Dow Theorie » Grundlage des Börsenhandels 2018

Dow Theorie » Grundlage des Börsenhandels 2018

Dow Jones

Dow Theorie

Die technische Analyse gehört heute zum Standardrepertoire vieler Börsianer. Ihre Anfänge nahm sie im späten 19. Jahrhundert an der New Yorker Wall Street.

Der amerikanische Wirtschaftsjournalist und Börsenpionier Charles Dow gründete nämlich nicht nur das Wall Street Journal, sondern legte mit seiner Dow-Theorie auch den Grundstein für das, was wir heute unter technischer Analyse verstehen. Die Dow-Theorie besteht aus sechs Annahmen über die allgemeine Entwicklung von Trends in Aktienkursen, die Charles Dow in einer Serie von Leitartikeln im Wall Street Journal in den Jahren 1900 bis 1902 veröffentlichte. Grundlegend war zunächst die Annahme, dass das Auf und Ab der Kurse qualitativ für alle Aktien aus einem bestimmten Bereich gleichwertig ist. Es spiegelt im Grunde die psychische Verfassung der Marktteilnehmer und die Lage der Volkswirtschaft wieder. So geht auch die Idee auf Dow zurück, mehrere Aktien zu einem Index zusammenzufassen. Als Indikator, der die allgemeine wirtschaftliche Lage einer Branche charakterisieren kann, entwickelte Charles Dow verschiedene Aktienindizes, die heute noch eine wichtige Rolle in der Finanzwelt spielen, darunter den Dow Jones Industrial Average (DJIA) und den Dow Jones Transportation Average (DJTA).

Die sechs Annahmen der Dow-Theorie stellen wir im Folgenden kurz vor:

Die Indizes spiegeln alle relevanten Informationen wider

Wirtschaftswissenschaftler bezeichnen dies auch als Effizienz der Märkte: Aufgrund der großen Zahl an Marktteilnehmern, die alle unterschiedliche Strategien verfolgen, wird jeder sich bietende Vorteil sofort ausgenutzt und damit wieder zunichtegemacht. Dieses schnelle Besetzen von Nischen führt dazu, dass neue Informationen augenblicklich eingepreist werden. Die Nachricht ist somit schon im Aktienkurs enthalten und ihre Kenntnis ist für Trader kein Vorteil mehr. Genau deshalb hat die technische Analyse ihre Berechtigung, denn sie ignoriert Fundamentales und Wirtschaftsdaten völlig. Ihre Aussagen stützt sie allein auf den Kursverläufen in der Vergangenheit.

Auch die Auswirkungen der Börsenpsychologie zeichnen sich direkt in den Kursen ab: Übertriebene Anstiege oder Abverkäufe, die vom emotionalen Gegensatzpaar Gier und Verlustangst getrieben werden, lassen sich direkt an den Kursverläufen ablesen. Dabei bilden sich immer wieder ähnliche Muster in den Charts aus, sodass ein frühzeitiges Erkennen solcher Chartformationen Tradern ermöglicht, günstige Einstiegspunkte im Markt zu identifizieren und sich frühzeitig zu positionieren.

Ein Markt weist drei Trends auf

Aktienkurse laufen nicht wie von der Schnur gezogen glatt in eine Richtung, sondern sind durch ein ständiges auf und ab charakterisiert. Dabei ist eine natürliche Tendenz zum Ausgleich zu beobachten, jeder allzu starke Anstieg oder Abverkauf wird in einer darauffolgenden Gegenbewegung zunächst etwas konsolidiert, bevor die nächste Marktbewegung stattfindet. Wenn langfristig eine der beiden Richtungen überwiegt, dann spricht man von einem Trend. Trends sind der zentrale Bestandteil der Dow-Theorie und die Trendfolge gehört auch heute noch zu den wichtigsten und langfristig lukrativsten Tradingstrategien.

Ein Aufwärtstrend oder Bullenmarkt ist durch steigende Hochpunkte und steigende Tiefpunkte gekennzeichnet. Umgekehrt liegt ein Abwärtstrend vor, auch Bärenmarkt genannt, wenn aufeinanderfolgende Hoch- und Tiefpunkte fallen. Neben diesem langfristigen Primärtrend gibt es immer wieder Erholungsphasen, in denen der Markt starke Bewegungen ausgleicht und daher eine Weile gegen die primäre Trendrichtung läuft. Dies ist der Sekundärtrend, der seinerseits wieder ein vollständiger Trend mit steigenden oder fallenden Hoch- und Tiefpunkten ist und auf Zeitskalen von einigen Tagen abläuft. Dies ist die Domäne der Swing-Trader. Und das Spiel geht noch weiter: Auch der Sekundärtrend kennt Erholungsphasen, die dann zu den kurzfristigen Tertiärtrends mit noch geringerer Dauer führen. Hier tummeln sich die Day-Trader und Scalper.

Der primäre Trend besteht aus drei Marktphasen

Diese drei Phasen spiegeln den allseits bekannten Börsenzyklus wieder. Dow identifizierte im primären Trend die nacheinander ablaufenden Phasen der Akkumulation, der öffentlichen Beteiligung und der Distribution.

Nach einer Bodenbildung, wenn der Markt gerade gedreht hat, beginnen zunächst nur wenige fundamental orientierten Investoren wieder zu kaufen. Meist sind dies die institutionellen Anleger, die einen Informationsvorteil besitzen und mit großen Volumina im Markt engagiert sind. Diese Akkumulationsphase führt zu immer weiter steigenden Kursen und Umsätzen. Mit der Zeit werden dann die Medien auf die Kurssteigerungen aufmerksam, zunächst die Fachpresse und mit weiteren Anstiegen auch immer mehr die allgemeine Presse. Durch die vermehrte Berichterstattung über Aktien sehen dann immer mehr Kleinanleger ihre Chance gekommen und springen auf den Zug auf. Dies nannte Dow die Phase der öffentlichen Beteiligung. Sie führt zu einem übertriebenen Anstieg der Kurse in kurzer Zeit. Dies ist genau der Zeitpunkt, zu dem die frühen, gut informierten Investoren bereits wieder aussteigen. Sie verkaufen ihre Positionen an die nun in Scharen in den Markt einströmenden Kleinanleger. Deshalb heißt diese Phase Distribution. Sie leitet die Trendumkehr ein und führt darauf wieder zu fallenden Kursen, sobald eine Mehrheit der Anleger ihre Anteile wieder verkaufen möchte.

Das Modell der drei geschachtelten Trends und der verschiedenen Marktphasen findet sich auch in der heutigen Börsenliteratur wieder. Die Analyse nach Markttechnik baut genau auf diesen Prinzipien der Dow-Theorie auf.

Das Volumen liefert eine zusätzliche trendbestätigende Aussage

Das Umsatzvolumen muss in Richtung des primären Trends ansteigen. In einem Bullenmarkt sollten also mit steigendem Kursverlauf die Umsätze steigen, im Bärenmarkt hingegen sollten fallende Notierungen von steigenden Umsatzzahlen begleitet werden. Dies zeigt an, dass in der fortschreitenden Akkumulationsphase immer mehr Marktteilnehmer dem Trend folgen. Auch heute noch ist das Volumen neben dem Kurs die wichtigste Größe, die in die Berechnung verschiedener Indikatoren eingeht.

Die Indizes liefern eine Bestätigung des Trends

Der Dow Jones Industrial Average und der Dow Jones Transportation Average hängen eng miteinander zusammen, da der Transport von Rohstoffen und Gütern eine wichtige Voraussetzung für die wirtschaftlichen Produktivität sind. Daher sollte ein Trend, der in einem der Indizes besteht, mit einer gewissen Verzögerung auch im anderen auftreten. Dies ist nach Dow als starke Trendbestätigung zu werten.

Ein Trend ist so lange gültig, bis die Trendumkehr bestätigt wird

Eine alte Trader-Weisheit besagt, es ist wahrscheinlicher, dass sich ein Trend fortsetzt, als dass er sich umkehrt. Dies wird auch oft mit dem physikalischen Prinzip der Trägheit verglichen. Die Kernaussage der Dow-Theorie gilt auch für andere Märkte wie Forex oder Rohstoffe.

Bei der Analyse verwendete Charles Dow ausschließlich Tagesschlusskurse und schenkte den Intraday-Schwankungen keinerlei Beachtung. Dies ist aber sicherlich der Entstehungszeit der Theorie geschuldet. Der vernetzte elektronische Handel mit seinen teils atemberaubenden Geschwindigkeiten war natürlich im Jahre 1902 noch in weiter Ferne. Die Markttechnik zeigt aber, dass die Aussagen über Trendentstehung und Trendbestätigung auch für kleinere Zeiteinheiten noch gültig sind und damit eine sehr allgemeingültige Beschreibung von Trends liefern.

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