Schwacher Euro – Wissenswertes für Privatanleger

Schwacher Euro – Wissenswertes für Privatanleger

Schwacher Euro

Was bedeutet „ein schwacher Euro“?

Der schwache Euro scheint sich zwar inzwischen auf eine Seitwärtsbewegung eingependelt zu haben, er notiert derzeit jedoch immer noch so schwach wie selten zu vor. Doch woran liegt dies und was bedeutet ein schwacher Euro für Privatanleger?

Definition von „ein schwacher Euro“

Von einer „schwachen Währung“ reden Wirtschaftsanalysten immer dann, wenn die Währung im Vergleich zu anderen Währungen an Wert verliert oder sogar unterbewertet ist. Ist der Euro schwach, bedeutet dies also, dass europäische Reisende oder Anleger weniger Fremdwährung für ihr Geld erhalten.

Dabei gibt es keine absolute Definition, wann eine Währung als schwach oder stark zu bezeichnen ist. Häufig bildet sich dieser Zusatz dann heraus, wenn eine Währung einen Abwärtstrend durchmachen musste. Dabei muss kein beeindruckender Sturz erfolgt sein, sondern es ist auch eine schleichende Schwächung möglich.

Auch wenn der Euro in den letzten Monaten eher einem Abwärtstrend folgt und deswegen von einem „schwachen Euro“ gesprochen wird, handelt es sich bei der Gemeinschaftswährung übrigens dennoch nicht um eine schwache Währung. Stattdessen gilt der Euro zumindest derzeit als Hartwährung und es ist derzeit auch nicht absehbar, dass sich dieser Status tatsächlich deutlich ändern wird.

Welche Gründe hat ein schwacher Euro?

Der Grund für den schwachen Euro ist derzeit nicht unwesentlich in der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zu sehen. Durch den Niedrigzins soll die niedrige Inflation angekurbelt werden. Das günstige Geld sorgt dafür, dass ein Überangebot an Euros entsteht. Es gibt also bei gleichbleibender Nachfrage mehr Euros. Demzufolge sinkt wie bei einer Ware auch der Wert dieser Währung.

Verhindert werden soll durch den schwachen Euro vor allem, dass Europa in eine Deflation rutscht. Grund dafür ist auch, dass der viele Marktbeobachter vermuten, dass der US-Dollar an Wert gewinnen wird. Anlass dafür ist, dass die Wirtschaftsdaten in den USA so gut sind, dass eine schrittweise Erhöhung des Leitzinses gefordert wird. Dies ist auch deswegen notwendig, um Blasenbildungen zu verhindern. Dies würde allerdings dazu führen, dass der Euro immer weiter an Wert verlöre.

Consorsbank

Die aktuellen Tagesgeldzinsen liegen oft unter der Inflationsrate

Ein weiterer Grund für die Tatsache, dass der Euro in den letzten Jahren schwächelt, ist die Tatsache, dass inzwischen viele Investoren und Anleger an der Tragfähigkeit der Gemeinschaftswährung zweifeln. Es wird immer deutlicher erkennbar, dass der Euro unter einigen strukturellen Problemen leidet und kaum jemand hält das Europäische Parlament dazu in der Lage, diese Probleme kurz- bis mittelfristig lösen zu können. Krisen wie die in Griechenland, das immer stärker sichtbar werdende Bankenproblem in Italien und der Brexit führen dazu, dass viele Anleger dem Euro nicht mehr im gleichen Ausmaße Vertrauen, wie dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Demzufolge sind Investitionen im Euro-Raum weniger attraktiv, der Euro wird weniger nachgefragt und ist günstiger erhältlich.

Darüber hinaus gibt es noch mehrere Ursachen für einen schwachen Euro, die allerdings derzeit nicht oder kaum greifen. Ein Beispiel hierfür wäre beispielsweise, dass eine andere Zentralbank ihre Währung gegenüber dem Euro beispielsweise durch Ankäufe extrem stützt und so einen weiteren Verfall verhindert.

Ursachen in der Übersicht:

  • Niedrigzins verbilligt den Euro
  • Andere Volkswirtschaften wie USA und GB erstarken wieder
  • Vertrauensverlust durch Krisen

Vorteile eines schwachen Euros

Ein schwacher Euro kann grundsätzlich zu einer positiven Entwicklung der Euro-Volkswirtschaften führen. Durch den niedrigen Euro kann vor allem der Export profitieren. Die Wettbewerbsfähigkeit der Euro-Länder steigt so nämlich deutlich an. Im Vergleich zu anderen Ländern würden sich die Waren der Währungsunion vergünstigen. Die abnehmenden Volkswirtschaften würden schließlich durch ihre Währung mehr Euro erwerben können und somit würden die europäischen Exporte im Vergleich zu anderen günstiger sein.

Dies sorgt in der Regel dafür, dass die Konjunktur etwas anzieht. Außerdem wird auch der Binnenmarkt für die Verbraucher der Eurozone interessanter. Waren aus dem Ausland verteuern sich nämlich aufgrund eines schwachen Euros. Das macht die heimische Produktion auch im Inland attraktiver. Insgesamt kann ein schwacher Euro deswegen im Optimalfall die lahmende Volkswirtschaft wieder in Schwung bringen.

Als einer der Hauptprofiteure gilt dabei Deutschland. Rund jeder fünfte Arbeitsplatz der Wirtschaft hängt vom Export ab. Viele Unternehmen sind auf globale Verkäufe angewiesen. Und auch Länder, die sich in einer wirtschaftlichen Schieflage befinden, könnten vom schwachen Euro besonders profitieren. Italiens Schuhproduktion und Portugals Textilindustrie könnten zu den großen Gewinnern gehören, da diese mit Erzeugnissen aus Billiglohn-Ländern in Konkurrenz stehen.

Der größte Vorteil – falls die Strategie der EZB aufgeht, ist jedoch fraglos das Abwenden einer möglichen Deflation und somit letztlich auch eine Stabilisierung des Euros. Auch wenn dies auf den ersten Blick anders aussieht, sollen Anleihenkäufe und Leitzinssenkungen den Euro letztlich stabilisieren und nicht schwächen.

Nachteile eines schwachen Euros

Allerdings hat ein schwacher Euro durchaus auch Nachteile für die Euro-Region. Durch die günstigere Währung verteuern sich Importe aus dem Ausland deutlich.

Leidtragende sind vor allem die Unternehmen, die ihre Gewinne hauptsächlich innerhalb der Währungsunion erwirtschaften, für die Produktion ihrer Waren jedoch Rohwaren aus dem Ausland benötigen. Für sie verteuert sich die Produktion deutlich und auch bei exportierenden Ländern kann sich bei importlastigen Waren der positive Effekt häufig nicht einstellen.

Betroffen sind Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen bei den Rohstoffpreisen. Gerade Benzin verteuert sich dadurch, dass Öl traditionell in US-Dollar abgerechnet werden muss. Vor allem Unternehmen mit energieintensiven Produktion können hierunter beträchtlich leiden.

Welche Auswirkungen hat der schwache Euro auf die Aktienanlage?

Bei der Aktienanlage ergibt sich durch den schwachen Euro in den meisten Portfolios ein deutlicher Nachteil. Wer sein Kapital gut gestreut hat und ausländische Aktien dafür nutzt, wird in der Regel durch die Abwertung des Euros mit voller Wucht vom Wechselkursrisiko getroffen. Dies ist bei Aktien aus vielen Ländern in den letzten Jahren der Fall gewesen. Als Beispiel soll jedoch eine Rechnung in US-Dollar dienen:

Angenommen ein Anleger hat Aktien eines fiktiven US-amerikanischen Unternehmens zu einem Kurs von 200 Dollar erworben. Er hat die Order zu einem Wechselkurs von EUR/USD von 1.30 getätigt. Sie hat ihm damit nur 153,84 Euro gekostet. Sinkt jetzt der Wechselkurs auf EUR/USD 1.20 und er würde die Aktei bei gleichbleibendem Kurs verkaufen, würde er dafür 166,66 Euro erhalten. Dies wirkt zwar so, als hätte er einen Gewinn gemacht. Letztlich ist es jedoch nur die Tatsache, dass seine Währung nun weniger US-Dollar wert ist, die diesen Scheingewinn ermöglicht. Würde er die gleiche Aktie nun erneut kaufen wollen, müsste er nicht mehr nur 153,84 Euro zahlen, sondern 166,66 Euro – und das, obwohl die Aktie sich im Wert nicht verändert hat.

Diese Rechnung soll jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass es natürlich durchaus möglich ist, auch bei der Aktienanlage von Währungsschwankungen zu profitieren. Dies wäre beispielsweise dann möglich, wenn der Euro wieder sein altes Niveau erreicht. Dann könnte der Anleger mit 166,66 Euro prinzipiell mehr Aktien kaufen als mit ursprünglich 153,84 Euro – vorausgesetzt der Kurs ändert sich nicht. Sinkt der Euro hingegen grundsätzlich und erholt sich nicht wieder, müssen Anleger im Ausland mit einem Kaufkraftverlust rechnen.

Dennoch müssen Anleger auch die schwächelnde Gemeinschaftswährung einkalkulieren, wenn sie Investitionen tätigen, und dürfen sich über vermeintliche Wertsteigerungen nicht zu früh freuen. Stattdessen sollten sie immer im Blick haben, in welchen Wirtschaftsräumen die jeweilige Aktiengesellschaft am aktivsten ist. Unter den Währungsschwankungen können diese nämlich leiden, was sich auf die Gesamtbewertung des Konzerns deutlich auswirken kann.

So nutzen Privatanleger den schwachen Euro

Privatanleger können auf unterschiedliche Weise davon profitieren, dass der Euro derzeit eine Schwäche-Phase durchlebt. So sind derzeit vor allem Unternehmen Profiteure, die auf dem Weltmarkt sehr aktiv sind und auch vom Export aus der Euro-Zone heraus leben. Ein Paradebeispiel für derartige Konzerne sind die meisten DAX-Konzerne, die sich durch ihre Exportstärke auszeichnen. Besonderen Vorteil haben Firmen, die Rechnungen und Gehälter in Euro begleichen, ihre Waren aber in Dollar abrechnen können. Klassische Beispiele hierfür sind beispielsweise viele Autohersteller, aber auch Airbus oder Anbieter von Solarenergie.

Wer Angst davor hat, dass der Euro weiterhin fallen wird, sollte dies auch in seinem Portfolio sichtbar machen. Als guter Mix sollten natürlich dennoch DAX-Werte erhalten bleiben, eine etwas stärkere Konzentrierung auf Aktiengesellschaften aus anderen Ländern stellt in diesem Fall jedoch eine gute Strategie dar. Hier können Anleger sich austoben und Aktien aus den USA, Kanada und Australien genauso ins Portfolio nehmen wie Wertpapiere aus dem asiatischen, südamerikanischen oder sogar afrikanischen Raum. Nicht vergessen werden sollten dabei auch die Eidgenossen, die immerhin seit der Einführung die härteste Währung stellen.

Natürlich lädt der schwache Euro darüber hinaus zu Währungsspekulationen geradezu ein. Dies ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn der Anleger davon ausgeht, dass sich der Euro mittelfristig wieder erholen wird. Ist dies der Fall, stehen verschiedene Finanzprodukte zur Verfügung, die eine Finanzwette ermöglichen:

  • Fremdwährungskonto
  • Forex
  • Binäre Optionen
  • Währungsoptionsscheine
  • Futures

Allerdings sollten sich Privatanleger hierbei darüber im Klaren sein, dass es sich größtenteils um sehr spekulative Anlageformen handelt. Die Kursentwicklung sicher vorauszusehen, ist selbst für Experten nicht möglich. Sämtliche Anlageprodukte können allerdings auch konservativ genutzt werden, wenn sie vor allem der Absicherung dienen und nicht unbedingt eine Rendite erzielen müssen. Hier eignen sich gerade die Derivate aufgrund der Hebelwirkung gut.

Fazit:

Der schwache Euro ist eine Folge des dauernden Wertverfalls des Euros gegenüber der Weltwährung US-Dollar. Gründe dafür sind vor allem in der Geldpolitik der EZB und dem Vertrauensverlust gegenüber dem Euro zu sehen. Privatanleger können den schwachen Euro trotz zahlreicher Nachteile bei der Geldanlage dennoch gezielt nutzen. Wer mit Währungen spekulieren möchte, sollte dies jedoch nur mit Bedacht und ausreichendem Risikomanagement überhaupt in Betracht ziehen.

  • Finden Sie den günstigsten Anbieter für Forexbroking:

    Ø-Volumen pro Trade:
    Euro
    Trades pro Monat:
    Basiswert:
  • Top 5 Aktien Broker