Handel mit Zertifikaten – wie Anleger von den Finanzderivaten profitieren

Kaum ein Finanzprodukt ist so vielfältig wie das Zertifikat. Viele Broker bieten ihren Kunden hunderttausende Zertifikate in unterschiedlichsten Ausführungen an. Es eignet sich insbesondere dazu, Rohstoffe, Währungen und Indizes zu handeln. Interessant ist es aber auch vor allem deshalb, weil Zertifikate sowohl mit als auch ohne Hebel verfügbar sind. Der folgende Ratgeber zeigt alles, was Anleger über das komplexe Finanzprodukt wissen sollten.

Was ist ein Zertifikat überhaupt?

Grundsätzlich handelt es sich bei Zertifikaten um Finanzderivate. Diese künstlichen Finanzprodukte leiten ihren Wert aus herkömmlichen Finanzanlagen ab. Der Bezugswert wird in der Praxis auch als Basiswert bezeichnet. Im Falle von Zertifikaten dienen insbesondere Aktien, Indizes, Rohstoffe und Währungen als Basiswert. Steigt beispielsweise der Kurs eines Indizes, so gewinnt auch das Zertifikat an Wert.

Ein entscheidender Vorteil beim Handel mit Zertifikaten besteht darin, dass über die Finanzprodukte auch auf fallende Kurse eines Basiswerts gesetzt werden kann. Wer etwa davon ausgeht, dass der DAX in den kommenden Monaten an Wert verlieren wird, kann durch Zertifikate an eben dieser Entwicklung partizipieren. Durch herkömmliche Aktien- oder Fondskäufe würde in diesem Fall ein Verlust entstehen. Zertifikate selbst werden meist nur mehrere Monate oder wenige Jahre lang gehalten.

Diese Zertifikate sollten Anleger kennen

Wer mit Zertifikaten handeln möchte, muss sich zunächst mit den unterschiedlichen Arten des Finanzprodukts auseinandersetzen. Zum Teil ergeben sich deutliche Unterschiede zwischen den Unterarten, die einen drastischen Einfluss auf den Handel haben.

Zertifikat Beschreibung
Index Bei diesem Zertifikat dienen Indizes als Basiswert. Dabei lassen sich grundsätzlich Performance- und Kurs-Indizes voneinander unterscheiden. Bei ersteren werden Dividendenzahlungen mit in die Berechnung des Index miteinbezogen. Reine Kurs-Indizes berücksichtigen lediglich die tatsächliche Wertentwicklung. Index-Zertifikate verfügen allgemein über keine festgelegte Laufzeit.
Garantie Hingegen ist die Laufzeit eines Garantie-Zertifikats bereits bei dessen Kauf ersichtlich. Anleger erhalten den Nennwert des Zertifikats zurück, wenn sich der Basiswert nicht wie gewünscht entwickelt hat. Insofern erfolgt also eine Absicherung des maximalen Verlustes. Gleichzeitig ist der maximale Gewinn durch einen sogenannten Cap gedeckelt. Entwickelt sich der Basiswert äußerst positiv, wird diese Kurssteigerung nur bis zu einem gewissen Wert auf das Zertifikat übertragen. Es gilt zu beachten, dass Garantie-Zertifikate häufig mit sehr langen Laufzeiten ausgestattet sind.
Basket Die sogenannten Basket-Zertifikate stellen eine Abwandlung von Index-Zertifikaten dar. Anstatt einen real existierenden Index abzubilden, orientiert sich deren Wertentwicklung an einem vom Emittenten gestalteten Aktienkorb. Somit sind die Zertifikate mit ETFs vergleichbar.
Bonus Bonus-Zertifikate verfügen über einen Bonuslevel und eine Kursbarriere. Die genaue Höhe wird jeweils vom Emittenten festgelegt, ist für Anleger aber genau einsehbar. Die Barriere entscheidet darüber, ob der Anleger mit dem Zertifikat einen Verlust oder einen Gewinn erzielt. Entwickelt sich der Basiswert wie erwünscht und überschreitet die Barriere bis zum festgelegten Fälligkeitsdatum, erhalten Anleger entweder den Kurswert des Basiswerts oder das Bonuslevel – je nachdem welcher Wert höher ist. Das Bonuslevel stellt also eine Art Mindestgewinn dar. Wird die Barriere hingegen unterschritten, so erhalten Anleger lediglich den Kurs des Basiswerts ausbezahlt.
Faktor Die Laufzeit von Faktor-Zertifikaten ist unbegrenzt. Das Finanzprodukt ist allerdings mit einem Hebel ausgestattet. Änderungen des Basiswerts werden sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht überproportional stark auf den Kurs des Zertifikats übertragen. Bei einem Hebel von 1:10 sorgt eine Kursänderung des Basiswerts von einem Euro für eine Wertveränderung des Zertifikats von 10 Euro.
Turbo Turbo-Zertifikate verfügen ebenfalls über einen Hebel. Die Laufzeit der Finanzprodukte ist allerdings im Vorhinein strikt festgelegt. Insofern sind Turbo-Zertifikate recht risikoreich, dafür aber im Regelfall auch kostengünstig.

Auf die Kosten achten!

Bisher wurden vor allem die Vorteile der Zertifikate deutlich. Sie sind flexibel einsetzbar und ermöglichen es, sowohl von Kurssteigerungen als auch von Kursverlusten eines Basiswerts zu profitieren. Wenig vorteilhaft ist hingegen die Kostenstruktur des Finanzprodukts.

flatex

Bei flatex lassen sich auch Zertifikate günstig handeln

Anleger müssen detailliert auf die anfallenden Gebühren achten.

  1. Ordergebühr
    Wie beim Kauf anderer Finanzprodukte auch, fällt eine Ordergebühr beim Zertifikate-Handel an. Die Höhe der Kosten ist dabei komplett vom eigenen Broker abhängig, weshalb an dieser Stelle ein umfangreicher Vergleich durchgeführt werden sollte.
  2. Ausgabeaufschlag
    Diese Gebühr ist vielen Anleger bekannt, die bereits Fondsanteile erworben haben. Die Höhe der Gebühr wird prozentual (meist 1 bis 3 %) an der Anlagesumme bemessen.
  3. Börsengebühr
    Wer Zertifikate an einer Börse kauft – und nicht direkt beim Emittenten – zahlt dafür eine Gebühr. Abhängig sind die Kosten vom Handelsplatz.
  4. Spread
    Kauf- und Verkaufskurs eines Zertifikats sind niemals identisch. Die Verkaufspreise sind grundlegend niedriger. Die Differenz aus den beiden Kursen behält der Börsenbetreiber als eine Art Provision.
  5. Managementprovision
    Dieser Kostenpunkt ist teils gut versteckt. Bei einigen Zertifikaten wird jährlich oder pro Quartal eine gewisse Gebühr für die Bereitstellung des Finanzprodukts erhoben – ähnlich wie die Verwaltungsgebühr bei Fonds. Der Betrag wird allerdings nicht vom Konto des Zertifikate-Inhabers abgehoben, sondern mindert dessen Wert. Zwischen 0,5 und 1,5 % des Anlagevolumens werden so pro Jahr bei unbefristeten Zertifikaten fällig.
  6. Rücknahmegebühr
    Einige Zertifikate sind äußerst kompliziert konzipiert. Endet deren Laufzeit, ist die Rückabwicklung für Banken mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden. Zwischen 1 und 2 % der Anlagesumme können dann zum Fälligkeitszeitpunkt anfallen.
  7. Innenprovision
    Die Innenprovision zählte bis zum August 2014 ebenfalls zu den äußerst gut getarnten Kostenpunkten. Zwischen 1 und 3 % des Ausgabepreises muss an die Bank entrichtet werden, wenn zwischengeschaltete Vertriebspartner das Zertifikat vermitteln und wiederum von der Bank eine Provision verlangen. Die Gebühr muss mittlerweile transparent ausgewiesen werden.
  8. Quanto-Kosten
    Zu guter Letzt seien die Quanto-Kosten erwähnt. Diese werden immer dann berechnet, wenn die Zertifikate hauptsächlich aus ausländischen Indizes und Aktien bestehen. Dann unterliegen die Finanzprodukte einem Währungsrisiko. Wer dieses von Vornherein ausschalten möchte, muss rund 1,5 bis 2 % der Anlagesumme pro Jahr an die Bank entrichten.

Es gilt unbedingt zu beachten, dass nicht alle Kostenpunkte für jedes Zertifikat anfallen oder die Finanzprodukte generell teuer sind. Es ist lediglich Vorsicht geboten, wenn Kapital in das Finanzprodukt investiert wird. Anleger müssen zunächst wirklich alle Kosten in ihre persönliche Renditekalkulation einbeziehen.

Warum sollte in Zertifikate investiert werden? – Die Vor- und Nachteile des Finanzprodukts

Implizit sind in den bisherigen Abschnitten dieses Ratgebers bereits wichtige Vor- und Nachteile von Zertifikaten genannt worden. Die nachfolgende Tabelle stellt die bisher genannten und neue Aspekte übersichtlich dar:

Vorteile Nachteile
Unterschiedlichste Varianten von Zertifikaten verfügbar Teils intransparente Kostenstruktur
Risikobegrenzung jederzeit möglich Anleger partizipieren nicht an Dividendenausschüttungen
Spekulatives Investment durch Nutzung von Hebeln ebenfalls realisierbar Vorzeitiger Verkauf der Wertpapiere nicht immer oder nur mit hohen Kosten möglich
Ausarbeitung unterschiedlichster Handelsstrategien mit einem einzigen Finanzprodukt Finanzprodukt ist recht komplex und daher tendenziell eher erfahrenen Anlegern zu empfehlen.
Es kann sowohl an steigenden als auch an fallenden Kurse Es existiert ein Emittentenrisiko
Hohe Anzahl verfügbarer Basiswerte

 

Wer ein Zertifikat erwirbt, wird kein Teilhaber eines Unternehmens. Das ist immer dann von Nachteil, wenn der Konzern hohe Gewinne erzielt und Dividenden an Anleger ausschüttet. Von den Dividenden profitieren Zertifikate-Inhaber nicht. Dafür kann – wie bereits erwähnt – auch auf den Fall der Unternehmensaktien gesetzt werden. Das bietet ein hohes Maß an Flexibilität. Zumal über die Hebelwirkung sehr hohe Renditen in kurzer Zeit erwirtschaftet werden können. Die Nutzung des Hebels bedeutet aber gleichzeitig auch ein deutlich erhöhtes Risiko. Entwickelt sich der Basiswert nicht wie vom Anleger prognostiziert, entstehen große Verluste.

Wer weniger Risiko eingehen möchte, kann ebenfalls in Zertifikate investieren. Über die vorgestellten Airbag- und Garantie-Zertifikate sind Verlustabsicherungen jederzeit möglich. Gleichzeitig wird dann aber auch der maximale Gewinn begrenzt.

Der eigentliche Handel von Zertifikaten findet auf speziellen Marktplätzen statt, die der Börse angegliedert sind. Ein Verkauf der Zertifikate ist dadurch in der Theorie jederzeit möglich. In der Praxis muss sich allerdings immer ein passender Käufer finden, was sich äußerst schwierig gestalten kann. Meist ist dadurch der Spread so hoch, dass sich der Verkauf vor dem Ende der Fälligkeit nicht lohnt.

Zertifikate werden nicht von Unternehmen, sondern von Banken ausgegeben. Somit entsteht ein Emittentenrisiko. Muss der Anbieter der Zertifikate Insolvenz anmelden, verlieren Anleger ihr Geld. Die Wahrscheinlichkeit für eine solche Bankenpleite ist in der Regel gering. Im Falle der Lehman-Pleite im Jahr 2008 verloren aber zahlreiche Zertifikate-Inhaber ihr eingesetztes Kapital aufgrund der Insolvenz der Investmentbank.

So finden Anleger das passende Zertifikat

Anders als bei herkömmlichen Finanzprodukten kann sich die Suche nach einem Zertifikat äußerst schwierig gestalten. Wie bereits festgestellt wurde, existieren zahlreiche Unterarten des Finanzprodukts. So kann der eigene Broker schnell mehrere hunderttausend Zertifikate im Angebot haben. Hilfreich ist es, wenn der Broker gleichzeitig einen Zertifikatefinder zur Verfügung stellt. Über dieses Programm sollten möglichst viele Suchfilter verfügbar sein.

Alternativ dazu bieten einige bekannte Finanzportale eine solche Software kostenlos an. Wird hierüber ein passendes Zertifikat gefunden, muss die zugehörige Wertpapierkennummer notiert werden. Über diese kann das Finanzprodukt dann beim eigenen Broker erworben werden.

Fazit: Vielfältig einsetzbares Finanzprodukt

Kaum ein Finanzprodukt dürfte so komplex und vielfältig sein wie das Zertifikat. Wer sich ausgiebig mit den Wertpapieren beschäftigt, wird allerdings schnell belohnt: Zertifikate bieten ein extrem hohes Maß an Flexibilität. Mit ihnen können unterschiedlichsten Handelsstrategien entworfen werden. Auch das Risiko lässt sich durch verschieden Optionen entweder deutlich senken oder drastisch erhöhen. In jedem Fall sollten Anleger auf die Kosten des Zertifikats achten. Insbesondere ein Brokervergleich eignet sich dazu, die Gebühren zu senken und die Rendite nachhaltig zu steigern.

Top 5 Aktien Depots

Sie riskieren Ihr Kapital