Weltwährung und Leitwährung – Vor- und Nachteile

Weltwährung und Leitwährung – Vor- und Nachteile

Devisenmärkte

Leitwährungen bestimmen die Weltwirtschaft. Auch Privatanleger, die sich nicht für Forex interessieren, müssen deswegen die wichtigsten Währungen kennen. Vor allem zwischen US-Dollar, Euro und Renminbi soll sich die Konkurrenz in den nächsten Jahren verschärfen.

Was ist eine Leitwährung?

Eine Leitwährung ist eine Währung, die international besonders häufig als Transaktionswährung und Reservewährung genutzt wird. Normalerweises stellt der Staat die Leitwährung, der den Handel innerhalb einer Region bestimmt. So hatte sich beispielsweise in Festlandeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem die DM als Leitwährung etabliert, die dann vom Euro abgelöst worden ist. Aufgrund des hohen Exportanteils Deutschlands und dem umfangreichen inländischen Konsum war die DM schnell wichtiger als die Währungen der Nachbarländer geworden.

Welche Währungen sind Leitwährungen?

In der Regel gibt es weltweit verschiedene Leitwährungen, da unterschiedliche geografische Regionen abgedeckt werden müssen.

  • Im nordamerikanischen Raum ist der US-Dollar Leitwährung.
  • In Europa ist es der Euro.
  • Im asiatisch-pazifischen Raum gilt der Yen als Leitwährung, der allerdings zunehmen vom chinesischen Renminbi abgelöst wird.
  • Auch das Britische Pfund hat nach wie vor eine wichtige Bedeutung als Leitwährung, allerdings tendiert diese Währung dazu, international eher an Wichtigkeit zu verlieren als zu gewinnen.

Während der US-Dollar zumindest momentan unangetastet als weltweit wichtigste Leitwährung ist, musste der Euro, der als wichtiger Konkurrent galt, durch die Schuldenkrise und die Niedrigzinspolitik einen leichten Bedeutungsverlust hinnehmen. Das Britische Pfund und der japanische Yen liegen hinsichtlich ihrer Wichtigkeit fast gleich auf, allerdings hatte das Britische Pfund bis zum Zweiten Weltkrieg selbst den Anspruch, die Weltwährung zu stellen.

Das folgende Diagramm veranschaulicht die Entwicklung seit den 1970er Jahren:

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Tabelle 1: Anteil der wichtigsten Leitwährungen an der Reservewährung in Prozent

Auffällig ist, dass das britische Pfund zu Beginn der 1970er deutlich an Wert verloren hat und seine Anteile weiter an den US-Dollar abgeben musste. Grund hierfür waren verschiedene Ereignisse.

  • Die Produktion in Großbritannien nahm langsamer zu als in den meisten anderen europäischen Ländern, was 1967 zu einer Abwertung von mehr als 14 Prozent geführt hatte, was zu einem Vertrauensverlust führte.
  • Seit Mitte 1968 wurde das Britische Pfund durch die Bank für internationalen Zahlungsausgleich nicht mehr als Reservewährung betrachtet.
  • Das Betton-Woods-System wurde zusehends instabil und brach im März 1973 zusammen, gefolgt von der ersten Ölkrise.
  • Die Regierung unter Nixon hob die Goldkonvertibilität des US-Dollars auf.
  • Außerdem hatten nach einem US-amerikanischen Abkommen mit Saudi-Arabien auch die anderen OPEC-Länder zugestimmt, Rohöl in US-Dollar zu handeln.

Dies führte nicht nur dazu, dass der Dollar als Leitwährung weiter an Wichtigkeit gewann, sondern ermöglicht auch der D-Mark, zur Leitwährung aufzusteigen, bevor sie vom Euro abgelöst wurde.

Welche Funktionen und Voraussetzungen muss die Leitwährung erfüllen?

Um überhaupt als Leitwährung anerkannt zu werden, muss eine Währung vor allem ein hohes Maß an Vertrauen genießen. Dies ist einer der Gründe dafür, warum Leitwährungen in der Regel über Jahrzehnte abgelöst werden. Vertrauenswürdige Institutionen, die bewiesen haben, dass sie die Währung stabilisieren können, sind dafür Voraussetzung. Außerdem muss die Volkswirtschaft der dazugehörigen Leitwährung ausreichend leistungsstark sein.

Darüber hinaus muss die Leitwährung als Reservewährung und Transaktionswährung dienen.

Noten- und Zentralbanken bewahren Fremdwährungen, Edelmetalle, Sonderziehungsrechte oder Reservepositionen im IWF auf, um auf dem Devisenmarkt intervenieren zu können oder Außenhandelsdefizite zu finanzieren. In der Regel nutzen die Zentralbanken bei den Devisen gleich verschieden Währungen. Eine wichtige Gemeinsamkeit der Devisen ist allerdings ihre Wertstabilität, um als Reservewährung geeignet zu sein. Diese werden dann auf unterschiedliche Arten aufbewahrt. Es ist sowohl möglich, effektive Bestände an Sorten, also an fremden Banknoten und Münzen aufzubewahren, als auch verbriefte Geldmarktanlagen in Form von Schuldverschreibungen oder andere verzinsliche Anlagen zu nutzen.

Auch die Funktion als Transaktionswährung ist eng mit dem Begriff Leitwährung verknüpft. Wichtig ist, dass der Umfang, in dem die Währung für internationale Geschäfte dem Anteil übersteigt, den der Staat ohnehin am Welthandel hätte.

Bei der Nutzung als Transaktionswährung unterscheiden Wirtschaftswissenschaftler zumeist zwei verschiedene Unterarten.

  • Zum einen äußert sich der Anteil an Finanztransaktionen am Anteil der Transaktionen der jeweiligen Währung an den Devisenmärkten. Je häufiger eine Währung getauscht wird, umso wichtiger ist sie für den Handel. Außerdem sind auch Anleihen ein wichtiger Anhaltspunkt hinsichtlich der Wichtigkeit einer Währung. Entfallen sie auf eine Währung besonders häufig, wird diese von Anlegern besonders oft genutzt. Bei den Finanztransaktionen können sich Alternativen zum US-Dollar deutlich leichter etablieren.
  • Bei den Rohstoffen ist hingegen die US-amerikanische Währung nach wie vor die häufigste Währung, in denen die meisten Transaktionen abgerechnet werden.

Welche Vor- und Nachteile hat das Land einer Leitwährung?

Für einen Staat hat es verschiedene Vorteile, wenn die eigene Währung außerhalb der eigenen Grenzen besonders häufig zu Transaktionszwecken, zum Handel oder zur Wertaufbewahrung genutzt wird.

  • Einer der wichtigsten Vorteile sind die Seigniorage-Einnahmen. Wenn die Zentralbank Geld emittiert, entsteht dabei ein Gewinn, da durch die Zentralbankgeldschöpfungen Einnahmen entstehen. Die Zentralbank ist durch das Monopol in der Lage, Geld gegen Gegenleistungen wie Sach- oder Finanzaktiva in den Umlauf zu bringen. Faktisch bezeichnet die Seigniorage die Differenz von Herstellungs- und Bereitstellungskosten des Papiergeldes und dem jeweiligen Nennwert. Da die Nachfrage nach einer Leitwährung entsprechend groß ist, kann ein Staat, der eine Leitwährung anbietet, hiervor besonders profitieren.
  • Die Möglichkeit, Geld buchstäblich drucken zu können, das von anderen Ländern besonders nachgefragt ist, ist zudem ein bedeutender Vorteil in der Gestaltung des finanziellen Spielraumes eines Staates. Die USA haben aufgrund des Status des US-Dollars als Weltwährung prinzipiell unbegrenzte Möglichkeiten, Kredite zu erhalten. Andere Länder müssen hingegen über den internationalen Finanzmarkt Geld aufnehmen.
  • Ein weiterer wesentlicher Vorteil einer Leitwährung ist für den Staat, dass damit die Möglichkeiten politischer Einflussnahmen erheblich vergrößert werden. Die Leitwährung ist im internationalen Handel von enormer Wichtigkeit. Embargos oder andere Restriktionen, die politisch auferlegt werden können, können deswegen einen Gegner erheblich schwächen.
  • Wesentlich ist zudem, dass der Status als Leitwährung ein großes Vertrauen in die Währung bedeutet. Das führt dazu, dass die Währung vergleichsweise stabil ist und Wechselkursunsicherheiten verringert werden können.
  • Auch die Transaktionskosten sind für die Einwohner und Unternehmen geringer, da viele Transaktionen direkt durchgeführt werden können und die Kosten für die Transaktionen aufgrund der Häufigkeit sinken.

Die Nachteile einer Leitwährung sind demgegenüber fast vernachlässigbar. Die einzige reale Gefahr ist, dass durch die erhöhte Nachfrage nach der eigenen Währung zu einer Aufwertung kommen kann, die sich dann wiederum negativ auf den Export auswirkt. Dies lässt sich jedoch geldpolitisch ausgleichen, zumal durch den Seigniorage-Effekt eher eine Abwertung erreicht wird.

Was ist eine Ankerwährung?

Die Begriffe Anker- und Leitwährung werden häufig miteinander verwechselt, sind allerdings nicht immer gleichzusetzen. Für eine Ankerwährung ist entscheidend, dass andere Staaten ihre Währung an die Entwicklung der entsprechenden Währung koppeln. Andere Staaten orientieren sich also an dieser Ankerwährung, um den Wechselkurs ihrer eigenen Währung stabil zu halten.

Was ist eine Weltwährung?

Als Weltwährung wird eine Währung bezeichnet, die weltweit gültig ist. Hierzu gehört zum einen die abstrakte Idee einer Währung, die das Wechselkurssystem ersetzen soll und tatsächlich von allen Staaten gleichermaßen akzeptiert wird. Hier würde sich auch ausschließen, dass die Währung eines Staates als Weltwährung genutzt werden würde, da sich auf diese Weise zu viele Interessenskonflikte ergeben.

Zum anderen wird als Weltwährung jedoch auch die Währung bezeichnet, die so wichtig ist, dass sie weltweit akzeptiert wird und in der Wirtschaftswissenschaft als gemeinsame Größe genutzt wird. Beide Ideen sind jedoch miteinander verknüpft.

Derzeit gilt der US-Dollar je nach Definition entweder als Weltwährung oder als wahrscheinlichster Anwärter, würde es denn eine Weltwährung geben. Er zeigt bereits wesentliche Merkmale – vor allem hinsichtlich seiner internationalen Bedeutung – die ihn für den Status einer Weltwährung qualifizieren könnten.

Dies zeigt sich beispielsweise auch an der Dollarisierung verschiedener Schwellen- und Entwicklungsländern, die den US-Dollar entweder inoffiziell oder sogar offiziell als Zahlungsmittel eingeführt haben, um damit wirtschaftliche Probleme wie Inflationen und Währungskrisen in den Griff zu bekommen.

Welche Währungen werden wichtigere Leitwährungen?

Seit Jahren ziehen Wirtschaftswissenschaftler in Erwägung, dass der Dollar als „Weltwährung“ bald abgelöst werden könnte. Dass der US-Dollar an Bedeutung verlieren wird, wird dabei vor allem mit der Schuldenkrise der USA begründet. Die USA haben durch ein jahrzehntelanges Leistungsbilanzdefizit einen beachtlichen Schuldenberg angehäuft, der auch einen zunehmenden Vertrauensverlust nach sich zieht. Allerdings ist dieser noch nicht all zu ausgeprägt. Beim drohenden Staatsbankrott 2013 reagierten die Märkte beispielsweise ungemein gelassen.

Eine schleichende Ablösung halten Wirtschaftswissenschaftler dennoch für wahrscheinlich. Allerdings sind sie sich nicht einig darüber, welche Alternativen sich entwickeln werden. Der Euro galt lange Zeit als größter Konkurrent des US-Dollars und könnte auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Im Vergleich zu den vorherigen europäischen Einzelwährungen genießt die Gemeinschaftswährung auch durch Diversifikationseffekte noch mehr Vertrauen. Allerdings ist es kein erklärtes Ziel der EU, in Konkurrenz mit dem Dollar zu treten.

Anders ist dies beim chinesischen Renminbi. Die chinesische Regierung will ihn erklärtermaßen zu einer Weltwährung machen und öffnet dafür auch schrittweise die heimischen Märkte. Aufgrund der großen Kraft der chinesischen Volkswirtschaft und die zunehmende Wichtigkeit beim internationalen Handel gilt es als unbestritten, dass der Renminbi weiter an Relevanz gewinnen wird. Wahrscheinlich ist deswegen auch, dass zumindest erst einmal die drei Währungen US-Dollar, Renminbi und Euro mehr oder weniger gleichberechtigt als wichtigste Weltwährungen nebeneinander existieren.

Fazit:

Leitwährungen sind Währungen, die in ihrer Wirtschaftsregion und somit auch im weltweiten Handel eine besonders wichtige Stellung einnehmen. Seit der Ablösung des britischen Pfunds gilt der US-Dollar als wichtigste Leitwährung. Die USA profitieren dadurch von Gewinnen bei der Geldschöpfung, politischer Macht und einem großen finanziellen Spielraum. Wie lange die Vorherrschaft des Dollars noch anhalten wird, ist jedoch unklar. Mit Euro und Renminbi gibt es zwei weitere Leitwährungen, die international an Bedeutung gewinnen.

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