Festgeldkonto oder Fonds & Aktien?

Fonds und vor allem Aktien sind unter deutschen Anlegern immer noch vergleichsweise unbeliebt. Während es in Amerika weit verbreitet ist, in Aktien und Co. zu investieren, ziehen deutsche Anleger in der Regel Anleihen und Festgeldkonto vor. Damit verspielen sie sich allerdings in vielen Fällen die Chance auf eine höhere Rendite, ohne das Risiko maßgeblich zu erhöhen. Deswegen lohnt es sich, mit Festgeldalternativen auch dann zu beschäftigen, wenn sie vordergründig deutlich riskanter wirken. Entscheidend ist der Anlagehorizont.

Unterschiede zwischen Wertpapieren und Festgeld

Der größte Unterschied für Anleger ist sicherlich, dass bei Wertpapieren kein Zinsertrag garantiert ist. Während sie bei Festgeld ihren festgeschriebenen Zins nur in Katastrophenfällen nicht erhalten, kann das in Wertpapiere investierte Kapital sogar zurückgehen. Allerdings ist die Rendite bei Wertpapieren jedoch häufig deutlich höher. Riskanter ist die Anlage jedoch auch. Bei den meisten Fonds und Aktien gilt allerdings: je länger die Laufzeit, umso geringer das Risiko. Nach einer Studie der Allianz Global Investors Europe sind Aktien bei einer Anlagedauer von 30 Jahren sogar sicherer als Staatsanleihen oder Festgeldkonten.

Wer sich dennoch nicht traut, direkt in Aktien zu investieren, findet unter den Wertpapieren allerdings auch einige Alternativen, deren Risiko nicht nur aufgrund der Streuung, sondern auch aufgrund der Investmentsegmente deutlich weniger Risiko aufweisen.

Grundsätzlich ist der Aktienmarkt deutlich besser als sein Ruf. Er birgt allerdings für Anleger auch durchaus Gefahren. Gerade Privatanleger steigen erst dann in Aktien ein, wenn es viel zu spät ist, und steigen dann mit großen Verlusten wieder aus. Ein regelmäßiges Investment über einen längeren Zeitraum verringert das Risiko und steigert die Rendite.

Wertpapiere

Bei Wertpapieren ist der Zinsertrag nicht garantiert Quelle: pixabay

Geldmarktfonds oder Festgeld?

Wer nicht in Aktien investieren möchte, erhält mit Geldmarktfonds eine mögliche Alternative. Es handelt sich dabei um Investmentfonds, die klassischerweise in kurz laufende Geldmarktanlagen investieren. Darunter zählen:

  • Sichtgelder
  • Termingelder
  • Anleihen
  • Schuldscheindarlehen

Indirekt kann es also durchaus passieren, dass Anleger über Geldmarktfonds in Festgelder investieren. Allerdings sucht das Fondsmanagement lukrative Angebote heraus und diversifiziert die Geldanlage durch mehrere Investments und Geldmarktanlagen zugleich. Dennoch tragen Geldmarktfonds dabei grundsätzlich ein Zinsänderungsrisiko und ein Kreditrisiko der Emittenten. Auch wenn Geldmarktfonds unter den Fonds eher als sichere und stabile Renditebringer ohne größere Ausschläge nach oben gelten, haben zahlreiche Geldmarktfonds im Rahmen der Finanzkrise eine negative Wertentwicklung verzeichnen müssen. Auch sie liefern ihre Rendite also nicht in jedem Fall so zuverlässig wie Festgeld, sondern hängen noch stärker vom Finanzmarkt ab, als lange vermutet wurde. Dies zeigt sich auch in den letzten Monaten, die ebenfalls von Verlusten geprägt sind.

Im Gegensatz zu vielen anderen Fonds ist die Volatilität bei Geldmarktfonds üblicherweise eher gering. Es ist also oft möglich, auch kurzfristig in die Fonds zu investieren.

Derzeit ist allerdings die Rendite bei den meisten Geldmarktfonds nicht unbedingt überzeugend. Natürlich leiden auch sie unter den Niedrigzinsen und können so nicht die Rendite erzielen, die Anleger aus Hochzinsphasen schätzen. Hinzu kommen in vielen Fällen bei Geldmartkfonds im Vergleich zum Festgeldkonto Zusatzkosten wie Ausgabeaufschlag, Verwaltungskosten und Depotgebühren hinzu. Dementsprechend eignen sich Geldmarktfonds nur dann, wenn der Geldmarkt auch entsprechende Renditemöglichkeiten zulässt.

Aktuell stellen Geldmarktfonds also keine ernst zunehmende Alternative zum Festgeld dar. Erst mit steigendem Leitzins werden sie wieder attraktiv. Denkbar sind auch Geldmarktfonds, die ihren Fokus außerhalb der Industriestaaten haben, allerdings sind diese auch entsprechend riskanter.

Festgeldkonto vs Rentenfonds

Rentenfonds investieren in Papiere, die regelmäßig Zinsen zahlen. In der Regel handelt es sich dabei um Anleihen, die auch als Rentenpapiere bezeichnet werden. Staatsanleihen und Unternehmensanleihen mit hervorragender Bonität gelten dabei als relativ risikoarm, sodass Ausfälle unwahrscheinlich sind. Dabei richten sich die meisten Fonds nach dem Urteil von Ratingagenturen. Größere Renditechancen können nicht nur durch geringere Bonität erzielt werden. Genauso denkbar ist ein Rentenfonds, der in fremden Währungen investiert, allerdings kommt hier ein Währungsrisiko hinzu.

Da Rentenfonds üblicherweise vor allem dann im Vorteil sind, wenn die Zinsen stark sinken, da dann die Kurse der Anleihen stark steigen, sind Rentenfonds derzeit nicht unbedingt empfehlenswert. Dies gilt umso mehr, da es den Fonds auch in Zeiten steigender Zinsen oftmals nicht gelingt, eine positive Rendite zu erwirtschaften. Auch hier besteht also wie bei Geldmarktfonds ein Emittenten- und Zinsänderungsrisiko.

Rentenfonds haben deutlich mehr Renditemöglichkeiten, als dies bei Geldmarktfonds der Fall ist. Allerdings können sie auch deutlich riskanter sein. Anleger müssen deswegen darauf achten, in welche Art von Anleihen der Fonds investiert und wie groß das Risiko ist. Dann allerdings können Rentenfonds durchaus eine Alternative zum Festgeld sein.

Ruhestand Rente

Rentenfonds haben deutlich mehr Renditemöglichkeiten

Festgeld oder Mischfonds?

Mischfonds kombinieren üblicherweise mehrere Anlagesegmente. Häufig widmet sich ein Teil des Investments Aktien, der andere Teil hingegen Renten oder Geldmarktpapiere. Je nachdem, wie rendite- oder sicherheitsorientiert ein Fonds ist, setzt er eher auf Aktien oder auf Renten. Im Vergleich zum Festgeld ist ein Mischfonds also bereits ein deutlich größeres Wagnis. Häufig versucht das Fondsmanagement allerdings auch durch unterschiedliche Schichtungen auf aktuelle Marktentwicklungen zu reagieren und so das Rendite-Risikoverhältnis zu optimieren.

Mischfonds lohnen sich auch deswegen im Vergleich zum Festgeld, weil sie nicht im gleichen Maße vom Zinsniveau abhängen wie festverzinsliche Anlageprodukte. Stattdessen decken sie mit Aktien einen weiteren Markt ab und streuen so das Risiko.

Vereinzelt empfehlen Anlageberater, sich einen Mischfonds selbst und kostengünstig zusammenzustellen, in dem ein gutes Festgeldangebot mit einem Aktien-ETF kombiniert wird. Dies ersetzt jedoch keineswegs einen gut geführten Mischfonds. In ihm wird die Entwicklung dauerhaft kontrolliert und überwacht, sowie die Anteile an den unterschiedlichen Assetklassen angepasst. Zudem wird das Risiko-Renditeverhältnis auch im Renten-Bereich durch unterschiedliche Anleihen optimiert. Dementsprechend bietet ein Mischfonds weit mehr als ein durchschnittlicher Privatanleger mit dem typischen Kapital zu leisten imstande ist.

Auch beim Mischfonds müssen Anleger wie bei allen Fonds mit Zusatzkosten durch Ausgabeaufschlag, Verwaltungsgebühren und Depotführungskosten rechnen. In vielen Fällen ist der Gewinn durch die höhere Rendite jedoch größer als beim Festgeld.

Festgeld oder Aktien?

Aktien bieten üblicherweise deutlich höhere Renditechancen als Festgeldkonten, allerdings ist auch das Risiko deutlich höher. Grundsätzlich kann selbst das Wertpapier eines DAX-Unternehmens in nur einem Jahr eine Volatilität im zweistelligen Bereich aufweisen. Das führt zu beträchtlichen Gewinnchancen, allerdings belasten viele Anleger die teils sehr starken Schwankungen nach unten. Um das Risiko zu minimieren, reicht es allerdings in der Regel schon aus, die Aktien langfristig zu halten und so die Marktschwankungen zu relativieren.

Viele Anleger setzten dabei auf große und deswegen relativ stabile Werte, die zudem häufig durch eine hohe und zuverlässige Dividende überzeugen. Anleger können so nicht nur von Kurssteigerungen profitieren, sondern haben durch die Dividende noch eine weitere Gewinnchance. Schon bei einer durchschnittlichen Dividendenrendite von 1,5 Prozent, die von vielen DAX-Unternehmen erreicht wird, stellt die Aktienanlage Festgeld auf dem derzeitigen Zinsniveau in den Schatten. Entwickelt sich dann auch die Aktie und der Aktienmarkt gut, können Anleger ihre Rendite deutlich erhöhen.

Nachteile von Aktien gegenüber Festgeld:

  • Durch Volatilität und schlechter Unternehmensführung erhebliches Kursrisiko
  • Zusätzliche Kosten durch Ordergebühren und Depotführungskosten
  • Diversifizierung durch Investment in mehrere Aktien notwendig, somit höherer Kapitalbedarf
  • Dividenden sind niemals garantiert
  • Aktien benötigen bei Auswahl und Überwachung des Depots mehr Zeit.
  • Anlage ist zwar jederzeit liquidierbar, dies birgt jedoch auch ein Risiko für falsche Entscheidungen. Eigentlich ist der optimale Anlagezeitraum länger als bei Festgeld.
Aktien haben ein deutlich höheres Risiko

Aktien haben ein deutlich höheres Risiko

Festgeldkonto oder Aktienfonds?

Eine Alternative zu Aktien stellen reine Aktienfonds dar, die das Investment aller Anteilseigner auf unterschiedliche Wertpapiere verteilen, die sie für geeignet halten. Eine Spielart sind passive ETFs, die einen Index abbilden und so zwar keine „Überflieger“ unter den Wertpapieren erwischen, jedoch die grundsätzliche Marktsteigerung zuverlässig mitnehmen. Diese liegt nach Studien bei durchschnittlichen sieben Prozent jährlich. Anleger erhalten hier insgesamt also eine deutlich höhere Rendite. Allerdings gilt auch bei Aktienfonds, dass das Risiko umso kleiner wird, je länger ein Anleger investiert bleibt.

Festgeld oder Immobilienfonds?

Immobilien stehen bei vielen Privatanlegern fast genauso hoch im Kurs wie Festgeld, Tagesgeld oder Gold. Allerdings gelingt es vielen Privatanlegern nicht, ihre Immobilie renditeträchtig zu vermieten. Zudem entsteht ein großes Klumpenrisiko und der Kapitalaufwand für Immobilien ist außergewöhnlich hoch. Ein Immobilienfonds, der selbst das Geld auf unterschiedliche Standorte, Regionen und Nutzungsarten streut, kann hier Abhilfe schaffen.

Das Risiko ist üblicherweise gering bis mäßig und liegt damit über dem üblichen Risiko eines Festgeldkontos. Dafür ist die Rendite allerdings auch deutlich höher. Zudem ermöglicht das Investment in Immobilienfonds als anderes Anlagesegment eine weitere Diversifikation, da letztlich Sachwerte zugrunde liegen, deren Korrelation mit dem Geld- und Aktienmarkt gering ist. Dementsprechend kann sich ein Immobilienfonds als Ergänzung zum Festgeld durchaus denkbar.

Dabei sind für typische Festgeldnutzer offene Immobilienfonds jedoch deutlich geeigneter als geschlossene. Auch wenn geschlossene Fonds den Prinzipien vom Festgeld mit einer „festen“ Rendite und einer vereinbarten Laufzeit stärker ähneln, ist das Risiko hier deutlich größer.

Fazit: Fonds und Aktien sind eine gute Alternative zum Festgeld

Das Risiko bei Fonds und Aktien ist gerade bei einem langfristigen Investment deutlich geringer, als die meisten sicherheitsorientierten Anleger denken. Gerade durch Renten- und Geldmarktfonds gibt es zudem einige Produkte, die der Denkweise von Festgeld-Fans durchaus entgegenkommen. Bei einem langfristigen Anlagehorizont wird das Risiko für Verlust immer geringer, sodass auch Misch- und Aktienfonds zumindest eine Überlegung wert ist.

Dies gilt umso mehr zur aktuellen Niedrigzinszeit, die eine Alternative zum Festgeld fast zwingen erforderlich macht. Anleger müssen sich dabei natürlich nicht ganz von ihrer Lieblingsanlage abwenden. Ein Teil des Kapitals ist bei Festgeld immer gut aufgehoben, wenn Anleger die dadurch gewonnene Sicherheit schätzen.

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