der Konzern verspricht sich vor allem im Bereich der Digitalisierung ein erhöhtes Marktwachstum zwischen sieben und neun Prozent, gefolgt von der Automatisierung mit vier bis sechs Prozent und der Elektrifizierung mit zwei bis drei Prozent.

Prognose zur Entwicklung der Siemens-Aktie: Kaufen, verkaufen oder halten?

Die Siemens Aktie wird derzeit von einer überwiegenden Mehrheit der Analysten positiv eingeschätzt. Von 22 aktuellen Analysen rät eine zum Verkauf, acht zum Halten und 13 zum Kauf der Siemens-Aktie. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 127 Euro und somit in etwa auf dem aktuellen Niveau.

Analysehaus Einschätzung Kursziel
Morgan Stanley halten 113 Euro
UBS AG kaufen o.A.
Independent Research GmbH halten 133 Euro
Deutsche Bank AG halten 126 Euro
Barclays Capital halten 124 Euro
JP Morgan Chase & Co. halten 126 Euro
Goldman Sachs Group Inc. Verkaufen 107 Euro
Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG kaufen 140 Euro
Société Générale Group kaufen 150 Euro
Citigroup Corp. kaufen 139 Euro

 

Das einzige Analyseteam, das derzeit zu einem Verkauf der Siemens Aktie rät, ist die US-Investmentbank Goldman Sachs. Analystin Daniela Costa begründet dies damit, dass 2017 zwar die Ausgaben stabil gehalten werden dürften, sie mittelfristig jedoch ein Nullwachstum erwarte. Problematisch wäre dabei vor allem die negative Entwicklung im Gesundheitsbereich.

Die Fundamentalanalyse spricht hingegen von einer leichten Unterbewertung der Siemens-Aktie. Bis 2019 soll der Konzern demnach um 10,75 Prozent jährlich wachsen. Vor allem bei einer geschätzten Dividendenrendite von 3,17 Prozent ergibt sich derzeit ein leichter Preisnachlass bei dem Wertpapier.

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Die Siemens AG in der Kritik

Der Konzern stand im Mittelpunkt einer der größten Korruptionsaffären in der Bundesrepublik, als zwischen 2006 und 2008 bekannt wurde, dass Siemens über einen längeren Zeitraum ein System von Schmiergeldzahlungen nutzte. Insgesamt musste der Konzern durch Beraterkosten, Strafen und Steuernachzahlungen von 2,9 Milliarden Euro tragen, wobei sich die Prozesse 2017 noch nicht endgültig abgeschlossen sind. In der Folge mussten Klaus Kleinfeld als damaliger Vorstandsvorsitzender und Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich von Pierer Siemens verlassen.

Zudem wurde der Konzern 2007 wegen illegaler Preisabsprachen zu einer Geldstrafe in Höhe von 400 Millionen Euro verurteilt. Von der EU wurden insgesamt 11 multinationale Konzerne zu einer Gesamtstrafe von mehr als 750 Millionen Euro verurteilt, von denen Siemens als eindeutig den größten Betrag stemmen musste. Auch 2010 geriet der Konzern wegen Preisabsprachen in den Fokus der EU-Kommission und suspendierte in diesem Rahmen drei Mitarbeiter.

Der Konzern wird zudem immer wieder dafür kritisiert, mit Staaten zusammenzuarbeiten, die die Menschenrechte nach westlichen Standards nicht ausreichend achten. So unterstellte das Schwarzbuch Markenfirmen dem Konzern, am nordkoreanischen Atomprogramm beteiligt zu sein. Zudem arbeitet es bis 2010 eng mit dem Iran zusammen und soll dabei auch moderne Überwachungstechnologie an die iranische Regierung geliefert haben, die ermöglichte, Oppositionelle aufzuspüren und zu verhaften.

Siemens hat zudem ein umfangreiches System für Lobbyarbeit errichtet und ist dabei vor allem in Zusammenhang mit dem Personalaustauschprogramm „Seitenwechsel“ kritisiert worden, bei dem Mitarbeiter der Siemens AG im Auswärtigen Amt arbeiteten.

Ist die Kritik tatsächlich gerechtfertigt?

Ist die Kritik tatsächlich gerechtfertigt?

Aktie von Siemens gilt als Dividendenaristokrat

Die Siemens-Aktie zählt hinsichtlich der Dividendenhöhe und ihrer Regelmäßigkeit zu den attraktivsten DAX-Werten. Im Jahr 2016 wurden Anteilseigner mit 3,60 Euro je Aktie entlohnt, was einer Dividende von 3,45 Euro entsprach. Die Dividende wurde zum dritten Mal in Folge erhöht. Aktionäre können sich zudem über ein konstant hohes Niveau freuen. Von 2000 bis 2016 liegt die durchschnittliche Höhe der Dividendenrendite bei 2,85 Prozent jährlich. Unter zwei Prozent fiel die Dividende nur 2000 und 2007, mehr als vier Prozent betrug sie 2011 und 2015.

Dabei ist die Dividende üblicherweise solide finanziert. Die Ausschüttungsquote bewegt sich üblicherweise zwischen 40 und 60 Prozent und lässt somit genügend Spielraum für Wachstum.

Welche Alternativen gibt es zur Siemens Aktie?

Jahrhundertealt war die Rivalität zwischen Siemens und AEG. Allerdings ist AEG als Konzern seit 1996 nicht mehr existent. Stattdessen wird der Markenname von verschiedenen Lizenznehmern genutzt. Seitdem gilt General Electric Co. als einer der stärksten Konkurrenten, da das Unternehmen ähnliche Sparten bedient wie der deutsche Elektro-Konzern. Interessante Alternativen zur Siemens-Aktie könnten auch von den folgenden Unternehmen stammen:

  • ABB Ltd.
  • Agilent Technologies Inc.
  • Autodesk Inc.
  • CENTROTEC Sustainable AG
  • Drägerwerk AG & Co. KGaA
  • Emerson Electric Co.
  • Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA
  • Gigaset AG
  • Kontron AG
  • Nordex AG
  • Philips N.V.
  • Vossloh AG
  • Whirlpool Corp.

Markenwert von Siemens: Top100 weltweit

Interbrand schätzt den Markenwert des Konzerns im Jahr 2016 auf rund 9,4 Milliarden US-Dollar ein. Im Vergleich zum Vorjahr konnte Siemens damit 10 Prozent gut machen und nimmt 2016 Platz 52 als wertvollste Marke der Welt ein. Bei Interbrand wird der Konzern hingegen auf einen Marktwert von 12,485 Milliarden Euro geschätzt und hat dabei im Vergleich zu 2016 um 19 Prozent verloren. Dementsprechend ging es um 12 Plätze herunter auf Platz 81 der weltweit wertvollsten Marken. The BrandTicker schätzt den Marktwert des Unternehmens auf 14,6 Milliarden Euro. Das Unternehmen wird dabei als innovativ, einzigartig und bekannt wahrgenommen.

Siemens kann also durchaus auf eine starke Marke zurückgreifen. Auch wenn der Konzern hinsichtlich des Markenwerts bei jeder größeren Analyse unter den Top100 Unternehmen weltweit zu finden ist, ist sicherlich dennoch überraschend, dass der Konzern als einer der größten DAX-Werte mit Endkundenangebot nicht weiter vorne platziert ist.

Fazit: Siemens-Aktie nach wie vor einen Kauf wert

Siemens Geschäftszahlen aus 2016 sind durchaus solide und auch 2017 lief bislang vielversprechend an. Dennoch unken vereinzelt Analysten, dass der Konzern nicht genügend Wachstumspotenzial hätte, was derzeitig auch durch Rückgänge bei den Aufträgen bestätigt scheint. Der Konzern hat sich allerdings seiner Vision 2020 verschrieben, die erst in der letzten Etappe Wachstum vorsieht. Dass diese jetzt eingeleitet wird, könnten Marktbeobachter aus der Fusion mit Gamesa ableiten, die den Konzern in der Windkraft-Branche verstärken soll und große Chancen bietet. Ergänzt wird der insgesamt gute Eindruck, den Siemens derzeit macht, mit der ohnehin gewohnt hohen Dividende und einem starken Marktwert.

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