Richtiger Zeitpunkt Aktie kaufen

Aktien zum richtigen Zeitpunkt kaufen

Aktien zum richtigen Zeitpunkt kaufen

Wer Aktien zum besten Einstiegszeitpunkt kauft, kann eine höhere Rendite verzeichnen und vermeidet unnötige Kursverluste. Kein Wunder, dass gerade Privatanleger sich deswegen besonders bemühen, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Dieser ist jedoch nicht leicht zu entdecken. Immerhin kann niemand die Kursentwicklung an der Börse oder nur eines einzelnen Unternehmens vorhersagen. Wann ein Bärenmarkt endet und in einen Bullenmarkt übergeht, steht in den Sternen. Allerdings gibt es für alle Anleger eine gute Nachricht: Der richtige Zeitpunkt zum Aktieneinstieg wird überschätzt.

Einstiegszeitpunkt ist nicht entscheidend

Entgegen der Annahme, dass der richtige Zeitpunkt über die Rendite entscheidet, ist das Market Timing weit weniger wichtig, als viele annehmen. Wesentlich wichtiger ist hingegen eine langfristige Strategie mit einer ausreichenden Diversifikation. Der richtige Einstiegszeitpunkt macht bei einem langfristigen Anlagehorizont nur ungefähr 2 Prozent der Gewinnschwankungen aus (BRINSON, HOOD & BEEBOWER, 1991). Dies hat verschiedene Gründe:

  • Im Laufe der Zeit wird die Dividendenrendite bei den meisten Aktien wesentlich wichtiger als die Kurssteigerung. Der Anteil am Gesamtgewinn nimmt also stetig ab, demzufolge ist auch ein schlechter Einstiegskurs weniger wichtig.
  • Aktienmärkte erholen sich selbst nach Crashs innerhalb weniger Monate bis Jahre wieder deutlich und zeigen über einen längeren Zeitraum so gut wie immer eine Steigerung.
  • Nach der Markteffizienzhypothese sind die vorhandenen Informationen ohnehin eingepreist. Es gibt also keine Möglichkeit, Aktien „billig“ zu kaufen.

Studien, die sich mit Market Timing beschäftigen, kommen in der Regel zum gleichen Ergebnis: Wer dauerhaft in einen Markt investiert war, kann über einen längeren Zeitraum eine höhere Rendite verzeichnen als sämtliche Fonds mit Market Timing Strategie. So hat sich der S & P 500 von 1988 bis 1997 um 18,04 % steigern können. Der erfolgreichste Fonds ist System & Forecast mit einer Wertsteigerung von 16,90 %. Alle anderen von der IFA untersuchten Fonds schnitten noch schlechter ab. Wenn schon Finanzexperten mit Ausbildung, die ihren gesamten Arbeitstag mit der Analyse von Wertpapieren verbringen können, den richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkt nicht besser erkennen können als der Marktdurchschnitt, wie soll dies dann einem Privatanleger mit deutlich begrenzteren Ressourcen gelingen?

Market Timing kann schädlich sein

Es gibt viele Gründe, die darauf hinweisen, dass Market Timing sogar schädlich ist. Dafür spricht zum einen die verringerte Rendite in Bezug zum Vergleichsindex. Privatanleger sind ohnehin nicht all zu gut darin, den besten Zeitpunkt zu finden und müssen sich häufig mit deutlich weniger Rendite zufriedengeben.

Zum anderen ist es ungemein wichtig, dass ein Anleger zu den richtigen Zeitpunkten investiert ist. So hat die Allianz Global Investors Kapitalmarktanalyse 2011 einen Vergleich angestellt, wie sich eine Anlage von 100.000 Euro in den DAX oder den MSCI World ohne die besten 20 Tage entwickelt hätte:

DAX MSCI
Wertentwicklung 1991-20011 336.185 204.826
Wertentwicklung ohne die besten 20 Tage 79.992 78.708

 

Wer also in den besten Tagen nicht investiert war, hat sein Kapital sogar verringert. Es scheint für die Rendite also deutlich wichtiger zu sein, zu den richtigen Zeitpunkten Aktien zu besitzen, anstatt schwache Perioden zu vermeiden.
Wer diese Zahlen kennt und sich dennoch regelmäßig aus dem Aktienmarkt zurückzieht, riskiert neben der Rendite auch sein Wohlbefinden. Wer Chancen nuten möchte, muss die Börse jeden Tag verfolgen, um am Ende nicht die wichtigen Handelstage zu verpassen. Immerhin handelt es sich hier um durchschnittlich nur einen Tag pro Jahr. Urlaub oder Krankheit können dann schon fast die Gesamtrendite kosten.
Auf der anderen Seite hätten beispielsweise auch Anleger, die zum Höhepunkt der Dotcom-Blase im März 2000 in ein Portfolio mit ausreichender Diversifizierung investiert hätten, bis 2014 eine Rendite von über 7 Prozent erzielen können. Natürlich wären Kurseinbrüche zu Beginn unvermeidbar gewesen, am Gesamtgewinn änderte dies jedoch nichts.
Zusätzlich setzt das Märchen vom richtigen Einstiegszeitpunkt den Anleger unnötig unter Leistungsdruck. Der wirklich perfekte Zeitpunkt für Ein- und Ausstieg wird so gut wie nie getroffen. Das bedeutet, dass der Anleger immer etwas hätte besser machen können und schnell unzufrieden mit sich selbst werden könnte.

Was ist wichtiger als der Einstiegszeitpunkt?

Vor allem eine gute Risikostreuung führt dazu, dass sich das Investment mit einer guten Rendite entwickeln und der Privatanleger auch bei sinkenden Märkten die Ruhe bewahren kann. Hierfür sind entscheidend:

  • In mehreren Ländern investieren
  • In mehrere Branchen investieren
  • Verschiedene Finanzprodukte nutzen
  • Depot mit Sachwerten wie Gold absichern
  • Langfristig anlegen und selten umschichten
  • Auf Korrelationseffizienten achten

Denn auch eine langfristige Halte-Strategie ist nicht immer und unter allen Umständen erfolgreich. Ein Beispiel hierfür ist der japanische Nikkei, der sich innerhalb der letzten 30 Jahre nicht deutlich steigern konnte und als Gegenargument angeführt werden kann. Durch eine ausreichende Diversifikation können einzelne Ausreißer jedoch problemlos kompensiert werden.

Langfristige und regelmäßige Investition als Schlüssel zum Erfolg

Viele Studien legen nahe, dass es wesentlich sinnvoller ist, das Kapital über einen längeren Zeitraum zu investieren, als es in manchen Zeiträumen voll einzusetzen und dann wieder aus dem Markt zu ziehen. Der Gedanke dahinter ist logisch: Zum einen werden wichtige Wachstumsphasen nicht verpasst, wenn das Geld dauerhaft investiert ist, zum anderen gleichen sich so schlechte und gute Einstiegspunkte zwangsläufig aus. Wer beispielsweise über einen Zeitraum von 30 Jahren vierteljährlich investiert, kann so 90 Einstiegspunkte nutzen.

Dabei können Privatanleger ruhig in der Höhe etwas variieren. Wer Bauchschmerzen dabei bekommt, in sinkende Märkte zu investieren, kann in diesen Zeiträumen weniger Kapital einsetzen und in steigenden Märkten mehr. Sparpläne oder vierteljährliche Investitionen haben sich dabei bewährt. Dabei müssen Anleger jedoch immer auf die ausreichende Risikostreuung achten, um langfristig profieren zu können.

Der richtige Einstiegszeitpunkt wird überschätzt. Studien weisen darauf hin, dass es wesentlich erfolgsversprechender ist, langfristig und regelmäßig kleinere Beträge zu investieren. Deutlich relevanter ist eine ausreichende Diversifikation des Portfolios.

Schwierige Einstiegszeitpunkte meiden

Wer nur einen kurz- oder mittelfristigen Anlagehorizont hat, ist gezwungen, gute Einstiegszeitpunkte zu finden. Und auch bei einer langfristigen Strategie ist es dennoch sinnvoll, nicht alles Geld gleichmäßig zu investieren, wenn alle Zeichen dafür sprechen, dass die Börse in der nächsten Zeit deutliche Einbrüche hinnehmen muss. Allerdings ist dies hauptsächlich eine psychologische Komponente. Im Zweifel gilt hier das Gleiche wie beim Market Timing und Privatanleger können sich genauso wie Finanzexperten bei ihrer Prognose irren. Zu sehr sollten Anleger also nicht variieren – langfristig wird sich die Überwindung, auch zu schlechten Zeitpunkten zu investieren, bezahlt machen.

Allerdings kann es dennoch sinnvoll sein, die folgenden Zeiträume zu meiden und währenddessen in andere Geldanlagen zu investieren, die wenig Korrelation mit der Börse aufweisen:

  • Hausfrauenhausse (auch: Dienstmädchen-Hausse)

Als Hausfrauen-Hausse wird eine Marktphase bezeichnet, in der auch wenig informierte Kleinanleger an die Börse strömen. In der Regel geschieht dies dann, wenn die letzte Phase einer Spekulationsblase erreicht ist und sich spekulativ-orientierte Anleger bereits aus dem Markt zurückziehen, weil dieser zu riskant wird. In der Regel hat die Börse Kleinanleger zu diesem Zeitpunkt über mehrere Jahre mit einer beträchtlichen Rendite beeindruckt, sodass diese das Investment in Aktien nicht länger scheuen. Die Börse ist zudem im Alltag der Menschen angekommen und auch die Boulevardpresse berichtet über das Börsengeschehen. Demzufolge wird auch vom „Bildzeitungsindikator“ gesprochen: Das Ende der Hausse ist dann nicht mehr fern, wenn auf der Titelseite der Bild-Zeitung börsenrelevante Nachrichten behandelt werden.

Der optimale Einstiegszeitpunkt ist hier bereits lange vorüber.

  • Sommermonate

Ein altes Börsensprichwort lautet „Sell in May and go away“. Tatsächlich lässt sich in den Sommermonaten von Juni bis Oktober in den meisten Monaten ein Rückgang der Kurse verzeichnen. Dies ist sicherlich auch der Bekanntheit des Sprichwortes geschuldet und die Börsenpsychologie tut ihr Übriges. Tatsächlich fanden auch zahlreiche große Börseneinbrüche im Zeitraum von Mai bis September statt. Der Oktober ist allerdings ein ähnlich beliebter Monat für größere Börsencrashs, sodass die von der Börsenregel empfohlene Rückkehr im Oktober sicherlich auch nicht uneingeschränkt gelten kann.

Beispiele für Börsencrashs von Mai bis Oktober im 20. und 21. Jahrhundert:

  • Schwarzer Freitag Mai 1927
  • Schwarzer Donnerstag Oktober 1929
  • Schwarzer Montag 1987
  • September 2011
  • Sturz des Nikkei-Index Mitte Oktober 2007

Demgegenüber lassen sich nur wenige Crashs verzeichnen, die außerhalb der Sommer- und Herbstmonate geschahen. Zu ihnen gehört jedoch das Platzen der Dotcom-Blase im März 2000 und der legendäre Einbruch des Nikkei um fast die Hälfte im Januar 1990. Diese Börsenregel ist also offensichtlich nicht in Stein gemeißelt. Alleine dadurch, dass an der Börse Massenpsychologie ein wichtiger Faktor ist, stimmt die alte Börsenregel jedoch wesentlich häufiger, als sie nicht stimmt.

  • Überbewertung einzelner Unternehmen

Wer nicht in Indizes investiert, sondern vor allem Einzeltitel im Blick hat, sollte bei einer zu krassen Überbewertung in Erwägung ziehen, einen besseren Zeitpunkt abzuwarten. Dies gilt jedoch vor allem bei kleineren Aktiengesellschaften. Bei den Blue Chips ist der Einstiegszeitpunkt langfristig gesehen deutlich unwichtiger, was jedoch auch an den regelmäßigen Dividendenzahlungen liegt, die als verlässlicher gelten können. Um herauszufinden, wie stark ein Unternehmen überbewertet ist, empfiehlt sich eine Fundamentalanalyse mit KGV, KBV, KUV, KCV, Gesamtkapitalrendite und Eigenkapitalquote.

Auch wenn es langfristig gesehen nicht notwendig ist, besonders ungünstige Investitionszeitpunkte zu vermeiden, gibt es einige Situationen, die Privatanleger leicht meiden können.

Fazit

Wer in Aktien investieren möchte, sollte jetzt damit beginnen. Allerdings sollte er das zur Verfügung stehende Kapital auf verschiedene Einstiegszeitpunkte aufteilen und vor allem auf eine ausreichende Diversifikation achten.

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