Netbank Erfahrungen – Test und Bewertung

Netbank Erfahrungen – Test und Bewertung

Die Netbank ist eine der ersten Banken in Deutschland, die Dienstleistungen ausschließlich über das Internet anbot. Das Geldinstitut ging danach allerdings nur noch bedingt mit der Zeit und bietet beispielsweise bis heute keine Trading-App an. Pluspunkt waren transparente und günstige Gebühren. Einige Vergünstigungen sind in der Vergangenheit jedoch weggefallen.

Über die Netbank

Die Netbank war ursprünglich eine eigenständige Bank, die 1998 von sieben Sparda-Banken gegründet wurde und 2002 die Gewinnschwelle erreichte. Nachdem die Landesbank Berlin 2007 die Bank übernommen hatte, kaufte die Augsburger Aktienbank 2015 sämtliche Anteile. Seitdem ist die Netbank, keine eigenständige Bank mehr, sondern nur noch eine Marke der Augsburger Aktienbank.

Die Netbank gilt als die erste reine Internet-Bank ohne Filiale, bei der alle Bankgeschäfte über E-Mail, Electronic-Banking und Telefon/Post abgewickelt wurden. Die Bank hat sich auf das klassische Privatkundengeschäft spezialisiert, bietet allerdings inzwischen auch einige Dienstleistungen für Geschäftskunden.

Lange Zeit konnte sich die Netbank dabei als sehr kostengünstiger Anbieter auf dem Markt positionieren. So bot sie ein Wertpapierdepot ohne Kontoführungsgebühren und auch ein kostenfreies Girokonto an. Dies gehört allerdings inzwischen der Geschichte an und die Netbank nimmt für beides jährliche Gebühren, die teils zudem noch nicht einmal besonders günstig sind.

So präsentiert sich das Unternehmen im Internet

So präsentiert sich das Unternehmen im Internet

Welches Angebot bietet die Netbank?

Im Rahmen des Aktienhandels bietet die Netbank die Möglichkeit, alle gängigen Wertpapiere zu handeln. Dazu gehören:

  • Aktien
  • Investmentfonds
  • ETFs
  • Festverzinsliche Wertpapiere
  • Zertifikate
  • Optionsscheine

Die typischen Trader-Produkte wie CFDs oder Forex hat das Unternehmen hingegen nicht im Angebot. Intraday-Handel ist dennoch möglich.

Jetzt zum Angebot der Netbank

Der inländische Handel ist an allen deutschen Börsen, Tradegate und Xetra möglich. Auch im Ausland herrschen kaum Einschränkungen und die Netbank bietet alle gängigen Auslandsbörsen, solange sie keine Segregationseinschränkungen aufweisen. Darüber hinaus bietet das Unternehmen rund 8.000 Fonds, wovon 3.800 und 100 ETFs sparplanfähig sind.

Die Auswahl im Angebot der Netbank ist also durchaus sinnvoll und wird für die meisten Privatanleger völlig ausreichend sein.

Wie teuer ist der Aktienhandel bei der Netbank?

Die Netbank hat ein relativ ungewöhnliches Kostenmodell für Inlandsorder, das aus einem Fixpreis besteht, der allerdings nach dem Kurswert gestaffelt ist. Die Handelsplatzgebühr beträgt immer pauschal vier Euro an inländischen Börsen:

  • Bis 2.000 Euro: 9,95 Euro (inklusive Handelsplatzgebühr)
  • Bis 5.000 Euro: 12,95 Euro (inkl. Handelsplatzgebühr)
  • Bis 10.000 Euro: 19,95 Euro (inkl. Handelsplatzgebühr)
  • Ab 10.000 Euro: 25,95 Euro (inkl. Handelsplatzgebühr)

Interessant könnte das Angebot demzufolge vor allem für Trader sein, die üblicherweise eher geringe Volumina handeln. Je geringer das Handelsvolumen, umso günstiger ist die Netbank im Vergleich. Wer hingegen häufig große Order tätigt, wird ein günstigeres Angebot finden. Dies gilt umso mehr, da der Online-Broker auch ein Depotführungsentgelt von 11,90 p. a. erhebt.

Die An- und Verkaufspesen in den USA betragen 25 Euro, im sonstigen Ausland sind es 35 Euro. Diese Gebühren sind unabhängig vom Kurswert. Bei allen Gebühren können zusätzlich Courtage und Fremdspesen auftreten.

Bei den angebotenen Investmentfonds verzichtet die Netbank üblicherweise auf den Ausgabeaufschlag. Als Transaktionsgebühr fallen 0,30 Prozent vom Kurswert an, dabei mindestens 0,95 Euro, maximal jedoch 19,50 Euro. Um einen Sparplan einzurichten, müssen Kunden mindestens 25 Euro je Transaktion anlegen.

Alle Wertpapiere in einem Depot lagern

Alle Wertpapiere in einem Depot lagern

Weitere Gebühren und Dienstleistungen in der Übersicht:

  • Limit bei taggleicher Ausführung: kostenfrei
  • Limit bei nicht taggleicher Ausführung, Löschung, Ablauf oder je Änderung: 2,50 Euro
  • Nicht taggleiche Teilausführungen werden wie gesonderte Aufträge abgerechnet.
  • Jahressteuerbescheinigung: Kostenfrei, Duplikate: 15 Euro

Einer der größten Haken bei der Netbank versteckt sich also hinter den Limitkosten – alles, was nicht taggleich ist, lässt sich der Online-Broker mit 2,50 Euro entlohnen – was schnell teuer werden kann.

Ist die Netbank seriös?

Die Netbank ist vielen Deutschen kein Begriff. Die Bank ist immer vergleichsweise klein geblieben und hat zudem nicht mit umfangreichen Werbekampagnen auf sich aufmerksam gemacht. Zusammen mit dem Namen sorgt dies bei vielen Interessenten erst einmal für Misstrauen. Allerdings kann die Netbank aktuell rund 400.000 Kunden zählen und hat somit eine Größe erreicht, die durchaus für Stabilität und Zufriedenheit spricht.

Dazu gibt es allerdings keinen Grund. Die Netbank wurde von seriösen Banken gegründet und gehört inzwischen zur Augsburger Aktienbank. Diese wurde 1963 gegründet und gilt als eine der ersten Direktbanken in Deutschland. Sie ist inzwischen eine mittelgroße Vollbank und hat sich auf das B3B-Geschäft spezialisiert. Die Augsburger Aktienbank gehört zudem seit 2002 zu LVM Versicherung, nachdem sie zuvor dem Allianz-Konzern angehörte.

Was sagt die Presse über das Depot der Netbank?

Die Netbank zählt nicht unbedingt zu den größten Anbietern und wird deswegen häufig bei Tests der Fachpresse ignoriert. Allerdings konnte sie im Jahr 2017 in der Teilkategorie „Konditionen Depot“ unter den Direktbanken den ersten Platz erreichen. Unabhängig davon wurde sie primär für andere Finanzprodukte ausgezeichnet, wie beispielsweise Raten- und Kleinkredite, Kreditkarten oder Baufinanzierung.

Wirkliche Tests des Netbank-Depots gibt es dementsprechend kaum. Vor allem ein Vergleich mit anderen Online-Brokern findet so gut wie nie statt, obwohl die Netbank hinsichtlich ihrer Konditionen durchaus überzeugen kann.

Vorab gut vergleichen, denn eine Geldanlage soll rentabel sein.

Vorab gut vergleichen, denn eine Geldanlage soll rentabel sein.

Wie gut ist der Kundenservice der Netbank?

Der Kundenservice der Netbank wurde in der Vergangenheit mehrfach kritisiert. Der Online-Broker ist dabei vor allem telefonisch schlecht erreichbar und erfordert viel Geduld. Kunden berichten, dass sie mit Netbank die Erfahrung gemacht haben, dass es durchaus eine halbe Stunde oder noch länger dauern kann, bis ein Mitarbeiter telefonisch erreichbar ist. Dies ist im Ernstfall natürlich vollkommen unzureichend und kann für den Anleger teuer werden. Und auch schriftlich ist der Kundenservice langsam. Teilweise beschweren sich Kunden darüber, seit mehr als zwei Wochen keine Antwort erhalten zu haben, während andere immerhin zwischen einem und zwei Tagen Antwort erhalten.

Die schlechte Erreichbarkeit geht natürlich eindeutig auf Kosten der Kundenzufriedenheit mit der Netbank. Beim Einrichten von Konten oder Eröffnen von Depots ist die Netbank allerdings so schnell, wie man es von einer Direktbank erwarten kann.

Jetzt zum Angebot der Netbank

Wenige Angebote, die Trading bei der Netbank attraktiver oder angenehmer machen

Die Netbank bietet ihren Kunden ein sehr reduziertes Online-Brokerage. Wer Dienste erwartet, die über das absolut Notwendige hinausgehen, wird enttäuscht werden.

So ermöglicht das Unternehmen es beispielsweise nicht, den Online Broker in einem Demo-Konto zu testen. Zumindest eine Demo-Einsicht in die Ordermaske wäre hier sinnvoll, damit Anleger sich leichter einen Einblick verschaffen können, ob die Netbank für sie geeignet ist. Auch auf Lernmaterial oder andere Service-Dienstleistungen, die Einsteiger den Aktienhandel erleichtern, hat der Online-Broker nicht im Angebot. Dies gilt leider auch für Informationsdienste und aktuelle Nachrichten über Märkte oder Unternehmen. Der Broker ist also eindeutig auf Privatanleger ausgerichtet, die wissen was sie tun und keinerlei Hilfe benötigen.

Die Netbank bietet für Neukunden auch keinen Bonus, der es attraktiver machen würde, das Depot bei der Netbank zu eröffnen. Weder Bargeld noch Free-Trades werden dazu genutzt, Kunden zu werben. Auch Depotwechsler gehen leer aus. Zudem gibt es noch nicht einmal eine Möglichkeit, die Depotführungskosten bei der Netbank durch Aktivität oder hohe Einzahlungen zu senken. Der Kunde muss sie immer entrichten.

Welche Handelsplattform bietet der Online-Broker?

Die Netbank bietet ihren Kunden ausschließlich die Möglichkeit, über einen WebTrader zu handeln. Eine gesonderte Software gibt es hingegen nicht. Immerhin können Trader und Anleger eine HBCI-Schnittstelle nutzen und so eigenverantwortlich für eine bessere Software sorgen. Die meisten Privatanleger werden mit der Web-Handelsplattform der Netbank allerdings auch zufrieden sein. Sie ist sehr übersichtlich gehalten und fast selbsterklärend, sodass auch Einsteiger sich schnell zurechtfinden werden. Wer plant, nur gelegentlich zu handeln, wird dementsprechend nicht viel vermissen.

Leider bietet die Netbank bis heute keine Möglichkeit, eine App zu nutzen, um mit Aktien zu handeln. Die Fortschrittlichkeit, die sie zu Beginn ihrer Geschichte als treibende Kraft nutzen konnte, hat sie sich also bis heute nicht bewahrt.

Der Kundenservice ist gut erreichbar

Der Kundenservice ist gut erreichbar

Weiteres Angebot der Netbank

Die Netbank ist eine Vollbank und bietet neben dem Wertpapierdepot auch die folgenden Dienstleistungen an:

  • Ratenkredite
  • Baufinanzierung
  • Kleinkredite
  • Girokonto
  • Tagesgeldkonto
  • Festgeldkonto
  • Edelmetalle
  • Kreditkarten von MasterCard, auch Prepaid- und virtuell

Dabei zählte die Netbank vergleichsweise lange zu den Geldinstituten, die ein kostenfreies Girokonto anboten. Dies ist jedoch seit April 2017 nicht mehr der Fall. Nun nimmt die Bank eine Gebühr zwischen 12 und 42 Euro im Jahr und macht dies davon abhängig, ob mindestens 400 Euro monatlich auf dem Konto eingehen. Dies ist letztlich jedoch selbst derzeit alles andere als günstig, sodass die Netbank bei den Kunden deutlich an Gunst verloren hat.

Fazit: Netbank nur bedingt empfehlenswert

Die Netbank bietet für viele Anleger ein interessantes Gebührenmodell, das im Vergleich mit anderen Banken relativ günstig ist. Allerdings nehmen die Kosten bei der Netbank in den letzten Jahren eher zu, als dass die Bank günstiger werden würde. Nachdem sie Depotführungsentgelte eingeführt hat, müssen seit April auch Girokonto-Nutzer für den Dienst zahlen.

Es gibt zudem keinen Grund, warum Anleger die Netbank gegenüber Discount-Brokern oder Direktbanken wählen sollten. Der Kundenservice wird von vielen kritisiert und stellt eher ein Gegenargument dar. Auch besondere Services oder Vergünstigungen gibt es nicht. Ein großes Versäumnis für eine Bank, die einst als besonders fortschrittlich galt, ist zudem die fehlende App. Wer gerne eine professionellere Handelssoftware nutzen möchte, als den Web-Trader, muss sich darum zudem selbst kümmern.

Letztlich ist die Netbank somit fast nur für Kunden wirklich attraktiv, die ohnehin bereits Kunden für andere Finanzprodukte der Netbank sind und das Online-Brokerage deswegen dort unter einem Dach vereint haben möchten. Alle anderen finden günstigere Anbieter auf dem Markt, die einen besseren Kundenservice bieten.

Jetzt zum Angebot der Netbank

Top 5 Aktien Broker