Linde AG Aktie kaufen? Analyse & Bewertung aktuell

Linde AG Aktie kaufen? Analyse & Bewertung aktuell

Die Linde AG macht derzeit mit ihren Fusionsabsichten mit Praxair von sich reden. Das deutsche Traditions-Unternehmen ist deswegen nicht mehr lange DAX-Unternehmen. Dabei zählt die Linde Aktie zu den Gründungsmitgliedern. Ist derzeit der richtige Zeitpunkt, um Linde Aktien zu kaufen?

Die Aktie der Linde AG in der Übersicht

Die Linde Aktie wird unter der WKN 64830 und der ISIN DE0006483001 gehandelt. Das dazugehörige deutsche Symbol ist LIN. Bei der Aktie von Linde handelt es sich grundsätzlich um Inhaberaktien, die an allen deutsche Börsen und in Zürich gehandelt werden. Sie ist Teil der folgende Indizes:

  • DAX 30
  • Prime All Share
  • Late DAX, HADAX, CDAX, DivDAX, X-DAX, L&S DAX Indikation
  • EURO STOXX
  • BX Swiss – Aktien EMEA – Europa und Afrika
  • DAXglobal Sarasin Sustainability Germany Index

Die Linde AG zählt zu den Gründungsmitgliedern des DAX und ist dementsprechend schon seit dem 1. Juli 1988 dabei. Derzeit wird die Aktie von Lindem mit 2,90 Prozent im deutschen Leitindex gewichtet und ist damit aktuell der 11. Wichtigste Wert des DAX.

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Der Konzern hat knapp 186 Millionen Linde-Aktien ausgegeben. Insgesamt erreicht er eine Marktkapitalisierung von gut 29 Milliarden Euro. Meldepflichtige Großaktionäre sind die Blackrock Inc., die Norges Bank und Sun Life Financial Inc. mit jeweils um die fünf Prozent der Linde-Aktien.

2016 zahlte die Linde AG eine Dividende von 3,70 Euro je Aktie. Dies entspricht einer Dividendenrendite von 2,36 Prozent.

So präsentiert sich die Linde AG auf Ihrer Webseite

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Fakten und Zahlen zum Technologie-Konzern

Die Linde AG wurde am 21. Juni 1879 gegründet und hat ihren Hauptsitz in München. Der Konzern besteht derzeit aus Linde Gas und Linde Engineering und wird den Branchen Gas, Anlagenbau und Fördertechnik zugerechnet.

Der Vorstandsvorsitzende Aldo Belloni führt das Amt des Vorstandsvorsitzenden seit Dezember 2016, nachdem Wolfgang Büchele seinen Rücktritt mit Ablauf des Tages bekannt gegeben hatte. Aufsichtsratsvorsitzender ist Wolfgang Reitzle.

Bei der Linde AG waren Ende 2016 59.715 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt haben sie eine Vergütung von 3,185 Milliarden-Euro erhalten. Bei der Linde AG sind 135 Nationen vertreten.

Der Konzern konnte einen Umsatz von knapp 17 Millionen Euro erzielen. Das operative Ergebnis beträgt 2 Milliarden und der Gewinn nach Steuern 1,154 Milliarden Euro. Die Gases Division ist dabei mit knapp 15 Milliarden Euro deutlich umsatzstärker als die Engineering Division. Auch die operative Marge ist mit 28,3 Prozent deutlich höher als in der Engineering-Sparte (8,3 Prozent).

Der Konzern ist dabei im EMEA-Raum (5,7 Milliarden), Asien (4,1 Milliarden) und Amerika (5,232 Milliarden) ähnlich umsatzstark. Insgesamt ist der Konzern in mehr als 100 Ländern weltweit tätig.

Traditionsreiche Geschichte des Unternehmens

Der Konzern geht maßgeblich auf den Erfindungsgeist von Carl von Linde zurück. Dieser war bereits mit 26 Jahren außerordentlicher Professor an der Polytechnischen Schule München geworden. Er beschäftigte sich mit Kältetechnikverfahren und entwickelte eine Kühlanlage, die Gärung bei konstanter Temperatur zuließ. Aufgrund des großen wirtschaftlichen Interesses rief er zusammen mit zwei Brauern und drei weiteren Gründern 1879 die „Gesellschaft für Linde’s Eismaschinen AG“ ins Leben. Zu Beginn wirkte sich auch die wachsende Nachfrage durch den milden Winter 1883/1884 geschäftsfördernd aus. Kühlhäuser und Eis wurden überall gebraucht und die Firma florierte. Linde hatte zwischenzeitlich seine Professur aufgegeben, kehrte jedoch 1890 zurück an die TU München. Dort entwickelte er das nach ihm benannte Linde-Verfahren zur Zerlegung von Luft und gelang ihm so, größere Mengen Luft zu verflüssigen. 1901 errichtete der Konzern eine Anlage zur Gewinnung von Sauerstoff, die zwei Jahre später auch zur Gewinnung von Stickstoff genutzt wurde.

Nach 1920 übernahmen seine Söhne den Betrieb, der die Weltwirtschaftskrise nur knapp überstehen konnte. Ab 1933 produzierte Linde ebenfalls Kleindieselmotoren, ab 1938 auch Gasmotoren. Obwohl der Konzern kein direkter Rüstungslieferant war, konnte er in der Nazi-Zeit profitieren. Der Konzern lieferte unter andrem Gaszerleger, Industriegase, Motoren, fahrbare Reparaturwerkstätte und galt deswegen als kriegswichtig. Der Konzern beschäftigte auch Fremdarbeiter, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, im Vergleich zu anderen deutschen Unternehmen jedoch vergleichsweise wenig.

Obwohl zahlreiche Fabriken von Linde zerstört wurden, war der Konzern nicht ganz so stark betroffen wie andere. Grund dafür war, dass die Produktionsschwerpunkte in den westlichen Teilen Deutschlands geblieben waren und von Demontagen und Enteignungen zumindest nicht umfangreich betroffen waren. Zudem zählten die Produkte von Linde nicht zu den unmittelbaren Rüstungsgütern und unterlagen nach Kriegsende kaum Beschränkungen. Schon 1946 konnte der Konzern einen Gewinn von 1,7 Millionen Reichsmark erzielen und wuchs schnell, auch wenn die Wiedereingliederung des Gas-Bereiches mit einigen Herausforderungen verbunden war.

In den 1950ern erprobte der Konzern das „Hydrocar“, das kontinuierlich weiterentwickelt wurde und schließlich auch als Gabelstapler hergestellt wurde. Die Herstellung von Gabelstaplern sollte bald zu einem der zentralen Produkte im Linde-Sortiment werden. In den 1950er und 1960ern expandierte der Konzern stark und benannte sich 1965 in „Linde AG“ um. Der Aufbau des Gasgeschäfts begann 1974 in Brasilien und Australien. In den folgenden Jahrzehnten expandierte der Konzern weiter und legte dabei weiterhin einen großen Fokus auf das Gabelstapler-Geschäft. Nach der Wende verlagert sich dieser Schwerpunkt zumindest teilweise auf das Gasgeschäft. Dabei nehmen auch die Forschung in diesem Bereich und die zahlreichen unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten zentrale Stellenwerte ein.

Die Linde AG beschäftigt Mitarbeiter weltweit in über 100 Ländern

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Linde und Praxair – was bedeutet die Übernahme für Aktionäre?

Linde und Praxair haben sich zu einer 60-Millarden-Euro schweren Fusion entschlossen, nachdem die Verhandlungen im September schon als gescheitert galten. Die Pläne sehen vor, dass Praxair-Chef Steve Angel den durch die Fusion gegründeten Konzern aus den USA führen soll. Der neue Konzern solle auch weiterhin auf den Namen Linde hören und Reitzle Aufsichtsratschef bleiben. Der Standpunkt in Dresden würde bestehen bleiben und keiner der deutschen Mitarbeiter bis 2021 gekündigt. Beide Unternehmen versprechen sich von der Fusion neben der eindeutigen Marktführerschaft auch Einsparungen in Höhe von einer Milliarde Euro. Während Linde 19 Milliarden Umsatz verzeichnen konnte, setzt Praxair elf Milliarden US-Dollar um. Beide können allerdings einen ähnlichen Gewinn mit 1,5 Milliarden US-Dollar aufweisen.

Die Fusion ist dennoch alles andere als unumstritten und derzeit haben noch nicht alle notwendigen Parteien zugestimmt. Unter anderem sind Betriebsräte und Gewerkschafter nicht davon überzeugt, dass es sich um einen guten Deal für die Mitarbeiter handelt. Belloni und die Arbeitnehmervertreter hatten allerdings ausgehandelt, dass Kündigungen bis 2021 in Deutschland ausgeschlossen sind. Diese Vereinbarung scheint jedoch nicht alle Ressentiments abgebaut zu haben. Kritisiert wird vor allem die Verlagerung zu Praxair in den USA. Der Konzern ist dafür bekannt, deutlich rentabler als Linde zu arbeiten und dabei auch vor starken Kürzungen im Personalbereich nicht zurück zu schrecken. Reitzle hat bereits angekündigt, notfalls sein doppeltes Stimmrecht zu nutzen, um den Widerstand der Betriebsräte zu überstimmen. Zudem können auch Kartellämter und Aufsichtsbehörden mehr Eingeständnisse von beiden Unternehmen verlangen, als sie zu tragen bereit sind.

Auch der Zeitpunkt der Fusion verscheibt sich möglicherweise nach hinten. Derzeit wird gegen einzelne Manager und möglicherweise sogar gegen Reitzle selbst wegen Insidergeschäften ermittelt. Die Fusion soll eigentlich bis Mitte Mai stehen.

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Aktuelle Lage des Konzerns

Linde konnte im Jahr 2016 einen Umsatz von 17 Milliarden Euro verzeichnen, was im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von 5,55 Prozent bedeutete. Auch das operative Ergebnis ging um vier Prozent auf zwei Milliarden Euro zurück. Der Gewinn blieb mit 1,154 Milliarden Euro allerdings konstant und verbesserte sich sogar um 0,44 Prozent. Verantwortlich dafür ist auch ein deutlicher Stellenabbau. Von 64.538 Mitarbeitern, die Ende 2015 bei der Linde AG beschäftigt waren, sind 2016 nur noch 59.715 Mitarbeiter beschäftigt gewesen, was einen Rückgang von 7,5 Prozent bedeutete.

In den letzten Monaten konnte Linde nicht unbedingt mit Positiv-Schlagzeilen von sich reden machen. Der niedrige Ölpreis führte dazu, dass der Konzern sowohl 2016 als auch 2015 jeweils eine Gewinnwarnung herausgeben musste. Der Standort Dresden und zahlreiche Arbeitsplätze in Deutschland gelten somit unabhängig von der Fusion als bedroht.

Prognose zur Aktienentwicklung – Linde Aktie kaufen, halten oder verkaufen?

Ein Großteil der Analysten sieht die zukünftige Entwicklung der Linde-Aktie positiv oder zumindest zurückhaltend optimistisch. Von 25 aktuellen Analysten raten elf zum Kauf der Aktie von Linde und zwölf weitere zum Halten. Allerdings empfehlen mit S&P Capital IQ und der Citigroup Corp auch zwei Analysehäuser den Verkauf. Die Analyse von Citigroup stammt allerdings noch von einem Datum vor Bekanntgabe der erfolgreichen Gesprächsverhandlungen mit Praxair. S&P Capital begründet seine Prognose hingegen mit den zurückhaltenden Geschäftszielen für das laufende Jahr.

Analysehaus Einschätzung Kursziel
Independent Research GmbH halten 171 Euro
Kepler Cheuvreux kaufen 178 Euro
equinet AG kaufen 174 Euro
Baader Bank kaufen 190 Euro
Deutsche Bank AG halten 174 Euro
BNP PARIBAS halten 165 Euro
Bernstein Research halten 152 Euro
Barclays Capital kaufen 171 Euro
DZ Bank kaufen
Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) halten 149 Euro
JP Morgan Chase & Co. halten 160 Euro

 

Das durchschnittliche Kursziel aller Analysten beträgt 162,48 Euro, was derzeit drei Prozent über dem aktuellen Kurs der Linde-Aktie liegt. Die Fundamental-Analyse ergibt einen fairen Kurs. Bei einem erwarteten Wachstum von 13,37 Prozent bis 2018 und einem geschätzten KGV von 16,42 und einer Dividendenrendite von 2,75 Prozent ergibt sich sogar, dass die Aktie von Linde derzeit eher günstig ist. Allerdings beinhaltet dies natürlich nur bedingt die Auswirkungen, die die Praxair-Fusion haben könnte.

Kritik am Unternehmen wird nur selten laut

Linde ist in den letzten Jahren weitestgehend skandalfrei geblieben. 2011 musste der Konzern jedoch eine Strafe in Höhe von 35 Millionen Euro bezahlen, da er sich der Korruption schuldig gemacht haben soll.

Für Kritik sorgte auch das Vorgehen bei INOmax, einem Gas, das in der Säuglingsheilkunde eingesetzt wurde und eigentlich recht günstig war. Der Konzern kaufte jedoch 2001 die Firma Aktiebolaget Gas-Accumulator und erwarb damit auch die Patente, sodass Linde schließlich weltweit exklusiver Lizenznehmer des Patents war. Das Gas gilt eigentlich als Nebenprodukt bei der Industrieproduktion und konnte dementsprechend zuvor günstig erworben werden. Nach dem Patenterwerb wurde Linde jedoch Monopolist und verteuerte das Gas um das 50-fache. Das Europäische Patentamt erklärte das von Linde genutzte Patent schließlich für unwirksam, da die Sachlage ohnehin nicht eindeutig war und das Patent erst nach den ersten Behandlungen angemeldet wurden.

Ist die Kritik tatsächlich gerechtfertigt?

Ist die Kritik tatsächlich gerechtfertigt?

Linde und Praxair mit regelmäßiger Dividende

Für alle Aktionäre, die eine gute und regelmäßige Dividende schätzen, ist die Linde-Aktie bislang immer eine attraktive Aktie gewesen. Der Konzern zahlte an seine Aktionäre im Jahr 2016 ganze 3,70 Euro je Linde-Aktie aus. Damit erreicht er eine Dividendenrendite von 2,36 Prozent.

Dabei hält sich die Dividendenrendite seit 2000 auf einem relativ konstanten Niveau. Sie fiel dabei zu keinem Zeitpunkt unter einem Wert von 1,88 Prozent, war dafür jedoch sechsmal größer als 2,5 Prozent. Insgesamt ergibt sich eine durchschnittliche Rendite (Rendite-Erwartungen) von 2,44 Prozent, die der Konzern durch relativ zuverlässige Dividendenerhöhung erreichen konnte.

Auch Praxair kann übrigens mit einer regelmäßigen Dividende punkten. Die durchschnittliche Dividendenrendite zwischen 2000 und 2016 ist mit 1,82 Prozent allerdings sogar unter dem niedrigsten Wert von Linde.

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Wichtige Konkurrenten zu Linde

Mögliche Alternativen zur Linde-Aktie können die Wertpapiere der folgenden Unternehmen darstellen:

  • Air Liquide
  • AIR WATER
  • DuPont
  • Kion Group
  • Praxair Inc.

Lindes wichtige Partner

Die Linde AG arbeitete mit zahlreichen großen und kleineren Konzernen zusammen, die die Innovationskraft und gute Marktposition des Konzerns auch in den Folgejahren stärken soll. Hierzu zählen beispielsweise Daimler, Evonik, ArcellorMittal, Univation und Gazprom.

Linde mit guter Markenstärke

Die Linde AG wird von TheBrandticker.com derzeit auf einen Markenwert von 3,518 Milliarden US-Dollar geschätzt. Dabei kann der Konzern sich auf die Assoziationen „sustainable, conscientious und advanced“ stützen. Insgesamt nimmt der Markenwert des Konzerns eher zu. Linde gilt inzwischen als eine der stärksten deutschen Marken und wird je nach Methode sogar zu den Top 20 deutschen Unternehmen in diesem Bereich gezählt. So sieht es beispielsweise Interbrand im Jahr 2015, als der Konzern genau auf Platz 20 landete (Platz 19 im Vorjahr). Brand Finance setzt den Konzern hingegen auf Platz 47 in Deutschland.

Fazit: Derzeit ist die Linde Aktie ein schwieriger Kauf

Derzeit würden wohl die meisten davon abraten, Aktien der Linde AG zu erwerben. Grund dafür ist jedoch vor allem die anstehende Fusion, die in den Aktienkurs natürlich bereits eingepreist ist und teils als überbewertet gilt. Daraus entsteht ein relativ hohes Risiko – zum einen weil nicht klar ist, ob die Aktie im DAX bleibt, zum anderen jedoch auch, weil die Fusion noch alles andere als in trockenen Tüchern ist. Privatanleger tun deswegen gut daran, einen Kauf der Linde Aktie noch etwas zu verscheiben, bis diese Unsicherheitsfaktoren abgestellt sind.

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