RWE Aktie Erfahrungen – Test und Bewertung

RWE Aktie Erfahrungen – Test und Bewertung

Der zweitgrößte Stromversorger in Deutschland ist seit Jahrzehnten umstritten und verärgert seine Aktionäre derzeit mit Milliarden-Abschreibungen und fehlender Dividende. Die Aufspaltung des Konzerns könnte jedoch zu neuen Chancen führen. Analysten schätzen die Entwicklung der RWE-Aktie derzeit überwiegend positiv ein, obwohl das Marktumfeld für konservative Stromerzeugung derzeit alles andere als rosig ist.

Die Aktie von RWE in der Übersicht

Die RWE Aktie wird unter der Wertpapierkennnummer 707312 und der ISIN DE0007037129 gehandelt. Das dazugehörige deutsche Symbol ist ebenfalls RWE. Die Aktie von RWE ist Teil der folgenden Indizes:

  • DAX 30
  • EURO STOXX
  • Prime All Share
  • Late DAX, HADAX, CDAX, DivDAX, X-DAX, L&S DAX Indikation
  • BX Swiss – Aktien EMEA – Europa und Afrika
  • DAXglobal Sarasin Sustainability Germany Index

Die Stammaktien von RWE sind seit 1988 Bestandteil des DAX, der Konzern gehört also zu den Gründungsmitgliedern. Mit einer Indexgewichtung von nur 0,73 bildet die Aktie allerdings zusammen mit der Lufthansa das Schlusslicht und kämpft um den Verbleib im deutschen Leitindex.

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Derzeit beträgt die Marktkapitalisierung 9,38 Milliarden Euro. Der Konzern hat 575,75 Millionen Stammaktien und 39 Millionen Vorzugsaktien ausgegeben, die beide an der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt werden. Privataktionäre sind nur zu 13 Prozent an den RWE-Aktien beteiligt. Deutlich umfangreicher sind institutionelle Investoren (59 Prozent) und kommunale Aktionäre (25 Prozent) Anteilseigner. Hinzu kommen Belegschaftsaktionäre, die ein weiteres Prozent der Aktien von RWE halten. Der größte Einzelaktionär ist die RW Energie-Beteiligungsgesellschaft GmbH & Co. KB (RWEB), die einen Großteil der kommunalen Aktionäre versammelt und 16 Prozent der Aktien hält. Auch BlackRock (5 Prozent) und Mondrian Investment Partners (3 Prozent) sind meldepflichtige Anteilseigner.

Der Konzern wird in die Branchen Öl/Gas (Versorger), Energie, Umweltschutztechnologie und Recycling eingeordnet.

Inhaber der RWE-Stammaktien gingen für das Geschäftsjahr 2016 leer aus. Der Konzern zahlte lediglich 13 Cent je Vorzugsaktie.

So präsentiert sich RWE auf seiner Webseite

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Fakten und Zahlen zum Strom-Konzern

RWE wurde 1898 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Essen. Vorstandsvorsitzender ist Rolf Martin Schmitz, der sein Amt im Oktober 2016 übernahm und schon seit 2009 Mitglied des Vorstands ist, davon vier Jahre als stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Er wird unterstützt vom Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Brandt (seit 2013).

Der Konzern erzielte 2016 einen Umsatz von 43,6 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis betrug einen Verlust von 1,3 Milliarden Euro. Das Ergebnis nach Steuern war minus 5,7 Milliarden Euro.

Das Unternehmen gilt als einer der führenden Stromerzeuger und –versorger in Europa und nimmt national den zweiten Platz nach E.ON ein. Der Konkurrent kann allerdings mehr als doppelt so viel Umsatz erzielen. RWE beschäftigt alleine in der Stromproduktion an 70 Standorten 14.000 Menschen und kann so mehr als 40.000 Megawatt Stromkapazität vorweisen. Insgesamt beschäftigte der Konzern Ende 2016 gut 58.650 Mitarbeiter.

Der Konzern gliedert sich derzeit in die folgenden Gesellschaften auf:

  • innogy
  • RWE Power
  • RWE Generation
  • RWE Supply & Trading GmbH
  • RWE Trading Americas Inc.
  • PT Rheincoal Supply & Trading Indonesia
  • RWE & Turcas
  • RWE Group Business Services
  • RWE Service
  • RWE Pensionsfonds

Geschichte des Stromerzeugers

RWE wurde als Stadtwerk in Essen unter den Namen „Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG“ im Jahr 1898 gegründet. Der Konzern expandierte jedoch schnell, da er günstige Preise bieten konnte. Gründer Hugo Stinnes verstromte die Steinkohle schon am Standort, setzte diese sonst gleichmäßig ab und verringerte die Lastspitzen der Kraftwerke. Bis 1914 galt der Konzern als einer der größten Stromversorger im Deutschen Reich. Die Expansion konnte der Konzern auch im und nach dem Ersten Weltkrieg fortfahren. Ab Ende der 1920er Jahre war das Versorgungsgebiet der RWE weitestgehend festgelegt. Zwar nahm die zuvor entstandene Überproduktion wieder ab, die den „Elektrofrieden“ notwendig gemacht hatte, dafür wurde der Expansionsdrang durch zentralwirtschaftliche Vorgaben des NS-Regimes im Zaum gehalten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war RWE das größte Energieversorgungsunternehmen der Bundesrepublik. Nachdem bis zum Ende der 1960er Wasserkraft und Braunkohlestrom als einzige Energieträger dienten, entschied sich der Konzern für den Einstieg in die Kernkraft. Grund dafür waren auch die zahlreichen Kohlekrisen, die zur Ausrichtung der Energie-Infrastruktur auf Öl führte. Durch den wachsenden Ölpreis wurde die Atomenergie wichtiger und attraktiver.

In den 1990ern wurde der Demarkationsvertrag aus dem Jahr 1935 gekippt und der Markt wurde liberalisiert. Der Wettbewerb führte oftmals zum Ausscheiden junger Unternehmen. Zugleich nahm die Bedeutung von erneuerbaren Energien auch durch das EEG zu.

2000 fusioniert RWE mit dem Konkurrenten Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen (VEW) und entwickelt sich in den Folgejahren zu einem international agierenden Konzern. Seit 2005 konzentriert sich das Unternehmen zudem ausschließlich auf das Energiegeschäft und hat sich beispielsweise von Beteiligungen von Hochtief, Heidelberger Druckmaschinen und das Wassergeschäft veräußert.

Im Dezember 2015 kündigte der Konzern eine erneute Umstrukturierung an. Alle Aktivitäten im Bereich der Erneuerbaren Energien werden zusammen mit Stromnetzen und Vertrieb in der „innogy“ gebündelt. RWE ist laut PricewaterhouseCoopers der größte Kohlenstoffdioxid-Emittent unter den 20 größten europäischen Stromerzeugern.

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Aktuelle Lage von RWE

RWE steckt trotz der Umstrukturierung immer noch in bedeutenden Schwierigkeiten. Der Konzern musste im Jahr 2016 mehrere negative Sondereffekte verkraften. Unplanmäßige Abschreibungen in Höhe von 4,3 Milliarden Euro musste der Konzern vor allem aufgrund der geringen Großhandelspreise für Strom vornehmen.

Für Schwierigkeiten sorgt auch der Ausstieg aus der Kernenergie. Insgesamt 23,6 Milliarden Euro müssen die Energieversorgungsunternehmen in einen staatlichen Fond entrichten, RWE davon 6,9 Milliarden Euro. Der Risikoanteil von 35 Prozent (1,8 Milliarden Euro) stellte das Unternehmen 2016 vor Herausforderungen.

Parallel dazu plant der Konzern anscheinend einen Verkauf des Braunkohlkraftwerk Matrai Erömü in Ungarn. Der zweitgrößte Stromproduzent des Landes gehört zur Mehrheit RWE. Die Energieerzeugung mit Braunkohle wird nicht nur von Umweltschützern kritisiert, sondern ist auch in den letzten Jahren preislich deutlich weniger konkurrenzfähig. Zwar erzielte das Kraftwerk einen Nettogewinn von 33,4 Millionen Euro, allerdings prüft der Konzern einen Verkauf, wohl auch um Schulden abbauen zu können.

Der Umsatz sank im Jahr 2016 um 6 Prozent auf 43,6 Milliarden Euro. Das Bruttoergebnis fiel um 45 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro und das Ergebnis nach Steuern sank von -170 Millionen Euro auf -5,7 Milliarden Euro. Es war also das zweite Verlustjahr des Konzerns, der auch schon im Jahr 2013 rote Zahlen schrieb. Auch wenn RWE die schlechten Zahlen hauptsächlich mit der schwierigen Ertragslage bei konventioneller Stromerzeugung erklärt, sehen Marktbeobachter stattdessen schwerwiegende Managementfehler als Ursache. Der Konzern sei zu spät aus der Atomkraft ausgestiegen, habe den Ausbau von Erneuerbaren Energien vernachlässigt und habe zudem zu lange und zu große Investitionen in die Kohlekraft getätigt. Obwohl RWE angab, stärker in erneuerbare Energien zu investieren und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, und die finanzielle Konsolidierung über die Expansion zu stellen, handelte der Konzern nach 2013 eher entgegengesetzt und verlor so auch Vertrauen der Anleger.

Prognose zur Entwicklung der RWE-Aktie: Kaufen, verkaufen oder halten?

Die Einschätzung der Analysten zur RWE-Aktie ist grundsätzlich eher positiv. Von 24 aktuellen Analysen raten mit der UBS AG und der HSBC zwei Analysten-Teams zum Verkauf der Aktie. Demgegenüber empfehlen 10 das Halten der Aktie von RWE und 12 ihren Kauf. Das durchschnittliche Kursziel beträgt 15,52. Damit hat sich die Meinung innerhalb des letzten Jahres verbessert.

Analysehaus Einschätzung Kursziel
Credit Suisse Group kaufen 14,70 Euro
Oddo Seydler Bank kaufen 18,50 Euro
Commerzbank AG halten 15 Euro
JP Morgan Chase & Co. halten 13,30 Euro
Kepler Cheuvreux kaufen 16 Euro
Morgan Stanley kaufen o. A.
Independent Research GmbH halten 15,70 Euro
Goldman Sachs Group Inc. halten 16,50 Euro
DZ Bank kaufen 16 Euro
Robert W. Baird & Co. Incorporated kaufen 20 Euro
UBS AG verkaufen 13 Euro

 

Der Titel gilt in der Fundamentalanalyse von TheScreener als deutlich unterbewertet. Hier wird eine durchschnittliche Wachstumsrate von  mehr als neun Prozent erwartet, was bei einem erwarteten KGV von 2020 einen derzeit recht günstigen Erwerb ermöglicht. Die Analysten rechnen allerdings auch mit einer recht hohen Dividendenrate von mehr als drei Prozent.

Moody’s Rating für die RWE AG auf Basis der gerateter Anleihe zeigt allerdings, dass die Aktie für konservative Anleger derzeit möglicherweise nur bedingt geeignet ist. Der Konzern wurde hier zuletzt mit einem Ba1 geratet, und somit mit „nicht als Investment geeignet“ gekennzeichnet.

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Kritik an RWE wegen Lobbyismus und Umweltverschmutzung

RWE wird vor allem in zwei Bereichen häufig kritisiert: Umweltschützer sind seit jeher erbitterte Gegner des Konzerns, der Atomenergie und Kohlekraftwerken stets rechtfertigte und vergleichsweise lange daran festhielt, anstatt in alternative Energiequellen zu investieren.

Ein weiteres Kritikfeld ist die Lobby-Arbeit der RWE, die diese mehr oder weniger traditionell betreibt. Immerhin ergibt sich allein schon durch die kommunalen Anteilseigner eine Einflussnahme, die wechselseitiger Natur ist. So zahlt der Konzern Mitgliedern der Regionalbeiräte eine vierstellige jährliche Aufwandsentschädigung, die auch als „legalisierte Korruption“ gebrandmarkt wurde. Für größeres Aufsehen sorgten auch Stromlieferung an Hermann-Josef Arentz und Laurenz Meyer, die zudem auch mit fünfstelligen Beträgen für unklare Dienste belohnt wurden. Lobbyisten des RWE-Konzerns haben zudem über den SPD-Hausausweis direkten Zugang zum Bundestag.

Neben Verflechtungen mit lokaler und internationaler Politik ist der Konzern auch in Schulen und in der Presse aktiv.

Ist die Kritik tatsächlich gerechtfertigt?

Ist die Kritik tatsächlich gerechtfertigt?

RWE-Aktie ohne Dividende

Derzeit bietet die Aktie für alle Anhänger einer Dividende leider keinen Grund zur Freude. Im Jahr 2016 hat der Konzern die Dividende mit Ausnahme der Vorzugsaktien vollständig zusammengestrichen. Immerhin verspricht das Unternehmen, die Dividende für das  Jahr 2017 auf 50 Cent je Aktie zu erhöhen. Grund für die diesjährige Kürzung sind Sonderabschreibungen in Milliardenhöhe.

Dabei ist der Konzern eigentlich als guter Dividendenzahler bekannt. Trotz zwei Jahren ohne Rendite in Folge erreicht der Konzern zwischen 2000 und 2016 noch eine durchschnittliche Dividendenrendite von vier Prozent. Damit liegt die RWE-Aktie im DAX-Vergleich immer noch weit über dem Durchschnitt. Grund dafür ist auch, dass viele Kommunen eng mit RWE zusammenarbeiten und als Aktionäre eine Dividendenzahlung schon fest in den Haushalt einplanen. Dementsprechend erbost sind diese über die Streichung. Die angekündigten 50 Cent je RWE-Aktie sind zudem eher als guter Wille zu verstehen und stellen im Vergleich zu 2014 eine verringerte Zahlung dar.

Welche Konzerne eignen sich als Alternative?

Als Alternative für die RWE-Aktie empfehlen sich Wertpapiere der folgenden Unternehmen:

  • Centrica
  • ON
  • EDF
  • EnBW
  • Enel S.p.A.
  • Engie SA
  • Eni S.p.A.
  • Iberdrola SA
  • innogy
  • MVV Energie AG

Stärke der Marke: Innogy hat Mutterkonzern überholt

The BrandTicker schätzt den Markenwert von RWE auf 333 Millionen Euro und zählt den Konzern somit zu den 500 wertvollsten Marken. Die Tochtergesellschaft innogy kann hingegen bereits einen Markenwert von 1,78 Milliarden Euro verzeichnen und hat ihren Mutterkonzern somit lang überholt.

Natürlich hat der Konzern der Marke RWE keinen Gefallen getan, als er beschloss, die erneuerbaren Energien als innogy auszugliedern. Der Konzern hatte ohnehin nicht das allerbeste Image, da Lobbykritiker und Umweltschützer das Unternehmen immer wieder an den Pranger stellte. Durch die Ausgliederung des umweltfreundlicheren Teils steht nun der „böse“ Teil des Konzerns dem „guten“ gegenüber, was die Beliebtheit natürlich nicht erhöht.

rwe_Durch Innovationen die Energiewelt der Zukunft gestalten

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Fazit: RWE-Aktie empfohlen, aber risikoreich

Die Aktie von RWE ist derzeit unterbewertet und wird deswegen von den meisten Analysten empfohlen. Allerdings sollten sich Anleger darüber im Klaren sein, dass es sich um einen kränkelnden Großkonzern handelt, der in den letzten Jahren nicht all zu viele Erfolgsmeldung verzeichnen konnte und auf einen Schuldenberg blickt. Der neue Vorstandsvorsitzende hat noch nicht bewiesen, dass der Konzern den Umbruch schaffen kann und tatsächlich in den nächsten Jahren wieder Positives verkünden kann. Dass dieser auch in den Vorjahren an zahlreichen Fehleinschätzungen und trägen Reaktionen als Vorstandsmitglied beteiligt war, stärkt das Vertrauen der Anleger nicht unbedingt.

Innogy könnte die bessere Wahl sein und wirkt – obwohl nur MDAX-Mitglied – fast schon als konservative und risikoärmere Wahl, obwohl auch hier die Netto-Schuldenbelastung durchaus hoch ist. Für Aktionäre, die Wert auf Nachhaltigkeit legen und umweltbewusst sind, ist die RWE-Aktie ohnehin spätestens seit der Abspaltung kein möglicher Kauf mehr.

In den nächsten Jahren könnte der Konzern allerdings davon profitieren, dass er Pensions- und Kernkraftrückstellungen zu großen Teilen bereits getätigt hat und auch die Abschreibungen in diesem Jahr im möglicherweise zu neuer Stärke verhelfen wird.

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