Vermögen gezielt verwalten

Finanzplanung vor der Rente (2018): das Vermögen gezielt verwalten

Finanzplanung kurz vor dem Ruhestand

Kurz vor dem Ruhestand ändert sich die Verteilung von Einnahmen und Ausgaben in der Regel noch einmal deutlich. Zudem rückt durch den Ruhestand natürlich auch die Altersvorsorge besonders in den Fokus. Viele Deutsche haben dann besonders Angst, dass ihre Ersparnisse nicht reichen werden.

Weniger Ausgaben in vielen Bereichen

Erleichtern ist für viele Menschen die vergleichsweise kurz vor dem Ruhestand stehen, die Tatsache, dass viele typische Ausgaben wegfallen. In einem Alter zwischen 50 und 60 ergibt sich in der Regel folgendes Einsparpotenzial:

  • Immobilienkredite sind häufig abbezahlt
  • Kosten für Kinder (Studium, Mietzuschuss, andere Zuwendungen) fallen weg
  • Haushaltskosten sinken aufgrund erwachsener Kinder

Zum Zeitpunkt des Rentenbezuges sinken die Kosten noch deutlicher:

  • Mobilitätskosten für die Fahrt zur Arbeit entfallen
  • Unterhaltsverpflichtungen für geschiedene Partner oder erwachsene Kinder endet spätestens dann
  • Die Kosten für die Altersvorsorge entfallen
  • Berufsunfähigkeitsversicherungen und Lebensversicherungen laufen aus.

Die Kosten, die ohne Mühe eingespart werden, können also einen wesentlichen Teil des Monatsgehalts betragen.

Mehrkosten können dennoch entstehen

Allerdings stehen den eingesparten Ausgaben häufig andere Posten gegenüber, die ebenfalls nicht zu vernachlässigen sind. Vor allem der Gesundheitszustand kann hier mit vielen Kosten zu Buche schlagen:

  • Medikamente
  • Seh- und Hörhilfen
  • Gehhilfen
  • Medizinische Fußpflege
  • Hausnotruf

Je nach Beweglichkeit und verbleibender Selbstständigkeit können zudem weitere Kosten notwendig werden wie Haushaltshilfen und Gärtner, die häufige Nutzung von Liefer- oder Menüservices oder Taxifahrten. Problematisch können jetzt auch steigende Kosten von privaten Kranken- und Pflegeversicherungen werden. In manchen Fällen sind zudem die Ehepartner in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht mehr beitragsfrei mitversichert.

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Auch der Pflegebedarf kann durch Zuzahlungen bei Pflegekräften oder bei Zusatzkosten Mehrkosten verursachen, die einkalkuliert werden müssen. Gleiches gilt für die Unterbringung in Seniorenresidenzen. Auf der anderen Seite können altersgerechte und barrierefreie Umbauten des Eigenheims notwendig werden. Zudem ist bei vielen Neubauten nun eine umfangreiche Sanierung oder Modernisierung notwendig. Vor allem Heizung, Fenster und Dach könnten nun ersetzt werden müssen.

Nicht unterschätzen sollten Vorruheständler zudem, dass die Kosten für Reisen und Freizeitgestaltung nach der Rente in der Regel noch einmal deutlich anziehen, weil mehr Zeit zur Verfügung steht.

Wichtig bei der Altersplanung: Lebensdauer steigt an

Viele Vorruheständler unterschätzen die Dauer, für die ihre Altersvorsorge ausreichen muss:

  • 76 % der Männer und 84 % der Frauen werden mindestens 85 Jahre alt.
  • Knapp 50 % der Männer und 60 % der Frauen werden mindestens 90 Jahre alt.
  • In jeder Dekade verlängert sich die durchschnittliche Lebenserwartung zwischen 1,5 und 3,5 Jahre.
  • Menschen bleiben immer länger fit und gesund.

Wie viel Geld braucht man im Ruhestand?

Grundsätzlich galt lange Zeit die Faustregel, dass 70 Prozent des Nettoeinkommens im Alter zur Verfügung stehen sollte. Dies ist deswegen möglich, weil die Belastungen grundsätzlich weniger werden. Als Maßstab das Nettoeinkommen zu wählen ist notwendig, weil die Sozialausgaben und Steuern im Alltag sinken.

Allerdings ist fragwürdig, ob diese Faustregel weiterhin Gültigkeit besitzt. Grund für Zweifel ist zum einen die steigende Lebenserwartung, zum anderen jedoch auch die erhöhte Aktivität vieler Rentner. Freizeit und Reisen sind neben den Wohnkosten oft die größten Ausgabeblöcke im Alter.

Bestandsaufnahme

Ab einem Alter von 55 Jahren erhalten Beitragszahler in der gesetzlichen Rentenversicherung nicht mehr nur die Renteninformation, sondern alle drei Jahre eine detaillierte Auskunft. Diese kann auch online bei der Deutschen Rentenversicherung Bund angefordert werden. Weitere mögliche Einkünfte stammen aus:

  • Betriebsrente
  • Riesterrente
  • Rurüprente
  • Private Rentenversicherung
  • Kapitalgebundene Lebensversicherung
  • Mieteinkünfte
  • Zinseinkünfte

In der Regel reichen alle Bezüge gemeinsam allerdings nicht aus, um das Angesparte nicht anbrechen zu müssen. Nur von Zinsen und seinen Rentenbezügen kann kaum ein Rentner leben. Vor allem mit steigendem Alter, wenn auch Pflege- und Gesundheitskosten steigen, lassen sich die Kosten oft nicht mehr von den Einnahmen stemmen.

Auch nach der Rente weiter zu arbeiten, ist nur begrenzt sinnvoll. Derzeit dürfen Rentner nur bis zu 450 Euro verdienen, bevor ihre gesetzliche Rente gekürzt wird. Auch wenn die Bundesregierung diese Grenze in Zukunft flexibler gestalten möchte, bleibt ein Zusatzverdienst häufig nicht so lukrativ, um noch größere Sprünge zu erlauben.

Überschüsse investieren

Wer seine Bezüge im Alter nicht ausreichend findet und bereits den Ruhestand in greifbarer Nähe hat, hat durchaus noch Möglichkeiten, die späteren Bezüge zu verbessern. Allerdings sind nicht mehr alle Produkte für ihn geeignet.

Dies liegt vor allem an zwei wichtigen Merkmalen: Zum einen gelangt ein Anleger mit einer Spanne von 10 bis 20 Jahren nicht mehr in einen Bereich, in dem der Zinseszinseffekt voll zum Tragen kommt. Zum anderen sind auch Rentenversicherungen nicht mehr ausreichend rentabel. Dies liegt schlicht daran, dass die Ansparperiode die zu erwartenden Auszahlungsperiode weit übersteigt.

Dennoch gibt es einige Geldanlagen, die sich dennoch lohnen können. Stiftung Warentest und Finanztest haben einige Produkte unter die Lupe genommen und trotz schwieriger Voraussetzungen lohnenswerte Anlageprodukte gefunden.

  • Betriebliche Altersvorsorge kann sich auch bei kurzen Vertragslaufzeiten lohnen.
  • Rentenversicherungen können sich durch Riesterzuschläge lohnen. Diese ermöglichen eine gute Rendite, während Einzahlungen auf jeden Fall ausbezahlt werden müssen. Dies ermöglicht teilweise eine zweistellige Rendite.
  • Die Rürup-Rente lohnt sich bei starker Steuerbelastung derzeit auch noch für Späteinsteiger, da diese nur einen Teil der Rente versteuern müssen.

Aufbrauchen des Angesparten wegen Versorgungslücke meist notwendig

Bei den meisten Anlegern ist es notwendig, dass sie im Alter das Angesparte nach und nach aufbrauchen. Dabei ist dies übrigens fast unabhängig vom Vermögensstand. Die meisten Menschen finanzieren sich nicht über Zinsen, sondern über ihr Arbeitseinkommen und dementsprechend fehlt im Alltag ein gewisser Betrag, der auch als Versorgungslücke bezeichnet wird. Den wenigsten gelingt es, so viel Geld anzusparen, dass sie Zinsen in Höhe des Nettoeinkommens erzielen können.

Demzufolge müssen sie ihr Erspartes nach und nach aufbrauchen, um ihren Lebensstandard halten zu können. Wer dies plant, steht dabei vor vielen schwierigen Fragen:

  • Wie lange muss oder soll die Versorgungslücke geschlossen werden?
  • Wie groß ist die Lücke und wie günstig das Verhältnis zwischen Vermögen und fehlendem Betrag?
  • Wie groß ist das mögliche Risiko?
  • Wie hoch ist die jährliche Inflationsrate

All dies sind wichtige Fragen, die mitbestimmen, wie das Geld angelegt werden sollte.

Im Anschluss ist es empfehlenswert, sie auf verschiedene Risikoklassen mit unterschiedlichem Anlagehorizont anzulegen, wie dies auch bei Menschen in andere Lebenssituationen ratsam ist. Allerdings sollten Anleger hier schon daran denken, dass eine bestimmte Menge ab dem Renteneintritt regelmäßig abgehoben werden muss und dementsprechend kalkulieren. Dabei sollten sie auch die Inflation berücksichtigen. Während also für einen Teil des Vermögens mit Mitte 50 durchaus noch ein Anlagezeitraum von 30 Jahren zur Verfügung steht, muss ein anderer Teil möglicherweise bereits in 15 Jahren liquidiert werden. Dementsprechend ist es wichtig, bereits im Vorfeld geeignete Anlageformen zu finden, bei denen das Kapital ohne Verlust entnommen werden kann.

Auch deswegen empfehlen viele Finanzberater die langsame Umschichtung von riskanteren Anlagen wie Aktien, Fonds oder Derivaten in festverzinsliche Finanzprodukte wie Tages- und Festgeld oder Anleihen. Das Hauptproblem ist hierbei allerdings derzeit, dass diese kaum eine Rendite erzielen können, die die Inflation abfedern können.

Anlagehorizont nicht unterschätzen

Wer durch gesetzliche oder private Altersvorsorge regelmäßige Bezüge hat und zudem riskantere Geldanlagen wie Fonds oder Aktien nutzt, sollte diese nicht vorschnell auflösen.

Es ist zwar sicherlich richtig, dass es sinnvoll ist, nach und nach auf festverzinste Geldanlagen zu wechseln, um das Risiko zu senken. Allerdings vergessen dabei viele Anleger, dass das Geld nicht direkt zu Rentenbeginn zur Verfügung stehen muss. Im Gegenteil dauert es häufig nach Renteneintritt noch zehn bis zwanzig Jahre, bis das Geld angetastet werden muss. Es kann also gerade bei der Generation 55+ deutlich zu früh sein, die Aktienanlage jetzt schon in sicherere Anlagen umzuschichten. Wesentlich sinnvoller ist es hingegen häufig, das Risiko innerhalb des Portfolios zu reduzieren und auf Blue Chips zu setzen. Diese sind in der Regel weniger volatil und werfen zudem in den meisten Zeiten alleine über die Dividende eine ansehnliche Rendite ab, mit der sich festverzinsliche Produkte gerader derzeit nicht messen können.

Für eine Umschichtung in sicherere Geldanlagen bleibt also durchaus noch etwas Zeit. Grundsätzlich ist ein Anlagehorizont von fünf Jahren geeignet, um die Gewinnwahrscheinlichkeit auf 88 Prozent zu erhöhen. Bei zehn Jahren sind es sogar 94 Prozent. Riskant ist Aktienhandel vor allem dann, wenn die Aktien jeweils nur kurzfristig gehalten werden. Ist der Anlagehorizont hingegen noch lang genug, sollte die Umschichtung noch etwas aufgeschoben werden, es sei denn es ergibt sich ein besonders günstiger Verkaufszeitpunkt. Dieser ist allerdings nur dann gegeben, wenn auch eine attraktive andere Anlagemöglichkeit zur Verfügung steht. Auch aus diesem Grund ist es derzeit umso wichtiger, die Geldanlage in Aktien auch dort so lange wie möglich zu lassen.

Auch für Vorruheständler und Rentner ist der Niedrigzins damit eine der größten Herausforderungen bei der Geldanlage, die unter Umständen ein erhöhtes Risiko erfordert.

Fazit:

Die Generation 55+ muss sich noch einmal intensiv mit der Frage Altersvorsorge beschäftigen. Eine geänderte Struktur von Einnahmen und Ausgaben macht sich zunehmend bemerkbar. Auch der Anlagehorizont der Geldanlage sollte jetzt überprüfen und möglicherweise angepasst werden. Der Niedrigzins erlaubt dabei derzeit kaum, Aktien- und Fondsanlagen bereits jetzt in festverzinsliche Produkte umzuwandeln. Es gibt allerdings selbst wenige Jahre vor der Rente noch einige Geldanlagen, die sich durch eine hohe Rendite auszeichnen und die Versorgungslücke wenigstens etwas stopfen können.

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