In Kunst investieren

In Kunst investieren – zahlt es sich aus?

Kunst als Investitionsmöglichkeit zu sehen, ist ein vergleichsweise junges Phänomen. Erst seit den 1980ern gibt es nicht nur Sammler, die auch hohe Preise aufgrund eines ideellen Wertes in Kauf nehmen, sondern auch Anleger, die erwarten, dass sie die Kunstwerke zu einem späteren Zeitpunkt für viel Geld verkaufen können. Doch lohnt sich Kunst als Investment auch für Privatanleger?

Die Vorteile beim Investment in Kunst

Der größte Vorteil dürfte für Privatanleger der ästhetische Aspekt sein. Wer Künstler kauft, die er selber mag, kann die Werke nutzen, um damit seine Wohnung oder sein Büro zu verschönern. Außerdem ermöglichen Kunstinvestments vielen Menschen, ihr Hobby gewinnbringend zu nutzen. Wer sich ohnehin für Kunst interessiert und sich gerne mit Gemälden umgibt, kann sein Wissen ganz anders anbringen und mit Freude nach renditeversprechenden Künstlern suchen.

In den letzten Jahrzehnten befindet sich der Kunstmarkt zudem in einem stetigen Aufwärtstrend, ohne dass unbedingt eine Blase zu befürchten wäre. Die Auktionspreise steigen stetig und immer mehr Künstler und Galeristen können von der Kunst leben. Dies wird von vielen Seiten allerdings nicht als Blase gesehen, sondern eher mit Musik verglichen, deren Markt ebenfalls stetig weiter existiert, die aber bereits seit Jahrzehnten wesentlich besser vermarktet wird. Auch wenn der Markt seit Jahrzehnten wächst, bedeutet dies also nicht zwangsläufig eine Überbewertung, auch wenn diese in einzelnen Bereichen natürlich nicht ausgeschlossen werden kann.

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Probleme bei der Investition in Kunst

Wer als Privatanleger in Kunst investieren möchte, muss verschiedene Herausforderungen überwinden, wenn er dabei tatsächlich erfolgreich sein möchte. Selbst wenn ein Privatanleger versucht, sein Hobby gewinnbringend zu nutzen, bleibt sein Wissen in der Regel hinter denen der Galeristen und andere Verkäufern zurück.

Die meisten Künstler gehen so vor, dass sie die Preise sukzessive erhöhen, bis sie einen Preis gefunden haben, für den ihre Werke verkauft werden. Wer gerade die Spitze des Preises erreicht hat, kann nicht mit einer Rendite rechnen.

Noch schwerer kann es Käufer von Künstlern treffen, die nur kurz gehypt wurden und anschließend auf keinerlei Interesse mehr stoßen. Gerade in den späteren 1980er und frühen 1990ern war dies häufig der Fall. Künstler waren über extrem kurze Zeiträume sehr berühmt und haben in diesem Zeitraum ihre Produktivität immens nach oben gefahren. Wo sonst nur einzelne Werke zum Verkauf gestanden hätte, waren es dutzende. Der Markt war im Anschluss übersättigt und das Interesse verpuffte. Wer einen solchen Künstler damals gekauft hat, kann fast nur noch vom ästhetischen Wert profitieren, Käufer gibt es für viele der damals gehypten Maler nicht mehr.

Ohnehin ist bei der Investition in Kunst das zentrale Problem, dass sich nicht vorhersagen lässt, welcher Künstler weiterhin erfolgreich sein und seine Bekanntheit noch erhöhen wird können. Dass es dabei nicht nur auf Talent ankommt, dürfte den meisten Kunstliebhabern klar sein. Wesentlich wichtiger in der Gegenwartskunst ist, wer den Künstler mag und dies gilt sowohl in menschlicher als auch in künstlerischer Hinsicht.

Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass nicht jedes Bild eines Künstlers gleichermaßen auf Interesse und Begeisterung stößt. Im Gegenteil gibt es viele Gemälde, die im Vergleich zu den wichtigsten Werken ins Hintertreffen geraten und vielleicht sogar nicht über eine gewisse Qualität hinauskommen. Ein Frühwerk zu ergattern, kann beispielsweise sehr riskant sein, wenn es nicht die Merkmale aufweist, die den Künstler auszeichnen und auch sonst keine interessanten Besonderheiten offenbart.

Wo finden Interessenten geeignete Kunst?

Wichtig ist als Einsteiger, den Horizont möglichst umfangreich zu erweitern und Preise festzusetzen. Galerien, Museen und Ausstellungen bieten sich an, um einen guten Eindruck über die verschiedenen Stilrichtungen und auch Preise zu bekommen.

Wer in Kunst investieren möchte, sollte zudem die Affordable Art Fair im Blick behalten. Die Messe findet jedes Jahr im November in Hamburg statt. Im Jahr 2016 ist die Preisobergrenze je Werk 7.500 Euro. Die Messe findet auch in Amsterdam und Brüssel und anderen Großstädten weltweit statt.

Ebenfalls ein fester Termin sollte die Cologne Art Fair sein, die jährlich im Oktober in Köln stattfindet und sich ebenfalls gut für Anleger eignet, die nicht gleich fünfstellige Summen für ein Werk in die Hand nehmen möchten.

Darüber hinaus gibt es in Deutschland mehr als 270 Vereine, die sich der Kunst verschrieben haben. Allerdings sind nicht alle Investoren gegenüber aufgeschlossen.

Wie kann man Talente entdecken?

Wo Talente entdeckt werden können, hängt auch von der Preisklasse ab, in der sich der Anleger bewegt. Es gibt zahlreiche Rankings, in denen die populärsten oder teuersten Künstler aufgeführt werden. Diese werden in der Regel jedoch nicht nur für die Top 10 erstellt, die natürlich besonders interessant, aber auch unerschwinglich ist. Stattdessen geht die Rangliste in der Regel über mehrere hundert Plätze und viele werden sogar vollständig veröffentlicht. Wer hier die hinteren Plätze genauer betrachtet und mit dem Vorjahr vergleicht, kann dabei schnell Trends entdecken.

Ein Beispiel für ein Ranking ist der Kunstkompass, der immer im Rahmen der Art Cologne veröffentlicht wird. Ebenso interessant können ungeordnete Zusammenstellungen sein. Hierzu zählt beispielsweise „Rising – young artists to keep an eye on“ von Olaf Salié (2001 erschienen im Daab Verlag in Köln).

Weniger relevant sind hingegen für Kenner die Ausstellungen der Absolventen von Hochschulen. Hier lässt sich zwar häufig Talent erahnen, für wirkliche Investments ist dieser Zeitpunkt jedoch zu risikoreich. Wer hier kauft, kann dies zwar deutlich günstiger, sollte dies jedoch ehr aus persönlichem Interesse tun.

Wie kommen Interessenten an Bilder?

Selbst wenn ein vielversprechender Künstler und ein ansprechendes Gemälde gefunden wurden, bedeutet dies noch lange nicht, dass der Interessent das Bild direkt erwerben kann. Etablierte Künstler haben in der Regel einige Stammgalerien, die ihre Werke exklusiv vermarkten. Diese werden auch als „Primary Market“ bezeichnet. Darüber hinaus gibt es den „Secondary Market“, der aus früh eingestiegenen Privatsammlern und Auktionshäusern zusammensetzt. Viele Künstler gehen heute zudem direkt den Weg zu den Auktionshäusern um dort die höchsten Preise zu erzielen. Grundsätzlich sind Gemälde in Galerien allerdings natürlich günstiger. Dort können die Preise nicht auf die gleiche Art und Weise ausgereizt werden und Galeristen dürfen nicht zu viele potenzielle Kunden mit zu hohen Preise verschrecken.

Letztlich werden es deswegen mit großer Wahrscheinlichkeit die Galeristen sein, die darüber entscheiden, wer das Bild erhält. Bei mehreren Interessenten können die folgenden Punkte die Wahl beeinflussen:

  • Interessent als Anleger und nicht als Kunstliebhaber erkennbar
  • Stammkunden interessieren sich auch für das Bild
  • Ein Konkurrent möchte mehrere Bilder gleichzeitig erwerben

Welche Preise können auf dem Kunstmarkt erzielt werden?

Dies hängt von verschiedenen Faktoren ab. Unter den zeitgenössischen Künstlern gilt derzeit der Kölner Gerhard Richter als teuerster Vertreter. Sein Werk „Abstraktes Bild“ wurde 2015 für 41 Millionen Euro verkauft. Richter selbst nennt die Preise in einem Interview mit der Zeit „schockierend“ und geht davon aus, dass der Kunstmarkt bald zusammenbricht. Er hatte das Bild in den 1980ern an einen Sammler für 15.000 DM verkauft.

Die 10 teuersten Bilder aller Zeiten

  1. Picasso: Les femmes d’alger (1955) – Mai 2015 verkauft für 179,5 Millionen US-Dollar
  2. Modigliani: Nu couché – (1917) – November 2015 verkauft für 170,4 Millionen US-Dollar
  3. Bacon: Three Studies of Lucian Freud (Triptychon) (1969) – November 2013 verkauft für 142,4 Millionen US-Dollar
  4. Pollock: No. 5, 1948 (1948) – November 2006 verkauft für 140 Millionen US-Dollar
  5. De Kooning: Woman III (1953) – November 2006 verkauft für 137,5 Millionen US-Dollar
  6. Klimt: Adele Bloch-Bauer I (1907) – Juni 2006 verkauft für 135 Millionen US-Dollar
  7. Munch: Der Schtei (1895) – Mai 2012 verkauft für 119,9 Millionen US-Dollar
  8. Picasso: Akt mit grünen Blättern und Büste (1932) – Mai 2010 verkauft für 106,5 Millionen US-Dollar
  9. Picasso: Junge mit Pfeife (1905) – Mai 2004 verkauft für 104,2 Millionen US-Dollar
  10. Lichtenstein: Nurse (1964) – November 2015 verkauft für 95,3 Millionen US-Dollar

Inflationsbereinigt sähe die Rangliste allerdings etwas anders aus. Vor allem fehlen mit Porträt des Dr. Gachet, Schwertlilien und Fünfzehn Sonnenblumen in einer Vase gleich drei Van Goghs, die in den späten 1980ern verkauft wurden und somit nur durch die Inflationsbereinigung in die Top 10 rutschen würden.

Allerdings gibt es darüber hinaus einige ungesicherte Verkäufe, die deutlich spektakulärer sein könnten. So Gauguins Nafea faa ipoipo (1892) im Jahr 2015 für 300 Millionen US-Dollar den Besitzer gewechselt haben. Auch Cézannes Die Kartenspieler von 1892 soll für über 250 Millionen US-Dollar neue Käufer gefunden haben. Allerdings handelt es sich hier um Privatverkäufe, während die Liste auf Ergebnissen von öffentlichen Versteigerungen basiert.

Wichtiges zur Risikoverminderung

Ein Investment in ein einzelnes Gemälde ist ein hohes Risiko. Es kann sinnvoll sein, wenn der Anleger das Werk vor allem aus ästhetischen Gründen erwirbt und damit leben könnte, dass es keinen Wiederverkaufswert besitzt. Sonst sollte allerdings die Risikostreuung im Vordergrund stehen. Das bedeutet zum einen, dass mehrere Bilder von unterschiedlichen Künstlern für wenig Geld gekauft werden und nicht nur wenige für viel Geld oder nur ein Künstler. Sonst handelt es sich um Liebhaberei und nicht um eine Geldanlage.

Außerdem sollte die Investition in Kunst niemals mehr als 5 Prozent des gesamten angelegten Vermögens ausmachen. Zwar sind Gemälde als Sachwerte einzuschätzen, allerdings ist der ideelle Wert entscheidend. Wirklich krisensicher sind Gemälde nicht und nach einem Einbruch des Kunstmarktes werden mit großer Wahrscheinlichkeit nur noch die bekanntesten Künstler gut zu verkaufen sein. Dies sollte unbedingt beachtet werden.

Fazit:

Das Investment in Kunst wird für viele Anleger interessanter, ist allerdings nicht uneingeschränkt empfehlenswert.

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