Fundamentalanalyse

Fundamentalanalyse » Analysemöglichkeiten 2018 nutzen

Fundamentalanalyse

Beim Aufbau eines Aktiendepots gehört natürlich zu den wichtigsten Fragen, welche Werte darin aufgenommen werden sollten. Neben der Bestimmung der Positionsgröße und der Absicherung gegen Verluste durch Setzen eines Stopp-Loss-Kurses macht daher die Wertpapieranalyse einen wesentlichen Bestandteil jeder Handelsstrategie aus.

Fundamentale oder technische Analyse

Wer sich genauer mit der Bewertung von Aktien beschäftigt, entdeckt schnell, dass es hier zwei sehr unterschiedliche Verfahren gibt. Während die sogenannte technische Analyse auf Chartformationen und Indikatoren setzt und somit die Preisinformationen in der Vergangenheit ausnutzt, um daraus günstige Einstiegspunkte in den Markt abzuleiten, geht die Fundamentalanalyse von einem gänzlich anderen Ansatz aus. Hier sind nämlich nur die wirtschaftlichen Daten eines Unternehmens von Interesse, um zu entscheiden, ob eine Aktie gekauft werden soll oder nicht.

Die Unternehmensführung jeder börsennotierten Aktiengesellschaft ist dazu gesetzlich verpflichtet, regelmäßig ihre Bilanzdaten zu veröffentlichen. Neben der Jahresbilanz werden dabei auch quartalsweise die aktuellen Kennzahlen des Unternehmens herausgegeben. Die fundamentale Analyse stützt sich allein auf diese Daten. Anhand der Bilanzen der vergangenen Jahre lässt sich die Unternehmensentwicklung gut ablesen. Welches Wachstum wurde erzielt? Wie teilt sich das Gesamtkapital auf in Eigen- und Fremdkapital? Werden jährliche Gewinne erzielt und wenn ja, sind diese mit jedem Jahr gewachsen? Diese und weitere Fragen geben dem Bilanzkundigen ein sehr genaues Bild über die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens und damit auch eine Entscheidung an die Hand, ob es sich lohnt, in die Aktie zu investieren.

Dahinter steht die Überzeugung, dass der Börsenkurs einer Aktie sich auf lange Sicht zwangsläufig der fairen Bewertung des Unternehmens annähern muss. Zwar gibt es immer wieder kurzfristige Übertreibungen in die eine oder andere Richtung, aber diese sind entweder durch politische Umtriebe, Wirtschaftsnachrichten oder aber durch das Herdenverhalten der Anleger begründet. So sind etwa viele Privatanleger in ihrem Verhalten durch Emotionen wie Gier und Angst getrieben und lösen dadurch nicht selten heftige Ausschläge im Kurs aus, die sich meist als Strohfeuer herausstellen und nur von begrenzter Dauer sind.

Die fundamentale Analyse versucht nun, solche kurzfristigen Ausschläge auszunutzen, indem sie Über- oder Unterbewertungen im Kurswert ausmacht, denn diese werden langfristig wieder zum wahren Wert zurücklaufen, der alleine durch die fundamentalen Unternehmensdaten aus der Bilanz bestimmt ist.

Dies zeigt, dass die fundamentale Analyse eher für langfristige Investoren interessant ist. Daytrader und Scalper, die gerade auf das Mitnehmen rascher Marktbewegungen aus sind, brauchen die Fundamentaldaten nicht zu beachten, da die Intradayverläufe in den Aktienmärkten und besonders auch im Forex-Bereich eher technisch begründet sind.

Eine ideale Situation liegt also vor, wenn ein Unternehmen eine positive Wachstumsprognose aufweist und momentan fundamental unterbewertet ist.

Die alten Meister: Benjamin Graham und Warren Buffet

Dass die langfristige Anlage unter Zuhilfenahme fundamentaler Kriterien ein Erfolgsmodell ist, beweist die Anlegerlegende Warren Buffet. Als einer der bekanntesten und erfolgreichsten Investoren der Welt setzt Buffet ausschließlich auf fundamentale Analyse und konnte damit im Lauf der Jahre ein Vermögen von mehreren Milliarden US-Dollar aufbauen. Dieser Vermögensaufbau beruht nicht wie beim Trading auf wenigen großen Gewinnen, denen eine ganze Reihe von kleineren Verlusten gegenübersteht, sondern im Gegenteil gerade auf dem langfristigen und langsamen Wachstum des Gesamtkapitals. Dabei hat Buffet vor allem ein glückliches Händchen darin bewiesen, Kandidaten herauszufinden, die zum Kaufzeitpunkt stark unterbewertet waren und oft in den kommenden Jahrzehnten eine Vervielfachung des Kurses hingelegt haben.

Als einer der Erfinder dieses Anlagestils, der im amerikanischen Sprachraum als Value-Investment bezeichnet wird, gilt Warren Buffets Mentor Benjamin Graham, der im Jahr 1949 sein bekanntes Buch „The Intelligent Investor“ herausbrachte. In diesem beschrieb er bereits eine Methode, die sich bei der Aktienauswahl allein auf die Betrachtung von Gewinn und Wachstum eines Unternehmens stützt. Dabei entwickelte er die noch heute gebräuchliche Graham-Formel, mit der man den fairen Börsenkurs einer Aktie berechnen kann.

Einige wichtige Kennzahlen der fundamentalen Analyse kommen immer wieder vor und sind relativ einfach zu berechnen.

Wichtige fundamentale Kennzahlen

Kurs-Gewinn Verhältnis (KGV)

Das KGV wird berechnet nach der Formel: KGV=Aktienkurs/Gewinn pro Aktie

Wenn zum Beispiel die Infineon Aktie zu 11,40 Euro notiert und der Gewinn pro Aktie im letzten Jahr 0,80 € betrug, dann ergibt das ein KGV von 11,4/0,8=14,25. Anschaulich ausgedrückt bedeutet das, die Aktie kostet 14,25 Jahresgewinne. Durch diese Berechnung lassen sich verschiedene Aktien besser vergleichen. Denn ob eine Aktie günstig oder teuer ist, kann man nicht aus dem absoluten Kurswert ableiten. So kann eine Aktie für 200€ billiger sein, als eine die mit 10 € notiert, da es ja nicht auf den Einzelpreis ankommt, sondern welches Wachstumspotential im Unternehmen steckt. Graham betrachtete ein KGV von weniger als 15 als günstig. Bei welchem KGV Wert die Grenze jeweils gezogen wird, ist von Markt zu Markt unterschiedlich und ändert sich auch mit der Zeit etwas.

Das KGV ist gut geeignet, um eine schnelle Einschätzung zu einer Aktie zu erhalten und auch, um die Werte von konkurrierenden Unternehmen miteinander zu vergleichen. Es hat allerdings ein Problem. In den Jahren, in denen ein Unternehmen Verluste geschrieben hat, wird das KGV negativ. Es kann daher bei Verlusten nicht sinnvoll bestimmt werden. Dafür wurde eine andere Größe eingeführt.

Kurs-Cashflow-Verhältnis (KSV)

Dieser Wert wird ganz analog zum KGV berechnet, nur wird statt des Gewinnes der jährliche Cashflow eingesetzt: KSV=Aktienkurs/Cashflow

Der Cashflow wird bestimmt durch die jährlichen liquiden Netto-Zuflüsse eines Unternehmens, also die Differenz zwischen Geldeingängen und Geldausgängen.

Der Cashflow ist etwas schwieriger zu ermitteln und erfordert bereits Kenntnisse der Bilanzauswertung, jedoch hat das KCV den Vorteil, dass es auch bei negativer Gewinnausweisung anwendbar ist und außerdem weniger anfällig ist gegenüber bilanztechnischen Manipulationen.

Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)

Das KBV setzt den Börsenkurs eines Unternehmens zum Buchwert je Aktie ins Verhältnis. Wenn diese Kennzahl kleiner als Eins ist, dann wird das Unternehmen an der Börse billiger gehandelt, als die Summe seines Vermögens beträgt. Dies ist wiederum ein Zeichen für eine Unterbewertung.

Fazit

Die fundamentale Analyse nutzt die Bilanzdaten eines Unternehmens, um zu erkennen, ob die Börsenkurse dem fairen Marktwert entsprechen. Investoren wie Warren Buffet haben mit dieser Methode langfristig ein gigantisches Vermögen aufbauen können.

Einzelne Kennzahlen wie KGV oder KBV geben Hinweise darauf, ob die Aktie des Unternehmens fair bewertet ist, oder eine Über- bzw. Unterbewertung vorliegt. Investoren sollten sich aber nicht auf einzelne Kennzahlen verlassen, sondern immer die Gesamtheit der Bilanz betrachten und vor allem auch die Bilanzentwicklung über mehrere Jahre verfolgen.

Denn was nutzt die Aktie eines stark unterbewerteten Unternehmens mit phänomenal günstigem KGV, wenn das Unternehmen kein stabiles Wachstum aufweist und in einigen Jahren vom Markt verschwindet? Die Kunst der fundamentalen Analyse liegt also genau darin, die langfristigen Wachstumskandidaten zu erkennen, die heute noch unterbewertet sind.

  • Finden Sie den günstigsten Depotanbieter:

    Ordervolumen
    Euro
    Order pro Jahr:
    Order
    Anteil Order über Internet:
    Durchschnittl. Depotvolumen:
    Euro
  • Weiterführende Beiträge

    Immobilienfonds
    Immobilienfonds als Anlagealternative? – Vor-und Nachteile

    Immobilien scheinen für viele Anleger immer attraktiver zu werden. Am Besten investiert man in Immobilien Fonds. Aber wie? mehr lesen

    Börse
    Börse 2018 » Die Börse im aktuellen Ratgeber erklärt

    Um an der Börse wirklich Geld verdienen zu können, muss man erst einmal verstehen,was Börse eigentlich ist. Lesen Sie dazu unseren Ratgeber. mehr lesen

    Portfolio Erfolg prüfen
    Investmentfonds Ratgeber » So investieren Anleger 2018

    Was sind Investmentfonds und wie handelt man diese am Besten? Wir klären alle Fragen von Anlegern in unserem Ratgeber. Lesen Sie jetzt! mehr lesen

    Top 5 Aktien Depots

    Sie riskieren Ihr Kapital