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Die wichtigsten Theorien der Wirtschaftswissenschaftler

Die Wirtschaftswissenschaft ist keine „harte Naturwissenschaft“, wie beispielsweise Mathematik oder Physik, in der Forschungsergebnisse immer replizierbar sind. Stattdessen geht es hauptsächlich um Theorien, um Erklärungsmodelle, die keinen Anspruch darauf haben können, „wahr“ zu sein und unter allen Umständen zu gelten. Das Verständnis von wirtschaftlichen Prozessen lässt sich durch sie jedoch deutlich verbessern.

Vor der klassischen Nationalökonomie

Natürlich wurde Wirtschaftswissenschaft bereits seit der Antike betrieben, allerdings fehlten den Wissenschaftlern lange Zeit gemeinsame Grundannahmen und Methoden. Zudem war lange Zeit üblich, dass der Staat deutlich auf die Wirtschaft Einfluss nahm. Im Rahmen des Absolutismus war vor allem der Merkantilismus relevant, es gab jedoch keine einheitlich oder geschlossene Wirtschaftstheorie, geschweige denn Modelle für ein ideales Wirtschaftssystem. Die merkantilistischen Autoren behandelten demgegenüber häufig nur Teilbereiche und Probleme, die sich zudem häufig auf einzelne Staaten beschränkten und keinen Zusammenhang aufwiesen.

  1. Klassische Nationalökonomie

Die Klassische Nationalökonomie wird häufig als Beginn der Wirtschaftswissenschaften gesehen.

Die größte Veränderung im Denken war, dass die Nationalökonomen davon ausgingen, dass der Markt sich selbst reguliert – vorausgesetzt er hat durch ausreichende Freiheit die Möglichkeit dazu.

Von den Theoretikern wurden unter anderem die teilweise heute noch gültigen Annahmen aufgestellt:

  • Gleichgewichtsthese

Ein Marktgleichgesicht besteht dann, wenn die Menge des Angebots gleich der Nachfragemenge ist. Die Nachfrage wird dabei wesentlich durch den Preis bestimmt. Dieser ist auch bei der Beantwortung der frage entscheidend, ob es sich lohnt, die Nachfrage zu erhöhen. Befinden sich Angebot und Nachfrage in einem Gleichgewicht, wird der dann bestehende Preis als Marktpreis oder Gleichgewichtspreis bezeichnet.

  • Angebot schafft sich die Nachfrage selbst (Saysches Theorem)

Jean-Baptiste Say ging davon aus, dass jeder Produzent sein Produkt schnellstmöglich verkaufen möchte, um ein Sinken des Wertes zu verhindern. Auch das damit erzielte Geld würde er so schnell wie möglich einsetzen wollen, da auch dessen Wert sinken würde. Das führe dann wiederum dazu, dass er andere Produkte kaufen müsse, da es für Geld keine andere Einsatzmöglichkeit gäbe. Dies wiederum führe letztlich dazu, dass die Erschaffung eines Produktes den Weg für andere Produkte öffnet.

  • Die unsichtbare Hand

Die „unsichtbare Hand“ ist eine Metapher. Nach dem wohl bekanntesten Nationalökonomen Adam Smith reguliert sich der Markt selbst durch diese unsichtbare Hand. Dadurch, dass jeder Marktteilnehmer seinen eigenen Vorteil sucht und seinen Güterbedarf decken möchte, erhöht er das Volkseinkommen und erhöht somit auch das Allgemeinwohl.

  • Ertragsgesetz

Das klassische Ertragsgesetz besagt, dass die Produktion unter konstanten Faktoren mit zunehmend Einsatz der Arbeit zunächst sehr stark ansteigt, dann stagniert und schließlich sogar absinkt. Ursprünglich für die Landwirtschaft entwickelt lässt sich diese Annahme jedoch sogar auf die industrielle Produktion ausweiten.

  • Arbeitswertgesetz

Der Wert einer Ware wird nach dem Arbeitswertgesetz durch die Arbeitszeit bestimmt, die für deren Produktion notwendig ist. Diese Ware muss zudem einen Gebrauchswert haben. Der Arbeitswert richtet sich dabei nicht nach einer einfachen Rechnung, die nur die individuelle Arbeitszeit des oder der Arbeiter berücksichtigt, sondern nach der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit.

  • Wertparadoxon

Zwischen Nutzen, Wert und Preis eines Gutes existieren häufig deutliche Unterschiede. Ein klassisches Beispiel hierfür wären Wasser und Diamanten, weswegen das Phänomen auch als Wasser-Diamanten-Paradoxon bekannt ist. Während Wasser lebensnotwendig und wertvoll ist, ist der Preis hierfür im Vergleich zu Diamanten, die keinen größeren Nutzen haben, deutlich geringer.

  • Tauschwert und Gebrauchswert

Nach Adam Smith existieren Tauschwerte und Gebrauchswerte. Der Tauschwert beschreibt den Wert, den eine Ware in anderen Waren hat, wofür sie also getauscht werden könnte. Der Gebrauchswert bezeichnet hingegen die gesellschaftliche oder individuelle Nützlichkeit.

  • Marxistische Wirtschaftstheorie

Marx ist spätestens seit dem Zusammenbruch des Sozialismus und in Verruf geraten. Dennoch gilt Marx auch heute noch als einer der wichtigsten Theoretiker. Er ging davon aus, dass die Wirtschaft reguliert werden muss, was seine Theorien gleichzeitig zutiefst politisch macht. Zudem fordert er eine Kollektivierung der Produktionsmittel. Diese Forderung fusst zum einen auf Überlegungen zur Arbeitsproduktivität, zum anderen auf Beobachtungen zum Kapital und Zinsen.

Wirtschaftstheorien

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  1. Das Kapital:
  • reproduziert
  • akkumuliert
  • konzentriert
  • zentralisiert

Das führt dazu, dass es nach Ansicht von Marx Klassengesellschaften herausgebildet haben. Das Privateigentum an den Produktionsmitteln kann dabei vermehrt werden, in dem Lohnarbeit genutzt wird. Die Arbeiter könnten somit nicht am wachsenden Wohlstand teilhaben, während die Benutzung der Arbeitskräfte zu einer weiteren Anhäufung des Kapitals führe.

  1. Grenznutzenschule und neoklassische Theorie

Die Grenznutzenschule entwickelte sich parallel in Österreich, England und der Schweiz zu Beginn der 1870er. Sie versuchte vor allem, eine Lösung für das klassische Wertparadoxon zu finden (s. 1f).  Dazu wendeten sie das mikroökonomische Marginalprinzip auf den Nutzen eines Gutes an.

Der auch als „Grenzprinzip“ bezeichnete Grundsatz behandelt vor allem die Frage, wie sich kleine Handlungsveränderungen auf wichtige Zielgrößen wie Kosten oder Nutzen auswirken. Für die Grenznutzenschule ist der Wert einer Sache zudem subjektiv und unterscheidet sich von Individuum zu Individuum.

Die Neoklassische Theorie stellt gewissermaßen die um die Annahmen der Grenznutzenschule erweiterte klassische Theorie dar. Wesentlich ist auch hier das Marginalprinzip. Die neoklassische Theorie ist selbst heute in manchen Bereichen noch relevant und wurde über die letzten Jahrhunderte durch verschiedene Theoretiker geprägt, die natürlich nicht in allen Punkten übereinstimmten. Allerdings gehen die meisten von den folgenden Grundannahmen aus:

  • Die Wert- und Preistheorie beinhaltet nun nicht mehr nur die Produktionskosten, sondern wird durch den subjektiven Wert ergänzt.
  • Bei der Berechnung der Produktion werden konstante Produktionskoeffizienten von variablen Grenzkosten abgelöst.
  • Es gibt eine „unsichtbare Hand“, die zur Optimierung der Märkte führt. Teilweise ziehen Anhänger der neoklassischen Schule jedoch auch eine Art von der Regierung unterstützten Hand in Betracht.
  • Individuen handeln rational hinsichtlich ihrer Präferenzordnung und der Transitivität der Präferenzen.

Mit der neoklassischen Theorie entwickelte sich zudem die Methodik der Wirtschaftswissenschaften deutlich weiter. Vor allem die Trennung von Werturteilen und Instrumenten ist hier ein wichtiger Faktor. Wesentlich sind zudem bestimmte Annahmen bei den Modellen:

  • Der Homo oeconomicus

Der Homo oeconomicus ist das Modell der neoklassischen Theorie. Er stellt ein fiktives Wirtschaftssubjekt dar. Dieses handelt so, dass es unter den Alternativen immer die Möglichkeit wählt, durch die es seinen eigenen Nutzen maximiert. Dieses Verhalten wird auch als rational bezeichnet. Der Homo oeconomicus hat dabei feststehende Präferenzen.

Dieses Prinzip des rationalen Verhaltens stellt im Rahmen der neoklassischen Theorie eine der wichtigsten Annahmen dar und wird auch auf Haushalte oder Unternehmen übertragen.

Zudem können die folgenden Bedingungen Grundlagen der Modelle sein:

  • Vollständige Information
  • Vollkommener Markt
  • Keine Externalität, die Produktionsentscheidungen wirken nur auf den Konsum anderer Individuen.

Die Art und Weise, wie die Neoklassischen Theoretiker versuchen, auf Grundlage von Modellen Rückschlüsse zu ziehen, wurde jedoch häufig kritisiert. Die Neoklassische Theorie kann so faktisch nicht empirisch widerlegt werden, weil Fehler in den Annahmen des Modells ein Ergebnis produzieren können, das mit der Realität nicht übereinstimmt.

  1. Keynesianismus

Der Keynesianismus gilt als Gegenbewegung zur Neoklassischen Theorie. John Maynard Keynes kritisierte vor allem die makroökonomischen Annahmen. Er ging hingegen davon aus, dass die gesamtwirtschaftliche Nachfrage für Produktion und Beschäftigung die entscheidende Größe ist.

Diese Annahme führt dazu, dass der Staat eine wesentlich wichtigere Rolle spielt, als dies beispielsweise bei der Neoklassischen Theorie der Fall ist. Während Letztere davon ausgeht, dass sich der Markt selbst reguliert, vertritt der Keynesianismus die Ansicht, dass der Staat unter gewissen Bedingungen eingreifen kann oder sogar muss. Dieser kann nämlich die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen steigern.

Der Keynesianismus im Sinne seines Begründers stützt sich dabei auf die folgenden wichtigen Annahmen:

  • Nicht der Arbeitsmarkt steuert Produktion und Beschäftigung, sondern der Gütermarkt.
  • Unfreiwillige Arbeitslosigkeit ist somit denkbar.
  • Die Quantitätstheorie des Geldes greift nur bei Vollbeschäftigung.
  • Tauschwirtschaft und Geldwirtschaft sind fundamental unterschiedlich.
  • Eine Erhöhung der Ersparnis hat nicht im gleichen Maße eine Erhöhung der Investitionen zufolge. Stattdessen bestimmen Investitionen das mögliche Sparvolumen einer Volkswirtschaft. Durch Kredit- und Geldschöpfung sind stattdessen Investitionen unabhängig vom Sparen möglich.
  • Die Investitionsentscheidungen werden auch von den sogenannten „animal spirits“ also dem Instinktverhalten der Unternehmer beeinflusst.

Der Keynesianismus galt von den 1930ern bis den 1970ern als wichtigste wirtschaftstheoretische Denkweise. Vor allem die Möglichkeit des Konjunkturanschubs durch kreditfinanzierte Staatsausgaben wurde kritisiert und führte letztlich auch zu Inflation bei steigenden Arbeitslosenquoten.

  1. Monetarismus

Der Monetarismus bildete sich um Milton Friedman als Alternative zum Keynesianismus. Die Theoretiker gehen davon aus, dass nicht die Nachfrage die Wirtschaft bestimmt, sondern die Regulierung der Geldmenge für die Steuerung von Wirtschaftsabläufen unersetzlich ist. E stützt sich damit auf die einige Jahrzehnte zuvor entwickelte Quantitätstheorie, die davon ausgeht, dass das Preisniveau unter bestimmten Bedingungen von der Geldmenge abhängt.

Im Gegensatz zu den Keynesianern lehnen Monetaristen staatliche Eingriffe außerhalb der Geldpolitik größtenteils ab. Sie gehen stattdessen davon aus, dass auf einem konstanten Wachstum des Geldangebotes auch ein konstantes Wachstum des Einkommens folgt.

Fazit:

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die Wirtschaftstheorie stetig weiterentwickelt. Charakteristisch ist jedoch fast immer, dass zum einen innerhalb der Schulen verschiedene Positionen vertreten wurden, zum anderen auch verschiedene Denkansätze gleichzeitig miteinander konkurrierten. Im Austausch miteinander entwickelten sich viele Theorien zudem erst oder wurden weiterentwickelt. Bis heute sind sich die Wirtschaftswissenschaftler über bedeutende Annahmen nicht einig. Dies zeigt sich beispielsweise bei der Charakterisierung der Märkte, den staatlichen Eingriffsrechten oder -pflichten und der Rolle des Zinses. Auch wenn die Wirtschaftswissenschaften keine eindeutigen Prognosen oder unumstößliche Aussagen treffen können, bietet die Beschäftigung für Anleger die Möglichkeit, Märkte besser zu verstehen.

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